An meine Mutter - Eduard Mörike

An meine Mutter

Siehe, von allen den Liedern nicht eines gilt dir, o Mutter!
Dich zu preisen, o glaub's, bin ich zu arm und zu reich.
Ein noch ungesungenes Lied ruhst du mir im Busen,
Keinem vernehmbar sonst, mich nur zu trösten bestimmt,
Wenn sich das Herz unmutig der Welt abwendet und einsam
Seines himmlischen Teils bleibenden Frieden bedenkt.

Lob der Mutter - Johannes Trojan

Lob der Mutter

Mutter, schallt es immerfort
und fast ohne Pause.
Mutter hier du Mutter dort
in dem ganzen Hause.
Überall zugleich zu sein,
ist ihr nicht gegeben..
Sonst wohl hätte sie, ich mein,
ein bequemes Leben.
Jedes ruft, und auf der Stell
will sein Recht es kriegen.
Und sie kann doch nicht so schnell
wie die Schwalben fliegen!
Ich fürwahr bewundre sie,
dass sie noch kann lachen.
Was allein hat sie für Müh,
alle satt zu machen!
Kann nicht einen Augenblick
sich zu ruhn erlauben.
Und das hält sie gar für Glück!
Sollte man es glauben?

Mutterliebe.

Mutterliebe.

Wie bist Du blühend schön und hold,
Die Augen blau, die Flechten gold,
Dein weiches, liebliches Gesicht
Ein frommes, rührendes Gedicht!

 

Wie bist Du keusch und engelrein,

Gleich einem milden Strahlenschein;
Der Unschuld Zauber Dich umfließt,
Dein ganzes Wesen übergießt.....

Schau' ich dich wieder über's Jahr,

Bist Du des süßen Zaubers bar –

Heut' zählt ja Deine Mutter schon
Für Zukunftsschmach erfeilschten Lohn!

An meine Mutter - Annette von Droste-Hülshoff

An meine Mutter

So gern hätt‘ ich ein schönes Lied gemacht,
Von deiner Liebe, deiner treuen Weise,
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt‘ ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten rollten drüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
vom einfach ungeschmückten Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin;
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

 

Mutterns Hände - Kurt Tucholsky

Hast uns Stulln jeschnittenMutterns Hände

un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht

un jemacht und jedreht...

alles mit deine Hände.


Hast de Milch zujedeckt,
uns Bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –

hast die Hemden jezählt

und Kartoffeln jeschält...
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal

auch n Katzenkopp jejeben.

Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben...
Alles mit deine Hände.

 

Heiß warn se un kalt.

Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.

Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir

und streicheln deine Hände.

 

Bitte nur bei Müttern verwenden, die auch ein wenig Sinn für Ironie haben. Tucholsky ist nicht Jedermanns Sache... ;-)

Chickengeorge, am 27.02.2011
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Bildquelle:
Heimo Cörlin (Frohes Fest: Texte für Weihnachtskarten)

Autor seit 4 Jahren
11 Seiten
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