Stress, Umweltbelastung und einseitige Ernährung werden als Hauptfaktoren für Avitaminosen genannt, deren Folgen sich angeblich durch NEM ausgleichen lassen.

Dem Stress und der Umweltbelastung sind alle Menschen ausgesetzt und es bleibt fraglich, ob sich deren Folgen durch Vitamingaben etc. eliminieren lassen. Dennoch, eine klug gewählte Aussage der NEM Berater (besser Verkäufer), mit der sich fast alle Menschen zu Kunden machen lassen. Der verbleibende "kleine Rest" der Menschheit wird mit dem Stichwort "einseitige Ernährung" verunsichert und gehört nun ebenfalls zum potentiellen Klientel.

Sind Nahrungsergänzungsmittel (NEM) notwendig?

Nach Untersuchungen zur allgemeinen Ernährungslage in Deutschland sind NEM nicht notwendig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat den Nährstoffgehalt dreier Lebensmittel in den letzten 50 Jahren verglichen. Demnach enthalten Orangen heute genauso viel Vitamin C wie vor 50 Jahren. Das gleiche gilt für Kartoffeln. Nur bei Äpfeln schwanken die Werte über die Jahre hinweg. Allerdings soll das jahreszeitlich bedingt sein, und ist somit kein Anzeichen für generellen Verlust an Nährstoffen. Lebensmittelchemiker der Universität Kaiserslautern haben die Hypothese vom angeblichen Nährstoffmangel untersucht und ebenfalls keinen Hinweis gefunden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Personen, die sich normal ernähren, für überflüssig. Bei normaler Ernährung erhält der Körper alle Nährstoffe die er braucht. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise könne nicht durch den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.

Schäden durch Vitaminpräparate

Untersuchungen weisen darauf hin, dass Vitaminpräparate oft eher schaden als nützen. Besser als durch Pillen ist man mit Gemüse und Obst versorgt. Der Vitamin-Euphorie wurde bereits 1994 ein Dämpfer verpasst. Da wurde eine finnische Studie an der mehr als 29 000 Rauchern teilnahmen, durchgeführt. Sie sollte zeigen, ob Betacarotin, eine Vorstufe des Vitamins A, Raucher vor Lungenkrebs schützt. Erwartet wurde eine positive Wirkung, heraus kam das Gegenteil: Die Häufigkeit von Lungenkrebs stieg in der Gruppe, die mit Betacarotin behandelt wurde, um 18 Prozent an. 1996 wurde aus gleichen Gründen eine amerikanische Studie abgebrochen, bei der die Häufigkeit des Lungenkrebses sogar 28% betrug.

Ähnliches zeigt sich beim Vitamin E, dass von "Ernährungsberatern" oft in hohen Dosen angeraten wird, die die Zellen vor schädlichen freien Radikalen zu schützen und vor Herz- und Kreislauferkrankungen bewahren sollen.  Gegen Entzündungen, Alterungsprozesse, Nervenleiden und vieles mehr gilt Vitamin E in hochdosierter Form als Allheilmittel. Dr. Edgar Miller von der Johns-Hopkins-Universität, Baltimore, räumt mit diesen Vorstellungen auf. In 19 Studien mit insgesamt 137.967 Teilnehmern wurde ermittelt, welchen Einfluß eine hohe Vitamin E-Dosierungen auf das Sterberisiko haben. Die Beobachtungszeit lag zwischen 1,4 und 8,2 Jahren. Die Patienten hatten täglich zwischen 16,5 und 2000 i.E. Vitamin E eingenommen. Das Ergebnis erschreckend, denn schon ab einer Tagesdosis von 200 i.E. nahm die Sterblichkeit zu. Quelle

Selen steht im Verdacht Diabetes auszulösen, vom Zink kann als erwiesen angenommen werden, dass es gegen Erkältungskrankheiten ebenso unwirksam ist wie beispielsweise Vitamin C.

Darüber existieren weitere Kritiken, die in der Zeitschrift "Schweizerfamilie" überzeugend und gut lesbar dargestellt werden. 

30 Millionen Euro Umsatz im Jahr mit Kindern

Gummibärchen mit Vitaminen, bunte Kapseln mit Fischöl und Mineralstofftabletten mit lustigem Blütengesicht: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder sind bei vielen Eltern beliebt. Rund 30 Millionen Euro geben die Deutschen im Jahr dafür aus, schätzen Experten. Es sind vor allem vermögende, gut gebildete Eltern, die das Wohlbefinden ihrer Kinder mit Sirup, Säften, Kautabletten oder Pillen verbessern wollen. Doch der Wunsch erfüllt sich nicht. Die Stiftung Warentest hat 23 Nahrungsergänzungsmittel für Kinder untersucht. Ergebnis: Die meisten Fitmacher sind überdosiert. Sie sind bestenfalls überflüssig und können sogar schaden.

Quelle: Stiftung Warentest

Von Giften und Gegengiften

Schlangengift kann tödlich sein und das Gegenmittel rettet Leben. Welchen Sinn kann es da machen weiterhin Schlangengift zu konsumieren und zusätzlich ein Gegenmittel zu schlucken?

Unter der Voraussetzung, dass Umweltfaktoren, Stress und Fehlernährung tatsächlich einen "Vitalstoffmangel" verursachen, können NEM somit nur die Rolle des "Gegengiftes", also die der Ersten Hilfe einnehmen. Danach sollten, um dauerhafte Schäden zu vermeiden, Verursacher ausgeschaltet werden.

Statt immer und immer wieder Vitamine, Spurenelemente & Co in Pulver- oder Tablettenform zu verkaufen, dürfte es sinnvoller sein von deren Anbietern knackfrisches Gemüse und taufrisches Obst angeboten zu bekommen. Dazu könnten Kochkurse kommen, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen.

Dieser Vorschlag wird wahrscheinlich nicht auf Gegenliebe stoßen, da er nur mit erheblichem Arbeitsaufwand bei deutlich geringeren Gewinnmargen realisierbar sein wird.

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Klaus_Radloff, am 21.09.2010

Kommentare


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ultimapalabra am 10.06.2011
Super Artikel! Ich möchte das Zeug in meinem Essen auch nicht haben. Leider werden weltweit immer mehr Lebensmittel zwangsangereichert, z. B. Mehl mit Fohlsäure und Eisen, Milch mit Vitamin A etc. Ich hoffe, das setzt sich in Europa nicht durch.
Gast am 31.12.2010
Das sollten wir uns wirklich bewusster werden lassen! Sich mehr auf natürliche Hilfen helfen lassen, als gleich zum Arzt rennen und sich Medis verschreiben lassen. Gruss Rene
Klaus_Radloff am 01.12.2010
Hallo Janedoe Danke für Deinen Kommentar und deinem Zutrauen an meine Kompetenz. Du hast recht, die Informationen bzgl. der NEM widersprechen sich. Ich behaupte, dass wir Nahrungsergänzungsstoffe nicht benötigen, und werde deshalb von vielen meiner amerikanischen Nachbarn und ihren europäischen Nachahmern bezweifelt. Nicht nur in dieser Hinsicht „liebe“ ich Udo Pollmer, der außer seinen ureigenenen Interessen von kommerziellen Bestrebungen absolut „unbefleckt“ ist. (Zitat Polmer: „Kritisches wird unterdrückt!" Einem fundiert kritischen Artikel stehen sechs „Lobpreisungen“ gegenüber. Stichwort „Orthomolekulare Medizin“: Linus Pauling ist der Stammvater der orthomolekularen Medizin (OM). 1954 bekam er, zusammen mit zwei anderen Forschern den Nobelpreis für Chemie. Thema war nicht die OM, sondern die Struktur von Biomolekülen. Er fand u. a. in den roten Blutkörperchen von an Sichelzellenanämie Erkrankten eine veränderte Hämoglobinform. Sein zweiter Nobelpreis war der Friedensnobelpreis des Jahres 1962. Thema: „Engagement gegen die Verbreitung von Atomwaffen und gegen oberirdische Atomversuche“. Von orthomolekularer Medizin war bis dahin in seinerwissenschaftrliochen Vorgeschicte nicht die Rede. Das scheint mir eines seiner Hobbys gewesen zu sein. Mit der Behauptung mit Megadosen Vitamin C u. a. auch Krebs heilen zu können, hatte er m. E. wegen seiner vorhergegangenen, wissenschaftlich hervorragenden Leistungen Vertrauenswürdigkeit erworben. Tatsächlich verstarb seine, an Krebs erkrankte Frau Ende 1979, nach 9 Jahren Krankheit, daran. Er selbst soll 1994 an den Folgen seines Prostatakarzinoms verstorben sein. Wegen dieser Zuzsammenhänge erscheint mir die OM nicht glaubhaft. Mit gaanz vielen Grüßen Klaus
janedoe am 30.11.2010
Hallo Klaus, vielen Dank für deinen informativen Beitrag, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich bin kein Freund von NEMs, und habe mich quer durch verschiedene Literatur gelesen. Leider finde ich die meisten Aussagen zu Vitaminen und Mineralstoffen im allgemeinen und Nahrungsergänzungsmitteln im besonderen ziemlich widersprüchlich. Ich finde die Bücher und Berichte von Udo Pollmer sehr informativ. Ich denke, dass der "Durchschnittsmensch" (so es ihn überhaupt gibt) in Westeuropa, sofern er sich halbwegs vernünftig ernährt, keinerlei Nahrungsergänzungsmittel braucht, da - wie es bereits in den Kommentaren erwähnt wurde - es selbst bei Fast Food Ernährung kaum zu Mangelerscheinungen kommen dürfte, da den meisten Lebensmitteln (Fertigprodukte!) Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt werden. Andererseits scheint gerade das Gebiet der Vitamine und Mineralstoffe noch nicht ausreichend erforscht zu sein, vor allem was die Wechselwirkungen im menschlichen Körper betrifft, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der biochemischen Individualität, d.h. des unterschiedlichen Bedarfs an Vitaminen und Mineralstoffen jedes einzelnen Menschen plus des unterschiedlichen Bedarfs des einzelnen Menschen je nach Situation (Gesundheit, Stress, Krankheit etc.). Ich bin mir zwar nicht sicher, ob hier der richtige Platz dafür ist, aber da du über entsprechendes Fachwissen verfügst, habe ich ein paar Fragen an dich: Gibt es tatsächlich Qualitätsunterschiede zwischen den NEMs aus Supermarkt/Drogerie und denen aus der Apotheke? (Oder schlagen die Apotheken einfach nur nochmals 100% auf den Preis auf?) Wie stehst du zur Supplementierung im Leistungs- und Hochleistungssport? Was hältst du von der orthomolekularen Medizin (z.B. nach Linus Pauling)? Viele Grüße. janedoe
Klaus_Radloff am 28.09.2010
Hallo Susi Danke für Ihren Beitrag und um es vorwegzunehmen, in einer Beziehung sind wir uns total einig: "Was ist normales Essen?" Leider gibt die von Ihnen erwähnte Studie zwar Auskunft über den Umstand, dass sich jeder 7. ungesund ernährt., nicht aber darüber wie gesunde Ernährung aussehen sollte. (So wurde beispielsweise im Mittelalter kein Obst gegessen, weil man Fäulnis fürchtete und Eskimos essen auch kein Obst.) Was die Belastung der Umwelt betrifft bin ich der Meinung, dass hier - an der Umwelt - Veränderungen erfolgen müssen und schädliche Umwelteinflüsse nicht durch NEM ausgeglichen werden können. Die "Ausleitung von Schwermetallen" ist dabei ein unbelegtes Thema. Dennoch freue ich mich aufrichtig, dass es Ihnen wieder gut geht. MfG Klaus Radloff
susivital am 28.09.2010
Hallo Herr Radloff, in einigen Punkten bin ich ganz Ihrer Meinung. Zum Beispiel ist es ein unding, alle möglichen Lebensmittel, bzw Süssigkeiten mit Vitaminen aufpeppen zu wollen, damit diese gesund erscheinen. Leider lassen sich viele Täuschen, und glauben das auch noch. Zum anderen handelt es sich um billige, im Labor künstlich hergestellte, isolierte Substanzen, die mit natürlichen Vitaminen nicht mehr viel gemeinsam haben. Da muss nämlich ganz klar unterschieden werden, zwischen künstlich hergestellten, die zurecht kontrovers diskutiert werden, und Produkten, die aus natürlichen Rohstoffen, z.B. auf Algenbasis gewonnen werden. Bei der Masse an künstlich zugesetzten Vitaminen hat doch keiner mehr einen Überblick, wieviel er am Tag so zu sich nimmt. Das das nicht gut sein kann, ist offensichtlich. Zum Thema "normal Essen": Was ist normal Essen? Morgens ein Toast oder Brötchen mit Marmelade, als Zwischenmahlzeit ein Müsliriegel, Mittags eine Currywurst , Nachmittags ein Stück Kuchen und Abends ein Wurstbrot? Kommt leider hin. Laut einer Studie lebt jeder 7. Deutsche ungesund. http://www.express.de/ratgeber/gesundheit/nur-jeder-7--lebt-gesund-/-/2490/4546674/-/index.html Zum Thema mehr Obst und Gemüse muss ich sagen, dass man leider mit dem gesunden Obst auch jede Menge Giftstoffe z.B. in Form von Pestiziden aufnimmt. http://www.wdr.de/radio/wdr2/quintessenz/546573.phtml Leider ist gesund heute gar nicht so einfach, weil wir immer noch mehr Umweltbelastungen ausgesetzt sind, die wir auch oft gar nicht vermeiden können. Da hat der Körper einfach einen erhöhten Bedarf, um Schäden zu vermeiden. Manche Nahrungsergänzungsmittel sind schlichtweg ein Segen, und haben durchaus Ihre Daseinsberechtigung um die Lebensqualität wieder zu verbessern. So habe ich aufgrund jahrelanger Gesundheitsproblemen eine Schwermetallausleitung mit der Chlorella Alge gemacht. Und habe zur Unterstützung diverse andere Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Es hat funktioniert, und ich kann wieder normal leben und habe zwei freche Buben. Vor Jahren konnte ich oftmals nicht mal aufstehen, so schlecht ging es mir. Gruss Susi
Gast am 25.09.2010
naja, ausser Ascorbinsäure nehme ich nur noch tgl. 50mg Zink......auf alles andere kann ich verzichten.
Klaus_Radloff am 22.09.2010
Hallo Uwe und für deine Meinung. vielen Dank. Leider ist es ja sehr schwer via Internet reich zu werden und die "Foodzies" werden für das bisschen verbale Kitzelei auch kein Geld rausrücken. Aber dennoch, sehr aussagekräftig dein Ausspruch: "Ich hatte noch nie Appetit auf eine Vitamintablette." Muss ich mir merken. Danke nochmals viele Grüße Klaus




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