Professionelle eBooks erstellen

von Loriot

Immer mehr freie Autoren versuchen Ihr Glück im eBook-Geschäft – ganz ohne Verlag. Hier ein paar Tipps von einem Insider was dabei zu beachten ist.

Intro

Unabhängigkeit, selbstständig und erfolgreich. Publizieren im Selbstverlag verspricht all dies. Freie Autoren wie die Amerikanerin Amanda Hocking haben es vorgemacht und sind auf diesen Weg reich geworden. So versuchen immer mehr Indies Ihr Glück im eBook-Geschäft – ganz ohne Verlag. Dies gibt Autoren maximale Unabhängigkeit bedeutet aber auch, das die professionelle Umgebung die ein Verlag bietet, in den meisten Fällen entfällt. Und genau da beginnen schon die Probleme.

Ich selbst arbeite als freier Mitarbeiter bei einem Mediendienstleister im Bereich electronic Publishing. Wir übernehmen für teilweise internationale Verlage die Gesamtherstellung von Büchern (z.B. Belletristik, aufwändige Bildbände, Kochbücher etc. ) und im zweiten Schritt die Umwandlung der Daten in eBooks. So haben wir in den letzten Jahren einige hundert eBooks bei den üblichen Verdächtigen wie iBook-Store, Amazon, Libri und Co. untergebracht mit teilweise beachtlichen Erfolg.

Das Problem mit Word, Calibre und Co.

Als "Insider" kann ich schonmal eins vorwegnehmen: Bei professionellen Dienstleistern wird ein imenser Aufwand betrieben, schöne Bücher und eBooks herzustellen. Das fängt beim Lektorat an, geht über Layouter, Grafiker und Bildbearbeiter und endet dann ... bei mir – dem eBookSpezi :)

Das viele freie Autoren diesen Aufwand und die damit verbunden Kosten scheuen ist nachvollziehbar kann aber auch schnell das Ende des heraufziehenden eBook-Booms bedeuten. Wenn die Autoren mit Word statt mit Indesign oder Quark schreiben und formatieren, dann mit open-scoure Programmen wie Calibe eine eBook-Konvertierung durchführen und schnell noch ein selbst erstelltes Cover (am besten vom Sohn, Kollegen, Freund der ein bischen Photoshop kann) einfügen, kommt eben bestenfalls nur Durchschnittsware dabei herraus.
So werden die entsprechenden Vertriebskanäle in einiger Zeit verstopft sein durch Produkte die kein Leser haben will. So könnten sich die Indies Ihr eigenes Grab schaufeln indem sie den Markt schlichtweg mit Billigware erschlagen. Damit es nicht soweit kommt, hier ein paar Informationen, Tipps und Tricks für die Indie-Autoren da draußen.

Aufbau des eBooks

Folgendes Schema hat sich aus meiner Sicht sehr bewährt und ist vor allem bei Belletristik gut anwendbar ...

1. Seite: Cover

2. Seite: Über das Buch / Über den Autoren

3. Seite: Titelseite

4. Seite: Impressum

5. Seite: Widmung/Zitat/Intro etc.

6. Seite: Inhaltsverzeichnis

7. Seite: 1. Kapitel/Prolog

....

xxx. Seite: letztes Kapitel/Epilog

xxx. Seite: Anhang/Endnoten etc.

xxx. Seite: Danksagungen etc.

 

Seite 2 (Über das Buch / Über den Autoren) sollte man nutzen, um sich selbst vorzustellen und das Buch kurz zusammenzufassen. Die kurze Zusammenfassung kann man schließend gut als Beschreibung bei Amazon und Co. verwenden.

Ein Inhaltsverzeichnis ist Pflicht! Das eBook hat kann nicht so schnell mal in der Mitte aufgeschlagen werden wie ein physiches Buch. Außerdem sind Funktionen wie ein verlinktes Inhaltsverzeichnis doch genau die große Stärke des eBooks. Also nutzen! Widmung, Anhang, Danksagungen und ähnliches sind natürlich optional.

Beispiele für Struktur, Formatierung und Layout

Beispiel für Inhalt und Strukur eines eBooksCover im Apple iBooks
BeispielformatierungBeispielformatierung

Layout, Textformatierung und Bilder

Hier kann ich nur empfehlen, mal einen Blick ins Bücherregal zu werfen. Man sollte sich hier wirklich mal die Zeit nehmen und mehere Bücher in Hinsicht auf Formatierung und Layout unter die Lupe nehmen – wie machen es die Profis? Ich habe hier mal versucht, den folgenden Textabschnitt beispielhaft zu formatieren. Wobei die Art der Formatierung auf Webseiten zugegebenermaßen etwas ungewöhlich wirkt.

 

Textabschnitte, Absätze, Einzüge und Listen

Textabschnitte werden sogut wie immer in einer Serifenschrift z.B. Times New Roman gesetzt. So sind auch lange Abschnitte gut lesbar. Zwischen zwei Textabschnitte kommt immer eine Leerzeile wenn ein Zeitsprung, Ortswechsel oder Themenwechsel vorliegt.
    Sehr schön und gut zu lesen ist, wenn die erste Zeilen bei Absätzen etwas eingerückt werden. Das Auge kann dadurch die Absätze leichter erkennen, ohne dass der Lesefluss unterbrochen wird.
    Der erste Absatz nach einer Überschrift, nach einer Leerzeile oder sonstigen Einschüben z.B. Listen, Bildern, Tabellen oder Kästen beginnt stumpf also ohne Einzug.

Bei Aufzählungen und Listen sollte man unbedingt die Listenfunktion im entsprechenden Schreibprogramm nutzen. Nur "echte" Listen werden im eBook auch als solche erkannt und ansprechend auf Readern wie iPad und Co. dargestellt.
   Einem normalen Absatz eine Grafik (z.B. einen Punkt) vorranzusetzen um eine Liste zu "simulieren" ist ein No-Go!

Nochmal ein Tipp zu den eingesetzten Schriften: Nutzen Sie am Besten nur Times und Arial für Ihr Buch. Dies Schriften sind auf allen gängigen Reader vorinstalliert. Zwar können Schriften z.B. im ePub-Format auch eingebunden werden aber hier stellt sich dann oft die Lizenzfrage.

 

Überschriften und Abstände

Überschriften erhalten in der Regel nach oben einen Abstand von zwei bis drei Zeilen. Der Abstand zum ersten Absatz nach der Überschrift beträgt eine Zeile.
    Nutzen Sie bei Überschriften am besten eine serifenlose Schrift wie Arial. So grenzen Sie Überschriften (unabhängig von der Schriftgröße) deutlich vom Text ab.

Tipp: Unterstreichen Sie Ihre Überschriften nicht! Erhöhen Sie meinetwegen die Schriftgröße, stellen Sie auf Bold und oder zentrieren Sie die Überschriften. Unterstrichene Überschiften sind einfach ... irgentwie 5. Klasseniveau :)

 

Bildmaterial

Das Thema Urheberecht bei Bildern spar ich mir mal an dieser Stelle. Viel wichtiger ist die Qualität des Bildmaterials. Nutzen Sie nur:

  • Bilder die ausreichend aufgelöst sind (mind. 150 dpi),
  • Bilder die scharf sind und genug Kontrast besitzen
  • Bilder die auf deutsch einfach was hermachen.

Bei Bildern mit Text z.B. Grafiken, Schemas und Charts achten Sie besonders auf die Auflösung. Hier sollten schon um die 300dpi vorliegen damit die Schrift scharf und für den Leser gut erkennbar ist.

Lektorat, Cover- und eBook-Erstellung

Spätestens an diesem Punkt würde ich allen Indie-Autoren raten, sich an professionelle Dienstleister zu wenden. Am falschem Ende zu sparen kann sich hier böse rächen. Schon eine negative Rezension der Art "Ist alles voller Rechtschreibfehler und falscher Absatzformatierung. Hände weg!" im iBook-Store oder bei Amazon kann viele Leser verschrecken. Ich selbst habe meinen eigenen Rat nicht befolgt, Rechtschreibfehler können in diesem Artikel also durchaus mal vorkommen ^^

Zum Cover: In allen relevanten eBook-Vertriebskanälen werden eBooks anhand des Covers aufgelistet und vorgestellt. Hier entscheidet sich der potentielle Leser ob er mal einen Blick "riskiert" oder weiter sucht. Das Cover muss den Leser überzeugen! Man sollte sich hier einen professionellen Grafiker suchen der einem ein genre-typisches Cover erstellt. Das heisst, hat man einen Thriller geschrieben, sollte das Cover auch durchaus ein wenig Spannung ausstrahlen.

Bei der Umwandlung in ein eBook stellt sich sofort die Format-Frage. Mein Rat: Lassen Sie Ihr Dokument professionell in ein ePub konvertieren. Nur so hat man die Möglichkeit auch in den iBook-Store zu gelangen da Apple nur ePub akzeptiert. Ein weiterer Vorteil ist, das bei Amazon inzwischen auch ePub-Daten eingereicht werden können. Amazon wandelt diese dann automatisch in das Kindle-Format um.

Meine grundsätzliche Meinung zu den eBook-Formaten: ePub kann weit mehr als das von Amazon bevorzugte Format Kindle/Mobipocket. Der ePub-Standard gibt einfach mehr her, eingebundene Schriften, Tabellen, verschachtelte Liste, Bilder, Integration von Audio und Video und und und ... bei ePub kein Problem bei Kindle oft sehr sehr umständlich oder teilweise gar nicht machbar. Vor allem der neue ePub-Standard 3.0 (Stichwort HTML 5 und CSS 3) wird noch deutlicher zeigen, das Amazon/Kindle der Entwicklung deutlich hinterher laufen.

Für die professionelle eBook Erstellung können man sich z.B. an www.epub-ebooks.de wenden. Wer noch einen Vertriebspartner sucht, der das fertige eBook dann in die Shops (iBookstore, Amazon etc.) "bugsiert", könnte hier mal kucken.

Loriot, am 10.08.2011
 
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Kommentare


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barricade2_0 am 11.01.2012

Hi! Vielen Dank für den hilfreichen Artikel. Ich schreibe selbst viel und denke darüber nach irgendwann wohl eher später als früher eine meiner Geschichten als E-Book herauszubringen. Die oben genannten Tipps sind super und man lernt viel in einem kompakten Artikel.
Würde mich sehr über weitere Tipps und Tricks freuen :)
lg

Loriot am 11.08.2011

Gerne! Ich denke ich werden den Artikel wenn ich Zeit finde auch noch ein wenig ausbauen. Je länger ich drüber nachdenke desto mehr fällt mir noch ein zu dem Thema :) Viel Glück mit dem Projekt!

Gast am 11.08.2011

Danke für die hilfreichen Tipps, mein erstes E-book, sollte es mal eines werden, liegt bei meiner Lektorin ;)
LG

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