Fürst Pückler führte ein rastloses Leben

Als Hermann Fürst von Pückler am 30. Oktober 1785 im Schloss Muskau das Licht der Welt erblickte, war seine Mutter gerade mal 15 Jahre alt. Schon seine Kindheit verlief turbulent, weil seine Mutter ihn eher als Spielzeug betrachtete und mit der Erziehung überfordert war. Bereits als Siebenjähriger wurde er in eine Erziehungsanstalt gegeben, besuchte weiterhin verschiedene Bildungseinrichtungen bis hin zu einem Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig, welches er jedoch nicht abschloss. Vielmehr frönte er Freunden des Studentenlebens und stürzte sich dabei immer mehr in Schulden. Im Jahre 1803 wurde er Mitglied des berühmten Dresdner Reiterregiments, welches er bereits ein Jahr später wieder verließ, um sich auf eine mehrjährige Wanderung durch die Alpen, nach Frankreich und Italien zu begeben. Nicht zuletzt war diese Entscheidung eine Flucht vor der immer zahlreicher werdenden Schar an Gläubigern. Nach dem Tod seines Vaters wurde er im Alter von 26 Jahren Standherr von Muskau und Erbherr von Branitz. Er begann an einer Vision der Schaffung eines einzigartigen Landschaftsparks in Muskaus zu arbeiten.

Fürst Pückler baut sich in Muskau ein Paradies

Um seinen Traum von einem kunstvollen Park finanziell verwirklichen zu können, ging er zunächst auf Brautschau und heiratete 1817 die neun Jahre ältere Lucie von Hardenberg. Lucie teilte seine Leidenschaft zum Gartenbau und obwohl es keine Liebesheirat war, blieben beide doch den Rest ihres Lebens liebevoll verbunden. Als auch Lucies Vermögen verbraucht war, ließen sich beide pro Forma scheiden, damit Pückler erneut auf Brautschau gehen konnte. Er reiste 1826 durch England, fand zwar nicht die erhoffte Braut, brachte aber viele neue Impressionen mit, die sich später in seinen Parkgestaltungen wiederfinden. Von 1834 bis 1840 bereiste er den Orient und schrieb die ganze Zeit über fast täglich Briefe an seine Lucie. Lucie sorgte dafür, dass seine Reiseberichte veröffentlicht wurden. Die Erträge daraus waren aber nicht hoch genug, so dass Pückler seinen Lebenswandel und die kostspielige Parkgestaltung nicht weiter finanzieren konnte und somit gezwungen war, Schloss und Park Muskau 1845 zu verkaufen. Allerdings erlangte Pückler durch die Veröffentlichungen seiner Briefe und später seiner Reisetagebücher Ruhm als Schriftsteller, was seine Zeitgenossen Goethe und Heinrich Heine zu würdigen wussten.

Fürst Pücklers Pleite als Geburtsstunde von Park Branitz

Der Verkauf von Muskau stürzte Pückler und vor allem seine Frau Lucie in ein tiefes Loch. Pückler hatte zwar weiterhin Aufträge zur Gestaltung von Gärten in Deutschland, fand es aber unerträglich, ohne Eigentum zu leben. Er steckte zunächst seine ganze Kraft in die Gestaltung des Babelsberger Parks, während Lucies Gedanken  immer stärker um den Besitz der Pücklers in Branitz kreisten. Pückler hielt zunächst überhaupt nichts davon und ging wieder einmal auf Reisen, um auf andere Gedanken zu kommen. Dabei bekam er neue Inspiration und begann als 61jähriger, sich in Branitz bei Cottbus einen Alterssitz zu schaffen. Gartenfachleute hielten es für undenkbar, in dieser Sandwüste auch nur den Ansatz eines Parks zu schaffen. Davon angestachelt und mit der Absicht, seine Lucie zu erfreuen, schuf er innerhalb weniger Jahre aus einer kargen Landschaft ein Kleinod mit von Teichen und Wasserläufen unterbrochenen weithin grünen Wiesen, die über gewundene Pfade immer wieder zu überraschenden Ausblicken führen.

Parkimpressionen Branitzer Park

Torhaus am Eingang des Branitzer Parks

Alles über die Gestaltung des Branitzer Parks
Fürst Pückler in Branitz

Fürst Pückler in Branitz

Der Fürst als Gärtner: Hermann von Pückler-Muskau und seine Parks in ...

Der Fürst als Gärtner Hermann von Pückler-Muskau und seine Parks in Muskau, Babelsberg und Branitz

Branitz. Fürst Pücklers Park und Schloß

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Zwei Pyramiden als Wahrzeichen des Branitzer Parks

Pückler erschuf sein neues Paradies von 1846-1871 unter großem Aufwand. Er ließ Tonnen von Erdreich bewegen, um aus unfruchtbarem Boden eine grüne Oase zu gestalten. Er erfand einen Langbaumwagen, um ältere Bäume pflanzen zu können, da er noch zu Lebzeiten seinen Park genießen wollte und nicht mehr die Zeit hatte, auf junge Anpflanzungen zu warten. Außerdem fand vieles, was Pückler auf seinen zahlreichen Weltreisen imponierte, Niederschlag bei der Gestaltung seines Alterswerkes. So ließ er 1856/1857 nach dem Vorbild königlicher Grabmale eine 15 Meter hohe Pyramide in einem eigens dafür ausgehobenen See errichten, in der tatsächlich seine sterblichen Überreste und die seiner Lucie eingebettet wurden. Später folgte noch eine zweite begehbare Landpyramide. Einen Teil der Landpyramide kann man auch heute noch begehen, nur der oberste Teil ist abgesperrt. Im Winter wird sie heute auch gern von den Kindern zum Schlitten fahren genutzt. Auch im Branitzer Schloss, das bereits 1770-1772 erbaut und 1991 umfangreich renoviert wurde, findet man unzählige Hinweise auf Pücklers ungewöhnliches Leben und seine langjährigen Reiseunternehmungen. Ganz konnte er seinen Park nicht mehr vollenden. Pückler starb 1871, sein Park aber wurde in seinem Sinne von Gartendirektor Bleyer fertig gebaut.

Einzigartige Pyramiden in Europa

Landpyramide

Branitzer Park als Museum und Kulisse für Veranstaltungen

Fürst Pückler findet nicht nur in den historisch gestalteten Wohnräumen im Schloss und in verschiedenen Ausstellungen über sein Leben und Werk besondere Würdigung, sondern auch in dem 2011 ins Leben gerufenen Gartenfestival zu seinen Ehren. Hier wird nicht nur Pücklers Vermächtnis durch den Austausch allerlei gärtnerischen Fachwissens bewahrt, es können auch Gondel- und Kutschfahrten unternommen oder den barocken Klängen im Musikgarten zugehört werden. Außerdem finden alljährlich verschiedene Vorstellungen oder Konzerte des Cottbuser Staatstheaters vor der Kulisse des herrschaftlichen Schlosses statt.

Kulinarische Versorgung findet man in der Gaststätte des Kavalierhauses, das sich zusammen mit Schloss, Gutshof und Marstall in einem sehenswerten Arrangement befindet. Sicher ist auch Pücklereis im Angebot. Für Leckermäulchen bietet die Confiserie felicitas sogar Pyramiden zum Vernaschen und Fürst Pückler als Schokoladenbüste.

Rund ums Schloss Branitz

Schloss Branitz Rückseite

Weiterführende Informationen rund um Park Branitz

http://www.pueckler-museum.de/
Alles zu Park, Schloss und Veranstaltungen

http://www.gartenfestival-branitz.de/

http://www.confiserie-felicitas.de/shop/catalogsearch/res...
Pyramiden und Fürst Pückler aus Schokolade

http://www.cavalierhaus.de/
Geschichte des Hauses und Angebote des Restaurants

Heischu, am 24.08.2012

Kommentare


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MonikaHermeling am 29.08.2012

Ich kannte jemanden, der Zeitzeuge beim Anlegen des Parks war.

Heischu am 27.08.2012

Ich freue mich sehr über den Stern. Vielen Dank. Wer irgendwann mal in der Nähe von Cottbus unterwegs ist, der sollte wirklich einen Abstecher in den Branitzer Park machen!

ultimapalabra am 25.08.2012

Sehr schön, da würde ich sich ja lohnen, mal hinzufahren!
P.S. hat einen Stern verdient, finde ich.
Grüße,
Angela

Merlin am 25.08.2012

Schöner Artikel, gefällt mir sehr gut. Ich mag auch gerne viele Bilder. Damit ist man ein kleines Bischen vor Ort.



Autor seit 2 Jahren
96 Seiten
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