Wie man Rückenverspannungen vermeiden kann.
Kaum sind wir erwachsen, machen wir (fast) alles falsch.
Wie oft musste ich während meines Berufslebens hören:
"Ich hab Rückenweh, ich suche ein neues Bett!"
Um das Thema aufzulockern, entgegnete ich des öfteren:
"Ja wo haben Sie es denn verloren?"
Meist führte diese kleine Konversation zu einem unverkrampften Beginn eines schwierigen Themas unserer Zeit. Fast immer stellte sich heraus, dass Rückenverspannungen und Schlafstörungen zur Suche eines neuen Bettes führten.
Dazu gibt es grundsätzliches zu sagen:
Kaum sind wir erwachsen, müssen unsere Möbel und Einrichtungsgegenstände nichts als bequem und nochmal bequem sein. Angefangen bei Sesseln über Sofas bis Betten, nicht nur Design und Farbe bestimmen unsere Auswahl, immer muss es auch bequem sein. Bequem heisst leider auch in den meisten Fällen weich und kuschelig, da wir überzeugt sind, dass Zuhause, nach einem harten Arbeitstag, als Belohnung die pure Bequemlichkeit auf uns warten sollte. Und genau da, machen wir einen kapitalen Fehler.
Als Kinder schlafen wir ohne weiteres auf dem harten Fussboden ein, was wir gerne als Erwachsene weiter beobachten, wie Kinder zum Schlafen eigentlich gar kein Bettchen brauchen - aber das schieben wir auf die Eigenart Kind zu sein ab. Unsere Betten aber müssen weiche, flexible Roste haben und eine dicke Mit-irgend-mehreren-Zonenlagen-Matratze. So sagt die Werbung und verspricht das Blaue vom Himmel herunter.
So lange wir eine intakte Muskulatur haben, können uns die falschen Versprechungen der Werbung nichts anhaben, weil der Körper anfangs über genug eigene Spannkraft verfügt die Unzulänglichkeiten der Schlafunterlage zu kompensieren. Je länger wir auf solchen Bettsystemen schlafen ist es nicht eine Frage ob, sondern wann der Körper mit unangenehmen Warnsignalen unsere Bebequemlichkeit abrupt enden lässt.
Was ist also wichtig, und auf was sollten wir unbedingt achten:
1.) Der Bettenrost sollte immer starr sein, möglichst ohne Metall.
2.) Die Matratze sollte vorzugsweise aus atmungsaktiven Materialien sein, wie Naturfasern (Wolle, Baumwolle, Kokosfasern, Rosshaar) und Naturlatex. Beim Naturlatex (Gummibaum) ist es aber ausschlaggebend, wie hoch der chemische Aufschäumungsanteil ist - es sollte mindestens 98% Naturlatex sein, da sonst Allergien drohen bei zu hohem Chemie Anteil.
3.) Keine Federn - weder in der Zudecke noch im Kissen!
Dazu ist es hilfreich zu wissen, was sich in inserem Körper abspielt wenn wir schlafen.
In der Tiefschlafphase, ungefähr zwischen 02 - 05 Uhr, verlangsamt unser Herz den Kreislauf um Energie zu sparen. Das Blut fliesst langsamer und die gesamte Körpertemperatur wird hinunter gesetzt. Das wiederum ist für unsere Muskulatur fatal, wenn Muskeln zu kühl werden verspannen sie sich und wir haben alle schon die böse Erfahrung gemacht, wenn wir morgens aufstehen und jeden Knochen einzeln zählen müssen. Dagegen hat die Natur einen simplen Trick eingebaut.
Nennen wir es "das Höhlenbewohner Gen"
Auch wenn wir heute nicht mehr auf einem Höhlenboden schlafen müssen, so hat die Evolution uns die Fähigkeit, es trotzdem zu können, erhalten. Aber wie funktioniert es denn? Es funktioniert, sofort, wenn unsere Schlafunterlage nicht zu weich ist und sich so immer wieder Druck auf die Muskulatur aufbaut bis zu dem Moment, wo der Muskel dem Hirn meldet: dreh dich - ich brauche nun Entspannung.
So kommt eine regelmässige Wankelbewegung in der Tiefschlafphase zustande, die den Muskel daran hindert abzuzukühlen, während der Kreislauf auf Sparflamme arbeitet.
Das kann nur passieren wenn der Bettrost starr ist, damit sich überhaupt der Druck aufbauen kann.
Matratzen gibt es viele gute, leider auch viele, die man meiden sollte:
Da der Mensch in der Nacht bis 2 dl und mehr an Flüssigkeit ausscheidet, sind atmungsaktive Materialien zu bevorzugen, die können einen Klimaausgleich gewährleisten und die Feuchtigkeit an die Luft abgeben. (Ein guter Herrenanzug im Sommer ist aus reiner Schurwolle - Wolle ist die einzige Faser, die Feuchtigkeit sofort an die Luft abgiebt) Deshalb sollte sowohl die Matratze wie auch die Zudecke und das Kissen aus Naturfasern sein, das Kissen kann aber auch mit Wolle /Baumwolle oder Hirseschalen, Dinkelschoten oder Kirschsteine gefüllt sein.
In den Matratzen werden heute oft die Mittelzonen mit Naturlatex oder latextierten Kokosfasern gebaut
Das gibt der Matratze ein stabileres Verhalten, vorallem bei schwereren Menschen, damit sich keine Dellen bilden. Naturlatex hat den entscheidenden Vorteil säureresistent zu sein, kann also nicht vom Schweiss zersetzt werden im Gegensatz zu Schaumstoffen.
Die Lebensdauer der Naturfasern beträgt rund 10 Jahre, so lange sind sie selbst regenerationsfähig.
Jeder von uns kennt auch den so genannten "Schlafzimmer Duft" Wie kommt er zustande und wie kann man ihn vermeiden? - Die Bakterien, die wir nachts ausscheiden, nisten sich in der obersten Schicht der Matratze ein und produzieren diesen eigentümlichen, unangenehmen Geruch.
Dagegen hilft eine regelmässige Betthygiene und - wenn in der Matratze keine synthetischen Materialien und kein Latex ist (Futon oder Rosshaarmatratzen), kann man diese der Sonne aussetzen, der Anteil von Ultra Violet im Sonnenlicht ist bakterientötend, auf der Stelle und sofort :)
Warum keinen Federn?
Für mich gibt es drei Gründe, keine Daunen zu verwenden.
1. Wie die Federn geerntet werden und wie wir beim Tierschutz weg schauen.
2. Wenn wir Daunen kaufen, wissen wir nicht wie "alt" diese sind. Sobald ein Federkiel den Tierkörper verlässt, fängt er an auszutrocknen bis er zu bröseln anfängt während die Feder von der Feuchtigkeit verklumpt und/oder zerfleddert. Die Feder ist von Natur aus so gebaut, dass sie alles, vorallem Feuchtigkeit abstösst und nicht absorbiert. So bildet eine Daunendecke in kürzester Zeit den Käseglocken Effekt - lässt nichts raus und nichts rein. So bildet sich ein Wärmestau, dem man meistens nur entgeht, indem man sich abdeckt und sich zusätzlich eine Muslelerkältung holt.
3. Am Morgen muss die Daunendecke gut geschüttelt werden, weil eben die abgegebene Feuchtigkeit die Federchen verklumpt - und an die zerbröselten Federkiele denkt keiner. Bei Messungen konnte festgestellt werden, dass bei der Schüttlerei mehr Feinstaub enstehen kann, als wenn man hinter einem Diesel LKW die Russpartikel einatmet.
Dagegen kann ich Wolle und Edelhaar empfehlen, die wirken alle klimatisierend, das heisst, im Sommer sind sie kühl und im Winter kuschelwarm. In normal geheizten Wohnungen reicht Schafschurwolle (bis -5°C) vollkommend aus, in kalten Räumen oder in den Bergen empfiehlt sich Edelhaar, wie Kamelhaar oder Kashmir Ziege (bis -12°C)
Nur auf einer Nord- oder Südpol Expedition würde ich Daunenjacken empfehlen.
Da unsere Halswirbel etwas nach innen versetzt sind, können diese nur mit Kissen, die Widerstand leisten, richtig gestützt werden. Dazu eignen sich Hirseschalen und Dinkelschoten besonders. Auch hier reagieren wir auf den Druch und bewegen das Kissen im Schlaf automatisch ohne Aufzuwachen um den Hals immer wieder neu zu stützen.
Und noch ein kleiner Tipp:
Der Mensch sollte mindestens 1 Stunde am Tag am Boden sitzend tun, was er sonst auf Stuhl oder Sofa sitzend tut. Es sind nämlich die "kleinen" Muskeln, die unsere Elastizität und Wohlbefinden erhalten, und die werden am besten aktiviert mit Bodensitzen.
Wir haben alle mal gelernt "anständig" auf dem Stuhl zu sitzen - fatal, denn so können wir stundenlang anständig sitzen! Wenn man aber am Boden sitzt, wird es keine 20 Sekunden dauern, bis man anfängt von einer Pobacke auf die andere zu wechseln, das Bein mal streckt oder auch anzieht . . . . . Fazit: am Boden sind wir dauernd in Bewegung, was unsere Rückenmuskulatur und Bänder aufbaut und geschmeidig hält. Auch ein hilfreicher Nebeneffekt ist, dass wir beim Aufstehen jedes Mal das eigene Gewicht stemmen müssen. Dieses Gesunheitsphänomen lässt sich mühelos bei Völkern mit "Bodenkultur" beobachten und lässt uns staunen, wie Japaner, Inder und andere, mit 90 noch vom Boden aufstehn können.
Bodensitzen kostet nichts, tut nicht weh und nimmt keine Zeit !


Die verpasste Indienreiseam 07.01.2012


Kommentare
Interessanter Aspekt,dass mit auf dem Boden sitzen. Beim genaueren überlegen macht das sogar in meinem Kopf sinn. Sollte man "einfach so" auf dem Boden sitzen? oder kann/sollte man sich auch nen Kissen mit auf dem Boden nehmen? Weil einfach auf dem Laminat sitzen... hmm.. kann mir nicht vorstellen das das optimal ist.
Wenn unter einem Artikel wie meinem, Google Adds erscheinen wie
"Tempur Lattenrost" oder "Gelschaum Matratzen" -
so entbehrt das jeglicher Logik.
Schaut lieber bei "ProLana" - die erzählen Euch keine falschen Infos :)
Ricci, Du fragst mich, was ich zu Wasserbetten sage? :)
Eigentlich 3 Gründe keines zu kaufen,
1. Das Wasser muss geheizt werden, und weil Wasserbetten sehr schwer sind, haben sie ein Metall Gestell. Die beiden Faktoren Elektrizität und Metall erzeugen Elektro-Smog. Den sollte man nicht unterschätzen, da sich dieser direkt aufs Nervensystem auswirkt. Wenn dann noch eine Halogen Lampe 30 - 40 cm neben dem Kopf stehen hat, führt das ganz direkt zu Schlafstörungen. Der Trafo der Lampe, der den Strom auf 12 Vott runter schraubt, hat die gleiche Energiekurve wie unser zentrales Nervensystem. Wenn nun unser Hirn während 7 - 8 Stunden permanent von diesen Elektrowellen bombardiert wird, kann das zu schweren Nervenschädigungen führen. Im Schlafzimmer sollten aus diesem Grund keine Halogenlampen stehn.
2. Da die Hülle ja wasserdicht sein muss (!), kann sie auch nicht atmungsaktiv sein. Hier haben wir das selbe Problem, wie bei synthetischen Materialien: man liegt im eigenen Schweiss. Da hilft auch eine Woll-Auflage wenig, wohin soll die Wolle die Feuchtigkeit abgeben? Es kann wegen fehlendem Lattenrost keine Luft die Feuchtigkeit abtransportieren.
3. Die Oberfläche eines Wasserbettes gibt überall nach, es wird die Muskulatur nie stützen, somit besteht die Gefahr des "Luftmatratzensyndroms auf dem See" - man bewegt sich nicht im Schlaf.
Meist nach ein paar Jahren melden sich die negativen Merkmale, um das Nervenkostüm wieder in Ordnung zu bringen, kann es von wenigen Wochen bis viele Monate dauern.
Persönlich denke ich, dass der Mensch nicht auf Wasser liegen sollte :)
Meiner Erfahrung nach dauert es ~ 3 Monate bis man mit Bodensitzen eine "neue" Rückenmuskulatur hat. Aber ausprobieren ist besser als zu "glauben" was ich da sage. Bei mir Zuhause gibts ein Besucher-Sofa, da ich es gewohnt bin, dass die meisten in meinem Alter nicht mehr am Boden sitzen können :))
Ich verheize mal alle Stühle. Hoffentlich hilft das dann auch.
LG Merlin
Hab ich teilweise so noch gar nicht betrachtet. Sehr interessant :-)
Daumen hoch!
lg ricci
p.s.
Was würdest Du denn zu Wasserbetten sagen?