In diesem Gebäude wurde Weltgeschichte gemacht....

Geht man die Straße Unter den Linden lang, ist sie mit ihrer typischen Architektur nicht zu übersehen : die Botschaft der Russischen Föderation.

1837 wurde das Kurländische Palais Unter den Linden vom Russischen Staat erworben, bis 1941 ist es dann Russische Botschaft. Das Palais besaß über 100 Zimmer, die 700 Personen Platz boten. Hier wurden die offiziellen Beziehungen des deutschen und russischen Kaiserreiches abgewickelt, dadurch war es eine der wichtigsten russischen Außenvertretungen. Nach der Februarrevolution 1917 war das Haus verwaist, dann 1918 ein Novum : mit Joffe gibt es erstmals einen sowjetrussischen Botschafter in Berlin!

Nach dem Rapallo-Vertrag 1922 wickelt die Botschaft oft im Verborgenen die Beziehungen zwischen beiden Ländern ab : besonders auch die geheime militärische Zusammenarbeit. Die Botschaft wird auch zu einem kulturellen Mittelpunkt Berlins.

Dann unruhige Zeiten : besorgen die Nazis die Abberufung des erfolgreichen Botschafters Krestinskij (er wird im Rahmen der stalinschen Schauprozesse umgebracht), so kommt es 1939 - 1941 noch einmal zu einer intensiven Kooperation. Auch Vertreter der SS lassen sich nicht nehmen, an Empfängen der Botschaft teilzunehmen, während sie in dieser Zeit deutsche Kommunisten ins KZ schickten. Diesem Spuk bereitet der deutsche Angriff im Juni 1941 ein Ende : die Sowjetunion räumt das Gebäude, 1945 wird es zerstört.

1952 wird der imposante Neubau eingeweiht - bis heute als bedeutendes Beispiel für den sogenannten "Zuckerbäcker"-Stil. Das Haus, das in Ost-Berlin liegt, ist nun mehr als eine Botschaft der UdSSR in der DDR : man sieht sich immer als Einrichtung von europäischem Format.

1954 findet hier eine Außenministerkonferenz der Siegermächte zu Deutschland statt, auch 1970/71 ein Teil der Verhandlungen zum vierseitigen Abkommen über Berlin. West-Berliner Politiker wie Willy Brandt und Egon Bahr besuchen das Haus, um die neue Ostpolitik vorzubereiten. Schließlich wird die Abberufung Walter Ulbrichts als SED-Chef nicht zuletzt hier entschieden.

In den Zeiten von Gorbatschows Perestrojka gerieten dann die außenpolitischen Vorstellungen der DDR und der UdSSR völlig auseinander, in der Nacht der Maueröffnung entschloß man sich in der Botschaft sogar, Gorbatschow nicht mit einem Blitzanruf zu "stören".

Nach der Wiedervereinigung wurde die Berliner Botschaft zunächst auf den Status einer "Außenstelle" herabgestuft, doch seit 1999 hat sie wieder den alten Status. Gehört man zu den wenigen Glücklichen, die das Gebäude von Innen besichtigen können, ist man tief beeindruckt von der Foyerlandschaft, auch wenn man diesen Architekturstil nicht recht einschätzen kann.

Fassade der Russischen Botschaft Berlin

Russische Botschaft Berlin

Stadtführungen zum Russischen Berlin und zur Diplomatie

Stadtführungen in Berlin, Besuch im Reichstag

Website der Botschaft - Mit Informationen zur Geschichte des Hauses

http://www.russische-botschaft.de/

laozi, am 19.02.2011

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