Warum ein Odenwald-Krimi?

Es war die Ausschreibung zum Krimi-Wettbewerb des Odenwaldkreises, die mich dazu inspirierte, einen Krimi zu schreiben, dessen Handlung in meiner unmittelbare Umgebung spielt. Das ist schon einige Jahre her. Beworben hatte ich mich nicht. Aber der Anfang einer Geschichte wob sich in meinen Synapsen aus eigenen Erfahrungen und Fiktion zusammen. Leider fehlt mir die Zeit, kontinuierlich an einer Fortsetzung zu arbeiten. Es muss mich packen, damit ich ein weiteres Kapitel beginne. Aber durch meine freiberufliche Tätigkeit als Journalistin und Texterin bin ich überwiegend mit Auftragsarbeiten befasst. Da fehlt mir oft die Muße, um auch in meiner Freizeit zu schreiben.

Eigentlich sollte der Krimi längst fertig sein, aber mir fallen immer wieder Verbesserungen und Änderungen ein. So geht es nur langsam voran. Aber es wird...

Eine Apfel-Reportage für die Lokalzeitung - Die Journalistin Judith Welser geht mit Widerwillen an die Arbeit

ÄpfelEr hatte wieder diesen Blick. "Arrogantes Arschloch", dachte Judith Welser und stopfte die Kamera in ihren Rucksack. Es war das zweite Mal, dass sie mit dem neuen Pächter der Apfelanlage zu tun hatte. Wut und Hilflosigkeit mischten sich mit dem Gedanken, diesmal keine gute Story liefern zu können. Aber sie hatte nun mal den Auftrag, eine Reportage über die Apfelanlage zu schreiben und den neuen Pächter zu porträtieren.

Reinfried Bärbach hatte vor einigen Wochen den vorherigen Pächter der Obstanlage "Amerika" mit knallhartem Verhandlungsgeschick ausgebootet. Dessen Methoden waren einigen Stadträten sowieso ein Dorn im Auge. Naturnahe Bewirtschaftung sahen sie als Spinnerei und hatten dem jungen Obstbauern aus Erbach immer wieder vorgeworfen, er würde die Plantage verlottern lassen. Nun war sein Vertrag mit der Stadt Obernburg ausgelaufen und nicht verlängert worden, dank Bärbach. Er hatte nicht nur mehr Pacht geboten, sondern auch angekündigt: "Den Sauladen werde ich schon wieder auf Vordermann bringen." Das hatte vielen Stadträten gut gefallen.

Der Ärger über Bärbach hatte sich wie eine Klammer um Judiths Hals gelegt. Im Auto legte sie die Miles-Davis-CD ein und hoffte, dass der heiße Strahl der Trompete ihr Gemüt kühlen würde. Doch auch nach zwei Kilometern Fahrt und "Time after Time" in voller Lautstärke war der Zorn noch nicht verraucht.

Zu Hause angekommen hechtete sie die Treppen hinauf. Sie hatte Mühe, den Schlüssel ins Schloss zu stecken, denn ihre Hand zitterte vor Anstrengung und der immer noch in ihr brodelnden Wut. Als sie endlich die Türe geöffnet hatte und in den Flur kam, stieg ihr ein säuerlicher Geruch in die Nase.

"Prima", dachte Judith, "jetzt hat auch noch der Hund in die Wohnung gekotzt, wo meine Laune eh' schon auf dem Tiefpunkt ist." Paula, die Mischlingshündin, trottete mit vor Schuld triefendem Blick auf Judith zu. "Du armes Tier kannst ja nichts dafür, wenn dein Magen verrückt spielt", sagte Judith und ging in die Knie, um den Hund zu streicheln.

Als sie Paulas Hinterlassenschaft entfernt hatte, setzte sich Judith an ihren Schreibtisch und ging ihre Notizen durch. Bärbach war eine zwielichtige Gestalt, kein Zweifel. Der 58-Jährige war vor drei Monaten aus Bochum nach Mömlingen gekommen. Alf Tiskiliak, ein Journalisten-Kollege aus Essen, hatte ihr erzählt, dass Bärbach im Ruhrgebiet als Unternehmensberater mit windigen Immobiliengeschäften viele gutgläubige Menschen um ihr Erspartes erleichtert hatte. Das hatte ihm zwar eine Anklage eingebracht, aber verurteilt worden war er nicht. "Er hatte offensichtlich beste Beziehungen zu den Spitzen der Justiz", hatte Alf kommentiert.

Bärbachs Ehefrau Karin hatte sich vor einem halben Jahr von ihrem Mann getrennt. Von Alf hatte Judith erfahren, dass die beiden erst 2007 geheiratet hatten. Karin war verwitwet und hatte aus ihrer ersten Ehe mit Albert Kramer nicht nur ein beträchtliches Vermögen, sondern auch noch zwei erwachsene Kinder mitgebracht, die den neuen Partner ihrer Mutter nicht mochten. "Es hat immer mal wieder Zoff gegeben und einmal musste sogar die Polizei ausrücken, weil es zu einer Prügelei zwischen Bärbach und seinem Stiefsohn Jens gekommen war", hatte Alf erzählt.

Nun war Bärbach in Mömlingen gelandet und versuchte sich dort als Keltermeister. Apfelsaft und Apfelwein wollte er produzieren und hatte deshalb die Obstplantage gepachtet. Judith stieß einen Seufzer aus und legte die Notizen beiseite.

Mord unterm Apfelbaum - Ein Toter und ein Kommissar im Lodenjanker

Am nächsten Morgen wurde Judith durch das Schrillen des Telefons geweckt. Schlaftrunken wankte sie ins Büro und hob den Hörer ab. "Es ist was mit Bärbach passiert", plärrte es aus der Muschel. Es war Rainer Schwarz, Leiter der Obernburger Lokalredaktion, der sich nie mit langen Vorreden aufhielt. "Du musst los, es ist im Amerika". Judith kam erst gar nicht dazu, zu fragen, was eigentlich passiert war. Schwarz hatte bereits aufgelegt. Sie schaute auf ihre Armbanduhr. Es war gerade mal zehn Minuten nach sechs. Der Redaktionsleiter musste ebenfalls mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen worden sein. Einige Spritzer Wasser als Katzenwäsche mussten genügen, dann in die Klamotten, die Kameratasche packen und los. Das Frühstück musste warten. Auch Paula, die müde blinzelnd durch die Badezimmertür lugte, würde ihren allmorgendlichen Gassi-Gang wohl nicht so  schnell erhalten.

Als Judith die Obstplantage erreicht hatte, wimmelte es vor Polizeifahrzeugen und uniformierten Beamten. In weiße Kunststoffanzüge gehüllte Gestalten wuselten geschäftig umher. Die Einfahrt war mit einem weiß-roten Band abgesperrt. Judith zückte die Kamera, um ein paar Aufnahmen zu machen. Zwischendurch spähte sie in die Menge, um Ausschau nach Hauptkommissar Anselm Ludenbeck von der Kripo Aschaffenburg zu halten. Zwischen den Obstbäumen entdeckte sie eine Gestalt im grünen Lodenjanker. Das musste Ludenbeck sein.

Judith ging zur Absperrung und stieß auf Manfred Grün, einen Beamten der Polizeiinspektion Obernburg. "Ach ja, die Frau Welser – immer dort, wo der Schwanz mit dem Hund wedelt", sagte er und grinste sie an. "Kann ich bitte mal mit Herrn Ludenbeck sprechen?" – Judith grinste ebenso unverschämt zurück. "Herr Hauptkommissar, die Presse!" rief Grün in Richtung Lodenjanker. Ludenbeck drehte sich langsam um und sein Blick traf Judith mit einer Schärfe, die Ornamente in die Luft ritzen kann. Er bewegte sich strammen Schrittes mit ernster Miene in ihre Richtung. Als Ludenbeck vor Judith stand, sagte er: "Es ist Reinfried Bärbach. Sein Tod trat zwischen 21 und 22 Uhr gestern Abend ein. Er wurde mit einem Ast erschlagen – und zwar auf brutalste Weise". "Haben sie schon einen Verdächtigen?" fragte Judith. "Nein, wir ermitteln noch", antwortete Ludenbeck genervt....

Die Obstplantage Amerika in Obernburg am Main

Die Stadt Obernburg am Main verfügt nicht nur über einmalige Römerfunde, sondern ist auch eine "Apfelstadt". Die Obstplantage "Amerika" zwischen Obernburg und dem Stadtteil Eisenbach ist bekannt für die vielen Apfelsorten, die dort wachsen. Der Name "Amerika" rührt wahrscheinlich daher, dass die Anlage sehr weit vom Stadtkern entfernt ist - so weit weg wie Amerika. Am bayerischen Untermain findet in jedem Jahr ein regionaler Apfelmarkt statt, der im Oktober 2010 in den Obernburger Mainanlagen ausgerichtet wurde und viele Besucher anzog.

Der Kulturapfel und seine Geschichte

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Krimifreundin, am 06.04.2011

Kommentare


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Krimifreundin am 07.04.2011

Erst mal Danke fürs stramme Däumchen, liebe Kerstin. Die Ausschreibung für den Odenwälder Apfelkrimi-Wettbewerb hatte mich inspiriert, und ich hatte auch einen Beitrag geliefert. Daraus hat sich dann die Geschichte entwickelt, und ich habe den Plot umgeschrieben, damit ein echter Krimi daraus wird. Aber ich habe wenig Zeit weiter zu schreiben, denn der Alltag ist mit Pflichtaufgaben ausgefüllt.

KreativeSchreibfee am 07.04.2011

Liest sich wirklich super, liebe Ruth, und ist auf jeden Fall ein "Ende" wert, ebenso ein Däumchen!
Ich hoffe nur, dass du mit dieser Story nicht am Odenwalder Apfelkrimi-Wettberwerb teilnehmen möchtest, denn dieser ist schon längst vorbei : )
- http://www.igda.net/blog/?p=3472
LG Kerstin

Krimifreundin am 06.04.2011

Gut, ich werde die Saure-Gurken-Zeit über Ostern nutzen und weiter schreiben. Danke für die Däumchen! *freu*

Joppeline am 06.04.2011

Unbedingt die andere Hälfte auch noch schreiben!

Stehlampen-Petra am 06.04.2011

Also von mir aus kann es weitergehen.
Ich sehe alles deutlich vor mir. Es ist sehr lebhaft beschrieben und kommt gut auf den Punkt.
Ich reiche Dir nochmals meinen Daumen
Die gespannte Petra

Krimifreundin am 06.04.2011

Die Hälfte ist geschrieben. Nun möchte ich gerne wissen, ob ich weiter machen oder es sein lassen soll



Autor seit 3 Jahren
188 Seiten
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