Das Schwein als Nutztier - Historisches

Die Nutzung der Schweine als Haus- und Nutztier ist nicht neu. Funde belegen, dass bereits in der Steinzeit Schweine als Nutztiere gehalten wurden. Auch die Kelten und Germanen nutzten das Fleisch und liesen Ihre Schweine in den vielen Wäldern weiden. Im Mittelalter wurde der Wert eines Waldes daran gemessen, wieviel Schweine von diesem ernährt werden konnten. Schweine frassen damals vor allem Eicheln und Buchen. Ställe gab es  nicht.

Schweine im Wald -

A Sow and Her Four Piglets in a Wooded Landscape (Bild: Henry Thomas Alken / AllPosters)

Ab dem 18. Jahrhundert begann man, Weidezeiten einzuschränken und die Schweine vermehrt in Ställen zu halten, da sie die Felder und Wälder zu sehr durch Umgraben zerstörten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde komplett auf Stallhaltung umgestellt, und mittels Züchtung entstanden frühreife, schnellwüchsige Hausschweine.

Schweine schlachten früher - Hausschlachtung als "das" Ereignis des Jahres

Früher war es üblich, dass jede Familie ein oder zwei eigene Schweine im Stall hatte. Sie wurden ca. ein Jahr gefüttert und dann üblicherweise ab November, wenn es kälter wurde, und keine Fliegen mehr da waren, geschlachtet und das Fleisch gleich weiterverarbeitet. Ein Schwein reichte dabei einer Familie ein Jahr, und es entstand fast kein Schlachtabfall, da selbst Borsten noch weiterverwendet wurden.

Oftmals fanden sich Verwandte und Bekannte zum Helfen ein, das "Schlachtfest" konnte beginnen.

Meistens war das Familienoberhaupt derjenige, der für die Schlachtung zuständig war, später wurde der Hausschlachter bestellt. Dazu wurde das Schwein aus dem Stall geführt und mit einem Bolzenschussapparat betäubt, indem ein Stahlbolzen ins Gehirn getrieben wird. Noch früher wurde das Tier durch einen Schlag mit der stumpfen Seite einer Axt betäubt. Mit einem gezielten Stich wird die Schlagader eröffnet, das Schwein blutet aus und stirbt dabei. Das aufgefangene Blut wurde gleich zur Blutwurst verarbeitet.

Das entblutete Schwein wurde nun in den Brühtrog gelegt, und mit heißem Wasser (ca. 65 Grad) übergossen und dem Schwein anschließend die Haare und Borsten abgeschabt. Auf der Schlachtbank wurde das Schwein noch gründlich rasiert, um auch den letzten Rest Borsten zu entfernen. Die Sehnen an den Hinterbeinen wurden aufgeschnitten, um mit einem Krummholz das Tier an einer Leiter aufzuhängen. Traditionell wurde hier eine kleine Trinkpause in Form eines Schnäppschens eingelegt. Womöglich kann sich noch der ein oder andere an den damaligen Trinkspruch erinnern: "Ist das Schweinchen hakenrein, muss erst mal getrunken sein."

Es folgte noch einmal eine gründliche Wäsche, und dann begann der Metzger, das Schwein auszunehmen, und danach in zwei Hälften zu hacken.

Die Schweinehäften wurden nun zerlegt, etwas gleich zum Mittag- bzw. Abendessen verwendet, um die ganzen Helfer auch satt zu bekommen, und der Rest weiterverarbeitet. Das Schlachtfest ging oft bis in die Morgenstunden.

Damit die Qualität des Fleisches später stimmt, wurde darauf geachtet, dass das Tier keinen Stress hat. Der Transport fiel auf dem eigenen Hof ja schon mal weg.

Schweine schlachten heute - Die Schlachtstraße

Nachdem die Bürokratie stetig zunimmt, und die Auflagen für Schlachtungen dermaßen streng sind, ist es heute nicht mehr üblich, Hausschlachtungen durchzuführen. Ganz nebenbei hat natürlich heute auch keiner mehr ein Schwein im Stall stehen, bzw. überhaupt noch einen Stall. Wir kaufen Fleisch und Wurst beim Metzger oder im Supermarkt. Schweine werden in Mastbetrieben gezüchtet und gehalten, sehen oft kein Tageslicht oder Stroh, und können sich oftmals auf engstem Raum nicht mal mehr umdrehen. Ins Schlachthaus werden Sie stundenlang transportiert, und kommen gestresst und erschöpft dort an.

Die Schlachtung ist vom Prinzip her genau wie damals, nur dass heute das meiste auf Masse ausgelegt ist, und im Akkord durchgeführt wird, bei dem für jedes Tier nur sehr wenig Zeit bleibt, mit verheerenden Folgen für die Tiere.

Die Schlachtstraße, die die Tiere durchlaufen, beginnt mit der Betäubung und Tötung des Tieres mittels Entbluten. Bei der Betäubung gibt es heute verschiedene Möglichkeiten, die mehr oder weniger erfolgreich sind. Die sicherste und schnellste Methode scheint der Stromschlag zu sein. Sehr umstritten ist das Vergasen mit Kohlendioxid, bei dem die Tiere minutenlang unter Angst und Atemnot zu leiden haben. Beim Bolzenschuß muss richtig angesetzt werden, sonst ist das Tier nicht richtig betäubt. Bei meinen Recherchen bin ich leider auf ziemliche Misstände in den Schlachthöfen vor allem bei der Betäubung und Tötung der Tiere gestoßen. Da Zeit Geld ist, und alles möglichst schnell gehen muss, wird oftmals geschlampt, und Tiere sind nicht ordentlich betäubt. Ein Umstand, der mich ein paar mal dazu zwang, diesen Artikel beiseite zu legen, und mich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Für mich eine ganz furchtbare Vorstellung, und leider in vielen Betrieben Gang und Gebe, wie folgende Videos belegen:

Rinder und Schweine schlachten - Alltag im Schlachthof

Ich habe hier in diesem Artikel zwei Videos von vielen ausgewählt, welche den Alltag in den Schlachthäusern zeigen. Wer sucht, findet leider noch viel mehr, einige kann man wirklich kaum ertragen. Schlimm finde ich vor allem das mangelnde Mitgefühl der Mitarbeiter. Wie kann man solche Menschen auf wehrlose Tiere loslassen? Wie kann jemand einem Tier, das weder tot noch bewusstlos ist, die Beine amputieren, und dann einfach zum nächsten Tier weitergehen? Für mich absolut unverständlich. Wie kann es einem egal sein, ob Schweine vor dem brühen noch leben, und im heißen Wasser ersticken. Wie kann man ein Schwein vergessen zu töten, bevor es weiterverarbeitet wird, und danach sagen, dass das Schwein am Ende doch eh tot ist. Wir haben doch eine Verantwortung den Tieren gegenüber. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Fleisch essen, aber ich bin gegen sinnlose Tierquälerei. Dazu zählen die Massen-Mastbetriebe mit ihrer entwürdigenden Haltungsform und die Behandlung der Tiere bis sie endlich von Ihrem Leiden erlöst sind. Tiere gehören einfach auf kein Fließband, egal ob Schweine, Rinder oder Eintagskücken mit dem falschen Geschlecht.

Hier müssten dringend die Tierschutzgesetze verschärft werden, und vor allem dann auch kontrolliert werden, und zwar von verantwortungsvollen Menschen. Es muss doch möglich sein, mit Tieren respektvoll umzugehen, und diese nicht als Ware zu sehen. Es nützt nichts, wenn sogar der Tierarzt wegschaut. Und auch wir dürfen nicht wegschauen und weitermachen wie bisher und müssen zeigen, dass wir einen verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren als unbedingt notwendig sehen.

Dann kauf ich halt vermehrt Bio...

Bio-Schweine werden zwar artgerechter gehalten, haben Stroh und Auslauf, aber auch diese Schweine muss man schlachten, und zwar normalerweise im selben Schlachthaus wie die anderen. Das funktioniert also leider nicht unbedingt. Womöglich findet sich in der Nähe ein Biohof, bei dem es eine eigene Schlachtung gibt, aber das wird wohl in den seltensten Fällen so sein.

Was tun?

Das ist eine gute Frage, bei der ich im Moment auch recht ratlos bin. Vegetarier werden ist für mich nicht unbedingt die Lösung. Mit Bio-Produkten erringt man nur einen Teilerfolg. Ein eigenes Schwein im Garten? Ich könnte es dann niemals schlachten lassen.

Wegschauen kann und will ich nicht mehr, und dadurch merke ich auch, wie ich deutlich weniger Fleisch und Wurst kaufe, und auch nach Alternativen suche. Hier könnte man vielleicht ansetzen. Jeder sollte etwas bewusster einkaufen, und das Tier hinter der Verpackung sehen, und den Fleischkonsum deutlich verringern. Und Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung, damit möglichst viele Menschen Bescheid wissen. Nur in der Masse kann man womöglich etwas bewirken.

susivital, am 20.06.2011

Kommentare


Heike am 19.02.2013
"Vegetarier werden ist für mich nicht unbedingt die Lösung." Ach nein? Auf eine politische Lösung warten ist besser, oder was? Wenn man weiß, was da abgeht bei der Fleischproduktion, dann ist es zutiefst unehrenhaft weiterhin Fleisch zu essen!
Merlin am 13.01.2012
Zum 50ten bekam ich ein lebendes Ferkel geschenkt. Die Sau Rosa wurde 1 1/2 Jahre alt. Ich mußte sie schlachten lassen, die hat mit 180 Kg alle Zäune umgewalzt. Bis dahin hat sie frei auf einer Waldwiese mit Bachlauf gelebt. Es hat mir das Herz zerrissen, die Viecher sind schlauer als Hunde. Sie kam morgens zur Begrüßung grunzen und schubberte ihren Kopf an meiner Jeans. Ich kam mir vor wie ein Verräter. Der Metzger im Dorf sagte, er hätte noch nie so gesundes Fleisch gesehen. Da war kein Gramm Fett dran. 180 Kg Muskeln und Knochen. Der Braten blieb genau so groß wie vorher. Also artgerechte Haltung sind sowohl für uns, als auch für die Tiere wesentlich besser. Seitdem habe ich aber rigoros meinen Fleischkonsum zurückgefahren. Ich kaufe auch nur hier bei Hof-Läden. Und ich werde nie wieder ein Schwein halten. Schweine sind auch nicht dreckig. Bei genug Platz bauen die sich ein Nest zum Schlafen und haben eine Klo-Ecke. Im Schlamm wälzen die sich zum Schutz gegen Mücken, Sonne u.s.w. Danke für diesen Artikel LG Merlin
tom-ate am 13.01.2012
Veränderung ist möglich! Als Vegetarier verpasst man nichts wichtiges. Man kann gesund und lecker essen. Nutztiere für Milchprodukte und Eier zum Beispiel könnte man humaner halten bei relativ geringem Aufpreis auf die Waren. Und Schweine gäbe es nur noch im Zoo und in der Wildnis, wenn alle Vegis wären. Warum nicht? Vegan leben wäre noch konsequenter. Ich schaffe das zwar nur teilzeitmässig.
Alex am 09.08.2011
Danke für diesen Artikel. Die Realität tut weh. Würde jeder Mensch für sich selbst die Verantwortung übernehmen - also auch für seine Handlungen - sähe vieles anders aus. Es braucht eben auch Mut, seine Meinung zu ändern. Darum sind viele Menschen auch stur und ohne Mitgefühl. Auch die Unterschiede, die zwischen Nutztieren und Haustieren gemacht werden, sind sich viele Menschen nicht bewusst. Wenn wir Menschen uns vorstellen, wie wir uns dabei fühlen würden, Nutztiere/Versuchstiere zu sein, wird alles deutlich und die Frage nach "richtig" oder "falsch" beantwortet sich von allein. Wie würden wir uns fühlen, wenn uns unsere Babies nach der Geburt weggenommen würden? Wenn wir viele Stunden zusammengepfercht in unserem Kot in einem Lastwagen zu einem Menschenschlachthof fahren würden? Oder wenn wir auf einem Tisch festgebunden wären, wo uns nachdem uns die Stimmbänder durchgeschnitten wurden, eine brennende Lösung in die Augen gegossen würde? Ich habe schon viele Argumente gehört, welche die Quälerei an Tieren zu rechtfertigen versuchen. Eines, das mir bis heute geblieben ist, war folgende Aussage: "Da ich nichts von diesem Elend weiss, kann ich auch nichts dagegen tun." Es gibt Leute, die mit aller Kraft versuchen zu beschönigen, was wirklich in einem Schlachthof, Tierversuchslabor etc. passiert. Würden sie auch nur einen kleinen Teil dieser Energie dafür verwenden, mit sich selber und ihren Kindern ehrlich zu sein - also darauf zu hören was in ihrem Herzen ist - würden sie sich besser fühlen und das Bedürfnis, Tierleid zu beschönigen, würde verschwinden. Jeder kann etwas tun. Jeder von uns ist ein Konsument. Jeder von uns hat die Wahl. Jeder, der das liest weiss über die Realität Bescheid. Wenn jemand 20 Jahre den gleichen Fehler gemacht hat, heisst das nicht, dass er ihn jetzt noch weiter machen muss. Wir alle machen Fehler. Es ist nie zu spät für eine Veränderung. Der Entschluss zu einem achtsamen und liebevollen Leben minimiert nicht nur das Leid an Tieren, sondern bedeutet auch für uns Menschen ein besseres Leben. Beides ist ein unteilbares Ganzes.
Therry am 28.06.2011
ja Vegetarier werden ist nicht die Lösung da für Milch, Eier und Käse und Honig Tiere auch fürchterlich leiden müssen-VEGAN LEBEN ist schon eher die Lösung!!!
Nicola_Duelk am 27.06.2011
Ich stimme Dir schon zu Susi, das Problem liegt aber weniger bei den Schlachthöfen, als bei den Konsumenten. Alle wollen viel und billiges Fleisch. Man nimmt weder Rücksicht auf die Aufzucht, Haltung und schon gar nicht dann wenns dem Ende entgegen ist. Denn jede Minute kostet viel Geld. Das soll keine Entschuldigung sein, sondern ist leider bittere Realität. Der Verbraucher ist, derjenige, der einen sehr großen Anteil an dieser Schuld trägt. Die Männer die den Job machen, sind froh, dass sie überhaupt einen haben, da wird sich keiner melden und sagen, das mache ich nicht mit. Nicht bei der hohen Arbeitslosigkeit heute. Machen diese Männer sich zu viel Gedanken um das was sie da machen, sind sie nach einiger Zeit seelische Wracks. Oder meinst Du töten macht Spaß? ;-) Es ist eine rein natürliche Schutzfunktion des Körpers. Machen aber nicht drüber nachdenken.
susivital am 27.06.2011
Passend zum Artikel: http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/interview-mit-einer-schlachthaus-praktikantin Danke für eure Kommentare! @Nicola: Also ich glaube nicht, dass diese Methoden eher die Aussnahme, sondern die Regel sind. Wie kann es sonst sein, dass 500.000 Schweine lebendig im heissen Wasser landen. Die Reportage fand ich übrigens gut, da sie nicht zu einseitig ist, sondern auch durchaus Schlachtbetriebe gezeigt wurden, bei denen alles eingehalten wird. Und ja, es ist ein Job, man kann nicht um jedes Schwein weinen, aber wie jeden anderen Job muss man diesen auch korrekt ausführen. Wenn ein Schwein oder eine Kuh nicht richtig betäubt ist, kann nicht einfach mit der Arbeit weitergemacht werden, und das Tier bei lebendigen Leib zerlegt werden. Da muss man dann einfach Mitgefühl zeigen, sonst ist man einfach nur grausam.
Nicola_Duelk am 27.06.2011
^Hallo Susi, ein sehr interessanter Artikel, vor allem sehr detailliert beschrieben. Ich bin selbst gelernte Fleischereiverkäuferin und habe in Franken einmal einer Schlachtung beigewohnt. Dort ist es noch erlaubt, Schlachtung in der Metzgerei durchzuführen, aber auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die Tiere wurden nur in der Menge geschlachtet, die auch benötigt wurden. Ansonsten ist es per Gesetz geregelt, dass solche Aktionen nur im Schlachthof durchgeführt werden dürfen. Ich habe mir die Videos nicht angeschaut, da es weitaus bessere Reportagen gibt. Nicht jedes Schlachthaus arbeitet mit rohen Methoden. Was die Mitarbeiter angeht, man muss bis zu einem gewissen Grad "abgebrüht" sein. Denn wenn man mit jedem Tier Mitleid hat, ist man dort fehl am Platz. Es ist ein Beruf wie jeder andere. Die Schlachtung von Nutztieren ist per Gesetz geregelt. Der vorgeschriebene Ablauf, muss genau eingehalten werden. Gibt es Schlachthöfe, die sich nicht an die Vorgaben halten, werden hohe Strafen verhängt. Solche Betriebe mit Missständen sind Gott sei Dank nicht die Regel. Wer sein Fleisch im Supermarkt kauft, nimmt aber solche Missstände in Kauf, da alles Billig sein muss. Etwas teurer, aber dafür mit mehr Qualität in jeder Hinsicht, sind Fleischereien, die Ihre Waren aus der eigenen Region beziehen.




Bildquelle:
Illustration adele sansone (Wer macht sich da zum Hund? Es fliegt, es springt und endet beim Sc...)

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