Eine Reise in den Südsudan, ein interessantes Abenteuer

Mit dem Bus von Uganda in den neusten Staat unserer Erde, dem Südsudan, fahren ist einfach. Für 50 Dollar gibt es das passende Visum in sechs Stunden in der südsudanesischen Botschaft in Uganda. Danach geht es 20 Stunden durch 44597,31 Schlaglöcher bis nach Juba, der Hauptstadt der Republik. Noch nie in meinen 5000 Busfahrten quer durch Afrika habe ich mir im Sitzen den Kopf an der, sich ein Meter über mir befindenden Decke, gestoßen. Der Busfahrer hat ein Riesen-Schlagloch bei 100Km/h übersehen oder einfach ignoriert und mal schnell die hintersten Reihen im Bus an die Decke geschleudert. 

Trotzdem der Südsudan nun unabhängig vom Sudan ist und alles dafür tut um anders zu sein als der Norden ist das Embargo der USA für den Sudan auch immer noch im Südsudan in Kraft. Das bedeutet keine internationalen Kreditkarten werden akzeptiert. Eine großzügige Planung des Bargeldes vor Einreise ist nötig. Es fühlt sich dann merkwürdig an, US Dollar auf dem Schwarzmark zu wechseln. Es kann ja nicht das Ziel eines Embargos sein, dass die amerikanische Währung ins Land fließt, aber außer Dollar oder Euro einzutauschen bleibt einem als Ausländer nichts übrig.

Ich bekomme einen grauenhaften Wechselkurs. Da gerade erst das eigene südsudanesische Geld in Umlauf gebracht wurde und noch nicht international anerkannt ist, gibt es auch keinen offiziellen Wechselkurs. Jeder nimmt also dass, was er für richtig hält.

Ich bekomme frisch gedruckte Scheine. Um die Unabhängigkeit zu verdeutlichen musste das neue Geld anders als das alte sudanesische Geld gestaltet werden. So gibt es einen 25 Pfund Schein anstelle des 20 Pfund Schein. Außerdem wurden alle Münzen abgeschafft. Das damit der Mindestpreis für jegliche Artikel bei mindestens einem Pfund liegen muss (was ungefähr 20 -25 Eurocent ist) und große wirtschaftliche folgen hat, wurde nicht wirklich bedacht. Was vorher 0,75 Pfund kostete, muss nun einen Pfund kosten. Logisch. Bei Kleinartikeln muss man dann halt gleich drei, fünft oder 13 Stück für seinen 1 Pfund kaufen.

Noch vor einigen Jahren war Juba weltweit bekannt für den Ort der 200 USD Übernachtungen in einem Zelt oder den 30 USD Pizzas. Es war eines der teuersten Orte der Welt für Ausländer, trotzdem die lokale Bevölkerung oft weniger als einen US Dollar am Tag verdiente. Die Grenze nach Uganda war jedoch wegen Rebellenaktivitäten und Krieg geschlossen und so mussten fast alle Artikel über den Luftweg eingeführt werden. Eine Knappheit an Hotels und eine hohe Nachfrage an Übernachtungsmöglichkeiten dank unzähliger Entwicklungshelfer, bedeutete absurde Preise.

Jetzt, nach der Unabhängigkeit und offenen Grenzen ist der Südsudan zwar immer noch teurer als die Nachbarländer aber es ist möglich für 10 USD ein Hotelzimmer zu bekommen und für ein paar wenige Dollar eine gute Mahlzeit einzunehmen.

Was ich von der neuesten afrikanischen Hauptstadt mitbekomme ist höchst interessant. Nur die größten Hauptstraßen sind asphaltiert, tausende Gras bedeckte Häuser prägen das Stadtzentrum und alles sieht eigentlich aus, wie ein typisches afrikanisches Dorf. Doch nun ist dieses Dorf zu einer Hauptstadt geworden. Das Lebensgefühl ist jedoch unbeschreiblich schön und familiär. Die Menschen sind stolz auf ihre Unabhängigkeit, fröhlich und guter Dinge für eine friedliche Zukunft. Das Zusammentreffen verschiedner Menschen und Kulturen ist faszinierend. Ein Café, was von Eritreern geführt wird, mit einer freundlichen Bedienung aus Somalia, die einem arabische Wasserpfeife zum Bier aus den Philippinen bringt, während ugandische Musik zu hören ist und Südsudanesen über amerikanische Politik diskutieren, ist eine ganz normale Szene in Jubas Straßen.

 
In der Busfahrt von Uganda nach Juba saß ich neben David. Wir quatschten stundenlang und er lud mich zu sich ein um mir das wahre Juba zeigen zu können. Er ist ein toller Gastgeber und hat sich drei Tage um mich gekümmert, mir gezeigt wie stolz und reich in Kultur sein Land ist und hat mir ebenfalls sein persönliches Projekt vorgestellt. Er ist sehr bemüht den Südsudan in eine blühende Zukunft zu singen und zu tanzen. Er ist ein talentierter Trommler und Tanzlehrer. Viele der Traditionen der Acholi, seinem Volk, gingen in Jahrzehnten von Bürgerkrieg, Rebellen und Flüchtlingen verloren. Es gab keine Zeit und keinen Raum für die Menschen, sich vor einem Lagerfeuer zu sammeln, Geschichten zu erzählen, zu tanzen oder zu singen. Die jungen Generationen kennen ihre traditionellen Tänze nicht mehr und das möchte David ändern.

Wie Musik und Tanz neue Hoffnung schafft

Seit Juli 2011 ist der Südsudan unabhängig und seit dem hat David zusammen mit engagierten Universitätsstudenten den Verein (NGO): Mega Independent Association (MIA) South Sudan, gegründet.

Drei mal wöchentlich machen sie Workshops für die Kinder und Jugendlichen aus den ärmeren Vierteln der Stadt und bringen ihnen bei, wie ihre Großeltern einst tanzten und sangen. Für die Kinder sind die Workshops nicht nur ein soziales Zentrum, sondern vermitteln etwas, worauf sie stolz sein können und das sie glücklich macht.

Ich war der erste Weiße der ihnen zusehen durfte. In den Augen der Kinder war Stolz und Freude zu erkennen. Sie konnten zum ersten Mal einem Fremden aus einer anderen Kultur zeigen, was es bedeutet Acholi zu sein und durch Musik und Tanz Erstaunen zu wecken. Der Traum der Kinder ist es, eines Tages auf der ganzen Welt auftreten zu können und Menschen der verschiedensten Kulturen ihre stolzen Tänze zeigen zu können. Mit den Einnahmen können sie dann viel mehr Kindern ihre Traditionen zurückgeben und ebenfalls unterrichten. Mich haben sie alle wahnsinnig beeindruckt und ich wünsche ihnen von ganzem Herzen den Erfolg, den sie sich so sehr wünschen.

Wenn Sie einmal in Juba sind, dann besuchen Sie doch David und seine Workshops. Sie können ihn und seine TänzerInnen ebenfalls für Veranstaltungen und Shows buchen.

 

Die Kontaktdaten sind: 

miasouthsudan[at]gmail.com

Tel. David: +249 955029164

oder Ben +249 95563908. 

 

Sie werden begeistert sein und jeder internationale Besucher bringt die Kinder ihrem Ziel ein Stück näher.

Hier ist ein kleines Video ihres Workshops
Reise Know-How Landkarte Sudan, Südsudan (1:1.800.000)

Nur EUR 8,90
Der Sudan: Zwischen Bürgerkrieg, umfassendem Frieden und Sezession des ...

Studienarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Politik - Internationale Politik - Region: Afrika, Note: 1,0, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (Geschichts- und Gesell...

Kinder Weltkarte XXL mit handgemalten Illustrationen ganz aktuell ...

Kinder Weltkarte XXL. Ein 'Muss' für jedes Kinderzimmer - Kinder-Weltkarte für Entdecker ab 2 Jahren: - Über 400 liebevoll handgezeichnete Illustrationen - Didaktisch hochwertig...

abiyay, am 01.12.2011

Kommentare


   Einloggen

Autor seit 2 Jahren
11 Seiten
Pagewizz auf Facebook
Laden ...
Fehler!