Irische Fans singen "The Fields of Athenry"

Die Geschichte des Liedes - Die große Hungersnot in Irland

Eine verheerende Hungerkatastrophe suchte Irland heim in den Jahren 1846 bis 1849. Grund war vermutlich die Kartoffelfäule, eine Krankheit, bei der das Kartoffelkraut vor der Ernte schon abfault und die Kartoffeln nicht mehr weiter wachsen und klein bleiben. Das Problem dabei ist vor allem, dass die Saatkartoffeln des nächsten Jahres die Krankheit schon in sich tragen, so dass die nächste Ernte noch schlechter wird - wenn man das nicht weiß und sich neue Setzkartoffeln kauft, die von außerhalb des Landes stammen.

Die irischen Bauern wussten das nicht, die Krankheit war ihnen neu, und sie hatten wohl auch nicht das Geld, neue Saatkartoffeln zu kaufen. Wegen der höheren Erträge auf ihren kleinen Feldern hatten sie begonnen, hauptsächlich Kartoffeln anzupflanzen statt des früheren Getreides. Die Landbevölkerung Irlands hatte auf ein einziges Pferd gesetzt, und das hatte begonnen zu lahmen.

Von den 8,5 Millionen Bewohnern der Insel starb eine Million, zwei Millionen gelang die Auswanderung, hauptsächlich in die Vereinigten Staaten.

Die als Große Hungersnot in die Geschichte eingegangene Hungersnot zwischen 1845 und 1849 war die Folge mehrerer durch die damals neuartige Kartoffelfäule ausgelöster Kartoffel-Missernten, durch die das damalige Hauptnahrungsmittel der Bevöl...

Die Liebenden von Athenry

Auch die irische Stadt Athenry war von der Hungersnot betroffen. Das Lied "Low Lie The Fields of Athenry" ist die Klage einer Frau, deren Geliebter Getreide gestohlen hat, um seine Familie zu ernähren - und die Getreideernte war für den Export nach England reserviert. Er ist dabei erwischt worden, sitzt im Gefängnis und wurde dazu verurteilt, nach Australien deportiert zu werden.

Die Klage der Frau, die sich und ihr Kind nun inmitten der Hungersnot allein wird durchbringen müssen, richtet sich vor allem auf ihren Geliebten. Sie sieht das Schiff im Hafen liegen, auf dem er fortsegeln wird, sie wird ihn niemals wiedersehen, und er hat das alles doch für sie getan.

Athenry Castle, County Galway, Connacht, Republic of Ireland (Bild: Gary Cook / AllPosters)

Übersetzung des Textes

An einer einsamen Gefängnismauer
hörte ich ein Mädchen klagen:
Michael, sie haben dich fortgebracht,
weil du den Engländern Korn gestohlen hast,
damit die Kleinen eine Zukunft haben,
und jetzt liegt das Gefangenenschiff im Hafen.

Tief liegen die Felder von Athenry,
wo wir einst die kleinen freien Vögel beobachtet haben,
unsere Liebe hatte Flügel, wir hatten Träume, hatten Lieder,
es ist so einsam auf den Feldern von Athenry.

An einer einsamen Gefängnismauer
hörte ich einen jungen Mann rufen:
Es macht nichts, Mary, solange du nur frei bist.
Gegen die Hungersnot und die Krone
habe ich mich aufgelehnt und sie haben mich gefasst,
jetzt musst du unser Kind in Würde aufziehen.

Tief liegen die Felder von Athenry.

An einer einsamen Hafenmauer
sah sie zu, wie der letzte Stern fiel
als das Schiff auf den Horizont zusegelte.
Sicher wird sie warten und hoffen und beten
für ihren Liebsten in Botany Bay,
es ist so einsam auf den Feldern von Athenry.

The Fields of Athenry ist ein Lied über die Irische Hungersnot zwischen 1846 und 1849, von der auch die Bewohner der Stadt Athenry betroffen waren. Das Lied, das in den 1970er Jahren von dem Iren Pete St. John geschrieben und unter anderem...

Von der Hungersnot zur Gegenwart

Unter diesem Untertitel wurde eine Version des Liedes bei youtube eingestellt, die begreiflich macht, warum es zum Ausdruck irischer Identität wurde. Die Illustrationen, mit denen der Gesang unterlegt wurde, reichen von Bildern aus der großen Hungersnot, von dem großen Leid, das sie mit sich brachte, und der extrem unrühmlichen Rolle, die England dabei spielte, über Auseinandersetzungen zwischen katholischen Iren und protestantischen Engländern bis hin zu den Fotos von Jugendlichen, die von der heutigen Polizei erschossen wurden.

The Fields of Athenry - From Famine to Present

Die irischen Fußballfans singen bei der EM 2012

Die ARD bot diese letzten Minuten des Fußballspiels im Stadion von Danzig auf ihrer Mediathek an. Offenbar wollten so viele Fernsehzuschauer diese emotionalen Momente noch einmal erleben, dass kaum ein Durchkommen auf diese Seite war.

Irische Fußballfans auf dem Weg nach PolenLediglich der ehemalige Spieler Roy Keane wetterte. Die Spieler und die Fans sollten ihre Mentalität ändern, meinte er. "Das ewige Rumgesinge" reiche nicht, die Fans wollten ihr Team auch mal gewinnen sehen. "Die bleibende Erinnerung aus diesem Spiel ist, wie viele Tausende irische Fans das Lied 'Fields of Athenry' kurz vor und kurz nach dem Schlusspfiff gesungen haben", sagte hingegen John Delaney, Chef des irischen Fußballverbandes FA.

Mehrere Fernsehzuschauer haben Videos von diesen letzten Minuten des Spiels auf youtube eingestellt. Allerdings hat die UEFA längere Ausschnitte gesperrt. Die Videos, die zu sehen sind, verzeichnen rapide steigende Klickzahlen. Und alle Kommentatoren sind sich einig: Die irischen Fans haben uns einen der Höhepunkte der Europameisterschaft beschert. Sie sind zu einem Vorbild und einer Inspiration für Europa geworden.

Auch die Kommentatoren sind begeistert

www.goal.com

n-tv

Süddeutsche

Wiener Zeitung

Buchfink, am 17.06.2012

Kommentare


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Buchfink am 22.06.2012

Bei nochmaligem Hören: Petra, Du hast Recht, dieses Ole Ole Ole ist nervig.

Buchfink am 22.06.2012

Vor allem pflegen andere Fans in solchen Situationen ihre Mannschaft zu beschimpfen und auszupfeifen. Bestenfalls verfallen sie in trübsinniges Schweigen.
Der Gesang der irischen Fans ist nicht nur schön und traurig, sondern auch ein Beispiel dafür, wie man mit Niederlagen umgehen kann.

Stehlampen-Petra am 20.06.2012

Mir gefällt irische Musik auch sehr gut. Sie macht mir Gänsehaut.
Obwohl ich nix mit Fußball am Hut habe, finde ich es sehr ergreifend das die irischen Fans dieses Lied gesungen haben und sogar die Reporter schwiegen.

Ausserdem klingt es viel besser, als das ewige Ole, Ole, Ole ,Ole, welches einem sonst an das Trommelfell prallt ...

LG und DH
Petra.

Merlin am 19.06.2012

Ich liebe irische Lieder! Melancholische Schönheit und Kraft.
LG und Daumen
Merlin

renzmarketing am 17.06.2012

Ja, sehr emotional. Da kommt Gänsehaut auf!

Alice_Alphabet am 17.06.2012

So ein trauriges Lied und so ein schöner Zusammenhalt der Fans! Das ist wirklich bewegend.



Bildquelle:
Corvus Corax (Corvus Corax "Gimlie" - eine musikalische Reise in die nordische My...)

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