In Deutschland besteht die Toilettenfrage vor allem darin: Flachspüler oder Tiefspüler? Als Ergänzung zunehmender Beliebtheit erfreuen sich außerdem Urinale und Bidets. Spülkästen mit Wasserspartaste sind inzwischen selbstverständlich. Bleibt höchstens noch ein unüberschaubares Angebot an WC-Brillen von sachlich bis verrückt, das die Wahl zur Qual werden lassen kann.

Das technisch auf hohem Niveau befindliche Japan verschließt sich in der Toilettenfrage keineswegs modernen Errungenschaften im Sanitärbereich. Hygiene wird dort ohnehin großgeschrieben. Trotzdem werden westliche Besucher von der japanischen Toilettenwelt überrascht sein.

Etwas Grundsätzliches vorweg

 

Japaner unterscheiden streng zwischen Straßen- und Wohnungsschuhen. Gleich am Eingang stehen ihre Schuhe für innen sowie separate Schuhe für Gäste. Für das Betreten des Toilettenraumes sind die häuslichen Schuhe nochmals gegen spezielle Toilettenschuhe zu wechseln, von denen dort meistens schon ein Paar bereitsteht. Das ist in japanischen Familien eine Selbstverständlichkeit. Nicht üblich ist diese Prozedur allerdings in öffentlichen Gebäuden.

 

Steh- / Hocktoiletten

 

Oft sind die international inzwischen weitverbreiteten westlichen Toilettentypen in Japans Behörden, Kaufhäusern, Restaurants und so weiter anzutreffen. Daneben ist durchaus mit traditionellen Steh- bzw. Hocktoiletten zu rechnen: In den Boden ist ein Porzellanbecken eingelassen, ohne Sitzmöglichkeit, über das sich der Notdürftige direkt hockt. Das Toilettenpapier fehlt nicht. Japanische Hocktoiletten verfügen über ein modernes Spülsystem und sehen überhaupt ausgesprochen modern aus. Für Japaner sind sie normaler Alltag. Nur für körperbehinderte Menschen und die zunehmende Zahl von Senioren bedeuten Hocktoiletten natürlich auch in Japan ein Problem.

 

Japanische Hocktoilette (Bild: Chris 73 / Wikimedia Commons)

Westliche WCs mit japanischen Extras

 

In japanischen Privathaushalten haben längst westliche Toiletten Einzug gehalten. Sie entsprechen im Allgemeinen den westlichen Tiefspülern. Die technikverliebten Japaner geben sich aber nicht unbedingt mit der Standardvariante zufrieden. Da gibt es Modelle mit eingebauter Wasserdüse und Trockenpustevorrichtung im Anschluss, die bei Bedarf aktivierbar sind. Sehr verbreitet sind Toiletten mit beheizbaren WC-Sitzen. Was sich hierzulande manch einer schon mal im Winter auf der kalten Brille eines WCs im ungeheizten Nebenraum gewünscht haben mag – in Japan ist es Wirklichkeit!

 

Die High-Tech-Toilette

 

Sie lauern überall – in öffentlichen Einrichtungen und in Privatwohnungen. Diese nicht ganz billigen Toiletten verfügen über ein elektronisches Display. Es kann so umfassende Funktionen enthalten, dass schon mal der Gedanke aufkommen mag, ob dafür wohl ein Toilettenführerschein erforderlich ist. Doch auch auf japanischen stillen Örtchen braucht sich niemand aus der Ruhe bringen oder gar einschüchtern zu lassen. Neben eventuell verwirrenden japanischen Schriftzeichen stehen anschauliche Piktogramme, die regelrecht zum Ausprobieren animieren. Was es da alles gibt! Natürlich fehlen auch hier der Extra-Wasserstrahl und die Trocknungsmöglichkeit nicht, wobei zwischen unterschiedlichen Strahlformen und Druckstärken gewählt werden kann und das Wasser angenehme Körpertemperatur hat. Als weitere Optionen stehen das Anheben und Schließen des Deckels, das Absaugen unangenehmer Gerüche, eine Toilettenreinigung und gegebenenfalls die Regulierung der Raumtemperatur zur Verfügung.

 

Toilettentechnik in Vollendung

Toilettentechnik in Vollendung (Bild: Chris 73 / Wikimedia Commons)

 

Das Beste kommt zum Schluss: die sogenannte "Geräuschprinzessin". Gerade in öffentlichen Toiletten, in denen sich Kabine an Kabine reiht, fühlen sich manche Toilettenbenutzer so dicht neben einem Nachbarn bei ihren Verrichtungen nicht wohl. Selbst wenn sie ihren Nebensitzer nicht kennen, sind ihnen gelegentlich nicht vermeidbare typische Toilettengeräusche peinlich, und sei es nur das Rascheln des Papiers. Aus der Verlegenheit hilft die "Geräuschprinzessin", die auf dem Bedienungsdisplay einen eigenen Bereich einnimmt. Es stehen verschiedene Geräusche zur Wahl, die auf Knopfdruck bzw. Feldberührung persönliche Geräusche akustisch übertünchen. Liebliches Bachgeplätscher oder künstliches Toilettenspülungsrauschen übertönt alles Unerwünschte.

 

Textdompteuse, am 27.12.2011

Kommentare


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Textdompteuse am 09.01.2013

@ Klaus

Einen internationalen Toilettenführer herauszugeben ist eine schöne Idee. :o) Ein paar erlebte Beispiele hätte ich noch im Kopf, darunter auch so richtige Gruseltoiletten. Aber wenn es für einen ausführlichen Toilettenführer reichen soll, der seinen Namen verdient, muss ich dringend noch mehr Reisen absolvieren - und dafür brauche ich einen Sponsor! ;o)

Textdompteuse am 09.01.2013

Stimmt, von dem Streichholztrick hat mir auch schon mal jemand erzählt. ;o)

Krimifreundin am 09.01.2013

Den Trick mit dem Streichholz wendet meine zuweilen bessere Hälfte an. Ist wesentlich effektiver als irgendwelche Sprays, wo es nachher duftet wie ...naja!
LG v Ruth

Klaus_Radloff am 09.01.2013

Überaus interessant zu erfahren! Wenn Einer eine Reise tut ...
Hast du schon einmal daran gedacht, einen internationalen Toilettenführer herauszugeben? Könnte lohnend sein und zur Ergänzung trage ich zur Geräuschprinzessin den physikalisch wirkenden Duftprinzen bei: Um Gerüche am "stillen Örtchen" zu eliminieren genügt es ein Streichholz dort abzubrennen. Einfach mal probieren.

HenningSchuenke am 10.07.2012

Interessant, eine elektronische "Geräuschprinzessin" ist immer noch besser, als ständig das Wasser rauschen zu lassen, nur um andere Geräusche zu übertönen.
Bei diesem Display und den vielen tasten wüsste ich aber auch nicht, wie's weitergeht.
Mir reicht schon die mitunter einsetzende automatische Spülung....

profkm am 12.01.2012

Hm, die Hocktoilette sieht jedenfalls praktischer aus, als die französische Variante. Interessanter Artikel, Daumen hoch!

Krimifreundin am 28.12.2011

Ich habe Angst vor hochtechnisierten Toiletten, genauso wie vor Atomkraftwerken, die auch nicht beherrschbar sind. Bei High-Tech-Toiletten stelle ich mir vor, dass ich ungewollt die Haare gewaschen bekomme, wo ich doch eigentlich nur für kleine Königstigerinnen gehen wollte.
Der Artikel ist wieder mal hoch interessant. Es ist unglaublich, auf welch ausgefallene Themen du kommst. Schon das ist es wert, den Daumen keck zu zücken.
LG v Ruth

Textdompteuse am 27.12.2011

Danke für eure interessierten und fachkundigen Kommentare. :o) Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten und kulturellen Besonderheiten Japans sind auch die Toiletten dort eine Reise wert!




Bildquelle:
Foto: Urs Flükiger / pixelio.de (Neue Energiequelle – blauer Strom)
Ruth Weitz (Digitale Demenz - Macht zu viel Surfen im Internet blöd?)

Autor seit 3 Jahren
42 Seiten
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