Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende - Märchen: Wege zur Partnerschaftsreife (V3)
Ein Frosch und eine Prinzessin treffen sich, geraten in einen Konflikt mit einander, reifen daran und werden schließlich ein glückliches Königspaar. Ein lehrreicher Ablauf!
Vortrag 3 aus "Bewusstes Leben in Partnerbeziehungen - Heilung der Gefühle im Miteinander"
Dr. Thomas Kahl www.seelische-staerke.de
Das Märchen, das ich hier interpretieren möchte, schildert die Entwicklung einer Beziehung. Ein Frosch und eine Prinzessin treffen sich, sie geraten in einen Konflikt mit einander und am Ende der Geschichte begegnen sie uns als glückliches Königspaar. In den Hauptpersonen der Auseinandersetzung können wir uns wiederfinden, so meine ich, zumindest bis zu dem Punkt, wo es zwischen den beiden kracht. Beide lernen dann durch diesen Konflikt etwas, was sie reifer werden lässt. Sie gelangen durch den Konflikt zur Partnerschaftsreife.
Es handelt sich um einen Fall, wie er in einer therapeutischen Praxis und auch in meiner Erfahrung ständig vorkommt, und Hans Jelluschek hat dieses Märchen auch interpretiert in seinem Buch – ich hab’ mich von ihm etwas inspirieren lassen, aber, das, was Sie heute hier geboten bekommen, hat auch durchaus bestimmte Unterschiedlichkeiten und auch Ergänzungen dazu – aber das Buch ist sehr zu empfehlen. Also, es lautet: „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“.
Aus dem Frosch wird ein König, aus der Königstochter eine Königin.
Ich lese zunächst das erste Drittel des Märchens vor, um es dann zu interpretieren.
In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die jüngste war so schön, dass sich die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, darüber verwunderte, so oft sie ihr ins Gesicht schien. Nahe bei dem Schlosse des Königs lag ein großer dunkler Wald, und in dem Walde unter einer alten Linde war ein Brunnen. Wenn nun der Tag recht heiß war, so ging das Königskind hinaus in den Wald, und setzte sich an den Rand des kühlen Brunnens, und wenn sie Langeweile hatte, so nahm sie eine goldene Kugel, warf sie in die Höhe und fing sie wieder; und das war ihr liebstes Spielwerk.
Nun trug es sich einmal zu, dass die goldene Kugel der Königstochter nicht in das Händchen fiel, das sie ausgestreckt hatte, sondern neben vorbei auf die Erde schlug, und geradezu ins Wasser hinein rollte. Die Königstochter folgte ihr mit den Augen nach, aber die Kugel verschwand, und der Brunnen war tief, und gar kein Grund zu sehen. Da fing sie an zu weinen, und weinte immer lauter, und konnte sich gar nicht trösten. Und wie sie so klagte, rief ihr jemand zu: „Was hast du vor, Königstochter, du schreist ja, dass sich ein Stein erbarmen möchte". Sie sah sich um, woher die Stimme käme, da erblickte sie einen Frosch, der seinen dicken hässlichen Kopf aus dem Wasser streckte.
„Ach, du bist’s, alter Wasserpatscher", sagte sie, ich weine über meine goldne Kugel, die mir in den Brunnen hinab gefallen ist."
„Gib dich zufrieden", antwortete der Frosch, „ich kann wohl Rat schaffen, aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielwerk wieder heraufhole?"
„Was du willst, lieber Frosch", sagte sie, „meine Kleider, meine Perlen und Edelsteine, dazu die goldne Krone, die ich trage."
Der Frosch antwortete: „Deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine, deine goldne Krone, die mag ich nicht. Aber, wenn du mich lieb haben willst, und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein, an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldnen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken, in deinem Bettlein schlafen, wenn du mir das versprichst, so will ich dir die goldne Kugel wieder aus dem Grunde hervor holen".
„Ach ja", sagte sie, „ich verspreche dir alles, wenn du mir nur die Kugel wieder bringst." Sie dachte aber: „Was der einfältige Frosch schwätzt, der sitzt im Wasser bei seines Gleichen, und quakt, und kann keines Menschen Geselle sein". Der Frosch, als er die Zusage erhalten hatte, tauchte seinen Kopf unter, sank hinab, und über ein Weilchen kam er wieder herauf gerudert, hatte die Kugel im Maul, und warf sie ins Gras. Die Königstochter war voll Freude, als sie ihr schönes Spielwerk wieder erblickte, hob es auf, und sprang damit fort. „Warte, warte", rief der Frosch, „nimm mich mit, ich kann nicht so laufen wie du." Aber was half ihm, dass er ihr sein „Quak, Quak“ so laut nachschrie als er konnte! Sie hörte nicht darauf, eilte nach Haus, und hatte bald den armen Frosch vergessen, der wieder in den tiefen Brunnen hinab steigen musste.
Die Königstochter und der Frosch begegnen einander am Brunnen. Zunächst erfahren wir einiges über das Wesen der Königstochter:
Sie ist wunderschön und reich. Und, sie ist jung, sehr jung, ja fast noch ein Kind. Sie scheint alles zu haben, was sie sich wünscht. Doch zuweilen geht sie hinaus in einen dunklen Wald zu einem Brunnen. Wenn sie Langeweile hatte, so spielte sie mit ihrer goldenen Kugel. Das Mädchen scheint ziemlich allein zu sein, kann mit sich und mit seiner Zeit nichts Rechtes anfangen. Sie hat keine Spielkameraden, nur Schwestern, die aber offensichtlich nicht mit ihr spielen. Wenn sie in den dunklen Wald geht, zum Brunnen, so entfernt sie sich vom väterlichen Schloss. Sie scheint dort Abwechslung zu suchen, die erfrischende Kühle.
Die goldene Kugel, mit der sie spielt, ist ein Symbol der Vollkommenheit, der heilen Kindheit. Wie einige der Ausführungen jedoch schon erkennen lassen, scheint ihre Welt jedoch nicht ganz heil zu sein. Und so verliert sie die goldene Kugel - diese fällt in den Brunnen. So wundert uns auch nicht, dass sie weint und die Kugel wieder haben möchte. Sie sitzt am Brunnenrand und weiß sich nicht zu helfen. Sie kann sich die Kugel nicht selbst wieder holen, sie ist hilflos, also auf Hilfe angewiesen. Sie ist mithin ein noch recht unselbständiges Mädchen. So erscheint es ihr zunächst als eine sehr glückliche Fügung, dass der hilfreiche Frosch auftaucht.
Der Frosch zeigt sich sehr mitfühlend und mit Erbarmen. Er ist jedoch kein selbst-loser Helfer. Er möchte für seinen Dienst etwas haben - aber das, was ihm die Königstöchter von sich aus anzubieten vermag, kann er nicht gebrauchen. Was sollte er mit ihren Kleidern, Perlen, Edelsteinen und ihrer goldenen Krone schon unten im Brunnen anfangen können? Was er sich wünscht, das ist, aus seiner ungemütlichen Welt, aus der rauen Natur, wo er um sein Überleben kämpfen muss, herauszukommen. Er möchte in der Herrlichkeit des Schlosses leben, ihr Geselle und Spielkamerad sein, von ihr ernährt werden, in ihrem warmen, weichen Bettlein schlafen. Er träumt von einem angenehmen Leben an der Seite einer wunderschönen Frau. Was er sich wünscht, das ist ihre Liebe. Nur ihre Liebe kann ihn aus seiner unwirtlichen Welt erlösen.
Was hat er ihr außer seiner Hilfe - dem Wiederbringen der Kugel - zu bieten? Seine Fähigkeit, die Kugel zu holen, symbolisiert seine Leistungstüchtigkeit, seine Geschicklichkeit, seine Stärken, seinen Mut und seine Entschlossenheit. Dies sind sicherlich Eigenschaften, die Frauen an Männern zu schätzen wissen, vor allem dann, wenn sie selbst noch so unselbständig sind wie unser Königskind. Aber, er ist kalt und hässlich, plump. Kein Wunder, dass die Königstochter an dem alten Wasserpatscher kein Interesse hat, erst recht nicht als Partner. Einen Spielkameraden könnte sie vielleicht ganz gut gebrauchen, aber an einen Lebenspartner scheint sie noch gar nicht zu denken. Außerdem käme als Partner für eine Königstochter doch nur ein Mann infrage, der das Zeug hat, ein König zu werden. Auch der tüchtigste Diener ist hierfür untauglich. Ein angehender König bedarf einer echten, gereiften Persönlichkeit. Der Frosch lässt eine solche nicht erkennen, möchte er doch durch ihre Gunst und aufgrund einer einmaligen Tauchleistung zum Königsnachfolger befördert werden.
Was immerhin für den Frosch zu sprechen scheint, das ist, dass er seine Bedingungen eindeutig klarlegt. Er sagt offen, ehrlich und unmissverständlich, was er als Gegenleistung für seinen Dienst verlangt. Die Forderung des Frosches ist zwar klar, wirkt aber objektiv gesehen überzogen: Er nützt ihre Notlage aus, dass sie ihre Kugel unbedingt wiederhaben will. So ringt er ihr das Versprechen ab, ihn als Partner anzuerkennen und anzunehmen - das ist sicherlich mehr als ein gerechter Lohn für eine Dienstleistung. Zudem ist Liebe - und diese wünscht er sich - etwas, was man sich nicht durch Leistung erkaufen kann, - wenn man unter Liebe mehr versteht als das, was eine übliche Prostituierte als Dienstleistung offeriert. Liebe bedarf zumindest der gegenseitigen Sympathie.
Auf Grund dessen kann es uns nicht verwundern, dass die Königstochter ihr Versprechen und seine Vorstellungen nicht ernst nimmt. Da sie ihre Kugel jedoch unbedingt wiederhaben möchte, verspricht sie ihm etwas, woran sie sich nicht zu halten gedenkt. Als Kind hat sie noch kein echtes Verantwortungsbewusstsein - sie meint, sich den Erwartungen, die sie beim Frosch geweckt hat, problemlos entziehen zu können. Sie gedenkt, ihn um den ungerechten Lohn, den er fordert, zu betrügen. So beantwortet sie seine überzogenen Forderungen mit Unehrlichkeit, einer Lüge.
Es ist sogleich klar, dass die Sache nicht gut ausgehen kann.
Zu Beginn einer Begegnung zwischen zwei Menschen: Die Situation und die Bedingungen, unter denen sie sich kennen lernen, bilden die Ur-Sachen, aus denen sich alles Weitere ergibt. Der Konflikt zwischen beiden ist von vornherein programmiert:
Wir haben ein ungleiches Paar vor uns, zwei Personen mit unterschiedlichen Erwartungen und Eigenschaften, die sich in der Anfangssituation gegenseitig ideal zu ergänzen scheinen. Die Königstochter erhält ihre verlorene Kugel wieder, der Frosch sieht sich schon als König. Nachdem die Königstochter die Kugel wiederhat, sind beide glücklich - für einen Augenblick.
Was wir hier vor uns haben, das sind zwei Kinder - bedürftig und unreif. Im wirklichen Leben ist es oft ähnlich, wenn sich ein junger Mann und eine junge Frau das erste Mal treffen. Dabei kann es durchaus auch so sein, dass der junge Mann wie ein Königssohn wirkt, also attraktiv, reich und mächtig und die Frau wie ein Fröschlein, wie eine unattraktive, für ihn unattraktive, aber hilfreiche und tüchtige Dienerin. Allerdings werden im wirklichen Leben in der Regel die Erwartungen aneinander nicht so klargestellt und formuliert wie in unserem Märchen. Doch, wenn die Erwartungen unausgesprochen dieselben sind wie bei Frosch und Prinzessin, so sind auch die Folgen dieselben. - Wie geht unser Märchen weiter?
Am andern Tage, als sie mit dem König und allen Hofleuten an der Tafel saß, und von ihrem goldnen Tellerlein aß, da kam, plitsch platsch, plitsch platsch, etwas die Marmortreppe herauf gekrochen, und als es oben angelangt war, klopfte es an der Tür, und rief „Königstochter, jüngste, mach mir auf". Sie lief und wollte sehen, wer draußen wäre, als sie aber aufmachte, so saß der Frosch davor. Da warf sie die Tür hastig zu, setzte sich wieder an den Tisch, und war ihr ganz angst. Der König sah, dass ihr das Herz gewaltig klopfte, und sprach: „Ei, was fürchtest du dich, steht etwa ein Riese vor der Tür, und will dich holen?"
„Ach nein", antwortete das Kind, „es ist kein Riese, sondern ein garstiger Frosch, der hat mir gestern im Wald meine goldene Kugel aus dem Wasser geholt, dafür versprach ich ihm, er sollte mein Geselle werden, ich dachte aber nimmermehr, dass er aus seinem Wasser heraus könnte. Nun ist er draußen, und will zu mir herein."
Indem klopfte es zum zweitenmal und rief, „Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt du nicht, was gestern du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser? Königstochter, jüngste, mach mir auf." Da sagte der König: „Hast du's versprochen, musst du's auch halten; geh und mach ihm auf". Sie ging und öffnete die Türe, da hüpfte der Frosch herein, ihr immer auf dem Fuße nach, bis zu ihrem Stuhl. Da saß er und rief: „Heb mich herauf zu dir". Sie wollte nicht, bis es der König befahl. Als der Frosch auf den Stuhl gekommen war, sprach er: „Nun schieb mir dein goldenes Tellerlein näher, damit wir zusammen essen". Das tat sie auch, aber man sah wohl, dass sie’s nicht gerne tat. Der Frosch ließ sich’s gut schmecken, aber ihr blieb fast jedes Bisslein im Halse.
Endlich sprach er: „Nun hab ich mich satt gegessen, und bin müde, trag mich hinauf in dein Kämmerlein, und mach dein seiden Bettlein zurecht, da wollen wir uns schlafen legen".
Da fing die Königstochter an zu weinen, und fürchtete sich vor dem kalten Frosch, den sie nicht anzurühren getraute, und der nun in ihrem schönen reinen Bettlein schlafen sollte.
Der König aber blickte sie zornig an, und sprach: „Was du versprochen hast, sollst du auch halten, und der Frosch ist dein Geselle". Es half nichts, sie mochte wollen oder nicht, sie musste den Frosch mitnehmen. Da packte sie ihn, ganz bitterböse, mit zwei Fingern, und trug ihn hinauf, und als sie im Bett lag, statt ihn hinein zu heben, warf sie ihn aus allen Kräften an die Wand und sprach: „Nun wirst du Ruhe haben, du garstiger Frosch".
Nachdem die Königstochter in das Schloss ihres Vaters zurückgelaufen ist, kommt es zum Konflikt. Der Frosch will seinen Lohn haben, die Königstochter wird zum Opfer ihres falschen Versprechens. Die Folgen ihres Tuns ereilen sie auf unbarmherzige Weise. Der Frosch fordert unbeirrbar seinen Lohn.
Im Schloss, wo sich die Königstochter Schutz und Geborgenheit erhofft, Verständnis für ihre unangenehme Lage, trifft sie auf einen Vater, der für den Frosch Partei ergreift: „Was du versprochen hast, musst du auch halten!“ Der Vater vertritt auf lieb-lose Weise ein hartes pädagogisches Prinzip: Was man sich eingebrockt hat, das muss man auch auslöffeln. Der Vater ist hart und herzlos, will ihr Verantwortungsgefühl beibringen. Von einer Mutter, die Verständnis und Erbarmen für ihr gleichgeschlechtliches Kind, für ihre weiblichen Eigenarten hat, ist weit und breit nichts zu sehen.
Kein Wunder, dass sich das Mädchen über den Frosch gefreut hatte, der so viel Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gezeigt hat, als ihr die Kugel in den Brunnen gefallen war. Vielleicht war es ja ihre Sehnsucht nach Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Verständnis gewesen, die die Königstochter in den dunklen Wald und zum Brunnen getrieben und sie die Kugel verlieren lassen hat. Hier konnte sie dem hilfreichen Frosch und dem mütterlichen Prinzip begegnen, das ihr so fehlte. Fern vom Schloss konnte sie sich dem beglückenden Spiel mit der Kugel hingeben. Hier konnte sie sie selbst sein. Im Schloss hingegen, im Beisein des Vaters, muss sie dessen Forderungen gerecht werden, sich diesen unterordnen, auch wenn dies ihr gefühlsmäßig zutiefst zuwider ist. So muss sie sich nun allen Forderungen des Frosches fügen, auch wenn ihr dabei immer übler wird, ihr jeder Bissen im Halse stecken bleibt und sie sich noch so sehr vor dem Frosch ekelt.
Hier im Schloss, unterstützt vom Vater, zeigt der Frosch sein wahres Gesicht: Obwohl sie sich immer wieder weigert und ziert, bedrängt er sie lieblos immer weiter und droht ihr schließlich mit dem Vater, wenn sie nicht alles tut, was er von ihr verlangt. Er tut alles in seinen Kräften Stehende, um sie sich zu unterwerfen und gefügig zu machen. Wäre er größer und kräftiger, so würde er wahrscheinlich auch nicht vor körperlicher Gewaltanwendung zurückschrecken und sie vergewaltigen. So treibt er sie an die Grenze des für sie Erträglichen, bis sie keinen anderen Ausweg mehr weiß, als ihn mit allen Kräften gegen die Wand zu werfen. Sie möchte den unerträglichen Kerl loswerden, und dabei schreckt sie auch nicht zurück davor, ihn möglicherweise umzubringen. - Im Prinzip tut sie aber nichts anderes als er auch - sie will ihn ihren eigenen Vorstellungen unterwerfen.
Derartige Abläufe finden wir auch immer wieder im alltäglichen Partnerschaftsleben: Der eine will vom anderen etwas haben, was dieser jenem nicht gewähren will oder kann. Es ist die übliche Situation eines Konflikts. Miteinander unvereinbare Wünsche und Erwartungen prallen aufeinander, ohne dass es eine für beide Personen befriedigende Lösung gibt. Offensichtlich muss immer eine ganze Menge zusammen kommen, eine schließlich unerträgliche Eskalation eintreten, bis die Fronten klar werden.
Wie kann die Geschichte nun weitergehen?
Möglichkeit 1: Der Frosch ist tot - Die Beziehung ist ein für alle Mal zuende.
Möglichkeit 2: Der Frosch überlebt, ist aber geschwächt und erholt sich wieder - wobei er Gelegenheit hat, zur Besinnung zu kommen, d.h. nachzudenken.
Vielleicht erkennt er, dass er sie im Moment überfordert hatte, dass es noch zu früh war, seine Forderungen durchzusetzen. Er versucht es dann am nächsten Tag wieder, vielleicht auch erst einige Monate später, eventuell diesmal mit anderen Machtmitteln - mit direkterer Unterstützung ihres Vaters.
Wenn sich ihre Einstellung/Haltung ihm gegenüber nicht wandelt, so kommt es dann immer wieder zu neuen, gleichartigen Auseinandersetzungen.
Vielleicht versucht er auch, sie wieder mit sich zu versöhnen, indem er ihr eine Zeit lang sich von der mitfühlenden, barmherzigen Seite zeigt, ihr wieder einmal einen Gefallen tut und dann aufgrund von diesem hofft, endlich an sein Ziel zu gelangen. Dann wiederholt sich die Geschichte wieder - so wie sie am Brunnen begonnen hatte. Er ist ein Frosch und bleibt ein Frosch.
Halten wir nun einen Moment inne und fragen uns: Wie konnte es dazu kommen, dass sich der Frosch nicht durchgesetzt hatte - dass sich die Königstochter nicht - so, wie beim Essen - auch am Bett den männlichen Forderungen (der Forderung des Frosches und des Vaters) unterworfen hat? Schließlich hätte sie ihn ja auch in ihr Bett lassen können!
Hätte sie dies getan, so hätte sie sich verhalten wie viele Frauen, die mit ihrem Partner schlafen, obwohl es ihnen widerstrebt. Hätte die Königstochter den Frosch in ihr Bett genommen, so hätte sie sich bis zu Letzten seinen Frosch-Forderungen unterworfen. Wenn sie mit ihm geschlafen hätte, so hätte sie sich mit dem Frosch vereinigt und wäre dadurch selbst zu einem Fröschlein geworden. Wer wichtige eigene Ansprüche aufgibt, erniedrigt sich selbst. Dies hat die Königstochter jedoch nicht getan und dadurch erwies sie sich ihrer königlichen Abstimmung als würdig.
Damit vollbrachte sie eine grandiose Leistung: Sie setzte sich über die Drohungen des Frosches und die Forderungen ihres Vaters hinweg und verweigerte die weitere Unterwerfung. Sie nimmt in Kauf, dass sie dafür verurteilt werden kann. Damit handelt sie entsprechend ihrem inneren Gefühl, ohne Rücksicht auf die Folgen. Sie riskiert, von ihrem Vater verstoßen zu werden und in den Augen des Frosches als widerwillig, unnahbar und frigide zu gelten. Recht hat sie, denn in den Augen des Frosches sieht sie sich nicht als Königstochter anerkannt, von ihm fühlt sie sich wie ein willenloses Objekt behandelt. Aus seinen Augen begegnet ihr kein liebevoller Blick, sondern Gier und Garstigkeit.
Nun, in Anbetracht des unerträglichen Ekels, der sie überkommt, handelt sie eigen-ständig, selbstbewusst, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie beginnt nun, ihr eigenes Leben selbst zu bestimmen, indem sie sich von den Vorschriften ihres Vaters emanzipiert. Indem sie Stärke gegenüber männlichen Forderungen demonstriert, erweist sie sich als einem Mann gewachsen - damit tut sie den entscheidenden Schritt zur Partnerschaftsreife. Sie ist nun nicht mehr das liebe, gehorsame Mädchen, das sich unterordnet. Und sie steht dazu, dass sie nicht mehr das gehorsame Mädchen ist. Sie verhält sich ungehorsam, tut das, was ihr selbst richtig erscheint.
Wir erfahren in der Geschichte nicht, wie genau sie sich verhalten würde, wenn ihr Vater anordnen würde, dass sie sich vor Gericht zu verantworten hat. Es ist zu vermuten, dass sie ihr ungehorsames Verhalten auch öffentlich zu verteidigen bereit wäre, denn im weiteren Verlauf der Geschichte zeigt sich, dass ihre Haltung Anerkennung findet. Der Frosch scheint kapiert zu haben, dass er so, wie er es tat, mit einer Königstochter nicht umgehen darf und kann. Dies zeigt sich darin, dass er eine Verwandlung durchmacht:
Als er herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen freundlichen Augen.
Durch ihre Tat hat sich die Königstochter zur Frau gewandelt, der Frosch sich zum Königssohn. Auch er ist erwachsen geworden, denn er hat gelernt, dass er sich nicht so verhalten darf, wie er es tat, sondern dass er sich ändern muss - er ist in die Ohnmacht und dadurch zur Besinnung gekommen.
Unser Märchen beschreibt den Königssohn weiter:
Der war nun nach ihres Vaters Willen ihr lieber Geselle und Gemahl. Da erzählte er ihr, er wäre von einer bösen Hexe verwünscht worden, und niemand hätte ihn aus dem Brunnen erlösen können als sie allein, und morgen wollten sie zusammen in sein Reich gehen.
Der Verweis auf die Hexe lässt deutlich werden, was es mit der Entwicklung zum Frosch auf sich hat: Er ist ja in der Geschichte uns bislang nicht als Königssohn, sondern als Frosch begegnet. Ein Frosch ist ein Mann, der sich seiner Mutter, deren Forderungen unterordnet und ihr, der Frau, alles recht zu machen versucht, indem er sich ihr gegenüber wie ein Diener aufführt, um sich ihre Liebe und Zuneigung zu verdienen. Er stellt der Frau seine Dienste zur Verfügung. Um es sich mit einer Frau nicht zu verderben, um ihre Liebe zu gewinnen, erniedrigt er sich selbst.
Und: Wenn der Frosch-Sohn glaubte, sich mütterlich-weibliche Zuneigung und Liebe durch Leistungen, Dienste erkaufen zu können, so verstehen wir nun leichter, dass er zu Beginn der Geschichte noch meinte, auch bei anderen Frauen (der Königstochter) sei ebenso vorzugehen.
Wie geht das Märchen aus?
Da schliefen sie vergnügt zusammen ein, und am andern Morgen, als die Sonne sie aufweckte, kam ein Wagen herangefahren mit acht weißen Pferden bespannt, die waren mit Federn geschmückt, und gingen in goldenen Ketten, und hinten stand der Diener des jungen Königs, das war der treue Heinrich.
Der treue Heinrich hatte sich so betrübt, als sein Herr war in einen Frosch verwandelt worden, dass er drei eiserne Bande hatte müssen um sein Herz legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit zerspränge. Der Wagen aber sollte den jungen König in sein Reich abholen; der treue Heinrich hob beide hinein, und stellte sich wieder hinten auf, voller Freude über die Erlösung.
Und als sie ein Stück Wegs gefahren waren, hörte der Königssohn hinter sich, dass es krachte, als wäre etwas zerbrochen. Da drehte er sich um, und rief: „Heinrich, der Wagen bricht."
„Nein, Herr, der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem
Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als ihr in dem Brunnen saßt,
als ihr eine Fretsche (Frosch) was't (wart)."
Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Königssohn meinte immer, der Wagen bräche, und es waren doch nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr wieder erlöst und glücklich war.
Ganz offensichtlich scheint der Konflikt zwischen unseren beiden Hauptpersonen nun gelöst zu sein. Nachdem sie sich als einander gewachsen erwiesen haben und sich trotz aller Unterschiedlichkeiten anerkennen, sind die Probleme zwischen beiden ausgeräumt. Nun können sie gemeinsam eine Aufgabe übernehmen, als König und Königin. Als solche haben sie einen gemeinsamen Diener, den treuen Heinrich. Er hebt sie beide in den Wagen und geleitet sie zum Königreich.
Heinrich hatte es betrübt, als sein Herr zum Frosch wurde. Sein Mitgefühl zeigt sich, als er sich drei eiserne Bande hatte um sein Herz legen lassen. Diese Bande symbolisieren die Härte, Herzlosigkeit, Gefühllosigkeit des Mannes, die ihn fesselt und einengt wie eine Rüstung, an der alle feindlichen Angriffspfeile abprallen - wie die Klagen und Leidgefühle der Königstochter an den unbarmherzigen und lieblosen Forderungen des Frosches. Nun, nachdem der Frosch seine Starrheit aufgegeben hatte, können sich die Bande von Heinrichs Herz lösen. Dass der Königssohn befürchtet, der Wagen bricht, weist darauf hin, dass er sich in seiner Partnerschaft mit seiner Frau noch etwas unsicher fühlt, dass diese noch auf etwas wackeligen Rädern beruht. Dass es drei eiserne Bande sind, die brechen müssen, lässt deutlich werden, dass ein einmaliges Lösen der Härte offensichtlich nicht ausreicht.
Der erfolgreiche Umgang mit einem Konflikt löst nicht mit einem Schlag alle Probleme - in einer Partnerschaft ergeben sich immer wieder neue Konflikte und diese müssen immer wieder mit gegenseitigem Verständnis und Liebe ausgetragen werden.
So schildert die Geschichte vom Froschkönig die Entwicklung einer Froschpersönlichkeit - und diese kann männlich oder weiblich sein - zur Partnerschaftsreife hin. Partnerschaftsreife ist nicht ein ein-für-alle-Mal erreichbarer Zustand. Sie muss sich angesichts neuer Situationen und Konflikte immer wieder neu erweisen.
Wenn man jedoch einmal den notwendigen Ablauf im Prinzip erkannt hat, so erweisen sich alle weiteren, späteren Konflikte als in ähnlicher Weise bewältigbar. Und damit wird es von Mal zu Mal einfacher. Hier scheint der Grund dafür zu liegen, dass König und Königin, also Menschen, die meisterhaft mit ihren Problemen umzugehen verstehen, immer glücklicher und zufriedener miteinander werden können - weil sie die Voraussetzungen dafür erworben haben, glücklich zu sein bis an ihr Lebensende.
Das Gegenstück zum Froschkönig mag man in der Aschenputtel - Cinderella- Geschichte sehen: Die vom Leben und ihrer Stiefmutter arg geschundene Dienstmagd, die tapfer und bescheiden ihre Arbeit tut, steht für den Traum vieler Mädchen, die darauf hoffen, von einem Mann aus ihrem Schicksal erlöst zu werden - möge doch ein Prinz vorbeireiten, der sie auf sein stolzes Ross emporhebt und mit ihr in den siebten Himmel einzieht. Auch dieser Traum ist im wahren Leben schon öfters wahr geworden, dazu braucht es jedoch mehr als geflissentliches Immer-wieder-davon-Träumen. Was dazu genau nötig ist, kann ich nicht wie beim Froschkönig aufgrund eigener Erfahrung sagen und bestätigen.
Verwandlungen und Wunder sind möglich - dadurch, dass man zur Besinnung und zu einer neuen Sicht der Dinge gelangt.
Im Froschkönig sehe ich mehr als die Darstellung einer individuellen Entwicklungs- und Erlösungsgeschichte - am Froschkönig lässt sich erkennen, wie Liebe verlaufen kann, wie sie sich entwickeln kann. Entwicklung bedeutet Veränderung und somit lässt sich fragen, wie sich das verändert und wandelt, was wir im Laufe einer Partnerschaft als unsere Liebe zueinander bezeichnen. Am Froschkönig lassen sich vier Entwicklungsschritte, 4 Phasen erkennen, und jeder davon lässt sich eine eigene Definition von "Liebe" zuordnen:
Die 1. Phase, die des Kennenlernens, ist oft - wie beim Froschkönig – gekennzeichnet von dem Prinzip: Ich möchte mit dir zusammen sein, weil ich dich haben will, weil du etwas bist, hast oder kannst, was ich brauche, was mir gut tut. Ich liebe dich, weil ich dich brauche. Ich liebe dich - das bedeutet, ich brauche dich, kann mir nicht vorstellen, ohne dich zufrieden leben zu können.
Was ich gerne habe und mag, was ich liebe, das will ich besitzen, in meiner Nähe haben, wenn mich danach verlangt. Du hast für mich da zu sein! In dieser Haltung drückt sich eigene Bedürftigkeit, Abhängigkeit aus, in einer Weise, die der Beziehung eines Kindes, der Liebe eines Kindes zu seinen Eltern gleicht.
Diese Haltung stößt an ihre Grenzen, führt zum Konflikt, wenn sich mein Partner meinen Bedürfnissen entzieht oder verweigert, weil es ihm unangenehm oder lästig ist, diesen nachzukommen. Die Froschkönig-Geschichte zeigt dies auf eindringliche Weise. Wenn die Beziehung, diese Form der Liebe, an solchen Konflikten nicht Schaden nehmen oder zerbrechen soll, kommt es zum Übergang zur 2. Phase. Die erste Prüfung lautet also: Kann ich akzeptieren, dass du auch anders bist, als ich dich mir wünsche?
In der 2. Phase geht es um die Bereitschaft, meinen Partner auch dann zu akzeptieren und zu lieben, wenn und wo er meinen Bedürfnissen nicht voll entspricht und gerecht wird. Diese Phase betrifft das Akzeptieren der Andersartigkeit, der Unterschiedlichkeit des Partners, den Respekt gegenüber seinen Freiraumbedürfnissen, das Umgehen-Lernen mit dem Wechsel zwischen Nähe und Distanzwünschen.
Während in der 1. Phase - dem Haben-Wollen - das Spiel der Kinder lautet Wir spielen Kriegen: Kriegst du mich - krieg ich dich? Bringen wir Gemeinsamkeit, Ergänzung, Nähe zustande? wird in der 2. Phase klar, dass dieses Spiel keinen Spaß mehr macht, wenn einer den anderen fest hält und nicht mehr loslassen will, nachdem er ihn einmal gekriegt hat.
Bedenken wir: Im Wort "kriegen" steckt das Wort "Krieg"- und der kann zum Tode, zum Ende der Beziehung führen.
Der Reiz des Spiels, die Spannung, beruht von nun an darauf, dass mir der andere immer wieder entwischt, sich mir entzieht (Distanz, Freiraum) und wie wir uns danach gegenseitig wieder kriegen (Nähe). Dadurch entsteht ein lebendiger Austausch, Abwechslung, und es kommen neue Elemente durch die offenbar werdenden Unterschiedlichkeiten ins Spiel. Aufgrund dessen kann echte Bindung zustande kommen, menschliche Wertschätzung, die über das anfängliche Akzeptieren einzelner Eigenarten weit hinausgeht.
Liebe ist hier, sich selbst und den Partner in der eigenen Vielfältigkeit kennen zu lernen und zu akzeptieren - Konflikte als Mittel des Sich-Kennenlernens zu verstehen, als Ausdruck lebendigen sich Begegnens zweier sich gegenseitig als gleichwertig anerkennender verschiedener Menschen.
Hier geht es also nicht mehr darum, ob man sich gegenseitig kriegt, sondern darum, ob es Spaß macht, miteinander immer wieder auf unterschiedliche Weise "Kriegen" zu spielen. Solange man sich so miteinander auseinander setzt, wird die Beziehung immer reicher, lebendiger und intensiver - so lange besteht keine Trennungswahrscheinlichkeit. Die 2. Prüfung lautet also: Können wir relativ angstfrei und mit beiderseitigem Gewinn miteinander Kriegen spielen? Erfahren wir, dass es dabei nicht um Sieg und Niederlage, sondern um gemeinsames Gewinnen von Erkenntnissen geht? Hier verwandelt sich der Frosch allmählich immer mehr in den Königssohn. Nach bestandener Prüfung gelangt man in die 3. Phase.
In der 3. Phase kann es zur weiteren Vertiefung der Beziehung kommen. Im Vordergrund steht hier nicht mehr die längst – in der 2. Phase - beantwortete Frage, wie wir Konflikte miteinander produktiv lösen und dabei miteinander gewinnen können, sondern die Frage, wie genau es zu Konflikten und Verletzungen zwischen uns kommt.
Es geht hier vorrangig um die persönlichen entwicklungsgeschichtlichen Hintergründe der Eigenarten jeden Partners und um deren produktive Bearbeitung, mit dem Ziel der eigenen Vervollkommnung, der Heilung der Wunden eines Jeden. Hier kann ich den Partner als Spiegel schätzen und brauchen lernen, als notwendigen und hilfreichen Begleiter auf dem Weg des Suchens und Findens des eigenen und des Anderen Selbst.
Die reizvolle Aufgabe lautet nun: Entdecken wir, wer wir sind, was in uns alles steckt! Ich und mein Partner, wir sind geheimnisvolle Wesen, wir stammen beide aus einem anderen Universum, von einem fremden Ufer oder Stern. Wenn wir uns begegnen, erleben wir lauter Überraschungen. Der Andere ist für uns wie ein Weihnachts-Geschenk in einer Verpackung, die den Inhalt nicht gleich erkennen lässt. Wenn wir das Geschenk auspacken, werden wir uns immer wieder wundern.
Der Andere und wir selbst, wir sind wie Wundertüten. Die Lust und Spannung besteht im Auspacken der Inhalte der Tüte, auf der Neugierde, was alles darin steckt - sie beruht weniger auf den einzelnen Sachen, die wir nach dem Auspacken vorfinden.
Beim Auspacken selbst ist größte Vorsicht geboten, denn stets stecken auch einige Knallfrösche darin, die uns erschrecken lassen, die uns zugleich aber auch Spaß bereiten können. Vielleicht gefällt uns jetzt manches nicht, was darin ist - oft können wir seinen Wert erst nach einiger Zeit richtig einschätzen. Die Tüte enthält wertvolle, uns noch unbekannte Pflanzensamen, die erst Früchte tragen können, wenn wir die Samen nicht achtlos übersehen oder wegwerfen, sondern eingepflanzt, begossen und gepflegt haben.
In dieser Phase können wir aus unseren Eingeengtheiten, unseren begrenzten Vorstellungen, unseren Unvollkommenheiten herausgelangen - als gegenseitig einander schätzende, pflegende und heilende Partner, gleichsam Psychotherapeuten. Wir befreien uns einander aus unserer persönlichen Entwicklungsgeschichte, aus unserer Begrenztheit durch die Familien- und Elternprägungen. Die eisernen Bänder um unsere Brust, unser Herz, zerspringen wie beim eisernen Heinrich - Freude und Freiheit entstehen. Danach lieben wir uns nicht mehr, weil wir uns brauchen, sondern wir lieben uns, weil wir wissen und ständig erfahren, dass wir ein unverwechselbares, unaustauschbar wertvolles Geschenk füreinander sind. Und deshalb sind wir einander treu. Wir brauchen uns, weil wir uns lieben und schätzen.
Wenn wir die 3. Phase erfolgreich abgeschlossen, also die dortigen Prüfungen bestanden haben, haben wir - psychologisch gesehen – den Stand des erwachsenen Menschen erreicht: Jeder von uns ist fähig, seine Lebensaufgaben allein, auch ohne den anderen, zu bewältigen. Wir sind Meister unseres eigenen Lebens geworden, fähig, die Regierung in unserem eigenen Lebens(be)reich als König oder Königin zu übernehmen. Nun kann der Übergang in die 4. Phase erfolgen.
Wir schätzen und lieben uns, brauchen aber einander für uns selbst, für unsere weitere Entwicklung und Vollkommenheit nicht mehr. Wir sind nicht mehr bedürftig. Damit beginnt die 4. Prüfungsserie: Sind wir bereit, eine verantwortungsvolle Aufgabe anderen Menschen gegenüber zu übernehmen und diese gemeinsam zu leisten?
Wenn wir dazu nicht bereit sind, so kann unser weiteres Miteinander, unsere Partnerschaft sinnlos werden und wir können uns in gegenseitigem Einvernehmen voneinander trennen. Sind wir dazu bereit, so können wir als reife Partner gemeinsam kreativ werden, gemeinsam ein Unternehmen gründen und leiten, Kinder zeugen oder adoptieren und deren Entwicklung fördern. Nachdem wir uns - in der 3. Phase - selbst erlöst haben, können wir in der 4. Phase miteinander üben und lernen, zum Wachsen anderer beizutragen. Deren Fortschritte zu begleiten und zu erleben und uns dabei immer weiter zu entwickeln, ist nun die Quelle unseres Glücks.
Lieben ist nun, glücklich zu sein im Geben, im Da-Sein für andere. Dies kann ich sein, wenn ich König/Königin bin, also selbst alles habe, was ich für mich brauche. Und so enden die Märchen: Sie lebten als König und Königin glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende - und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Dieser Vortrag ist auch als Hörbuch (auf CD oder über Download) erhältlich. Klicken Sie dazu auf folgenden Link oder tragen Sie diesen in die Adresszeile Ihres Internet-Browsers ein:








Kommentare
Schön, das man sich fast jedes Mal in den Themen wiederfindet :)
Ich war richtig erstaunt, als ich am Ende merkte "Ui, ich bin in der Phase 4" das hätte ich nicht erwartet.
Vielen Dank für die spannenden Artikel, bitte weiterschreiben! :)
Viele Grüsse
mir zu Gemüte führen.
Bin begeistert
Uwe