Entgegen Witzeleien, nach denen die Wirkungen von Kuren erst zu Weihnachten eintreten, reagiert unser Organismus quasi im "Handumdrehen" auf jeden Einfluss sofort. Diese Fähigkeit ist lebensnotwendig, denn nur so können die verschiedensten Anforderungen gemeistert werden: vom Liegen zum Stehen und danach ad hoc zum morgendlichen Joggen. Atem- und Herzfrequenz, sowie der Blutdruck werden in sekundenschnelle den Anforderungen angepasst. Beim Ortswechsel von geheizter Wohnung in winterliche Kälte werden die Blutgefässe der mit der Kälte in Kontakt kommenden Hautpartien blitzschnell verengt, um Wärmeverluste zu vermeiden.
Wie ist unter Beachtung dieser Fähigkeiten eine Unterkühlung, beispielsweise durch Zugluft zu werten? Angenommen, jemand setzt sich bei einem Ausflug auf einen kalten Stein und erhebt sich - nach dem Picknick - mit einem Hexenschuss. Der erste und völlig zutreffende Gedanke ist, er hätte sich verkühlt und er strebt deshalb die heimische Badewanne mit einem schönen, heißen Bad an.
Danach wird jedoch oft die Erfahrung gemacht, dass sich Beschwerdefreiheit dadurch nicht erreichen ließ, sich im Gegenteil der Schmerz noch verstärkte. Die Erklärung für diesen Effekt ist einfach: Um dem erlittenen Wärmeverlust entgegen zu wirken, hat unserer Körper bereits vorher versucht, ihn durch Wärmezufuhr auszugleichen. Er steigerte die Durchblutung und wenn danach weitere Wärme zugeführt wird, ist u.U. eine Stauung, ein mäßig entzündlicher Zustand die Folge, der durch weitere wärmende Anwendungen bis ins Unerträgliche gesteigert werden kann.
Durch unangepasste Selbsthilfe wird die Selbstregulation des Organismus ausgehebelt.
Kommentare
Natürlich haben die Götter in Weiss immer Recht - auch wenn 5 verschiedene Ärzte - 5 verschiedene Diagnosen stellen und die demenstsprechende Behandlung anordnen.
Habe das bei meinem Vater gesehen - der eine Arzt verschreibt die übelsten Chemiekeulen - der nächste schüttelt mit dem Kopf und sagt, dass das völlig kontraproduktiv ist/war und die Fachklinik wirft beide Meinung der "Allwissenden" über den Haufen. Aber mein Vater geht schön hörig immer wieder zu den beiden ersten, denn sie müssen ja wissen was sie tun. Er ist mittlerweile 80 und ich habe es aufgegeben ihm zu erklären, dass diese Quacksalber nicht mehr Ahnung haben, wie jeder, der googeln kann. Im Gegenteil - nur aus Profitgier werden da zum Teil Dinge angeleiert, die sie selbst oder ihrer Familie nie empfehlen würden. Arme Welt.
Ja Pepe, genauso ist es und du hast es auf den Punkt gebracht. Änderungen an diesem System erscheinen mir fast aussichtslos, denn die Patienten werden mit Hilfe der Medien zu einem pharmakonfirmen Verhalten geschult und verteidigen ihr "Recht auf Symptomabschaltung" heftig. Und ... der Doktur hat immer Recht!
Ja - und nun überleg mal, wenn man die Hälfte aller Schmerzmittel einsparen würde?!
Das wären Milliardenverluste für die Pharmaindustrie - + die Verluste, die enstehen durch die Folgen der jahrelangen Schmerzmittelfutterei und den dadurch zusätzlich notwendig werdenden Medikamente und Symptomebehandlungen. Wäre nicht auszudenken. Ausserdem würde das die Kassen erheblich entlasten und ein Kassenpatient hätte nachher fast die gleichen Möglichkeiten, wie ein Privatpatient - das geht ja nun auch nicht. Wo kämen wir denn da hin?
Aber man sieht es alleine schon an Kleinigkeiten. Hier heissen Krankenhäuser nicht Krankenhaus - sondern Gesundheitszentrum - schon alleine in der viel positiveren Bezeichnung sieht man den kleinen, aber feinen Unterschied.
Hallo Pepe, Danke für deine Überlegungen. Leider hast du Recht mit deiner Beobachtung, dass alternative Behandlungsmethoden - im Gegensatz zu Painkillern - keine nennenswerten Umsätze bringen, deshalb oft verunglimpft werden. Ich behaupte, dass sich durch Anpassung an den jeweils vorliegenden Zustand mit Wärme oder Kälte mindestens die Hälfte aller Schmerzmittel einsparen lässt. Wärme oder Kälte sind keine Heilmittel, helfen - richtig eingesetzt - dem Organismus in seinen Selbstheilungbestrebungen. Mit Schmerzmitteln werden dagegen Symptome ausgeschaltet und der Verursacher kann in aller Ruhe weiter entwickeln.
Hallo Klaus,
vielen dank für den informativen und hilfreichen Artikel.
Im Grunde ist er für jeden, der halbwegs klar denken kann, einleuchtend.
Was hat man zu verlieren, wenn man es wenigstens beim nächsten Schmerzanfall einfach mal probiert, wenn die Wärme nichts oder nicht viel bringt?
Der grosse Fehler liegt natürlich am westlichen "Schulmedizin" System. Dort will man keine Ursachen bekämpfen, sondern am liebsten bis an das Lebensende der Patienten an der Symptom Behandlung verdienen. An gesunden Menschen verdient man ja nix - an alternativen Heilmethoden auch nicht - kein Wunder, dass sowas grundsätzlich blockiert wird.
Gruß
Pepe
Hallo Michaela, du kannst Eis oder auch Wärme bei jedem Schmerz anwenden. Probiere einfach Kälte oder Wärme aus, und beobachte was nach etwa 30 Sekunden mit dem Schmerz geschieht. Sofern der sich danach vermindert hat hast du das richtige Mittel gewählt. In meiner Praxis muss ich in etwa 9 von 10 Fällen Eis anwenden, weil sich Patienten durch Selbsthilfemaßnahmen mit Wärme und Selbstmassage ihre akuten Zustände aufrecht erhalten. Ich verwende Eis nach dem Motto des schweizerischen Kurorts "Davos" und lege es immer dahin, da wo´s wehtut.
Das Eis als Alternativ-"Schmerzmittel" finde ich sehr interessant - bisher habe ich kühlende Kompressen vor allem bei starkem Juckreiz eingesetzt.
Für welche Schmerzzustände ist Eis denn empfehlenswert bzw. "erlaubt"? Kann man es auch bei Nackenverspannung oder Kopfschmerz/Migräne einsetzen?
Hallo Angela
Mir fällt der berühmte Stein vom Herzen, denn dein Artikel über Heizkissen ist ja dennoch richtig und wahr. Ich "predige" gegen die allgemeine Auffassung, dass ausschließlich und allein nur Wärme helfen kann. Alles eben zu seiner Zeit und das Wissen, dass wenn eine Seite nicht nutzt, die andere zu verwenden, führt dann weiter.
Vielen Dank für deinen Kommentar und die Verlinkung.
VG Kklaus
Hallo Klaus,
Diesen Artikel habe ich gleich auf meinem Artikel über Heizkissen verlinkt. Da habe ich jetzt einiges gelesen, was mir völlig neu war. Alma hatte auch erst kürzlich darauf hingewiesen. Ich habe den Fehler mit der Wärme ganz sicher auch zu oft gemacht, ich werde in Zukunft Deine Hinweise hier berücksichtigen und es, wenn akut, mal mit einer kurzen Kälteanwendung versuchen.
Vielen Dank für diesen wirklich hilfreichen Artikel, so was sagt einem ja kein Arzt!
LG
Angela
Hallo Klaus, schön von Dir zu lesen! Wie immer ein toller Beitrag und sehr amüsant zu lesen :)
GLG Simon