Weisheiten kluger Köpfe

Beginnen möchte ich mit Weisheiten kluger Köpfe zum Thema "Liebe":

 

  • "Liebe ist eine schwerwiegende Geisteskrankheit." (Platon)
  • "Liebe ist von allen Krankheiten noch die gesündeste." (Euripides)
  • "Man hört immer von Leuten, die vor lauter Liebe den Verstand verloren haben. Aber es gibt auch viele, die vor lauter Verstand die Liebe verloren haben." (Jean Paul)
  • "Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand." (Blaise Pascal)
  • "Du fragst mich Kind, was Liebe ist? Ein Stern in einem Haufen Mist." (Heinrich Heine)
  • "Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden". (Clemens von Brentano)
  • "Was Du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es Dir - für immer." (Konfuzius)
  • "Wenn auf der Erde die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich". (Aristoteles)
  • "Glücklich allein ist die Seele, die liebt." (Johann Wolfgang von Goethe)

 

Die Liebe ist bunt (Bild: geralt/Pixabay.com)

Ganz allgemein betrachtet, ist Liebe ein Gefühl großer Zuneigung und Wertschätzung, wobei Gegenstand dieser Zuneigung und Wertschätzung nicht nur Menschen sein können, sondern auch Sachen und Ideen. Liebe ist mit anderen Worten eine Emotion, mit der wir etwas verbinden, was für uns angenehm, gut und wertvoll ist. Dabei gilt: Je angenehmer und wertvoller etwas für uns ist, desto größer unsere Liebe. Man kann auch sagen: Etwas, für das der Mensch Liebe empfindet, ist das Wichtigste in seinem Leben.

Liebe und Menschsein

Kein Mensch kann ohne Liebe leben. Das heißt: Liebe ist das stärkste Gefühl, die stärkste Motivation des Menschen. Grundsätzlich sind alle Handlungen des Menschen von Liebe motiviert oder mit motiviert. Dass die Handlungen mancher Menschen von Hass, also dem Gegenteil von Liebe, angetrieben werden, ist kein Argument gegen die Allgegenwart der Liebe. Denn vor dem Hass war immer die Liebe da. Man kann auch sagen: Hass entsteht immer dann, wenn der Mensch daran gehindert wird, zu lieben. Liebe ist damit die mächtigste Kraft in unserem Leben. Sie gilt aber auch als das schönste Gefühl, das Menschen erleben können. Liebe ist demzufolge das, was das Menschsein ausmacht. Erst die Liebe macht den Menschen zum Menschen. Dabei sind wir in besonderer Weise fasziniert von der Liebe, die zwei Menschen miteinander verbindet.

Instinkte und frühkindliche Prägung

Die Umstände, unter denen zwei Menschen sich ineinander verlieben, werden gemeinhin so beschrieben, dass gegenseitige Sympathie vorliegt, ein Funke überspringt und die Chemie zwischen ihnen stimmt. Und dies hängt wiederum – so die Sicht der Biologie - von den Instinkten ab, die in unseren Genen fest verankert sind. Die Instinkte sind nämlich in der Lage, in uns Schlüsselreize zu aktivieren. Und zwar wird dies durch die Signalwirkung typisch weiblicher oder typisch männlicher Attribute ausgelöst. So sind typisch weibliche Attribute ausgeprägte weibliche Formen, ein typisch männliches Attribut ist eine athletische Figur. Die Schlüsselreize in Bezug auf typisch weibliche und typisch männliche Attribute werden jedoch beeinflusst und geformt, wobei das Bild, das wir von unseren Eltern in uns tragen, eine wichtige Rolle spielt. Das heißt: Bestand in der Kindheit eine positive Beziehung zwischen Eltern und Kindern und hatten die Eltern folglich eine Vorbildfunktion, so wird die Tochter einen Mann als Partner wählen, der ähnliche Eigenschaften aufweist wie der Vater, und der Sohn wird eine Partnerin bevorzugen, die in mancherlei Hinsicht an die Mutter erinnert. Hier findet also eine frühkindliche Prägung statt, die unsere Instinkte in gewisser Weise überschreibt.

Vorbild Vater (Bild: Nemo/Pixabay.com)

Vorbild Mutter (Bild: Destiny/Pixabay.com)

Neuronale und biochemische Vorgänge

Die Instinkte, die beim Verlieben eine wesentliche Rolle spielen, werden gesteuert durch neuronale und biochemische Vorgänge. Das heißt: Hier vollzieht sich ein höchst komplexes Zusammenspiel von neuronalen Abläufen, bei dem bestimmte chemische Botenstoffe aktiv werden, nämlich der sogenannte Glücksbringer Dopamin, das Aufputschmittel Adrenalin, das körpereigene Opiat Endorphin, das Anti-Stress-Hormon Cortisol, das Sexualhormon Testosteron und Pheromone, Sexualduftstoffe. Hinzu kommt der Aufbau neuer Vernetzungen zwischen den Nervenzellen durch den Einfluss körpereigener Signalstoffe in Form von Proteinen, der sogenannten Neurotrophine. Dies dient der weiteren Steigerung der euphorischen Glücksgefühle und der Gefühle tiefen Wohlbefindens, die durch die anderen Botenstoffe ausgelöst worden sind. Gleichzeitig sinkt der Serotoninspiegel stark ab, wie es auch bei Angst- und Zwangsneurosen der Fall ist. Das könnte das extreme Wechselbad der Gefühle bei Verliebten erklären. Aus Sicht der Biologie ist die Liebe folglich eine Emotion, die auf biochemischen Vorgängen beruht und der Arterhaltung dient.

Der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe

In wissenschaftlicher Perspektive gibt es jedoch nicht nur eine, sondern zwei Formen von Liebe. Das heißt: Es muss unterschieden werden zwischen der Phase, in der sich infolge der beschriebenen neuronalen und biochemischen Vorgänge zwei Menschen ineinander verlieben, und der darauffolgenden Phase "wirklicher Liebe". Der Hintergrund ist, dass, nachdem aufgrund des "biochemischen Feuerwerks" zwei Menschen zueinander gefunden haben, die "aufputschendenden" Botenstoffe nach und nach abgebaut und auf Normalniveau heruntergefahren werden. Nach der Phase der Verliebtheit folgt mit anderen Worten die Phase, in der sich entscheidet, ob die Verliebtheit einmündet in eine Liebesbeziehung, die dauerhaft und beständig ist und auch dem Alltagsleben trotzt. Hilfreich ist hier, dass die in der Phase der Verliebtheit geknüpften neuronalen Nervenverbindungen erhalten bleiben und die Erinnerung an die schönen Erlebnisse in dieser Phase wachhalten, während gleichzeitig andere Hormone wirksam werden, nämlich die Wohlfühl-Hormone Oxytocin und Vasopressin. Oxytocin sorgt für Gefühle wie Nähe, Bindung und Geborgenheit und ist damit ebenfalls ein wahres Glückshormon, allerdings ohne den suchtartigen Charakter des Dopamins. Vasopressin ist das Treue-Hormon. Es stärkt soziale Gefühle wie Solidarität, Vertrauen und Zusammengehörigkeit und unterstützt damit die Wirkung des Oxytocins. Oxytocin und Vasopressin können deshalb als die vielleicht wichtigsten Liebeshormone bezeichnet werden. In den Phasen der Verliebtheit und der Liebe sind auch unterschiedliche Hirnregionen aktiv. Diesbezüglich herrscht anscheinend im Gehirn eine klare Aufgabenverteilung. Liebe und Verliebtheit beruhen also auf jeweils anderen biologischen Vorgängen und erfüllen unterschiedliche Funktionen im Zusammenleben der Menschen.

Entflammt

Entflammt (Bild: Nemo/Pixabay.com)

Die Voraussetzungen von Liebe

Wenn die Phase der Verliebtheit durch die Phase dauerhafter Liebe abgelöst wird, kommt zu den beschriebenen hormonellen Veränderungen ein wichtiger kognitiver Aspekt hinzu. Das heißt: Während in der Phase der Verliebtheit der Denkapparat durch das biochemische Feuerwerk im Kopf quasi abgeschaltet ist, werden die Denkvorgänge durch die hormonellen Veränderungen, die sich beim Übergang in die Phase dauerhafter Liebe abspielen, nicht behindert, sondern eher unterstützt. Denn dieser Übergang gelingt nur, wenn wir objektive Urteile fällen und wohldurchdachte Entscheidungen treffen können. So müssen wir von bestimmten Illusionen Abschied nehmen, die mit der Verliebtheit verbunden waren. Wir müssen das, was Liebe ist und was Liebe leisten kann, realistischer betrachten. Wir müssen erkennen, dass Liebe grundsätzlich eine Beziehung des Gebens und Nehmens ist, also eine Beziehung, bei der beide Partner bereit sein müssen, zu geben, zurückzustecken und Kompromisse zu schließen. Wir müssen mit anderen Worten lernen, dass Liebe keine Einbahnstraße ist, dass es folglich nichts mit Liebe zu tun, wenn der eine vom anderen erwartet, dass dieser ständig seine Wünsche hintanstellt. Andererseits müssen wir aber auch die Bereitschaft einüben, Enttäuschungen hinzunehmen und immer wieder auf den anderen zuzugehen. Wir müssen also lernen, geduldig zu sein. Ferner müssen wir uns darauf einstellen, dass vor allem in Zeiten, in denen der Partner besondere Unterstützung braucht, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wichtiger sein können als unsere eigenen. Wir müssen demnach begreifen, dass wir die Verantwortung dafür tragen, dass es dem Partner gut geht. Letztendlich müssen wir uns klar machen – das ist sozusagen die Quintessenz dieser Überlegungen - dass wir keine bedingungslose Liebe erwarten und auch nicht selbst geben können, dass aber aufgrund der starken Gefühle von Solidarität, Verantwortung und Vertrauen, die mit der Liebe verbunden sind, Liebe nicht vorstellbar ist ohne ein gewisses Maß an Altruismus.

Dauerhafte Liebe

Dauerhafte Liebe (Bild: Dieter_G/Pixabay.com)

Zur Bedeutung von Selbstliebe

Eine weitere wesentliche Voraussetzung für das Gelingen einer Liebesbeziehung besteht darin, dass man sich selber liebt. Das heißt: Da man nur das weitergeben kann, was man besitzt, können wir nur dann einem anderen Liebe schenken, wenn wir für uns selbst Liebe empfinden. Die Fähigkeit, andere zu lieben, wird mit anderen Worten erst durch die Liebe zu sich selbst ermöglicht. Dabei ist es wichtig, Selbstliebe nicht mit Egoismus oder gar mit – krankhaft übersteigertem – Narzissmus, mit Selbstsucht, gleichzusetzen. Denn Selbstliebe ist verbunden mit einem starken Selbstwertgefühl und einem hohen Maß an Selbstvertrauen, während der Egoist und noch viel mehr der Narzisst unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden und deshalb eher zum Selbsthass neigen.

Die Verwechslung von Verliebtheit mit Liebe

Da die fundamentalen Unterschiede zwischen Verliebtheit und Liebe den wenigsten Menschen bewusst sind, wird regelmäßig Verliebtheit mit Liebe verwechselt. Das heißt: Man hält den Höhenrausch der Gefühle, der mit der Verliebtheit einhergeht, bereits für Liebe. Und wenn dann dieser Höhenrausch verflogen ist, wird fatalerweise angenommen, die Liebe sei schon wieder vorbei, man habe sich geirrt. Es wird mit anderen Worten aus Unkenntnis, aufgrund von Vorurteilen und Fehleinschätzungen etwas beendet, was gerade erst – vielversprechend – begonnen hatte. Und mit dieser falschen Einstellung sind die nächsten "Pleiten" schon vorprogrammiert. Man kann sich auch gut vorstellen, dass dies die Ursache vieler Scheidungen ist. In diesem Zusammenhang kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass nach der Phase der Verliebtheit die Partner erkennen, dass sie einfach nicht zueinander passen, so dass es für die Trennung triftige Gründe gibt.

Fazit

Die Liebe, das stärkste Gefühl, das Menschen empfinden können, gilt seit jeher als ein Mysterium, als etwas Geheimnisvolles, Rätselhaftes. Die moderne Naturwissenschaft hat nun versucht, endlich "Licht ins Dunkel zu bringen", also das Mysterium Liebe mit den Methoden, die ihr im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehen, zu ergründen. Und sie hat dabei - wie gezeigt - bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage gefördert, wobei ich vor allem die Erkenntnis, dass "Verliebtheit" von "wirklicher Liebe" unterschieden werden muss, für außerordentlich wichtig und hilfreich halte. Denn dadurch können viele weitverbreitete Irrtümer über die Liebe aus der Welt geschafft werden. Gleichzeitig wird – und auch das halte ich für bemerkenswert - von der Wissenschaft eingeräumt, dass die Liebe ein Phänomen ist, das nach wie vor viele Rätsel aufgibt, Rätsel, die möglicherweise nie gelöst werden können. Vielleicht - so könnte man hinzufügen – sollte man das auch akzeptieren. Denn nur dann kann die Liebe weiterhin ihren besonderen Zauber entfalten.

Missverständnis

Damit der Humor nicht zu kurz kommt, ganz zum Schluss noch ein Witz:

Frau Müller zu dem jungen Mann: "Sie haben sich erlaubt, meiner Tochter einen Heiratsantrag zu machen. Warum haben Sie nicht erst mich gefragt?"
Der junge Mann: "Ich wusste nicht, dass Sie mich auch lieben!"

Bildnachweis

Alle Bilder: Pixabay.com

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