We could be heroes

Ich versuche es mir vorzustellen, er der noch mittelmäßig bekannte Künstler, der 1977 ins Zentrum des Heroins (© Bowie) reist um dort gemeinsam mit Gleichgesinnten (in jeder Hinsicht) eine Platte aufzunehmen.
Gemeinsam mit Brian Eno und Tony Visconti sieht er rüber zur Mauer, beobachtet ein Liebespärchen, das sich dort trifft. Sie lassen sich von legalen und vermutlich illegalen Rauschmitteln beeinflussen und schreiben einen Song der erst viel später zu einem Markenzeichen Bowies wird.
"Heroes" ist eine Botschaft an uns, Helden zu sein - wenn auch nur für einen Tag. Und die Liebe als die stärkste Kraft zu sehen, die sichtbare und unsichtbare Gegner besiegt.

David Bowie, Heroes

I, I can remember, standing by the wall

Brauchen Kunstwerke ein bestimmtes Milieu um entstehen zu können?
Ganz offensichtlich waren die muffigen 70er Jahre ein guter Boden für den Wunsch nach Freiheit und Flucht. Nicht nur nach physischer Freiheit, auch nach seelischer Freiheit, auch wenn diese viel zu oft in die Heroin-Falle führte. Heroes erlangte gerade in Deutschland erst große Popularität im Zusammenhang mit der verfilmten Geschichte der Christiane F.
Da konnte man schon von Glück sprechen, wenn man in einer familiären Geborgenheit und Sicherheit aufwachsen durfte und (wie es ein sehr geschätzter Autorenkollege formulierte) Samstag abends nach dem Duschen im Pyjama vorm Fernseher zu sitzen und den Dieter, den Thomas, den Heck zu gucken.

I wish I could swim like Dolphins could swim

Im Angesicht der realen Mauer von damals ein Wunsch der Sinn macht, weil er nachvollziehbar ist und unsere Sehnsüchte nach Freiheit und Weglaufen beschreibt. Einfach losgehen, alles hinter sich lassen und nicht planen, erwarten oder kontrollieren was kommt oder kommen kann.
Doch die Mauer gibt es nicht mehr und trotzdem stehen viele Mauern rund um uns und hindern uns daran einfach "loszuschwimmen".
Nein wir schwimmen nicht – nicht einmal für einen Tag.

"Oh we can beat them, for ever and ever"
Aber ich mache Bowie keinen Vorwurf, schließlich ist jeder für sich selbst verantwortlich und in Wirklichkeit geht es nicht darum "die Anderen" zu besiegen, sondern sich selbst.
Doch genug mit Weisheiten.
Lieber lehne ich mich zurück, lasse die 70er ruhen und genieße dieses wunderbare "Masterpiece of Music", träume davon, alle und alles besiegen zu können, von der Kraft der Liebe und der Sehnsucht.


renzmarketing, am 25.04.2012
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Bildquelle:
© Can Stock Photo Inc. / agencyby (Wie macht man einen Vortrag)

Autor seit 3 Jahren
21 Seiten
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