Diese Wörter gibt es nicht - oder sie sind völlig sinnlos

1. Abchecken. Erstmal ist checken kein deutsches Wort, sondern aus dem Englischen übernommen. Kein Problem. Aber dann bitte auch richtig benutzen. 'To check' und damit auch die deutsche Variante 'checken' (jeweils der Infinitiv des Verbes) bedeutet: prüfen, klären. Etwas abzuchecken wäre doppelt gemoppelt und damit völlig sinnlos. Die Vorsilbe 'ab' wird also nur künstlich davor gesetzt, damit das Wort ein bisschen deutscher klingt. Wie peinlich!

2. Aufoktruieren. Das Wort heißt oktroyieren und bedeutet jemandem etwas aufzudrängen, eine Sache mit Auflagen (Bedingungen) zu versehen. Es ist daher nicht nur peinlich, das Wort oktroyieren nicht richtig zu kennen und falsch zu schreiben, sondern auch die Vorsilbe 'auf' zur Verstärkung zu Hilfe zu nehmen. Damit wird der Sinn des Wortes nicht stärker und das Wort auch nicht deutscher. Es existiert schlichtweg nicht! 

3. Lese diesen Artikel! Der Imperativ (die Befehlsform) wird so oft falsch gebraucht, dass man denken könnte, das sei richtig. Ich hab mich selbst gestern dabei erwischt, diese Imperativform zu verwenden. Es wird neuerdings überall verwendet, doch das Verb lesen ist unregelmäßig: lesen, las, gelesen. Deshalb auch der Imperativ. Lies das Buch, lautet der Imperativ in der zweiten Person Singular. Präsens: Ich lese, du liest, er/sie/es liest, wir lesen, ihr lest, sie lesen. Der Imperativ: Lies! (Singular) oder Lest! (Plural) Lesen Sie! (in der Höflichkeitsform). Vergleiche Wikipedia (letzte Aktualisierung 2010).

4. Gebe etwas Salz dazu! - Oben Geschriebenes (siehe Punkt 3.) gilt auch für alle anderen unregelmäßigen Verben. Mir ist nicht bekannt, dass die 'neue' Rechtschreibung den Imperativ geändert hat.

5. 'Die, wo das getan hat.' oder auch: 'Die das getan hat'. Leute, Leute, geht's noch? Dialekte sind ja schön und gut, aber ein bisschen Grammatik und Sprachwissen hat man trotzdem. Ich mag Dialekte, aber ich bitte euch, wer so schreibt, hat nun gar keine Ahnung. Korrekt heißt dieser Satz: 'Diejenige, die das getan hat.' oder auch in der kürzeren Form: 'Die, die das getan hat.'.

6. Abklären. Das Wort gibt es überhaupt nicht, selbst wenn der Duden es aufgenommen hat. Die Verantwortlichen dieses Verlags tun eh, was immer ihnen hohe Verkaufszahlen beschert. Wenn etwas zu klären ist, sprechen selbst die Nachrichtensprecher in deutschen Redaktionen von 'Es ist noch abzuklären, es ist noch nicht abgeklärt, ob...' etc. - Wie dämlich ist das denn? Wenn etwas zu klären ist, dann muss es geklärt werden. Die Vorsilbe 'ab' soll auch hier nur verstärken. Das Klären einer Sache an sich sagt bereits aus, was 'abklären' betonen soll.

7. Unklar. Entweder ist etwas klar oder nicht. Unklar steht im Wörterbuch, doch meinem Gehirn wird immer schlecht, wenn es dieses Wort hört. Die Frage ist: Was ist der Gegensatz zu klar? Eigentlich trüb oder undurchsichtig. Unklar ist also eine Wortkreation, die nur deshalb existiert, weil 'klar' auch im Sinne von 'es ist mir klar', 'ich habe es verstanden' benutzt wird. In Wirklichkeit gibt es das Wort 'unklar' nämlich nicht - und es sollte es auch nicht geben, weil es bescheuert kling, wenn du mal genau hinhörst und darüber nachdenkst. Man könnte nämlich auch sagen, dass die Gründe für einen Flugzeugabsturz oder sonstige Nachrichten noch nicht geklärt sind. Damit wird aber indirekt gesagt, dass jemand noch nicht damit fertig ist oder seine Arbeit (noch) nicht erledigt hat.

8. Interlektueller oder auch Interlekt. Da schreit selbst mein Rechtschreibsystem... und mein Gehirn krümmt sich mit Bauchschmerzen vor Lachen. Was bitte soll das sein? Ein intelligenter (kluger, gebildeter) Mensch verfügt über ausreichend Intellekt (Klugheit, Wissen, Geist, Gehirn) oder Intelligenz (Klugheit, Wissen, Geist, Gehirn) und gilt damit als ein Intellektueller (gebildeter, intelligenter, kluger Mensch). Alles klar?

9. Vorspiegelung. Eh? Entweder spiele ich etwas vor oder ich gebe vor etwas zu tun, zu sein oder getan zu haben oder ich spiegele jemand anderen und spiele damit auch etwas vor, bin also nicht ich selbst und damit nicht echt, nicht real. Wie bitte kann man etwas vorspiegeln? Es wird meist im Zusammenhang mit falschen Tatsachen verwendet. Wie können Tatsachen falsch sein wäre gleich meine nächste Frage. Tatsachen kann man manipulieren, dann sind sie aber keine Tatsachen mehr, sondern Lügen, die als Fakten dargestellt werden sollen. Wo ist da die Spiegelung? Und was soll die Vorsilbe 'vor'? Es ist wirklich unglaublich, wenn man mal genauer hinhört - oder sieht. Das Vortäuschen, was als Synonym zur Vorspiegelung gilt, ist meines Erachtens doppelt gemoppelt. Wenn ich täusche, dann spiele ich etwas, das nicht existiert, um zu Verhindern, dass die Wahrheit herausgefunden wird. Wieso 'vortäuschen'. Gleichermaßen seltsam ist 'antäuschen'. 

10. Letztendlich. Was ist das denn für ein Konstrukt? Es wurde nach einem Wort gesucht, dass den Begriff 'letzten Endes' ersetzen könnte. Schließlich wurde 'letztendlich' erfunden. Klingt nach 'jetzt endlich' und irgendwie schwachsinnig, da es eine Doppelung in einem Wort ist. Das Ende ist immer das Letzte. Letzen Endes werden wir noch alle verblöden, denn auch 'letzten Endes' war/ist bereits eine Doppelung. Das Ende ist immer der Schluss. Es zu einem Wort zusammenzufassen, nur um ein neues Adverb zu haben, ist Schwachsinn. Zuletzt, schließlich, zu guter Letzt (alle Synonyme für letztendlich und letzten Endes) reichen völlig aus. Die Steigerung dieser Idiotie ist mit 'schlussendlich' erreicht. Dämlicher geht's nicht, stimmt's?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin damit für den Moment am Ende meiner Nerven. Die Liste kann sicherlich noch fortgesetzt werden. Ich werde sie ergänzen, sobald mir noch weitere Begriffe ein- oder auffallen. Gern könnt ihr mir einen Kommentar mit Hinweisen auf weitere Wörter geben. Wird bestimmt lustig und unterhaltsam. Die Deutsche Sprache ist wirklich seltsam und schwierig (nicht schwer, denn wiegen kann man sie nicht). Vielen Dank!

Lili, am 25.12.2014
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Der Davidstern - Petra Bork via pixelio (Deutsch-jüdische Fragen)
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© Elisabeth R. Meier (photographer) (Ein Drehbuch und der erste Satz)

Autor seit 3 Jahren
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