1. Nicht jedes Mädel trägt einen Bollenhut

Der Bollenhut ist das Symbol des Schwarzwalds. Doch die roten Bommeln gehören eigentlich nur in drei kleinen Dörfern zum traditionellen Kopfputz der Frauen: in Gutach (wo übrigens auch das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof steht), in Hornberg-Reichenbach und in Wolfach-Kirnbach.

Belegt ist das schon seit 1750. Doch so richtig bekannt wurde die Tracht erst zwei Jahrhunderte später: Mit dem Film "Schwarzwaldmädel" mit Rudolf Prack und Sonja Ziemann kam der Bollenhut 1950 ins Kino und dann ins Fersehen. Millionen sahen ihn. Und seitdem tragen Schwarzwaldmädel eben Bollenhüte...

Bollenhut-Macherin im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof (Bild: Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof)

2. Zum Kuckuck: Zuerst kam die Lackschilduhr

Historiker streiten darüber, ob die Kuckucksuhr wirklich eine Erfindung aus dem Schwarzwald ist. Doch so richtig in Schwung kam die Produktion von Holzuhren schon vor dem Kuckuckshype.

Es war die Lackschilduhr mit ihrem großen bemalten rechteckigen Gehäuse, die bis nach Amerika vertrieben wurde. Um1830 sollen es jährlich eine halbe Million Stück gewesen sein, die die vielen Kleinbetriebe im Schwarzwald herstellten. Auf dem Foto mit der Bollenhut-Macherin ist ein schönes Exemplar im Hintergrund an der Wand zu sehen.

Die Kuckucksuhr dagegen gehörte erst ab 1850 im gutbürgerlichen Wohnzimmer zum gängigen Inventar. Die ersten Versionen galten nur als eine spezielle Variante der Lackschilduhr, bevor sich die Kuckucksuhren eigenständig weiterentwickelten. Das Museum schlechthin, wenn es um Schwarzwälder Uhren geht, ist das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen.

3. Wo ein Rathaus zum Adventskalender wird

Ein Rathaus wird zum Adventskalender. Und deswegen hat Gengenbach den größten Adventskalender der Welt. Jahr für Jahre fungieren die 24 Fenster des Rathauses als Kalendertüren. Bisher kamen Bilder von Künstlern wie Marc Chagall, Tomi Ungerer und Otmar Alt zum Vorschein. Nach Kinderbuch-Helden wie das Sams werden Im Jahr 2016 Bilder von Andy Warhol zu sehen sein, hauptsächlich frühe Werke aus seiner Zeit als Illustrator in New York. An jedem Abend im Advent wird die Jalousie eines Fensters nach oben gezogen. Bis dahin sitzen die Rathaus-Mitarbeiter allerdings im Dunkeln – auch tagsüber. Wer hinter dem Türchen vom 24sten sitzt, hat also besonderes Pech. Aber das nimmt die Stadtverwaltung gerne in Kauf, denn der Rathaus-Kalender beschert dem 11.000-Einwohner-Städtchen im Kinzigtal im Advent täglich Hunderte von Besuchern. Ein gelungener Tourismus-Coup.

4. Wie eine Schwarzwälder Kirschtorte zu sein hat

Als "Black Forest Cake" ist das leckere Gegenstück zum Bollenhut fast weltweit zu haben, egal ob in Shanghai, Amerika oder Australien – und in welcher Qualität auch immer. Die "Schutzgemeinschaft Schwarzwälder Kirschtorte" hat deswegen ein EU-Siegel beantragt, das die Zusammensetzung und Herstellung der Torte als "traditionelle Spezialität" garantiert. Unter anderem soll vorgeschrieben werden, dass dafür nur Original Schwarzwälder Kirschwasser verwendet werden darf. Konditoren bundesweit vermuten, dass damit den Schwarzwald-Brennereien ein gewisser Absatz garantiert werden soll. Egal wie: Die Schwarzwälder Kirschtorte dürfte dann nur nach dieser Originalrezeptur gebacken werden – egal wo. Der Schwarzwälder Schinken dagegen muss wirklich im Schwarzwald geräuchert werden, um den Namen zu verdienen.

5. Reif für die Dose: die Kirschtorte "to go"

Es ist ein Souvenir für Touristen oder ein süßer Trost für Menschen, die Sehnsucht nach dem Schwarzwald haben. Und ein wirklicher Clou. 2010 kreierte der Bäckermeister Johannes Ruf aus St. Peter einen Kirschkuchen, der in der Dose gebacken und verkauft wird. Und landete damit einen Marketing-Erfolg erster Güte. 

Zwar fehlt bei diesem zwei Jahre lang haltbaren Kirschkuchen die eigentlich obligatorische Sahne, aber der Geschmack soll dem einer richtigen Schwarzwälder Kirschtorte verblüffend nahe kommen. Die Kirschtorte to go findet überall begeisterte Abnehmer, wobei das mit dem Abnehmen angesichts der üppigen Zutaten wie ein Widerspruch anmutet. Für Ihre Kundschaft aus aller Welt hat die Bäckerei von Johannes Ruf sogar einen eigenen Online-Shop.

6. Der Blick über den Kloschüssel-Rand

Es ist wahrscheinlich die größte Toilettenschüssel der Welt – und sie ist begehbar. Von der Oberkante eröffnet sich der Blick in den Schwarzwald. Dieses überdimensionale Aussichts-Klosett gehört zu dem Sanitärhersteller Duravit, einem Global Player, der nach wie vor seinen Sitz in dem Städtchen Hornberg hat – das ist genau das Hornberg vom sprichwörtlichen Hornberger Schießen. Im Duravit Design Center ist auf fünf Etagen die Entwicklung des Bades zu sehen, von den Anfängen im Holzkübel bis zu den Bademöbel-Entwürfen gegenwärtiger Stardesigner. Das Riesen-WC stammt übrigens vom französischen Designstar Philippe Starck.

Sehnsucht? Nette Geschenke für Schwarzwald-Fans
Das Schwarzwald-MonopolySchwarzwald für Selbermacher
Amazon Anzeige

7. Wo dicke Baumstämme "Holländer" heißen

Es waren die langen, gerade gewachsenen dicken Tannen, die im 18. Jahrhundert zum Exportschlager wurden und reißenden Absatz beim Schiff- und Hausbau fanden. "Holländer" wurden sie genannt.

Der Name ist Programm: Die ganze Altstadt von Amsterdam fußt auf Bäumen aus dem Schwarzwald. Zu Flößen gebunden, wurden die Stämme zunächst über die Flüsse des Schwarzwalds und dann über den Rhein bis in die Niederlande transportiert. Sie dienten als Pfähle für den Hausbau, damit die Gebäude auf sandigem, nassem Untergrund stabil stehen – bis heute. 

8. Denkste! Der Schwarzwald war nicht immer schwarz

Als der Handel mit Holz im 18. Jahrhundert boomte, war der Schwarzwald fast kahlgeschlagen. Wiederaufgeforstet wurde er dann miit schnell wachsenden Nadelhölzern. Erst vor gut 200 Jahren entstanden also die Monokulturen aus dunklen Nadelhölzern, die manche Gegenden so verwunschen aussehen lassen.

Der Name Schwarzwald rührt aber nicht von diesen dunklen Nadelwäldern her. Der Name ist älter und wahrscheinlich aus dem Lateinischen entlehnt. Denn die Römer nannten die Region silva nigra, die Gegend mit den dunklen Wäldern also. Wenn man nur Zypressen und Pinien gewohnt ist, muten wahrscheinlich alle dichten Wälder mit hohen Bäumen schwarz an...

Ursprünglich war der Schwarzwald jedoch ein Mischwald. Und das soll er wieder werden. Wo Stürme wie der Winterorkan Lothar kahle Hänge hinterließen, wird mit Laubbäumen aufgeforstet. Denn auch den Belastungen von saurem Regen und Klimawandel ist ein Mischwald eher gewachsen.

9. Wo selbst die Berge Bäuche haben: Genießerpfade

Im Schwarzwald haben selbst die Berge Bäuche, heißt es so schön. Tatsächlich ist es eine Gegend, in der die Menschen wissen, was gut schmeckt. Und so gibt es inzwischen sogar 20 Genießerpfade, die zu genüsslichen Wanderungen einladen. Die bis zu 15 Kilometer langen Rundwege, die vom Deutschen Wanderinstitut geprüft sind, müssen einen hohen Anteil naturbelassener Pfade aufweisen, sie haben schöne Aussichten zu bieten und führen durch ganz verschiedene Landschaften. Bänke laden zu einer Pause ein – und natürlich Gasthöfe. Alle 20 Genießerpfade im Überblick gibt es auf der Website der Schwarzwald Tourismus GmbH. 

10. Wo Märchen vom wahren Leben erzählen

Wie das Leben anno 1827 im Schwarzwald aussah, davon erzählt ausgerechnet ein Märchen. Und zwar "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff. Es berichtet im ersten Teil von Uhrmachern, Waldarbeitern, Köhlern und Flößern, bevor gute Waldgeister ebenso wie Schreckgestalten in diese realistisch gezeichnete Welt eindringen. 

________________________________

Dort beschäftigen sich die Leute gewöhnlich mit Glasmachen; auch verfertigen sie Uhren und tragen sie in der halben Welt umher. Auf der andern Seite des Waldes (,,,) handeln sie mit ihrem Wald; sie fällen und behauen ihre Tannen, flößen sie (…) den Rhein hinab, bis weit hinein nach Holland, und am Meer kennt man die Schwarzwälder und ihre langen Flöße. Zum ganzen Märchen...
________________________________

11. Wo Hahn und Henne zu Hause sind

Hahn und Henne auf grün-gelber Wiese: Die Tassen und Teller kennen Sie bestimmt. Das sympathische Federvieh kommt aus dem Schwarzwald. Genauer: aus Zell am Harmersbach. 1898 hat Karl Schöner das Dekor Hahn und Henne für die Zeller Keramik entworfen.

Zunächst nur als Kindergeschirr gedacht, fand das Dekor bald auf der ganzen Welt auch unter Erwachsenen viele Fans. Entstanden ist so eine Geschirrserie, die auf rund 300 Service- und Accessoireteile angewachsen ist.

Einst wie jetzt wird das Geschirr in Zell von Hand bemalt. Die Herstellung und Geschichte ist im Keramik-Museum zu verfolgen, das der Manufaktur angeschlossen ist.

12. Reif fürs Museum: der Schwarzwälder Schinken

Er steht unter dem Schutz der Europäischen Union: Seit 1997 zählt der Schwarzwälder Schinken zu den europäischen Premiumschinken. So dürfen nur Schweine zu Schwarzwälder Schinken verarbeitet werden, die in Bezug auf Rasse, Fütterung und Alter bestimmte Kriterien erfüllen. Das Fleisch muss 50 Tage bei 5° Celsius trocken gepöckelt werden, anschließend zwei Wochen lang über Nadelhölzern geräuchert werden. Und dann muss der Schinken noch etliche Wochen reifen. Und das alles findet ausschließlich im Schwarzwald statt. Jetzt gibt es sogar ein Schinkenmuseum in exponierter Lage: Es ist im Turm des Feldbergs untergebracht.

13. Schwarzwald vegetarisch: Bibiliskäs’ und Brägele

Ein Schwarzwald-Klassiker für Genießer ist Bibiliskäs' mit Brägele (oder Brägili) – ein angemachter Rohmilch-Quark mit Bratkartoffeln. Bibili sind Hühnerküken, die mit Quark aus gestockter Milch aufgepäppelt wurden. Brägele zergehen schon als Wort auf der Zunge und der Begriff sagt alles, wie Bratkartoffel sein sollen: Sie müssen in aller Ruhe vor sich hinbrägeln dürfen, bis sie so richtig schön kross sind. Mitunter wird Bibiliskäs' auch aus pasteurisierter Milch angeboten – aus hygienischen Gründen. Wirkliche Fans dieser Spezialität sind sich aber ganz sicher, dass die Rohmilch-Variante tausendmal besser schmeckt. 

14. Ein süßes Frühchen: die Bühler Zwetschge

Rund um Bühl – also die Gegend zwischen Karlsruhe und Freiburg – findet sich das größte zusammenhängende Zwetschgen-Anbaugebiet Europas. Wie das kommt? 1844 entdeckten Bauern auf dem Thesihof in Kappelwindeck einen Zwetschenbaum mit einer besonders frühen Sorte. Sie erkannten sofort das wirtschaftliche Potenzial. Die Bühler Zwetschge bildete den Grundstein für den Erwerbsobstanbau in Baden. Ein Exportschlager: 1884 fuhr der erste Eisenbahn-Waggon mit 100 Zentnern Frühzwetschgen von Bühl nach Köln. So kamen die Rheinländer schon Mitte August in den Genuss der violetten Früchtchen aus dem Schwarzwald.

15. Schnaps ist Schnaps? Von wegen!

Der Schwarzwald hat eine hohe Dichte an Kleinbrennereien. Schnaps zu brennen ist ein uraltes verbrieftes Recht. Die Obrigkeit gestattete es den Bauern einst nur, um ihr überschüssiges Obst zu verwerten. Doch Schnaps ist nicht gleich Schnaps. Da wird zwischen Geist und Brand unterschieden. Beim Geist wird der Maische Alkohol zugegeben und das Ganze dann destilliert. Das wird mit Früchten gemacht, die zu wenig Zucker enthalten, der zu Alkohol vergoren werden kann. Beim Brand besteht die Maische dagegen nur aus Früchten. Das Schwarzwälder Kirschwasser ist übrigens ein Brand, kein Geist.

16. Im Guinnessbuch: die größte Kuckucksuhr der Welt

An der B33 zwischen Hornberg und Triberg steht die laut Guinnessbuch der Rekorde größte Kuckucksuhr der Welt. Sie ist 60 mal größer als eine normale Wanduhr, etwa so groß wie ein Einfamilienhaus. Das Uhrwerk ist begehbar, zur vollen Stunde setzen sich dort zwei Kuckucke, Blaskapelle, Bambis und Bierkrüge in Bewegung.

Zugegeben: Amerikanische Touristen beeindruckt das mehr als Einheimische. Aber gucken kann man ja mal.

17. Die Schwarzwaldklinik gibt's wirklich – im Glottertal

Sie steht in Glottertal, nicht weit entfernt von Freiburg, und ist sogar denkmalgeschützt: die Schwarzwaldklinik aus der Fernsehserie mit Klausjürgen Wussow als Chefarzt Dr. Brinkmann und Gaby Dohm als Schwester Christa. Allerdings wurden nur die Außenaufnahmen dort gedreht.

Acht Jahre lang stand das Gebäude leer. Im Oktober 2014 soll dort eine psychosomatische Klinik eröffnet werden. Von da an heißt die Schwarzwaldklinik Thure-von-Uexküll-Klinik, benannt nach dem Begründer der psychosomatischen Medizin. Aber über dem Eingang wird weiterhin Schwarzwaldklinik zu lesen sein. Gleich in der Nähe gibt es übrigens auch einen Laden mit Schwarzwaldklinik-Souvenirs.

18. Die steilste Strecke im Netz der Deutschen Bahn

Der Schwarzwald mit seinen bauchigen Bergen und tiefen Tälern forderte Bauingenieuren im 19. Jahrhundert alles ab. Robert Gerwig war es, der die Strecke von Karlsruhe nach Konstanz plante. Sein Kniff, um die Steigungen zu überwinden: Tunnels und Schleifen. Und davon jede Menge. Deswegen ist eine Fahrt mit der Schwarzwaldbahn – vor allem der Abschnitt zwischen Hausach und St. Georgen – ein Erlebnis. Kinder zählen die vielen Tunnels, Erwachsenen bleibt angesichts der Schluchten die Luft weg. Die Höllentalbahn von Freiburg nach Neustadt (Foto), die zum Titisee und Schluchsee fährt, hat Robert Gerwig ebenfalls geplant. Mit 5,5 Prozent Steigung ist sie bis heute die steilste Strecke im Netz der Deutschen Bahn. 

19. Schwarzwaldradio: Der Schwarzwald ruft – und ganz Deutschland hört zu

Es ist ein Radio, in dem es nur gute Nachrichten gibt: Das Schwarzwaldradio, eine Kooperation des Funkhauses Ortenau mit der Schwarzwald Tourismus GmbH, sendet täglich von 6 bis 19 Uhr. Halbstündlich gibt es Gute-Laune-Tipps für Ausflüge und Neuigkeiten aus dem Schwarzwald. Gedacht ist es für Urlauber – auch für solche zu Hause, die Sehnsucht nach dem Schwarzwald haben. Musikalisch orientiert es sich an Hits der 70er- bis 90er-Jahre. Per Webstream ist es weltweit zu empfangen oder mit einer App für alle gängigen Smartphones. Mal reinhören?
Hier geht's zum Webradio...

Nachschlag (I): Warum die Badener Gelbfüßler genannt werden

Früher galt der Ausdruck Gelbfüßler allen Bewohnern des Südwestens, seit gut 100 Jahren werden nur noch die Badener als Gälfiäßler bespöttelt. Was es mit dem Begriff auf sich hat.

Nachschlag (II): der Bleibacher Totentanz

Eigentlich sollte hier nur von 19 unbekannten Dingen die Rede sein. Deswegen sei nur als kleine Fußnote auf den Pagewizz-Artikel zum Bleibacher Totentanz verwiesen. Ein Ort, wo der Knochen­mann zum Tanz bittet. Und einer der wenigen komplett erhaltenen barocken Bilderzyklen dieser Art.

 

Fotonachweis: Titel: Silke Kaiser, pixelio.de, Bearbeitung: Heimo Cörlin / Bollenhut-Macherin: Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof / Gengenbacher Rathaus: Touristinformation Gengenbach / Duravit Design Center: Duravit AG / Zwetschgen: Pixabay / Hahn und Henne: Zeller Keramik / Wo die Berge Bäuche haben: Erich Spiegelhalter/STG / Kuckucksuhr Triberg: Lillysmum/pixelio.de / Höllentalbahn: Manfred-G. Haderer/STG

Mondstein, am 26.08.2013
3 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
Lauterbrunnen Tourismus (Wie Klöppeln Männer an den Herd brachte)

Autor seit 4 Jahren
47 Seiten
Laden ...
Fehler!