Dabei lag doch alles so schön angerichtet für den aus Israel stammenden Regisseur Noam Murro: Mit "300" hatte Zack Snyder die Steilvorlage geliefert, Rodrigo Santoro stand erneut als Perserkönig Xerxes zur Verfügung, als sexy Aufputz wurde Ex-Bondine Eva Green geholt, das Budget wurde gegenüber dem Vorgänger verdoppelt. Und trotzdem kommt "300: Rise of an Empire" über den Status des nachgeschobenen Anhängsels nicht hinaus.

Die Story selbst ist rasch erzählt: Während Spartas König Leonidas zu Lande die Perser bekämpft, droht auch von der See her Ungemach. Unter dem Kommando der ebenso schönen, wie erbarmungslosen Artemisia (Eva Green) greift eine gewaltige persische Kriegsflotte die zahlenmäßig weit unterlegenen Griechen an. Dabei ist Artemisia selbst Griechin, lechzt aber nach Rache, da ihre Familie von ihren Landsleuten hingemetzelt wurde, ehe man sie vergewaltigte und halbtot folterte. Derweil setzt die Gegenseite ihre ganzen Hoffnungen in Themistokles (Sullivan Stapleton). Sein riskanter Plan: In der Schlacht von Salamis einen entscheidenden Schlag gegen die Invasoren zu landen.

Keine coolen One-Liner wie in "300"

Klingt lustlos nacherzählt? Pure Absicht, denn "300: Rise of an Empire" ist ein müder Abklatsch des ungleich beliebteren Vorgängers. Es ist wohl kein Zufall, dass mit Noam Murro ein ehemaliger Werbefilmer als Regisseur verpflichtet wurde. Was als nur allzu logischer Schritt erscheinen mag – "300" war ein Bilderrausch der Marke style over substance, und wer könnte das Spektakel visuell kompetenter wiederholen, als ein bekannter Werbefilmer? -, sorgt rasch für Ernüchterung. Die Zutaten für eine erneut sättigende Schlachtplatte sind da, aber die köstliche Berauschung des Vorgängers will sich einfach nicht einstellen.

Murro liefert das erwartete Resultat ab: More of the same, abzüglich der Ironie, des grimmigen Humors und der dichten Atmosphäre des ersten Teils. Dieser hatte noch mit der Wucht eines Vorschlaghammers zugelangt. "300: Rise of an Empire" hingegen ist das kleine Hämmerchen, mit dem der Arzt die Kniereflexe testet. Und mehr als eine reflektiere Wiederholung ist Murros Machwerk nicht. Dieselbe Bildersprache, Kampfgeschrei, Gewummere, ständiger Regen, matschiger Himmel, nur diesmal auf See, anstatt auf Land.

Wäre "300: Rise of an Empire" Zack Snyders umstrittenem Kinohit vorangegangen, könnte man ihm mehr Bewunderung zollen. So aber bleibt der Nachgeschmack der puren Wiederholung. Ikonische Bildersprache? Fehlanzeige. Coole One-Liner, die noch cooler klingen, wenn man weiß, dass sie den vor 2.500 Jahren gegen die Perser kämpfenden Spartaner zumindest in der Überlieferung in den Mund gelegt werden? Nichts. Einzig die wie auf Mescalin wirkende Eva Green sorgt für so etwas wie unterhaltsame Schauwerte. Die paar bekannten Gesichter aus "300" reißen das Ruder schon gar nicht herum.

Langeweile zwischen den Schlachten

Ja, das ganze Gekloppe und Extremitäten abhacken ist hübsch anzuschauen, ermüdet aber auf Dauer, da "300: Rise of an Empire" nicht annähernd das gelingt, was Zack Snyder – auch dank der Comic-Vorlage von Frank Miller – mühelos schaffte: Für die nötigen interessanten Zwischentöne und Ruhepausen zu sorgen. Natürlich stellten auch in "300" die Schlachten den jeweiligen Höhepunkt dar. Aber ein Film, der nur aus Höhepunkten besteht, beginnt zu langweilen. Selbst in den Szenen vor oder nach den Schlachten verfiel "300" nicht in völligen Stillstand: Der Subplot rund um den späteren Verräter, die herrlichen over-the-top-Dialoge zwischen Leonidas und Xerxes, die Parlamentsszenen - nichts davon langweilte, ganz im Gegenteil: Hier konnte der Zuschauer seine Augen und Ohren ruhen lassen, ohne auf die Uhr zu gucken oder sich die nächsten Kämpfe herbeizusehnen. Und "300: Rise of an Empire"? Auch hierbei ruht der Zuschauer zwischen den Kampfszenen, droht jedoch einzuschlafen, dermaßen belangloses Füllsel bläht den Film künstlich, und doch sinnlos auf.

Entweder Exzess oder völliger Stillstand – das hält kein Film aus, zumal eine der Stärken des ersten Teils wegfällt. Im Grunde genommen war "300", wie überhaupt der Mythos, der die Schlacht bei den Thermopylen begleitet, das Hohelied auf Heldenmut und bedingungslose Selbstaufopferung zugunsten des eigenen Volkes. Das kann man bewundernswert oder dämlich finden – für welche Lesart man sich auch immer entscheidet, bildet es einen interessanten Unterbau für die Geschichte von Menschen, die für den Krieg erzogen wurden. Von dieser unterschwelligen Spannung ist "300: Rise of an Empire" meilenweit entfernt. Obwohl der Charakterisierung Xerxes‘ viel Raum gegeben wird, ebenso wie den Beweggründen für Artemisias Rachsucht, vermag nichts davon den Zuschauer emotional mitzunehmen.

Fazit nach 100 Minuten: "300: Rise of an Empire" ist das um alle interessanten Aspekte abgespeckte, visuelle Remake von Zack Snyders "300". Es gibt viel zu sehen, aber nichts zum Mitnehmen. Denn nur "300" … IST … SPARTA!

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