Abwrackwerft Alang

Abwrackwerft Alang (Bild: https://www.welt.de/img/wir...)

On the seven Seas ...

Was passiert mit den Schiffen und U-Booten, wenn sie außer Dienst gestellt werden? Nun, die Tanker und Frachter, die auf internationale Routen über die Ozeane schippern, verlieren mit der Zeit an Funktionalität. Ihre Maschinen wollen sich nicht mehr starten lassen oder die Ersatzteile und Wartung ist zu teuer geworden. Dann entschließt sich der Eigner dazu, das Schiff zu verkaufen. Viele Schiffe landen in den Abwrack-Werften von Chittagong, Bangladesh.

 

Chittagong ist längst nicht mehr nur eine Werft, die Boote und Schiffe zerlegt. Es ist ein mehrere Kilometer langer Küstenabschnitt, an dem sich ein Shipbreaker an den anderen reiht. Es werden die Bestandteile des Inventars entfernt und verkauft. Das Schiff wird von seinen Motoren, Kesseln und Maschinen befreit, ehe es in seine Einzelteile zerlegt wird und die Betreiber der Werften sie wieder auf den Markt werfen.

Küstenabschnitt Chittagong, Bangsladesh

Küstenabschnitt Chittagong, Bangsladesh (Bild: http://www.urban-shorts.net)

Schlechte Bedingungen in den Werften

20 km Schiffsfriedhof. Nachdem ein griechisches Schiff vor Jahren vor der Küste Schiffbruch erlitt wurde der Fischereihafen in einen Schrottplatz verwandelt. Es arbeiten mehrere 10.000 Personen – Männer und Frauen, Jugendliche – an 200.000 Schiffen. 300.000 weitere Personen arbeiten in angeschlossenen Industrien. Die mangelnden Schutzvorkehrungen oder das Brechen der Regeln kostet jährlich rund bis zu 400 Leuten die Gesundheit oder das Leben.

 

Es gibt keine Gewerkschaft, die für die Arbeiter und Sicherheitsvorkehrungen sorgen würde. Einige Arbeiter hatten zwar versucht, eine solche zu organisieren, doch man hat diese Initiative verhindert. So sind weiterhin oft ungelernte Arbeiter hochriskant und ohne Arbeitsschutzkleidung täglich im Einsatz. Beim Schweißen hält man Hand schützend zwischen dem Werkzeug und die Augen hält. Selten sind Schutzbrillen verfügbar. Schweißhelme sind hier fremd. Die Arbeitsbedingungen führen zu Krebserkrankungen bei jedem vierten Arbeiter. Explosionen und Stürze aus hohen Höhen führen zu verheerenden Arbeitsunfällen. Manchmal zum Tod. So fordert jede Schiffszerlegung ihre Opfer.

 

Aber es gibt auch Abwrackbetriebe, die höhere Standards haben – Türkei, China und auch in Indien. Dort abzuwracken würde aber geringere Margen bei den Verkäufen bedeuten. Wenige Verkäufer sehen sich die Arbeitsbedingungen in den Firmen an, an die sie Schiffe zur Zerlegung verkaufen. Nicht nur der Arbeitsschutz ist inexistent, auch der Umweltschutz. Allerdings gibt es erste Initiativen: Kleinere Werften können mit Schulungen die Bedingungen für Arbeiter und Umwelt verbessern. Es ist nur die Frage, ob man den Eigentümer der Werft überzeugen kann.

Das Gesetz ist zwar da, wird aber umgangen

Internationales Recht verbietet, dass Industrieländer ihre Schiffe zum abwracken verkaufen. Sie umgehen viel mehr diese Regelung, in dem sie in Asien umflaggen, von wo aus die Schiffe nach Bangladesh verkauft wird. Schweröl, Giftstoffe, Metalle müssten nämlich fachgerecht entsorgt werden. Die Eigentümer müssten darauf bestehen, dass es zu keinen Unfällen beim Zerlegen kommt. Dies würde beim Schuhwerk für die Arbeiter beginnen und der Organisation der Ab-Baustelle enden.

Doch um ein Schiff hier abwracken lassen zu können, muss es entweder selbst hierhergelangen. Meist in einer sentimentalen letzten Fahrt, wird der Riese vor die Küste gefahren, dann unbemannt auf die Küste zugefahren. Das führungslose Gefährt bahnt sich dann seinen Weg zum finalen Standplatz, vorbei an den anderen dort liegenden beziehungsweise steckenden Kolossen. Jährlich sinken um die hundert Boote in den Weltmeeren. Sie laufen auf Sandbänke, Riffe oder bekommen Schlagseite durch Navigationsfehler oder Unfälle. Oft verlieren sie ihre Fracht oder auch nur Teile davon im Zuge dieser Zwischenfälle. So landen Container in hoher Zahl jedes Jahr auf dem Meeresgrund.

 

Schifffahrtscontainer, die gerade ...

Schifffahrtscontainer, die gerade das Containerschiff verlassen (Bild: http://www.shippersjournal.com)

Das Meer als Atommüll-Lager?

Ebenfalls im Meer liegen noch 17.000 Container mit Atomresten - auf dem Grund des Nordmeeres. Dort liegen auch neunzehn Frachter und drei gesunkene Atom-U-Boote und einige Reaktoren, einer davon gehörte früher dem Eisbrecher "Lenin". Dieser "Friedhof" befindet sich im Hafen von Murmansk. Und weil die Ladung noch so stark strahlt, will es einfach keiner bergen. Stattdessen wird die Gefährlichkeit runtergespielt. Zwar hatte das russische Militär damals in den Medien verlautbart, es wolle die Komsomoletz bergen, aber das Plutonium verseucht heute noch die Fischereigründe. Der der Spionage und des Landesverrats angeklagte und verurteilte ehemalige Mitarbeiter des Verteitigungsministeriums, Alexander Nikitin, verfasste 1996 einen Bericht über die Nordmeerflotte der UdSSR, als "Quellen radioaktiver Kontamination", und hätte in Hinblick auf die Entsorgung der Altlasten in der Nordsee Ideen: Seine Empfehlung lautet, die versenkten Atom-Unterseeboote mit den Resten der Kernbrennstoffe, zuerst zu bergen. Danach sollte man die hochradioaktiven Reaktoren bergen und zuletzt die Container (Anm.: Von denen nicht klar ist, ob die Zahl von 17.000 ausreichend sein wird. Gemessen daran, dass es 42 geschlossene Städte, also solche mit Atomkraftwerken in der UdSSR gab oder vielleicht noch gibt, die Zahl 10 wird kolportiert) und eine ganzen Reihe an Schiffen mit Atomantrieb und Atom-U-Booten unterwegs, ist die Zahl möglicherweise noch viel höher. Möglicherweise aber liegen diese Container auch anderswo. Dort wo es keine Richtlinien gibt.

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