Augen verschließen hilft selten!

Augen verschließen hilft selten! (Bild: Concord90 / Pixabay)

Existenzgründer sind gezielte Opfer

Haben große Firmen eigene Abteilungen für unterschiedliche Aufgaben, unter anderem auch solche die sich mit amtlichen Schreiben etc. auseinandersetzen, muss dies in kleineren Unternehmen nebenher geschehen oder bei Einzelunternehmen vom Unternehmer selbst gemacht werden, was wegen des Zeitaufwandes dann zwangsläufig nur relativ oberflächlich erfolgen kann. Nicht nur gefährdet sondern offenbar auch gezielt als Opfer ausgesucht sind Existenzgründer. Gerade sie haben am Anfang mit vielen Formularen und Eintragungen zu tun, ob im Handelsregister, bei einer Kammer oder sinnvollerweise beim Eintrag in diverse Datenbanken die beispielsweise von der jeweiligen IHK oder Berufsverbänden angeboten und empfohlen werden. Aber auch kostenfreie und kostenpflichtige Datenbanken im Internet können (müssen aber nicht) für den Einzelnen interessant sein. Bei all dem Papierkram und Onlineformularen erscheint es leicht nachvollziehbar, dass es einen nicht verwundert, wenn man schon bald nach der Eintragung ins Handelsregister eine Rechnung bekommt, um einen Registereintrag zu bezahlen – ausgefüllter Überweisungsträger meist schon beigefügt. Bevor man diese Rechnung vorschnell in Verbindung mit dem tatsächlichen Eintrag bringt, sollte man sich das Schreiben jedoch sehr genau anschauen, denn mit der Abwicklung des »echten« und gewollten Eintrages hat dieses in der Regel gar nichts zu tun.

Doch nicht nur Rechnungen in zeitnahem Zusammenhang mit Eintragungen bergen die Gefahr eine Abzocke zu sein. Auch Briefe, E-Mails und Faxe täuschen vor, von offizieller Stelle zu kommen. Sie alle haben eines gemeinsam: Die Namen im Briefkopf klingen nach Behörden und Ämtern und der Aufbau der Formulare entsprechen den in aller Regel wenig gestalterischen Grundsätzen folgenden Formularen die man von Behörden kennt. Ein »Bundes«-adler lässt dann zudem keinen Zweifel mehr aufkommen.

Das Schema ist meist das Gleiche: Einige Unternehmensdaten sind in dem Vordruck aufgeführt – meist Adressdaten und evtl. Telefonnummer – die vom Empfänger auf Richtigkeit kontrolliert werden sollen. Gegebenenfalls sollen sie korrigiert und ergänzt und durch Unterschrift bestätigt werden. Hierbei handelt es sich aber bei genauerer Betrachtung nur um eine Offerte, ein Angebot das auf rein freiwilliger Basis gründet, es gibt selbstverständlich keine Pflicht dieses Formular auszufüllen! Man muss diesem auch nicht widersprechen, da es eine reine »Eintragungsofferte« ist. Wichtig ist, dass im Zusammenhang mit der Eintragung ins Handelsregister nur die Rechnung des Notars und die original (!) Abrechnung des Registergerichts für Eintrag ins Handelsregister und Veröffentlichung bezahlt werden müssen. Jede weitere Rechnung sollte einen stutzig machen.

Wie erkennt man Adressbuchschwindel?

Wie können sich Kleinunternehmen gegen dei Abzocke mit Adressbuch und Telefonbuch wirksam schützen? Der wichtigste Rat ist so banal wie in vielen Fällen wenn es um Schutz und Sicherheit geht – Genau lesen. So erkennen Sie Kostenfalle und Abzocke:

  1. Haben Sie stets ein gutes Maß gesunden Misstrauens gegenüber jedem Schreiben und jeder Rechnung. Eine Unterschrift ist der allerletzte Schritt und darf erst dann erfolgen, wenn wirklich der gesamte Inhalt des Schreibens gelesen, hinterfragt und eindeutig verstanden wurde.
  2. Bei Formulierungen die nicht leicht verständlich sind, unbedingt jemanden fragen, der sich entweder mit offiziellen Schreiben auskennt oder auch ganz einfach mal diese Phrase in die Internetsuchmaschine eingeben. Bei massenhaft versendeten Schreiben sind Formulierungen stets identisch und daher in der Regel, zumindest wenn schlechte Erfahrungen gemacht wurden, in diversen Foren mit entsprechenden Kommentaren zu finden (wie dies auch bei Telefonnummern aggressiver Werber der Fall ist).
  3. Prüfen Sie wer der Absender ist und geben diesen auch in die Internetsuchmaschine ein.
  4. Über IBAN lässt sich leicht herausfinden, ob der Rechnungssteller im Ausland sitzt.
  5. Rechnung mit tatsächlichen Aufträgen (Anzeigen, Eintragungen) vergleichen.
  6. Angebote auf Nutzen genau überprüfen und vor allem nach den Kosten im Kleingedruckten suchen. Seriöse Angebote weisen die Kosten nicht erst im Kleingedruckten versteckt aus.
  7. Bei Angeboten am Telefon grundsätzlich und ausdrücklich (!) keine Zusagen machen.
  8. Bei angekündigtem Telefonmitschnitt ohne Wahrung der Höflichkeit sofort auflegen. Ein falsches »ja« an der für den Anbieter richtigen Stelle, kann teuer werden und viel Ärger verursachen.
  9. Ein Telefonanruf bspw. bei der IHK genügt, um zu erfahren ob eine etwaige Pflicht für einen bestimmten Eintrag besteht.
  10. Bekannte Abzock-Schreiben die immer wieder kommen, vor dem Öffnen mit »Annahme verweigert« kennzeichnen und wieder in den Briefkasten werfen (nicht frankieren). Dies muss meist wiederholt werden, ist aber wirksamer als in den Papierkorb zu werfen.

Vertrag unterschrieben – was jetzt?

Sollten Sie einen solchen Abzocke-Vertrag unterschrieben haben ist das ärgerlich, doch befinden Sie sich da in guter Gesellschaft mit Tausenden anderer die ebenfalls auf den Adressschwindel hereinfallen. Also versuchen Sie das Beste daraus zu machen und grämen Sie sich nicht, diese Energie braucht Ihr Unternehmen an anderer Stelle. Fechten Sie den Vertrag auf jeden Fall an und kündigen ihn sicherheitshalber sofort wieder zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Auf diese Weise ist zumindest garantiert, dass er sich – wie in den meisten Fällen üblich – nicht automatisch verlängert. Dies schicken Sie unbedingt per Einschreiben mit Rückschein an den Absender, damit Sie einen Nachweis haben, dass die Kündigung auch tatsächlich eingegangen ist. Kann das Einschreiben nicht zugestellt werden, haben Sie die Gewissheit, dass der Abzocker eine falsche Adresse angegeben hat, was bei einer rechtlichen Auseinandersetzung eine Bedeutung haben kann. Wichtig: Lassen Sie sich nach Anfechtung und Kündigung nicht einschüchtern. Die ersten Reaktionen darauf sind in der Regel Mahnungen, die auf, von seriösen Unternehmen ungekannte Weise, aggressiv sind und mit Drohungen etwa von Inkassobüros oder (angeblichen) Anwaltskanzleien einhergehen. Schnell werden gerichtliche Schritte angedroht und mit Zwangsvollstreckung und Pfändung gedroht bis hin zur Veranlassung von Schufa-Einträgen. Behalten Sie kühlen Kopf und reagieren Sie weder panisch noch über. Schufa-Einträge bei angefochtenen Forderungen sind gar nicht erlaubt und eine Meldung an die Schufa in solch einem Fall sogar rechtswidrig. Sie können in Ihrem Schreiben auch ausdrücklich die Weitergabe Ihrer Daten an die Schufa untersagen.

Muss man bei Abzocke zahlen?

Eines ist klar, wenn Sie nichts dagegen unternehmen, haben Sie den Vertrag so akzeptiert und dann müssen Sie wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Ob es in diesem Fall ebenfalls mit gekonnter Paragrafenjonglage möglich ist, spätere Anfechtungen durchzusetzen sei dahingestellt. Wenn Sie Abzocke-Verträge aber anfechten, haben Sie zwar keine 100% Garantie, jedoch gute Chancen ihr Geld für sinnvollere Investitionen ausgeben zu können. Es gibt bei derartigen Formularen bisher keine eindeutige Rechtslage und durchaus unterschiedliche Beurteilungen von Gerichten. Das Risiko für den Formularversender, dass ihm eine Täuschung vorgeworfen wird ist relativ hoch. Damit wäre eine Anfechtung gerechtfertigt und auf den Absender würden entsprechende Kosten zukommen, weshalb dieser den Rechtsweg wohl eher meidet. Lässt sich der Sitz des Absenders im Ausland feststellen kann man ohnehin relativ sicher sein, dass dieser nicht klagen wird. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass es in der Vergangenheit durchaus auch schon zu Klagen gekommen ist. In solch einem Fall muss man dann natürlich reagieren.

Wie erkennt man Abzock-Formulare?

Es gibt verschiedene Merkmale, die einen zumindest vorsichtig und misstrauisch machen sollten. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  1. Nach Ämtern und öffentliche Einrichtungen klingende Begriffe und Zusammensetzungen wie »Deutsche(s)«, »Handels-«, »-register«, »-zentrale«, »Zentrale für« und ähnliches.
  2. Verwendung von Teilen bekannter Firmenbezeichnungen wie »Branchenbuch«, »Gelbe«
  3. Verwenden von Amtlichkeit vortäuschenden Emblemen. Bsp. Adler, Europasterne, Siegel etc.
  4. Typische Gestaltungsart amtlicher Formulare, Umweltschutzpapier (bzw. graues Papier).
  5. Angebote oder Adressüberprüfungen die bereits wie eine Rechnung gestaltet sind mit einem ausgefüllten Überweisungsträger.
  6. Fristsetzung mit gleichzeitiger Androhung von Datenlöschung etc.
  7. Deutliche Hervorhebungen von Begriffe wie »kostenlos«, »Korrektur«, »Grundeintrag«, »stimmen Ihre Daten noch?« etc. mit Abdruck einiger Unternehmensdaten (meist nicht mehr als die Adresse und oft bewusst mit Fehlern, die zur Korrektur animieren).
  8. Absender nicht eindeutig erkennbar oder im Ausland.

 

Grundsätzlich gilt: Erst genau lesen, alles hinterfragen, sich nicht unter Druck setzen lassen, weder zeitlich noch durch Androhung von negativer Konsquenzen etwa der Löschung von Daten!

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