Afrika: 54 Staaten, 1,2 Milliarden Einwohner

Bevölkerungsentwicklung

Nicht erst seit der Diskussion um Flüchtlinge stellt sich die Frage, wie sich Afrika weiterentwickeln wird. Denn Afrika ist heute nach Asien der bevölkerungsreichste Kontinent der Welt mit mehr als einer Milliarde Einwohner und übertrifft damit die Europäische Union um gut das Doppelte. 

Gebremstes Wachstum

Das Bevölkerungswachstum des afrikanischen Kontinents ist nach wie vor eindrucksvoll. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird im Jahr 2050

  • einer von vier Menschen Afrikaner sein
  • der afrikanische Kontinent statt von 1,2 Milliarden von 2,4 Milliarden Menschen bevölkert werden
  • fast jedes zweite Kind, das geboren wird, aus Afrika stammen. Besonders beeindruckend: Nigeria wird für 10 % aller weltweiten Geburten stehen
  • das Wachstum der Weltbevölkerung zu mehr als der Hälfte auf das Wachstum der afrikanischen Staaten zurück zu führen sein.

Natürlich können sich Modellannahmen im Laufe der Zeit verändern.

Geburtenrate

Schon heute zeigt sich zum Beispiel, dass die Geburtenraten auch in Afrika rückläufig sind, auch wenn sie noch auf vergleichsweise hohem Niveau verharren.

Beispiel Geburtenrate: Noch in den Siebziger Jahren hatte eine afrikanische Frau im Durchschnitt 6,7 Kinder (Welt: 4,4). 2015 liegt dieser Wert noch bei 4,7 (Welt: 2,5).

Ob sich diese und andere Werte den statistischen Annahmen der Weltgemeinschaft entsprechend entwickeln werden, ist nicht mit Sicherheit zu sagen und hängt von vielen Faktoren, wie zum Beispiel Klima, politische Entwicklungen usw.

Es lässt sich aber festhalten, dass in Afrika eine große, junge Generation heranwächst. Fast eine Milliarde Afrikaner werden im Jahr 2050 unter 18 Jahre alt sein.

Das birgt gewaltige Risiken – und gewaltige Chancen.

Der Weg aus der Wachstumsfalle

Tendenziell lässt sich aber festhalten, dass die besonders entwickelten afrikanischen Staaten eine ähnliche Entwicklung durchmachen, wie die Industrieländer. Das bedeutet insbesondere:

  • Eine bessere wirtschaftliche Entwicklung mit höherem Pro-Kopf-Einkommen besonders für die ärmeren Schichten senkt die Notwendigkeit zur Versorgung der Eltern durch ihre Kinder
  • Besserer Zugang zu Bildung für Frauen und die Bekämpfung von Kinderheirat senkt die Anzahl der Kinder
  • Eine geringere Kindersterblichkeit durch bessere medizinische Versorgung senkt langfristig die Geburtenrate

Um es an einem konkreten Beispiel wie Südafrika festzumachen: Die durchschnittliche Anzahl Kinder pro Frau liegt dort bei 2,4 – nicht weit entfernt von Europa mit 1,6 Kindern.

Anders gesagt: Friede, Bildung, Chancengerechtigkeit, Wirtschaftswachstum, Marktzugang, Demokratie. Das sind die Hausaufgaben, denen sich die afrikanischen Staaten, aber auch die Weltgemeinschaft widmen müssen.

Afrika: Kontinent der Chancen

Über die Probleme Afrikas gibt es Artikel wie Sand am Meer. Hier deshalb ein Blick auf das andere Afrika, das im Aufbruch, im Wachstum. Keimzelle von Innovationen, möglicher zukünftiger Motor der Weltwirtschaft. 

Einige Schlaglichter.

Unternehmen

Die größten Unternehmen Afrikas können es inzwischen mit Schwergewichten aus dem deutschen Aktienindex DAX aufnehmen.

So erreichte das angolanische Mineralölunternehmen Sonangol 2017 mit 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 17 Milliarden US-Dollar (zu Zeiten höherer Ölpreise lag der Umsatz schon bei über 30 Milliarden). Das südafrikanische IT-Unternehmen brachte es auf 12,7 Milliarden US-Dollar.

Diese Umsätze reiche an Unternehmen wie Adidas, Linde oder Merck heran.

Telekommunikation

Afrika ist der Kontinent der Mobiltelefone. Nur die wenigsten Menschen sind an das Festnetz angeschlossen. Inzwischen gibt es fast 1 Milliarde Mobilfunkverträge. In einem Land wie Ghana kommen inzwischen auf jeden Einwohner im Durchschnitt 1,3 Mobilfunkverträge. Fast zwei Drittel der Mobilfunknutzer haben auch einen Datentarif, um das Internet zu nutzen.

Innovation 

Die für viele Deutsche mittlerweile veraltete SMS zählt in Afrika aufgrund der teilweise nur sehr geringen Datenübertragungsrate zum Alltag. Und sie wird unglaublich vielseitig genutzt. Von Überweisungen bis zum Abschluss von Versicherungen sind eine Menge Dienstleistungen via SMS zugänglich.

Inzwischen setzen Hilfsorganisationen wie UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, die SMS-Technologie beispielsweise ein, um Fälle von Ebola zu melden, Flüchtlingsfamilien wieder zusammen zu bringen oder Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, an landesweiten Umfragen teilzunehmen.

Bildung

Viele afrikanische Staaten erreichen mittlerweile eine Einschulungsrate von 75%. In Ländern wie Algerien, Marokko und Südafrika werden sogar neun von zehn Kindern eingeschult.

Auch die Situation der Mädchen, die für die zukünftige Entwicklung Afrikas eine Schlüsselrolle spielen, hat sich deutlich verbessert. In vielen Staaten werden genauso viele Jungen wie Mädchen eingeschult.

Viele Länder haben dafür gewaltige Anstrengungen unternommen und stecken fast fünf Prozent Ihrer Bruttoinlandsproduktes in Bildung - das entspricht dem Anteil, den auch Deutschland von seinen Staatsausgaben in Bildung investiert.

Wirtschaftswachstum

Trotz vieler Rückschläge, wie Naturkatastrophen oder politischen Konflikten, und ungleicher regionale Verteilung, wächst die afrikanische Wirtschaft seit 2008 Jahr für Jahr zwischen drei und vier Prozent. Entwickelt sich das Wachstum entsprechend weiter, kann man in den nächsten Jahren mindestens von einer Verdoppelung der Wirtschaftsleistung ausgehen.

Gesundheit

Beispiel Säuglingssterblichkeit: Die Anzahl der Todesfälle sank zwischen 1990 und 2014 von 90 pro 1.000 Geburten auf 54 - ein Rückgang von 40 Prozent.

Tourismus

Der Tourismus ist eine wachsende Einnahmequelle für den afrikanischen Kontinent.

Mehr als 52 Millionen Touristen besuchten im Jahr 2012 Afrika. Das entsprach einem Gesamtumsatz von 34 Milliarden US-Dollar. Zu den Ländern mit den meisten Besuchern zählen Ägypten, Marokko, Südafrika, Tunesien, Algerien, Simbabwe, Kenia, Uganda, Namibia und der Senegal.

Quo vadis?

Der afrikanische Kontinent steht vor gewaltigen Herausforderungen.

Es bleibt aber zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft die riesige Chance, die sich bietet, nutzt.

Mit den sogenannten "Sustainable Development Goals" (deutsch: Nachhaltigkeitsziele) haben sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, bis zum Jahr 2030 gewaltige Schritte in die richtige Richtung zu machen.

Nachhaltigkeitsziele bis 2030

Nachhaltigkeitsziele bis 2030

Laden ...
Fehler!