Clarissa mit Jeremy Warrander

"The Spider's Web" wird das Stück im Original genannt, in welchem sich die hervorragende Clarissa, gegen eine Menge Blutsauger behauptet. Natürlich können sich die meisten jungen Damen heute kaum vorstellen, wie es noch vor 100 Jahren war, als es sich Frauen nicht leisten konnten ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, sondern oft mit einem Vormund versehen wurden, der Einnahmen verwaltete. Diese Leute waren genauso unterschiedlich in ihrer Auffassung dieses Amtes, wie heute. Doch oft ist sehr viel Stärke erforderlich um dem Spinnennetz der Gesellschaft zu entkommen oder sich in ihm zu behaupten, wie es Clarissa es tut, und Pippa es vermutlich werden muss.

 

Aspekte des Stücks

Eine Familie zieht auf's Land, nahe eines Golfplatzes, mietet sich das Paar ein. Mit von der Partie ist auch ein junges Mädchen, das geradezu panisch wird, als ein junger Mann auftaucht, der ihr erklärter Feind zu sein scheint. Es ist der neue Mann ihrer Mutter, Oliver Castello, dem unterstellt wird, ein erhebliches Drogenproblem zu haben. Und wenn nicht, dann wird sie zumindest bald eines haben, wenn sich in diesem Sorgerechtsstreit etwas tut und die Mutter Ansprüche erhebt. Nun, die liebe Clarissa, eine Frau in den mittleren Dreißigern, ist die neue Frau an der Seite von Pippas Vater, der seinerseits ein hohes Amt bekleidet. Und tatsächlich behauptet sie, dass Pippa vor ihrem Eingreifen ein "reines Nervenbündel" gewesen sei.

 

Ob diese Geschichten glaubhaft sind, mag dahingestellt sein, Pippa aber gefällt es am Land. Doch spannend wird die Geschichte erst, als im äußerst günstig gemieteten Haus der Familie einige Herren zum Bridge auftauchen. Unter ihnen auch ein zwielichtiger Gesell namens Jeremy Warrender, der einerseits Clarissa ein wenig schöne Augen macht und andererseits Pippa ein wenig zusetzt.

 

In dieser Geschichte um zwielichtige Geheimnisse, Immobilien und Sorgerechtsstreits, die leicht zu mentalen Verwirrungen führen können, ist Clarissa praktisch bereits ein "Veteran", ist sie doch längst als Mündel von Sir Roland praktisch unter Kuratel. Sie hat die Zeiten freier Verfügung ihre Ressourcen und Gedankenwelt längst hinter sich gelassen und kämpft mit sehr eleganten Waffen einer Frau um die noch verbliebenen Möglichkeiten der Macht. So ist es offenbar nicht ein besonders reicher Haushalt, den sie dort führt: Zu Beginn des nur in diesen Räumen des Hauses bzw. im Garten stattfindenden Stücks, findet eine Portweinverkostung unter den drei Herren statt, bei denen sie ihnen weiß-macht, es wären drei verschiedene. Tatsächlich aber ist es immer derselbe Wein, der ihnen vorgesetzt wird.

 

Clarissa aber, die in erster Linie Sir Roland verbunden ist, scheint ihren Mann zu lieben, der als Foreign Office Beamter tätig ist und dementsprechend selten zuhause aber auch sehr auf seinen Ruf bedacht. Umso schwieriger wird es dann, als Pippa gesteht, dass sie den Unglückseligen Oliver Castello getötet hat, es sei nicht böse Absicht gewesen.

 

Aufklärung des Falles durch die Polizei, die eintrifft.

Protagonisten

 

  • Clarissa, ihr Mann und dessen Tochter Pippa 
  • Oliver Castello (tot) (dessen Frau und Mutter Pippas)
  • Sir Roland, Jeremy Warrander und ein anderer Herr
  • Mrs. Brown, die Hausbesitzerin, die den Garten pflegt
  • Der Diener (und seine Frau)

 

Gut, dass dies Tragik der Geschichte, in der viel Zeitgeschichte mitschwingt, durch die Darstellung der fröhlichen Miss Clarissa entschärft ist, denn es ist sehr viel Gewalt darin. Da wäre zunächst, der Mitarbeiter des Immobilienbesitzer, Jeremy Warrander, der sich gleich zweimal zu einem Mordversuch hinreißen lässt. Dann ist da die bereits erwähnte – ach nennen wir es doch beim Namen – Besachwalterung der Lady Clarissa, aus welchen Gründen auch immer. Aber angenommen die Figur ist an der realen Lady Agatha Clarissa Christie, geborene Miller, angelehnt, so ist dies bestimmt keine alltäglich Laufbahn für eine angesehene junge Dame in ihrer Zeit. Es ist außergewöhnlich, durch den Orient und andere Gegenden der Welt zu reisen, es ist außergewöhnlich, Geschichten – Krimis! - zu schreiben und es ist außergewöhnlich, das Kind bei Verwandten zurückzulassen, während man den eigenen Mann monatelang begleitet. Doch Great Britain war und ist anders: Es ist voller selbstbewusster Frauen, die sich was trauen. In diesem Falle ist vielleicht der Haus- und Sachverstand durch diese Bevormundung, die damals ja gar nicht so selten war, geschult worden. Doch die Kennzeichen kollektivistischen Geschehens lassen sich nicht verbergen und zeigen sich wohl am deutlichsten an den vielen vielen Morden und Mordversuchen, die die Lady beschreibt, auf die Bühne bringt und als Vorlage für Drehbücher dienen. Mit den sympathischen Figuren, mit denen sich Medienrezipienten identifizieren, wird klar, dass kein Mord im damals modernen Britannien erwünscht wird und er mit Akribie aufgeklärt wird, sämtlichen Standesunterschieden und Vorurteilen, Machtbewusstsein und Überheblichkeiten zum Trotz. Und das ist ein erstaunliches Erbe.

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