Das Leben des Al Capone

Nicht nur Autoren faszinierte dieser berühmt-berüchtigte Mann. Heute tragen Bars und Restaurants kokett seinen Namen. Schon zu Lebzeiten prägte er den Stil der Roaring Twenties in US-Amerika und hatte einen Bekanntheitsgrad wie heutzutage ein Popstar. Hinter diesem Nimbus verschwand sein wahres Gesicht: nämlich das eines vielfachen Mörders.

American Dream

Dass sich die Bürger Chicagos die Hälse nach ihm verdrehten, wenn er öffentlich auftrat, ihn mit Jubelrufen wie "Good old Al!" begrüßten, seinen Kleidungsstil kopierten, ihn auf Hochglanzfotos in Zeitschriften präsentierten, hätte sich der so gefeierte Held in seiner Kindheit nie träumen lassen. Als Sohn eines Einwanderers aus Neapel wird Alphonse (Al) Gabriel als eines von zehn Kindern am 17. Januar 1899 in Brooklyn, New York geboren. Kein guter Start ins Leben. Italienische Einwanderer galten lange als minderwertige Bürger. Eine hohe Analphabetenrate und das Vorurteil, alle Italiener seien Mafiosi, legten viele Steine in den Weg der mediterranen Neubürger. Um zu Geld und Einfluss zu gelangen, gab es meist nur den kriminellen Weg.

Prohibition in Amerika

Am 17.01.1920 trat ein Verfassungszusatz in Kraft, welcher die Herstellung, den Verkauf und den Transport von Alkohol verbot. Ein Verbot zum Wohl der Bevölkerung, welches sich in sein Gegenteil verkehren sollte. Wie alles Verbotene übte Alkohol fast zwangsläufig einen mächtigen Reiz aus. Wurde bislang nur im üblichen Rahmen gezecht, stieg die Gier nach Hochprozentigem ins Maßlose. Schmierige Hinterhofkneipen, getarnt als harmlose kleine Läden, gab es zu Tausenden in den Großstädten. Alkohol panschen, Schwarzbrennen und Schmuggel waren einträgliche Geschäfte, von welchen hauptsächlich kriminelle Banden profitierten. Um diesen Geschäften ungestört nachgehen zu können, wurden Politiker, Justizangehörige und Polizisten mit hohen Summen bestochen.

Al's Aufstieg

Als 15-jähriger begann Capone seine "Ausbildung" bei Frankie Yale, einem Gangster, dessen Hauptgeschäftszweig die Schutzgelderpressung war. Nach einem Mord an einem "Kollegen" floh der 19-jährige Al nach Chicago. Als rechte Hand seines Freundes John Torrio, Unterweltkönig und Bordellbesitzer machte er schnell Karriere. Durch Geld und Gewalt sorgten Torrio und Capone dafür, dass Behörden ihre kriminellen Umtriebe ungeahndet ließen. Widerstand drohte nur von konkurrierenden Gangs, welche mit Waffengewalt ausgerottet werden sollten. Bombenterror und Schießereien waren auf den Straßen Chicagos an der Tagesordnung. Zum Einsatz kamen neu entwickelte Maschinenpistolen, welche frei verkäuflich waren. Nachdem Torrio bei einer Schießerei schwer verletzt wurde, zog er sich ins Privatleben zurück undüberließ Capone sein Imperium.

König von Chicago

Mit 26 Jahren war Capone Herrscher über ein Imperium, das mit Alkoholschmuggel, Erpressung, Glücksspiel und Prostitution im Jahr 105 Millionen Dollar erwirtschaftete. Eine Truppe von Schlägern und Bombenwerfern ebneten ihm, ebenso wie der Einsatz von enormen Bestechungsgeldern, die Wege in Geschäftsverbände, Gewerkschaften, Polizeibehörden, Ratsstuben und Justiz.

Freiwillig ins Gefängnis

Erfolg hat viele Neider. Im Mai 1929 versammelten sich Gangsterbosse aus ganz Amerika in aller Öffentlichkeit, um eine bessere Zusammenarbeit ihrer Syndikate zu beratschlagen. In Wirklichkeit ging es aber darum, Capone zu entmachten. Aus Angst um sein Leben floh er hinter die sicheren Mauern eines Gefängnisses in Philadelphia. Den Grund für seine Verurteilung hatte er selbst geliefert: Besitz einer nicht genehmigten Waffe. Genau wie er sich aus eigener Machtvollkommenheit inhaftiert hatte, wurde er dank einflussreicher Freunde in eine komfortablere Zelle  verlegt und im März 1930 wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

Große Depression

Der Börsenkrach vom Oktober 1929 läutete eine gewaltige Weltwirtschaftskrise ein, welche auch Amerika hart traf. Besonders betroffen war Chicago: die Arbeitslosigkeit erreichte Rekordhöhen und mit einer Verschuldung von 300 Millionen US-Dollar war die Stadt bankrott. Jetzt schlug die Stunde des Wohltäters Capone. Er spendete an Waisenhäuser, verteilte Geld an Bedürftige und richtete Suppenküchen ein, woraufhin sein Image in der Öffentlichkeit glanzvoller als je zuvor erstrahlte. Das Geld für seine Wohltaten war indes nur ein Bruchteil seiner Einnahmen aus dem organisierten Verbrechen.

Unfreiwillig im Gefängnis

Auf der Höhe seiner Popularität begann sich unbemerkt die Schlinge um den Hals des nach außen bieder als "Antiquitätenhändler" auftretenden Capone zu legen. Im Auftrag der Prohibitionsbehörde nahm eine Gruppe unbestechlicher Agenten, die "Untouchables" (die Unbestechlichen) den Kampf gegen den Gangsterboss auf. Trotz etlicher selbst begangener und vieler angeordneter Morde und zahlloser anderer Delikte war Capone nie etwas Derartiges nachzuweisen. Eines hatte er jedoch nie bedacht: trotz seines immensen und für alle  offenkundigen Reichtums hatte er nie Steuern gezahlt. Am 17.10.1931 wurde Capone zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren zuzüglich einer enormen Geldstrafe verurteilt, allerdings schon 1939 wiederum wegen guter Führung entlassen.

Stiller Tod

Bis zu seinem Tod am 25.01.1947 lebte Capone auf seinen Luxusanwesen auf Florida. Seinen verbleibenden Reichtum konnte er aber nicht mehr genießen. Gezeichnet von der Syphilis verbrachte er seine letzten Lebensjahre in geistiger Umnachtung, geplagt von Wahnvorstellungen und Panikattacken.

Bildnachweis: Nicole Lünz/www.pixelio.de

Autor seit 5 Jahren
15 Seiten
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