Künstliche Intelligenz und Kommunikation: Wann ist es soweit?

Bezogen auf das Thema Kommunikation, könnte man entsprechend fragen: Können wir uns mit einem Computer bald genau so unterhalten wie mit einem Menschen? Wird künstliche Intelligenz in der Lage sein, Sprache in Echtzeit zu dolmetschen, komplexen Anweisungen zu folgen oder aktiv Informationen von uns einzuholen, um uns besser zu verstehen?

Dieser Artikel greift zwei aktuelle Beispiele - Alexa von Amazon und Google Translate - auf und demonstriert die Grenzen künstlicher Intelligenz.

Alexa von Amazon - Freund(in) hört mit

Die Einführung des digitalen Assistenten Alexa hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mit dem Gerät "Amazon Echo" kann man sich jetzt sogar ein Gerät in der Wohnung aufstellen und damit Sprachkommandos erteilen, sowie verschiedene Dienste von Amazon nutzen.

Künstliche Intelligenz nun also in jedem Wohnzimmer?

Kleinere Aufgaben, wie das Stellen eines Timers oder das Schreiben einer Einkaufsliste, lassen sich damit gut erledigen.

Über zusätzliche Apps lassen sich außerdem auch weitere Geräte und Dienstleistungen von Drittanbietern in das System einbinden. Ein Praxistest des PC Magazins kommt allerdings zu dem Schluss, dass das System noch einen weiten Weg vor sich hat. " Viele der Skills benötigen derzeit noch einen Rufnamen, funktionieren also nur, wenn man sie anspricht, was mitunter schwer zu merkende Sätze wie "Alexa, sage Myfox, den Alarm zu aktivieren" nötig macht, um die Myfox-Alarmanlage scharfzuschalten."

Auch andere Basics natürlicher Sprache, zum Beispiel Dialekt, versteht Alexa nicht. Und ähnlich wie bei aktuellen Navigationssystemen oder einer Routenführung via Google Maps erkennt man sofort den Unterschied zwischen Mensch und Maschine.

Google Pixel Buds - den Google Assistant im Ohr

Wer kennt nicht den bekannten Babelfisch aus dem "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy? Er erlaubt es, auf telepathischem Weg jede Sprache zu verstehen. Auch der berühmte Universalübersetzer aus dem Star Trek - Universum übersetzt scheinbar mühelos jede außerirdische Sprache.

Was in der Science Fiction-Welt ganz einfach erscheint, ist bis heute ein Ding der Unmöglichkeit. Die Vorstellung der Google Pixel Buds hat das einmal mehr vor Augen geführt. Die Bluetooth-Ohrhörer sind mit der Internetseite "Google Translate" verbunden, der Übersetzungen zwischen zwei Sprachen ermöglicht.

Künstliche Intelligenz und die Feinheiten der Kommunikation

Was bei Sachtexten noch einigermaßen funktioniert, scheitert spätestens, wenn es um Feinheiten, geflügelte Worte, technische Details usw. geht. Wer schon einmal mit dieser oder vergleichbaren Internetseiten wie Linguee versucht hat, komplexere Texte zwischen zwei Sprachen zu übersetzen, weiß, wie begrenzt die Fähigkeiten dieser Software (noch) sind.

Professionelle Übersetzer sprechen in diesem Zusammenhang auch nicht von Übersetzung (Translation), sondern von Lokalisation (Localization). Damit ist die Anpassung von Inhalten an den jeweiligen Zielmarkt der Übersetzung gemeint. Das soll sicherstellen, dass der übersetzte Ausgangstext auch in einer anderen Kultur (auf die Funktion bezogen und linguistisch betrachtet) "funktioniert".

Unfreiwillig komische Beispiele für misslungene Übersetzung künstlicher Intelligenz bzw. maschineller Software gibt es im Internet zuhauf. Und sie lassen sich auch leicht selbst produzieren.

Google Translate und die babylonische Sprachverwirrung

So wird ein Satz aus einem Artikel der Washington Post:

"Republicans keep jabbing at Affordable Care Act but fail to deliver a knockout punch."

"Die Republikaner pochen nach dem Affordable Care Act, schaffen es aber nicht, einen KO zu erzielen."

Übersetzt man den Satz dann noch einmal zurück ins Englische, wird der Sinn noch mehr entstellt:

"The Republicans insist on the Affordable Care Act, but fail to achieve a knockout."

Nun bestehen die Republikaner plötzlich auf ein Gesetz aus der Zeit der Obama-Regierung, also das glatte Gegenteil dessen, was der ursprüngliche Satz ausgedrückt hat.

Noch problematischer wird es, wenn derart übersetzte Texte dann noch maschinell in weitere Sprachen übertragen werden, da sich die Fehler dann potenzieren.

Fazit: ein weiter Weg

Besonders im Bereich der Kommunikation wird deutlich, wie weit der Weg der künstlichen Intelligenz noch ist. Das dürfte aber jedem, der sich mit der komplexen Struktur - und Schönheit - der Sprache beschäftigt, intuitiv klar sein. Besonders, wenn es auf den Sinn einer Kommunikation jenseits der Sachebene - Schulz von Thun lässt grüßen - ankommt, hat die künstliche Intelligenz noch einen weiten Weg vor sich.

Der sogenannte Turing-Test kann als weiterer Hinweis dienen, um zu zeigen, wie weit der Weg zur künstlichen Intelligenz noch ist. Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller über eine Tastatur und einen Bildschirm mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie denkende Menschen sind. Wenn der Fragesteller nach der intensiven Befragung nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden. Bis heute ist dies noch nicht gelungen.

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