Auge in Auge mit dem Mikrokosmos - Krankheitserreger zum Knuddeln

 

Mit Plüschmikroben fing einst alles an. Es gab sie per Online-Versand, und ein paar Arztpraxen stellten sie als Nebenerwerbszweig in einer Vitrine aus: kleine bis mittelgroße Plüschobjekte, die Erreger bekannter Krankheiten nachbildeten. So ähnlich läuft es immer noch, wobei die Hauptbezugsquelle wohl der Internetversand ist. 

Als Vorlage dienen mikroskopische Darstellungen sowie die mit der Erkrankung häufig verbundenen Assoziationen: So ist das Rötelnvirus rot mit weißen Punkten und das Pest-Bakterium natürlich tiefschwarz, ist die Pest doch auch als "Schwarzer Tod" bekannt. Ein harmlos wirkendes mintgrünes Grippevirus mit einem schwarzen Knopfauge blickt etwas rätselhaft, während der leuchtendblaue flauschige Erkältungserreger einem Ball mit Zacken ähnelt und einen aufmerksam aus zwei dunklen Kulleraugen anschaut. Ein Augenzwinkern hie und da fehlt nicht. Wer hätte geglaubt, dass der Verursacher für eine so berüchtigte tropische Krankheit wie die Schlafkrankheit so sexy aussieht? In verruchten Lilatönen klimpert das Wesen mit langen Wimpern unter schweren Lidern und schlängelt elegant seine Rückenflosse. Der Erreger der Schweinegrippe kommt – Überraschung! – in Kreischrosa und ist dennoch anders als gedacht.

Da konnten die Designer eines Tages nicht mehr an sich halten und gaben einer weiteren Geißel der Menschheit Plüschgestalt: dem Fußballfieber. Jeder Laie wird diese Mikrobe sofort erkennen.

Ein netter Gag: Krankheitserreger fühlen sich in Gesellschaft von Artgenossen ja besonders wohl. Da lassen sich die meisten von ihnen in etwas kleinerer Ausgabe zu dritt in einer Petrischale erwerben.

Darmparasit "Giardia" (Bild: plueschmikroben.de)

Wie Viren vermehren sich die Plüschobjekte

 

Was so erfolgreich war, ließ neue Ideen entstehen. Von Mikroben war der Weg zu Körperzellen nicht weit. Als das ästhetische Potenzial erst einmal erkannt ist, laufen die Plüschwebstühle auf Hochtouren. Die knuffigen roten und weißen Blutkörperchen schaffen es sogar bis zum Schlüsselanhänger. Die Gehirnzelle findet sich als Schlüsselanhänger ebenfalls toll und bringt es sogar als graduierte Gehirnzelle zum Doktorhut auf ihrem Kopf sowie Saugnapf zum Andocken. Die Fettzelle wiederum bleibt ganz sie selbst und lässt den Betrachter unwillkürlich Abstand halten aus Sorge, dass dieser pralle Knubbel jeden Moment platzen könnte.

Doktorhut steht der Gehirnzelle gut.

Doktorhut steht der Gehirnzelle gut. (Bild: plueschmikroben.de)

Es kribbelt und krabbelt: Kuscheln mit Bettwanzen oder Schmusen mit Kopfläusen . . .

 

Wer hätte gedacht, dass es so lustig sein kann, mit Bettwanzen das Bett zu teilen. Anders als ihre fiesen kleinen Vorbilder sind die plüschigen Geschwister direkt zum Liebhaben. Die tun garantiert nichts – die wollen wirklich nur spielen! Dasselbe gilt auch für Zecke, Floh und Kopflaus. Sind die Viecher erst mal so riesig, dass man ihnen ins Angesicht gucken kann, werden sie richtig sympathisch. Als originelle Zugabe krabbelt in der Abteilung außerdem ein Bücherwurm herum.

Bettwanze (Bild: plueschmikroben.de)

Ein Hallo ins Universum: Ist da jemand?

 

Es stand doch in der Zeitung: Leben auf dem Mars! Auf einem Mars-Meteoriten ließen sich versteinerte mikrobenartige Überbleibsel nachweisen. Ihre Form eignete sich bestens für die Nachbildung in Plüsch. Marsrot, auch etwas kleiner zu dritt in der Petrischale, ziehen sie gern in interessierte Haushalte ein. Da die grünen Marsmännchen noch nicht entdeckt wurden, bleibt dieser Platz vorerst leer.

Von weit vom Mars komm' ich her . . .

Von weit vom Mars komm' ich her . . . (Bild: plueschmikroben.de)

Originelle Geschenke – nicht für jeden . . .

 

 

Bei Menschen mit Humor und Selbstbewusstsein, die Fußpilz oder Mundgeruch in Plüschform nicht als Anspielung sehen, sondern in schallendes Gelächter ausbrechen und bei Kindern, die eine Bettwanze cool finden werden, besteht kein Risiko.

Krankenschwestern, die gerade erfolgreich ihr Examen abgelegt haben sowie frisch approbierte Ärzte werden sich über plüschige Bakterien oder Viren amüsieren. Wer sich so lange mit seiner Doktorarbeit abgemüht hat, freut sich sicher über die graduierte Gehirnzelle.

Genauso lassen sich Kranke mit einem launigen Plüschwesen aufmuntern oder Kinder nach einem weniger angenehmen Arztbesuch trösten.


Allerdings besteht eine Gefahr:

Die Biester können süchtig machen!

Penicillin - oder Till Eulenspiegel? (Bild: plueschmikroben.de)

Textdompteuse, am 15.09.2011
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