Worum geht es?

Wenn ein Hobbyschreiber kein Fachbuch über Ameisenkunde griffbereit im Bücherschrank vorhält, dann hilft Wikipedia ganz bestimmt. Was steht zu diesem Thema darin? Eine ganze Menge.
Jetzt heißt es, die Sache auf den Punkt zu bringen.

  1. Welche Highlights über die Ameisen will ich wissen?
  2. Ist die Gemüseverpflegung in Gefahr?
  3. Gibt es eine Lehre für das Leben?

Die Ameise – das unbekannte Wesen

Die Ameise ist ein Insekt. Es gibt 10.000 Arten auf der Welt. Die biologische Familie ist hundert Millionen Jahre alt. (1) Alle Achtung.
Ein erster Seitengedanke. Der Mensch soll als Gattung seit etwa 400.000 Jahre existieren. Wir haben uns ganz offenbar seitdem im Aussehen und in der intellektuellen Leistung erheblich verändert - viele sagen "verbessert". Ameisen sehen wahrscheinlich noch so aus wie in den Urzeiten. Aber sie existieren immer noch. Ist eine rasche Entwicklung wie beim Menschen ein selektiver Vorteil?

Ameisen bilden Staaten. Der Fachausdruck lautet eusoziale Insekten (2). Das heißt:

  1. Gemeinsame Brutpflege. Bei den Ameisen schafft jeder in der Kita.
  2. Gemeinsame Nahrungsbeschaffung und –verteilung. Gibt es dort keine Promis, die am Ameisenstrand liegen? Und sind Ameisen sozialistisch per se?
  3. Teilung der Gemeinschaft in fruchtbare und unfruchtbare Tiere. Bedeutung? Abwarten.
  4. Mehrere Generationen leben in einer Familie zusammen. Das heißt, dass Ameisen keine Pflegeversicherung brauchen .

Auf den ersten Blick kann man als hominider Vertreter der Schöpfung schon einmal den Hut ziehen. Was kommt jetzt noch, dass unsereins erröten lässt?

Schaffe, schaffe ...

Wie groß ist ein Ameisenstaat? Er kann bis zu mehrere hundert Millionen Individuen umfassen. Und diese schaffen alle zusammen im Wald, sie ziehen gemeinsam die kleinen Ameisen auf und kümmern sich um Oma und Opa Ameise. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Ameisen betreiben von Natur aus eine Arbeitsteilung. Sie sind in drei sogenannte Kasten gegliedert. Gegen Kasten ist der moderne Mensch allergisch, weil in entsprechenden menschlichen Gesellschaftsformen die Unteren immer schikaniert werden. Wie halten es die Ameisen mit der sozialen Gerechtigkeit? Exzellent, wie man später sieht.
Es gibt Arbeiter, Weibchen (die Königin) und Männchen. Diese Aufzählung macht stutzig. Arbeiter, das kennt man aus dem Schaubild der industriellen Revolution (we work for you). Königinnen kriegen offenbar die Ameisenkinder. Was machen die Männchen? Sie befruchten die Königinnen. Danach sterben die Männchen.
Die Königinnen betreten nun zwei optionale Wege. Sie gründen eine eigene Kolonie außerhalb des Baus. Oder sie kehren mit ihrer Brut zurück; dann gibt es im Ursprungsbau mehrere Königinnen.

In wirtschaftlicher Hinsicht scheinen die Ameisen sehr produktiv zu sein. Jeder erbringt eine Wertschöpfung. Der Spaziergänger von Sanssouci ist im Ameisenstaat unbekannt.

Bei der Arbeit (Bild: Hans/ pixabay.com)

Warum müssen die Männchen sterben? Kann man diese nicht nach dem Begattungsvorgang zu Arbeitern umfunktionieren? Die Naturwissenschaft gibt im Moment dazu keine Auskunft. Wikipedia erwähnt die Fragestellung jedenfalls nicht.

Diese Tiere haben auch weniger angenehme Verhaltensweisen entwickelt. Sie führen Kriege, sie versklaven andere Ameisenstämme, und sie rauben fremde Nester aus. Außerdem sie legen mitunter ihre Eier in fremde Nester und lassen die Wirtsleute den eigenen Nachweis auf deren Kosten aufziehen.

Nutzenbetrachtung

Was tun sie für den Boden und für das Gemüse?

  1. Sie schichten das Erdreich um.
  2. Sie beseitigen abgestorbene Pflanzenreste.
  3. Sie tragen Samen vom Ursprungsort in das umliegende Gelände.
  4. Bevölkerungskontrolle. Sie sind Räuber. Sie regulieren das quantitative Wachstum anderer Anthropoden. Dies sind andere Gliederfüßler wie Würmer, Spinnen und Fliegen, deren Zahl nicht überhand nehmen soll.

Summa summarum erscheint aus diesen Betrachtungen, dass Ameisen klug, sozial bestens organisiert und vorteilhaft für die Natur und den Menschen sind.

Das Beste zum Schluss

Altruismus bedeutet uneigennützig zu handeln. Der Einzelne bringt seine Fähigkeiten und Energien zum Vorteil aller in eine Gruppe ein. (3) Im gegenteiligen Fall achtet das Individuum mehr auf seine persönliche Bereicherung.
Die Arbeiterinnen im Ameisenstaat können selbst kein Nachkommen gebären. Sie arbeiten selbstlos für den Zweck, dass die Königin ihre Erbanlagen weitergeben kann. Dennoch "profitieren" die nachfolgenden Generationen von Arbeiterinnen von diesem Verhalten.
Das Stichwort lautet Verwandtenselektion. Der Wikipedia Artikel über Ameisen (1) zitiert einen britischen Biologen namens William Hamilton. Nach dessen These führt die Organisation im Arbeiterstaat dazu, dass Arbeiterinnen zu 75 Prozent mit der jeweiligen Königin verwandt sind. Bei leiblichen Töchtern beträgt der Verwandtschaftsgrad fünfzig Prozent.
Die speziellen Fortpflanzungsmethoden in einem stark strukturierten Ameisenstaat sorgen demnach dafür, dass die Arbeiterinnen ihre Schwestern wie ihre eigenen Töchter aufziehen. Sie stärken damit die staatsbildende Gemeinschaft und sich selbst – und verschaffen den Ameisen einen evolutionären Selektionsvorteil. Da kann der homo sapiens nur staunen.

copy all? (Bild: Openicons/ ixabay.com)

Beim Ameisensterben geht es also nicht nur um das Thema Bodenauffrischung. Wir verlieren Vorbilder für die potenzielle und angemessene Übertragung eines evolutorisch erfolgreichen Sozialverhaltens.
Die biologische Ameisenfamilie hat per dato ein biblisches Alter von 100 Millionen Jahren erreicht. Wenn die Gattung Mensch in ähnliche Altersregionen kommen will, dann müsste sie sich möglicherweise umstellen.

 

Bildquelle: schreibspass bei Pagewizz.com

 

 

 

 

 

Vielleicht sollte die menschliche Gemeinschaft ein paar Millionen Euro aus einem geeigneten Geldtopf lockermachen und intensivere Ameisenkunde betreiben.

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Autor seit 2 Jahren
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