Am Anfang steht die Investition

Hier liegen die Preise für Kameras in fünfstelligen Bereichen – und damit in der Regel für einen ambitionierten Hobby- und sogar für den einen oder anderen Berufsfotografen zu hoch.

Die digitale Revolution hat zwar dazu geführt, daß es heute einen sehr gut sortierten Markt für gebrauchte Kleinbildkameras (von der Kompakt bis zur Spiegelreflexkamera) gibt, auf dem auch
Kameras in technisch sowie optischen Bestzustand zu extrem günstigen Preisen erhältlich sind, jedoch ist bei analogen Mittelformatkameras eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten:

Je nach Zustand werden heute für technisch und optisch einwandfreie Spitzenmodelle Preise zwischen 1.000 und 2.000 Euro verlangt – und das obwohl diese Kameras oftmals 40 Jahre und älter sind!
Diese Entwicklung verwundert nicht, bedenkt man, daß es – so die gängige Meinung –  den digitalen Mittelformatkameras nicht oder nur schwer gelingt, einem Mittelformatdia in Puncto Auflösung, Kontrastumfang und Dynamik Paroli zu bieten. In jedem Fall sind derartige Digitalkameras momentan noch derartig hochpreisig, daß sie wohl nur von einem überschaubaren Benutzerkreis eingesetzt werden dürften.

Minolta XD7Wer sehr hochwertige Aufnahmen machen möchte, kommt derzeit zwar nur schwer an einer analogen Mittelformatkamera vorbei, aber auch die analoge Kleinbildtechnik hat nach meiner Auffassung noch immer ihre Daseinsberechtigung – warum werde ich im folgenden erklären.

Anzumerken sei vorher, daß ich bei meinen Betrachtungen von einem ernsthaften und ambitionierten Einsatz der Fototechnik ausgehe, Grundlage sind daher Spiegelreflexkameras.
Fotografen, welche gelegentlich einige Bilder von Familienfeiern oder Urlauben schiessen und keinen weiteren fotohandwerklichen oder künstlerischen Zweck verfolgen, werden sehr wahrscheinlich andere Maßstäbe anlegen.


Betrachten wir den Gebrauchtkameramarkt, stellen wir fest, daß sich die stärksten Preisunterschiede bei den Kameraybodys zeigen. Während beispielsweise für eine CANON A1 in Bestzustand meist max. ca. 200,00 € verlangt werden, schlagen 10 Mp Digitalkameras mit rund 350 €, 12 Mp Kameras bereits mit rund 700 € und 16 Mp Kameras mit 1.000 € aufwärts zu Buche. Zu berücksichtigen sei, daß die Preise für von einer Fachwerstatt generalüberholten Kameras sowohl im analogen als auch digitalen Bereich etwas höher als die hier aufgeführten liegen können. In der analogen Kamerawelt gibt es natürlich auch Modelle, für die schon einmal Spitzenpreise von eintausend und mehr Euro gezahlt werden (und das nur für den Body!) – als Beispiel sei die Nikon F3 genannt.

Bei den Objektiven werden, aufgrund der Herstellervielfalt, Vergleiche etwas schwieriger, jedoch kann man bei den "Normaloptiken” von einem annähernden Gleichgewicht ausgehen.
Ein weiterer entscheidender Aspekt sind die "Betriebskosten”. Während bei einer Digitalkamera nach Kauf der, unbedingt notwendigen, Speicherkarte im wesentlichen keine laufenden Kosten anfallen, fallen bei Kleinbild- und Rollfilmkameras Kosten für das ständige Verbrauchsmaterial in Form von Filmen an. Bei Kosten für einen Kleinbildfilm zwischen vier und sieben Euro (je nach Typ) für einen 36er Film, kommen bei einem ambitionierten Fotografen schnell ein paar Euros zusammen.
Aus monetärer Sicht ein ganz klarer Punkt für die Digitalkamera.

Das Foto ist im Kasten

Ist das Shooting beendet, geht es in die analoge oder digitale Dunkelkammer.
Hat die Digitalkamera den unschätzbaren Vorteil, daß auf dem Kameramonitor bereits vor als auch nach dem Schuß die Einwirkung der getätigten Einstellung sofort begutachtet werden kann, punktet die Digitalkamera ein weiteres Mal, wenn es darum geht die Fotos weiterzuverarbeiten. Nach Übertragung der Dateien auf einen Computer kann es sofort mit der EBV und ggfs. der weiteren Verarbeitung in Publikationen, etc. weitergehen.

Das spart Zeit und spielt in einigen Berufen sicher sogar eine besondere Rolle, z.B. ist es für einen Fotojournalisten von großem Wert, wenn er seine Werke nahezu ohne Zeitverlust an seine Redaktion senden kann.

Für die Printausgabe hält der Markt eine Vielzahl guter bis sehr guter Drucker vor, welche dem digitalen Hobby- aber auch Profifotografen brauchbare Ergebnisse liefern (wobei die letztgenannte Gruppe oftmals sehr hochpreisige Geräte verwendet, welche manchem Amateurfotografen nicht in sein finanzielles Konzept passen).
Die Preisspanne bei Fotodruckern liegt von 70 bis mehr als 2.500 Euro – je nach Qualitätsanspruch. Anzumerken sei hierbei, daß Drucker im (auch im gehobenen) dreistelligen Preisbereich, max. A3 (210 x 297 mm) bedrucken können. Wer es größer möchte, muß sich dann an einen Printservice wenden oder in einen Großformatplotter investieren, welcher auch an einem A1-Ausdruck nicht scheitert.

Wer sich der analogen Fotografie verschrieben hat, ist an dieser Stelle natürlich auch auf ein Labor angewiesen – wenn er nicht selbst entwickelt und vergrößert.

Und hier beginnt die nächste faszinierende Stufe der analogen Fotografie: Die Entwicklung des Films und das herstellen von Abzügen in der eigenen Dunkelkammer.

Zugegeben : Das ist längst nicht jedermanns Sache und auch mit Kosten, Aufwand und vor allen Dingen Platzbedarf verbunden. Nicht jeder kann oder will in seiner Wohnung den Platz für eine kleine Dunkelkammer vorhalten in der es auch noch fliessend Wasser gibt. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Und noch einmal geht es um das liebe Geld

Dank des Digitalbooms sind heute Entwicklungszubehör und Vergößerer auf dem Gebrauchtmarkt zu geringen Preisen erhältlich, sodaß sich mit ein wenig Glück ein gut ausgestattetes Heimlabor unter der Eintausend-Euro-Marke einrichten läßt. Vergrößerungen von 300 x 400 mm sind im Heimlabor problemlos möglich – und das ist deutlich größer als A3! Hinzu kommt, daß ein sauberer Abzug auf "echtem” Photopapier eine ganz andere Brillianz besitzt als ein gedrucktes Bild.
Betrachten wir nun das Verbrauchsmaterial – in diesem Falle das Fotopapier.
Geht es beispielsweise uns um hochqualitative sw-Abzüge mit langer Haltbarkeit, führt kaum ein  Weg an Barytpapier vorbei. Abzüge auf diesem Papier sollen problemlos einhundert Jahre überdauern – das wissen wir schon aus den Fotos unserer Altvorderen. Kein Fotopapier für den herkömmlichen Fotodruck mit Tinte dürfte diese Zeit auch nur Ansatzweise schadlos überdauern.

Ein Blatt Fotopapier für Farbabzüge im Format 30 x 40 cm kostet ca. 1,00 Euro – je nach Hersteller. Zum Vergleich ein Blatt Glossy Premiumpapier eines bekannten Herstellers im kleineren A3-Format : ca. 2,40 Euro.
Und wie sieht es mit den Kosten für Entwickler resp. Tinte aus?
Tinte, besonders wenn es die Originaltinte des Herstellers ist, kostet viel Geld. Aber auch die Kosten für Entwickler, Stabilisierer, Fixierer und Co. sind nicht von der Hand zu weisen. Im großen und ganzen kann man wohl sagen, daß die Kosten annähernd gleich sind.

Hybridfotografie: analog fotografieren - digital verarbeiten

Damit schlagen wir den Bogen zur sogenannten Hybridfotografie, welche auch ich aus praktischen Gründen überwiegend der Arbeit im Heimlabor vorziehe. Hierbei wird zwar auf Film fotografiert, aber der entwickelte Film dann mit einem Scanner digitalisiert.
Zu diesem Zweck fotografiere ich - wie schon früher - auf Dia-Farbfilm. Zum digitalisieren verwende ich einen CANON CanoScan LiDE 700 F. Für hochwertige Scans bei 9600 dpi braucht es allerdings etwas Zeit - ca. 15 Minuten benötigt der Scanner für einen Durchgang. Aber in der analogen Dunkelkammer geht es auch nicht schneller zu ;-) 

Ein wesentlicher weiterer Vorteil der analogen (Dia)Fotografie soll nicht verschwiegen werden:  Ich habe immer ein archivierbares Dia zur Verfügung, welches ich mittels meinem Diaprojektor auf eine großformatige Perlleinwand projezieren kann. Um ein ähnliches Betrachtungserlebnis mit Beamer oder Großbildfernseher zu erreichen, müsste ich (sehr) tief in die Tasche greifen.
Und ausserdem: Ich finde einen klassischen Dia-Abend im Kreise der Familie oder von Freunden um etliches gemütlicher als im gleichen Kreis meine Fotos auf einem Fernseher oder Computer zu präsentieren. 

Fazit

Zurück zur Ausgangsfrage und damit gleichzeitig zusammenfassend : Im Grunde genommen, kann es keine definitive Antwort geben. Zu gleich und doch auch zu ungleich sind die Kriterien für analoge und digitale Fotografie. Die digitale Fotografie wird sicher die zukunftsweise sein aber wer auf leistungsfähige, robuste und doch vergleichweise einfache Technik setzt, kommt an der alten analogen Technik nicht vorbei. Ich frage mich ernsthaft ob meine digitale SLR nach über dreissig Jahren Einsatz noch so sauber und problemlos arbeitet wie meine XD7 oder meine A1?

So gerne ich meine E-510 habe – aber ich kann es mir nicht vorstellen. Und wenn auch die Kamera nie versagte (was angesichts des empfindlichen Bildsensores schon ein kleines Wunder wäre) - werde ich auch in 10 Jahren noch passende Akkus für sie kaufen können?

Und damals wie heute fasziniert mich das Geräusch wenn der Spannhebel umgelegt wird um den Film ein Bild weiter zu transportieren und den Verschluß zu spannen. Mich fasziniert, daß ich eben nicht gleich nachdem ich den Finger krumm gemacht habe erfahre, ob mein Foto etwas geworden ist. Dieser Umstand und die Tatsache, daß jedes Bild auch ein wenig Geld kostet, führt automatisch auch zu einer überlegten Bildkomposition und zu einer wohldurchdachten Kombination von Verschlußzeit und Blende (wenn man sich nicht auf die Automatik verlassen möchte).

Ich bleibe dabei: Meine analogen Kameras werden mich auch weiterhin bei meinen Shootings begleiten - vielleicht bin ich einfach schon zu alt um mich nur auf die digitale Welt zu verlassen ;-)

Anmerkung : Alle hier gezeigten Fotos sind mit einer analogen SLR (CANON A1) geschossen und anschliessend hochauflösend digitalisiert worden. Eine nachträgliche Bildbearbeitung auf dem Rechner erfolgte nicht.
Für die Veröffentlichung hier wurden sie allerdings stark heruntergerechnet ;-)

Laden ...
Fehler!