Gorges de l'Ardeche

Wir planten unseren Urlaub für den Monat August, da im Hochsommer das Wetter für eine Kajaktour auf der Gorges de l'Ardeche am Besten ist - zumindest was die Wassertemperatur betrifft :-)

Da unser Urlaub spontan geplant war, hatten wir keine Reservierungen im Voraus gemacht. Die Befürchtungen an unserem Zielort mit leeren Händen dazustehen, bestätigten sich nicht und wir campten dann in der Nähe von Aubenas, das etwa 30 km von der Kajak Hochburg Vallon-Pont d'Arc entfernt liegt. Da Aubenas selbst ein schönes Städtchen ist und sich als Ausgangspunkt für Ausflüge in alle 4 Himmelsrichtungen bestens eignet, war dies letztendlich gar kein Nachteil für uns.

Die Anreise von Ulm aus dauerte dann ca. 11 Stunden, wenn man auf den Autobahnen fährt und das Ganze recht gemütlich angeht. Wir starteten in Ulm und fuhren weiter über Tuttlingen, Freiburg, Mülhausen, Besancon, Lyon, Valence und Pivas nach Aubenas.

Unser Campingplatz bei Ucel

Unser wunderschön gelegener Campingplatz Camping le Pastural ist in Ucel zu finden. Das kleine Dörfchen liegt etwa 7 Kilometer nördlich von Aubenas. Das geniale daran war, dass der Platz neben uns frei geblieben ist und wir damit sogar in der Hochsaison 2 Stellplätze für unseren Campingbus hatten. Zudem wurden wir morgens von Vogelgezwitscher geweckt und nur ein paar Meter von unserem Stellplatz entfernt plätscherte ein wildromantisches Bächchen dahin.

Unser Stellplatz ...

Ausflug nach Norden in die Cevennen

Die Cevennen sind eine Gebirgsregion im Süden Frankreichs, bilden einen südlichen Ausläufer des Zentralmassivs und gehören zu den französischen Mittelgebirgen. Die Cevennen liegen in den französischen Départements Ardèche, Lozère, Gard, Hérault und zu einem sehr kleinen Teil in Haute-Loire. Neben dem Mont Lozère (1699 m), dem höchsten Berg der Cevennen, sind die Cevennen vor allem als Ursprungsort der Loire und der Ardeche bekannt. Durch die Cevennen verläuft die Wasserscheide, die zwischen dem Atlantik zustrebenden Flüssen wie der Loire, der Tarn oder der Garonne und dem ins Mittelmeer fließenden Flüssen wie der Ardeche, der Herault oder der Vidourle trennt.

Einen Ausflug wert ist auf jeden Fall die Besichtigung der Loire Quelle und dem daneben stehenden Vulkanberg Gerbier de Jonc. Die Besteigung des 1551 Meter hohen Vulkankegels ist ein kleines Abenteuer für sich, da man über hohe Stufen und zum Teil auch an Seilen den Gipfel erklimmt. Von oben hat man dann einen tollen Überblick über die Hochebene der Cevennen. Überhaupt erinnert die ganze Gegend ein wenig an die Highlands in Schottland, mit den moorigen Hochebenen, den einsamen Dörfern und dem Nebel, der uns im August dann doch überraschte.

Auf der Rückfahrt schauten wir dann noch an den Cascade du Pay-Ric vorbei. Dies sind 35 Meter hohe Wasserfälle, die über Basaltsäulen in die Tiefe stürzen und eindrucksvoll anzuschauen sind. Der Wanderweg hinab zu den Fällen führt durch lichte Buchenwälder und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf die Kaskaden.

Gerbier de Jonc und Source de la Loire

Bereits die Fahrt ...

Cascade du Pay-Ric

Von oben führt ein ...

Aubenas

Die Stadt Aubenas liegt im Département Ardèche der Region Rhône-Alpes in Frankreich und hat etwa 12.000 Einwohner. Aubenas wurde auf einem Hügel direkt im Flusstal der Ardèche erbaut und verbindet die Städte Montélimar und Le Puy-en-Velay über eine der ältesten Handelsrouten zwischen dem Rhônetal und der Auvergne. Die privilegierte Lage im Zentrum des Départements führte zu einer Mischung unterschiedlicher Erwerbszweige von Landwirtschaft und Industrie.

Das Wahrzeichen der Stadt ist das Schloss von Aubenas, das im14. Jahrhundert errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert umgebaut wurde. Das Schloss erhebt sich am höchsten Punkt der Stadt und von seinem Wehrturm aus hat man eine sehr gute Sicht auf das Tal der Ardeche.

Wer Zeit hat, sollte den Markt von Aubenas nicht verpassen, auf dem immer ein großes Gedränge herrscht und die typischen Lebensmittel und Spezialitäten der Region angeboten werden.

Aubenas erinnert mit ...

Burgruine Ventadour

Nordwestlich von Aubenas ist die auf einem Hügel thronende Burgruine Ventadour kaum zu übersehen. Leider wurde die Burg bei der französischen Revolution zerstört und danach vor allem als Steinbruch benutzt. Doch zum Glück restaurieren seit den 60er Jahren die Brüder Pierre und Françoise Pottier und ein paar Enthusiasten die Ruine in mühevoller Eigenarbeit wieder.

Ventadour

Thueyts und Pont du Diable

Fährt man weiter Richtung Westen, so trifft man auf das Dörfchen Thueyts. Hier überspannt die Pont du Diable das enge Flussbett, wobei die auf der anderen Seite gelegene 80 Meter lange Basaltwand eine eindrucksvolle Kulisse bildet.

Was echt cool ist: Die Franzosen haben in die Wand einen Klettersteig eingebaut, der zunächst mit einem Abstieg in die Schlucht beginnt. Anschließend wird die Ardeche über ein gespanntes Drahtseil, in das eine Seilrolle eingehängt wird, überquert und man landet in einem Fangnetz auf der anderen Seite des Flusses. Der Weg führt dann von einer Hänge bzw. Wackelbrücke weiter, bis er schließlich nach einigen senkrechten und teilweise leicht überhängenden Passagen am Ausstieg endet.

Der Steig erinnert an einen riesigen Abenteuerspielplatz, macht ungeheuren Spaß und bietet für mutige Kinder ab 10 Jahren ein unvergessliches Abenteuer - schon deshalb weil keine endlosen Anstiege zu meistern sind und Seilbahnfahren einfach super ist.

Die Ausrüstung wie Seilrolle, Helm und Klettersteig-Set kann man für derzeit 15 Euro in Thueyts ausleihen. Der Klettersteig wird mit der Schwierigkeitsstufe C bewertet, wobei das Ganze eher psychologisch anstrengend ist. Wer es jedoch auf die andere Seite geschafft hat, kann die Tour nach der Seilbahnfahrt auf der anderen Seite abbrechen und sich im kühlen Wasser der Ardeche erfrischen.

Übrigens springen die ganz Wagemutigen von der Pont du Diablo direkt in die Ardeche. Bei einer geschätzten Höhe von mehr als 10 Metern sollte man sich diese Aktion aber wohl überlegen. Wer nicht von ganz so hoch springen möchte, dem bieten die Felsen gleich neben der Brücke weitere tolle Absprungmöglichkeiten :-)

Die Seilbrücke und ...

Das Dörfchen Balazuc

Das malerische Dörfchen Balazuc wurde zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs ernannt. Sehenswert ist der historische Dorfkern hoch über der Ardeche, der zum großen Teil aus mittelalterlichen Häusern, gepflasterten Gassen und Arkaden besteht. Sehenswert ist auch das Schloss mit Teilen aus dem 13., 15. und 16. Jahrhundert, dessen Bergfried, benannt nach Königin Johanna I., einen schönen Ausblick über das Dorf bietet. Außerdem sind bis heute Überreste der gallischen Festungsmauer sichtbar. Imposant ist auch die örtliche Brücke, die im 20. Jahrhundert erneuert wurde und den Ausgangspunkt für viele Kanutouren auf der Ardeche bildet.

Auch die Kirchen von Balazuc locken viele Besucher an. So sind zum Beispiel die Kirche Sainte-Madeleine aus dem 19. Jahrhundert oder die antike romanische Kirche Sainte Marie aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem außergewöhnlichem viereckigem Kirchturm ein echtes Highlight.

Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist der ökologisch wirtschaftende Weiler Vieil Audon, der auf einem Fußweg von Balazuc aus erreichbar ist. Das Dörfchen, in das keine für Autos befahrbare Straße führt, wird von ein paar Idealisten nach und nach restauriert. Da hier die Seidenproduktion wieder aufgenommen werden soll, wurden am Wegrand Maulbeerbäume, von deren Blättern sich die Seidenraupen ernähren, angepflanzt.

In mittleren Teil der Ardeche-Region sind auch noch heute viele Maulbeerbäume zu finden, denn bis zum Ende des ersten Weltkrieges lag hier die größte Seidenproduktion Europas. Erst mit der Produktion von künstlicher Seide und billigen Importen aus China brach dieser Industriezweig im letzten Jahrhundert zusammen und verdrängte nach und nach die französische Seide von den Märkten. Einige Seidenzuchtbetriebe wie z.B. "Les Mazes" in Vallon Pont d'Arc bieten Besichtigungen an.

Die örtliche Brücke, ...

Das Dörfchen Labeaume

Labeaume ist ein französisches Dorf mit gerade einmal etwas mehr als 500 Einwohnern. Die Einwohner nennen sich selbst Labeaumois oder les Labeaumoises. Bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts lebten diese hauptsächlich von der Wein-, Seiden- und Olivenproduktion. Heute ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle.

Labeaume gilt ebenso wie Balazuc als eines der schönsten Dörfer Frankreichs und wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Das Dorf ist in den Hang der "Gorges de la Beaume" gebaut, wobei der Dorfplatz direkt am linken Ufer des Flusses Beaume liegt.

Sehenswert sind die vielzähligen schmalen und verwinkelten Gassen zwischen den Häusern des Ortes. Der historische Ortskern wird von der seit dem 14. Jahrhundert bestehenden katholischen Kirche "Saint Pierre" geprägt, deren Kirchturm von zwei großen Säulen mitgetragen wird.

Über das Flüßchen Beaume führt eine ca. 100 Jahre alte Steinbrücke, die zum Schutz gegen die Frühjahrs- und Herbsthochwasser aus den Cevennen geländerlos erbaut wurde.

In der Nähe der Brücke gibt es zahlreiche Bademöglichkeiten, was bei der großen Sommerhitze eine wohltuende Abwechslung ist. Also immer daran denken: Badesachen einpacken :-)

Labaeume schmiegt sich an die steilen Felsen ...

Der Steineichenwald Bois de Paiolive

Etwa 20 km östlich von Vallon Pont d'Arc beziehungsweise 6 km südöstlich von Les Vans liegt der Steineichenwald Bois de Paiolive. Durch seine mit an den Bäumen wachsenden Flechten und den durch die Erosion wie von Riesenhand zu Skulpturen geformten Felsblöcken wirkt er wie ein verwunschener Märchenwald.

Den Wald durchziehen gut markierte Wanderwege, die einen an Orte wie die Ermitage St-Eugene - ein kleiner Weiler, der auf einen Felsen gebaut wurde - oder an die Steilkante der Felsen hoch über dem Flüsschen Chassezac führen, von wo aus die Badenden und Kanufahrer nur noch als winzig kleine bunte Tupfer auf dem Wasser auszumachen sind.

Die Wanderung durch den ...

... auf der Ardeche

Das Highlight eines jeden Ardeche-Urlaubs ist sicher eine Kanufahrt auf dem im Sommer nicht ganz so wilden Fluß, das jedem - egal ob Jung oder Alt - ein riesen Vergnügen bereitet.

Zu beachten ist, dass der Wasserstand im Hochsommer manchmal so niedrig sein kann, dass die Kanutour buchstäblich ins Trockene fällt. Deshalb nichts wie los, wenn die Bedingungen passen.

Mieten kann man die Kanus in fast jedem Ort, der an der Ardeche liegt. Die Frage ist nur, wie lange die Paddeltour dauern soll. Die große Tour mit fast 30 Kilometer Länge ist ganz schön anstrengend.

Die Kanutour ...

So sieht der Paddel-Touri aus

Man sollte deshalb genügend zu Essen und zu Trinken ins Gepäck packen, da man den ganzen Tag auf dem Wasser verbringt und damit auch stets der Sonne ausgesetzt ist. Vor allem der letzte Paddelabschnitt in Richtung St. Martin d'Ardeche kostet noch einmal ziemlich viel Kraft, da hier das Wasser sehr langsam fließt und das Paddeln fast keine Ende nimmt. Ächz.

Weiterhin gehört festes Schuhwerk mit ins Gepäck, denn auf den glatten Kieselsteinen kann man leicht die Balance verlieren und schnell einmal ausrutschen.

Ebenso sind Wechselklamotten sehr zu empfehlen, denn beim Paddeln wird jeder nass - egal, ob man vorne oder hinten sitzt oder ob man paddelt oder nicht. Den Höhepunkt stellen auf jeden Fall die Stromschnellen dar, die einen riesen Spaß machen und gar nicht so ganz ohne sind. Denn da ist schon so mancher schneller im Wasser gelandet als er denken konnte :-)

Die Kanufahrt ist einmalig und bietet ...

Der Blick von oben

Auch von oben bietet sich ein grandioser Ausblick auf die Ardeche. Auf der Panoramastraße, die von Vallon Pont-d'Arc bis nach St-Martin d'Ardeche führt, gibt es unzählige Aussichtspunkte wie zum Beispiel den Belvedere de la Madelaine, von wo man einen tollen Blick auf die winzigen Kanuten hat, die gerade die große Flussbiegung Cirque de la Madelaine meistern. Nicht weit davon entfernt kann man eine der vielen Höhlen - wie zum Beispiel die Grotte de la Madelaine - besichtigen.

Belvedere de la Madelaine

Neben dem Pont d'Arc ...

Weitere Höhlen in der Ardeche

Ein weiteres Highlight in der Ardeche sind die zahlreichen Höhlen. Die bekanntesten und schönsten unter Ihnen sind sicherlich die Aven d'Orgnac, die mit fantastischen Tropfsteine zu begeistern weiß, so wie die Grotte de St-Marcel, die mit farbenprächtigen unterirdischen Sinterbecken - wie man sie vor allem aus Pamukkale kennt - beeindruckt. Interessanterweise unterscheiden die Franzosen zwischen Höhlen, in die man horizontal bzw. vertikal einsteigt. Da man sich früher in die Orgnac-Höhle von oben abseilen musste, handelt es sich hierbei um eine Aven, im Gegensatz zur Grotte de St-Marcel, in die man vertikal gelangt.

Aven d'Orgnac

Der große Saal ist 125 m lang, 90 m breit und 30 Meter hoch

Grotte de St-Marcel

Ebenso wie die Sinterbecken ...

Die Rhone

Wer die Heimreise antreten muss, sollte - anstatt mit Vollgas auf der Autobahn in Richtung Heimat zu düsen - einfach mal die Landstraße nehmen, gemütlich am Ufer der Rhone entlang gondeln und den Fluss in all seiner Pracht genießen.

Leider war auch diesmal die Zeit wieder viel zu kurz, um alles zu erleben und zu sehen, was man sich vorgenommen hat. Die Ardeche im Süden Frankreichs ist auf jeden Fall ein muss für jeden, der die Natur liebt, gerne sportlich unterwegs ist und das südfranzösische Flair mit seinen vielen Facetten liebt.

Auf der N86 von Privas ...

Hans, am 26.03.2010
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Bildquelle:
Reisefieber (Dezember in Goa, Indien)

Autor seit 7 Jahren
59 Seiten
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