Das Asus R11CX wiegt nur 1 kg und läuft superleise, da ohne Lüfter

Man kann es zwar nicht einfach in die Jackentasche stecken, aber in eine etwas größere Handtasche müsste es passen. Es ist schokoladenbraun, hat eine interessant strukturierte Oberfläche, ist sehr dünn und sieht wirklich schick aus. Dabei ist fast alles dran, was auch ein großes Notebook hat: VGA- und HDMI-Anschluss, Kartenleser, Kensington-Schloss, zwei USB-Anschlüsse, ein richtiger LAN-Anschluss fürs kabelgebundene Internet zu Hause (WLAN geht natürlich auch), ein mattes Display (optimal für draußen) und ein Touchpad, das man gar nicht als solches erkennt, weil es genauso aussieht wie die Rechneroberfläche. Nur ein DVD-Laufwerk fehlt, und das ist schade, denn es liegt eine Installations-CD bei. Was soll ich nun damit machen?

Der erste Versuch: Oh, Ubuntu … oder: Wie schalte ich einen Computer aus?

Zuerst schließe ich das Netzteil an und lade den Akku auf. Das Lämpchen leuchtet zwar schon nach zwei Stunden grün, aber ich warte noch ein paar Stunden und genieße die Vorfreude, will ja schließlich nichts falsch machen. In der Bedienungsanleitung ist die Rede von acht Stunden.

Dann schließe ich den Rechner ans Internet an und schalte ihn ein. Vielleicht war das ein Fehler. (Ich meine nicht das Einschalten, sondern das Internet.) Das Netbook bootet und die Installation von Ubuntu beginnt, wobei gleich Aktualisierungen heruntergeladen werden. Dauert etwa zwanzig Minuten, dann erscheint eine Fehlermeldung in rotem Fenster: If you see this screen, your installation has failed. Es folgen drei oder vier Auswahlmöglichkeiten auf Englisch, die mir alle nichts sagen. Ich wähle auf gut Glück eine aus, und das Spiel beginnt von Neuem.

Nach zwanzig Minuten wieder dieselbe Fehlermeldung. Diesmal wähle ich eine andere Option. Der Bildschirm wird schwarz und ein paar Zeilen in heller Schreibmaschinenschrift erscheinen. Ah, eine Befehlszeile mit Eingabeaufforderung! So etwas kenne ich noch von früher. Vor Windows gab es mal ein Betriebssystem, das hieß DOS (Disk Operating System). Das war so ähnlich. Konnte ich damals echt gut mit umgehen. Ist nur schon so lange her. Und außerdem ist das hier nicht DOS, sondern Ubuntu.

Am besten schalte ich das Netbook erst mal aus und informiere mich ein bisschen über Ubuntu. Aber wie? Ich meine, wie ausschalten? Einfach den Ausschaltknopf drücken? Kommt nicht infrage, das vertragen Computer nicht. Die sind da empfindlich und verlieren gleich alle ihre Daten. Es muss einen speziellen Befehl dafür geben, aber leider kenne ich ihn nicht. Kann aber ja nicht so schwierig sein, ich probiere es einfach mal aus und tippe exit. Das hätte ich nicht tun sollen, denn damit habe ich mich als Systemadministrator abgemeldet. Der Rechner ist zwar immer noch eingeschaltet, aber ich habe jetzt nicht mehr den vollen Zugriff darauf. Wie man sich wieder anmeldet, weiß ich nicht.

So langsam kann ich mir lebhaft vorstellen, was andere Kunden, die nicht über 25 Jahre Erfahrung mit verschiedenen Betriebssystemen verfügen, jetzt tun würden.

  • Option A: Kundenservice anrufen. Hoffentlich ist das keine kostenpflichtige Hotline.
  • Option B: Stecker ziehen, Netbook wieder einpacken und sofort zurückschicken. Aber Vorsicht: Bitte warten, bis der Akku leer ist, denn im laufenden Betrieb darf man ein Netbook nicht verschicken.
  • Option C-1 (nicht zu empfehlen): Wild auf die Tastatur einhauen.
  • Option C-2 (nicht zu empfehlen): Mit dem Hammer draufschlagen, bis es ausgeht.

Ich kappe erst mal die Internetverbindung und schließe mein großes Notebook an, damit ich ein bisschen googeln kann. Na, bitte! Da gibt es hilfreiche Foren, zum Beispiel ubuntuusers.de. Nach einer Viertelstunde intensiver Recherche, der Aktivierung meiner Erinnerungen an längst vergessene Unix-Befehle und mit Hilfe meiner angeborenen Kombinationsgabe, die durch leichten Ausstoß des Stresshormons Adrenalin zusätzliche Anregung erfährt, weiß ich endlich, was ich eingeben muss:

sudo shutdown -P now

Das wirkt. Das System fährt ordnungsgemäß herunter und der Rechner schaltet sich ab. War eigentlich ganz einfach, nur das Minuszeichen konnte ich nicht gleich finden, wegen der amerikanischen Tastaturbelegung …

Der zweite Versuch: Restore Ubuntu ... oder: Plug and play mit Hindernissen

Das nächste Mal bin ich vorsichtiger. Ich lasse das Internet erst mal weg und schalte das Netbook ein. Der schwarze Bildschirm spuckt ein paar Zeilen aus und bleibt dann irgendwo im Nirwana hängen. Keine Befehlszeile, nein, gar nichts. Ich probiere verschiedene Tasten aus, nichts hilft. Auch der übliche Rettungsanker Strg+Alt+Entf versagt. Das ist ein Fall für den Abschaltknopf. Mit klopfendem Herzen betätige ich ihn. Nichts geschieht. Was nun? Ich ziehe den Stecker, aber das nützt nichts, das Netbook wird jetzt vom vollgeladenen Akku versorgt. Tja, da hilft nur noch die Akkuverriegelung. Netbook vorsichtig anheben, Riegel zur Seite schieben, Akku rausziehen. Zack, Saft weg, Netbook aus.

Ich schiebe den Akku wieder rein und drücke den Einschaltknopf. Das Netbook fährt hoch und zeigt mir ein Startmenü mit mehreren Auswahlmöglichkeiten. Trotz gar nicht so schlechter Englischkenntnisse verstehe ich das meiste davon leider nicht. Na ja, ich wähle einfach mal Restore Ubuntu to factory state, das kann nicht schaden. Eine Warnung erscheint: Sie verlieren alle Daten … usw., natürlich auf Englisch. Macht nichts, sind ja noch keine Daten drauf. Ubuntu installiert sich neu, diesmal ohne Fehlermeldung. Die grafische Arbeitsoberfläche in innovativem Lila tut sich auf, in der Seitenleiste die vorinstallierten Programme: Firefox, Libre Office, alles, was man so braucht. Ich spiele ein paar Stunden mit dem Netbook herum, traue mich auch wieder ins Internet, rufe E-Mails ab, lade Aktualisierungen des Betriebssystems und andere Software herunter, installiere Programme und versuche herauszufinden, was auf dem Rechner so alles drauf ist. Alles paletti, Ubuntu ist ein Kinderspiel, ha, geschafft! (Nur die Tastatur musste ich erst auf Deutsch umstellen.)

Der dritte Versuch

Frohen Mutes schalte ich das Netbook am nächsten Tag wieder ein. Schwarzer Bildschirm, keine Reaktion, gleiches Spiel wie gestern. Erst nachdem der Akku entfernt und wieder eingesetzt wurde, fährt das Netbook hoch und zeigt mir wieder das Startmenü. Noch mal Restore? Nee, mit mir nicht. Ich teste eine der anderen Optionen und Ubuntu startet wie gewünscht. Leider habe ich mir nicht gemerkt, welche Option das war.

Der vierte Versuch … steht noch aus

Wenn ich an mein Netbook denke, beschleicht mich leises Unbehagen. Einfach so einschalten geht ja nicht. Habe ich genügend Zeit, um erst mal am Akku rumzubasteln? Habe ich genügend Nerven, um die richtige Option auf dem Startbildschirm zu treffen? (Wenn ich überhaupt so weit komme …) Am besten vorher eine kleine Entspannungsübung machen.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es an den Grafiktreibern liegt. Die sind nicht von Ubuntu (da gibt's nämlich keine passenden), sondern von Asus. Sie funktionieren ja auch, nur leider nicht sofort.

Und dann ist da ja auch noch diese geheimnisvolle CD-ROM. Die muss was mit dem Express Gate zu tun haben. Das soll dafür sorgen, dass das Asus R11CX in zehn Sekunden startklar ist, wenn es mal ganz schnell gehen muss. Ich hab versucht, den CD-Inhalt auf eine Speicherkarte zu kopieren, denn das Netbook hat ja kein CD-ROM-Laufwerk. Ging leider nicht vollständig, weil dafür irgendeine Berechtigung verlangt wird, die ich offenbar nicht habe.

Aber ich krieg das noch hin, das verspreche ich euch! Wäre doch gelacht, so schnell geb ich nicht auf …

Federspiel, am 08.06.2013
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Bildquelle:
Karin Scherbart (Ubuntu 12.04: Einstieg in das Linux Betriebssystem)
Larry Ewing, Wikipedia (Herzlichen Glückwunsch: Linux wird in 2011 stolze 20 Jahre alt)

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