Die Situation bis heute

Aktuell gibt es in der Digitalfotografie nur einen Weg, um Autofokus effizient zu realisieren: über das Objektiv. Durch eine elektronische Datenübertragung zwischen diesem und dem Gehäuse übermittelt die Kamera dem Objektiv Daten, wie die Linsen zu verschieben sind, damit ein fokussiertes Bild auf dem Sensor landet. Dabei gibt es mehrere Arten des Sensors, diese Schärfe zu bestimmen, z.B. über Kontrastautofokus oder Phasenunterschiede der Lichtwellen. Insgesamt ist diese Kommunikation zwischen Kamera und Linse aber problembehaftet, da beide aufeinander abgestimmt werden müssen, damit sie kompatibel sind und der Autofokus möglich wird. Dafür müssen mehrere Faktoren stimmen:

  • Das Objektiv muss über die notwendigen Kontakte verfügen und das korrekte Bajonett besitzen, um überhaupt an der Kamera angebracht werden zu können
  • Ein eventuell zwischengeschalteter Adapter, der diese Verbindung herstellt, muss die Signale für den Autofokus übersetzen können, solche Adapter sind meist teuer
  • Die Kamera muss den Autofokusmodus unterstützen (also Kontrast- oder PD-Autofokus), den das Objektiv benötigt, damit die Fokussierung annehmbar schnell durchgeführt werden kann

Selbst wenn diese Bedingungen erfüllt sind. ist der Autofokus meist sehr langsam und für das Erwischen des richtigen Moments in professionellen Bereichen nicht geeignet.

Hier kommt Sony ins Spiel:

Kamera mit E-Bajonett: NEX7 (Bild: Sony Presse)

Sony's technische Revolution

Laut diverser Quellen im Internet arbeitet die Firma Sony nun an einer Alternative, die diese bisherige Situation auf den Kopf stellen wird.

Wer schon seit längerer Zeit in der Fotografie dabei ist, kennt sie vielleicht noch: die Contax AX. Diese analoge Kamera verfügte über einen Mechanismus, der es ihr ermöglichte, die Filmebene innerhalb der Kamera auszurichten, um auf diese Weise zu fokussieren. Das Objektiv war an diesem Vorgang nicht beteiligt. Dieses Prinzip wurde allerdings nach der Kamera wieder verlassen und mit der Einführung der Digitalfotografie boomte der Autofokus über Gehäuse/Linsen Kommunikation.

Ein weiterer Grund, warum bisher auf eine Umsetzung der "Sensorshift-Autofokus" Technologie verzichtet wurde, waren die Dimensionen, die eine Kamera mit Spiegelkasten und beweglichem Sensor benötigen würde. Mit dem Umstieg auf spiegellose Systeme allerdings, ist Platz in Digitalkameras kein Problem mehr.

Dies macht sich Sony jetzt zu Nutze und entwickelt derzeit die Idee von Contax für die digitale Fotografie weiter. Es wird berichtet, dass die Firma an einer Kamera mit E-Bajonett arbeitet (bekannt von den derzeitigen, spiegellosen NEX-Systemen), die ohne Spiegel auskommt und stattdessen über einen beweglich gelagerten Sensor verfügt. Die Kamera kann dadurch, wie die Contax AX, die Sensorebene nach vorne oder hinten bewegen, um den Fokuspunkt des Objektivs zu erreichen. Bei einer adäquaten Umsetzung wären die Vorteile gewaltig!

Vorstellbar wären diese Vorteile:

  1. Bei Verwendung eines E-Bajonett Objektivs, könnte durch gegenläufige Bewegung von Sensor und Linsengruppen der Autofokus deutlich beschleunigt werden
  2. Ein interner Kamerafokus könnte deutlich leiser sein, als das Pendant im Objektiv, wäre also eine interessante Neuerung für Filmer.
  3. Fremdobjektive können ohne Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv fokussiert werden. Somit wäre der Autofokus unabhängig von der Kompatibilität und vermutlich ähnlich schnell wie an nativen Linsen.
  4. Der Clou: Auch manuelle Objektive, die normalerweise gar keinen Autofokus haben, können auf diese Weise theoretisch scharfgestellt werden. Je nach Präzision des AF-Systems bieten sich hiermit hervorragende Möglichkeiten, gerade im Bereich von z.B. hochwertigen Leica-Linsen, die typischerweise keinen Autofokus haben aber für ihre unglaubliche Schärfe bekannt sind oder bei sehr lichtstarken Objektiven mit Blendenöffnungen größer als F1.2, die typischerweise ebenfalls keinen Autofokus besitzen

Sollte die Umsetzung der neuen Technik gut gelingen, wäre das eine Aufhebung des Zwangs, ein herstellergebundenes System zu besitzen. Die Wahl zwischen den Objektiven würde einzig durch die Qualität bestimmt und nicht durch den Namen auf der Linse. Fremdhersteller bieten zwar derzeit ohnehin fast alle Objektive für jedes gängige System an, aber ein Wechsel des Gehäuses bringt bisher auch hier die gleichen Nachteile mit sich, wie bei systemeigenen Linsen. Auch hier würde Abhilfe geschaffen. Unter dem Strich wäre eine deutliche Optimierung der eigenen Ausrüstung möglich und große Ausgaben beim Herstellerwechsel wären zunächst einmal Vergangenheit.

Die Folgen für Sony

Das Konstruieren einer Kamera, die nicht auf systemeigene Objektive angewiesen ist, scheint im ersten Moment etwas fragwürdig für den eigenen Umsatz. Betrachtet man jedoch die sinkenden/stagnierenden Verkaufszahlen für NEX-Kameras und Systemkameras im Allgemeinen, so erscheint die Erstellung einer "Universalkamera" mit E-Bajonett als kluger Schachzug.

Viele Profifotografen schreckten zudem bisher vor einem Einstieg in die Sonysysteme zurück, da die Objektive des Herstellers qualitativ noch hinter anderen Herstellern zurückstehen. Bisher behalf sich Sony diesbezüglich durch eine enge Kooperation mit der Firma Zeiss, die sich zwar durch Qualität, jedoch nicht gerade durch preisgünstige Angebote einen Namen macht.

Die Öffnung des Systems für eine Unzahl an Objektiven von Fremdherstellern ist in diesem Zusammenhang eine gute Möglichkeit, die neuen Gehäuse der Firma für eine breite Masse an Anwendern mit vorhandenem Objektivpark, als auch vielen Profifotografen zugänglich zu machen, die Wert auf eine gute Zusammenstellung von hochqualitativen Objektiven mit nur einer Kamera legen. Zudem dürfte diese neue Technologie den Kamerasystemen von Sony einiges an Publicity und Bekanntheitsgrad einbringen. Nicht zu vergessen ist auch das sonstige Zubehör, wie Systemblitze und ähnliches. In diesem Sektor dürften durch die neuen Gehäuse einige Zuwächse zu erwarten sein.

Fazit

Die genaue Leistungsfähigkeit der neuen Technologie steht noch in den Sternen, aber sollte Sony die Umsetzung gut gelingen, so darf man getrost von einem revolutionären Durchbruch in der Fotografie ausgehen, der nicht nur die derzeitige Marktposition der etablierten Hersteller in Frage stellt, sondern unter Umständen auch eine deutliche Verbesserung der Verbrauchersituation durch gestiegene Konkurrenz und sinkende Objektivpreise erwarten lässt.

Man darf also gespannt sein!

Mehr über mich findet ihr auf http://Fotoartdh.de

Ruhr1900, am 03.09.2013
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Bildquelle:
Ruth Weitz (Wie macht man ein schönes Profilbild)

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