Um des Kaisers Bart

Hatte Kaiser Barbarossa einen roten Bart? Er herrschte um 1200 als Kaiser Friedrich II. über das damalige römisch-deutsche Kaiserreich. Der Beiname "Rotbart" wurde erst einige Jahrhunderte später von Geschichtsschreibern "erfunden" (*).

Die ägyptischen Könige wurden Pharaonen genannt. Sie haben nach Aussagen der Geschichtswissenschaftler teilweise ihre Bärte angeklebt oder als Attrappe kaschiert. In der damaligen Gesellschaft galt der Königsbart als ein bedeutendes Merkmal für den sozialen Unterschied.

Pharaonen trugen Bärte (Bild: NadineDoerle)

Plato - Bart - Weisheit (Bild: mvivirto0)

Die griechischen Kämpfer waren glattrasiert, damit ein Vollbart sie nicht beim Kämpfen störte. Nur griechische Philosophen trugen während zur Blütezeit von Alexander dem Großen noch Bärte.
Die Römer waren ursprünglich ebenfalls bartlos. Erst ihre Berührung mit der griechischen Kultur brachte wallende Vollbärte nach Westrom (*). 
Die Geschmäcker wechselten häufig, je nach Laune des amtierenden Caesaren.

Filz im Mittelalter

Die Zeiten ändern sich – ständig. Der Trend in der Bart Mode wandte sich im Mittelalter zu einem vorwiegend üppigen Bartwuchs. Kaum ein Kaiser oder König aus diesem Zeitraum wird bartlos dargestellt.

wallende Bärte bei Kaisern und Königen (Bild: Clker-Free-Vector-Images)

Bis – der glattrasierte Sonnenkönig die Weltbühne betrat. Und in seinem Reich, in dem die abendländische Sonne niemals unterging, ging also der Herr von Welt wieder ohne Bart, und sein Gefolge ebenfalls.
Ab dem 18. Jahrhundert gingen dann Kaiser und Könige, Feldherrn und Kaufleute wieder mit wallendem Vollbart durch das Leben.

Bartformen

Eine reine Aufzählung der unterschiedlichen Bartformen kann ermüdend wirken. Interessanter erscheint es, berühmte Bartträger zu vergleichen.

Lincoln und der Kinnbart, ganz ohne Schnäuzer. (Bild: WikiImages)

Der Schnauzbart bei Stalin (Bild: OpenClipArt-Vectors)

Das Menjou-Bärtchen. Dabei handelt es sich um einen schmal rasierter Schnurrbart, der in den 1920er Jahren populär war. Die breitere Variante heißt Zweifingerbart. Sie ist durch den Komiker Charlie Chaplin bekannt geworden.

Charline (Bild: Virtude)

Die Variante Koteletten mit Schnurrbart im Verbund ist aus Bildern und Filmen über den amerikanischen Westen bekannt. Dieser Bart verleiht dem Cowboy oder dem Draufgänger einen Hauch von Verwegenheit und Abenteuerlust.
Weniger bekannt ist in der Gegenwart der "Knebelbart", wie ihn Buffalo Bill trug.

(Bild: hans)

(Bild: skeeze)

Die Bart-Symbolik

Umfangreiche Bärte werden in ihrer psychologischen Wirkung mit vermehrter Bissfähigkeit des Trägers gleichgesetzt. Durch optische Vergrößerung des Gesichtes erscheint der Gegenüber im archaischen Sinne "gewaltiger" (*).

Hier gilt der Bart einem potenziellen Feind als Geste der Vorsicht. Leg dich nicht mit diesem Mann an!

Bissfähigkeit (Bild: OpenClipArt-Vectors)

Ein Bart kann auch als Symbol der Kraft und der Herrlichkeit verstanden werden. Der Bartträger kann auf Männer und Frauen einen Eindruck machen, so wie im Tierreich die Pfauen durch ihr Imponiergehabe bei der Balz beeindrucken.

Ein gepflegter Drei-Tage-Bart kommt fast immer gut an.Dieser kann in einen attraktiven Vollbart übergehen und sich zu einem Klassiker entwickeln.

(Bild: skeeze)

Now ist the time!

Wie sieht es zurzeit aus? Zu einem gestandenen Hipster gehört der Bart.
Wie lang mag der gegenwärtige Trend wohl anhalten? Bis zum nächsten Sonnenkönig? Oder bis dessen bürgerlicher Pendant, der glattrasierte Hollywood Star, als Vorbild einer kommenden Männer Generation auftritt?
Einfach einmal abwarten, was kommt …

(Bild: geralt)

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
Laden ...
Fehler!