Welche Beweismittel gibt es ?

SAPUZ macht für Laien natürlich keinen Sinn. Rechtsreferendare merken sich mit diesem Unsinnswort die zulässigen  Beweismittel im Zivilprozess. SAPUZ steht dabei für

S achverständige

A ugenschein

P arteivernehmung

U rkundenbeweis und 

Z eugenbeweis

Nur diese fünf Beweismittel sind im Zivilprozess (dazu gehört zum Beispiel auch der Prozess beim Arbeitsgericht) zulässig. Manchmal wird noch das "Einholen einer amtlichen Auskunft" als Beweismittel angesehen. Die in der Presse oft genannten "eidesstattlichen Versicherungen" sind übrigens kein Beweismittel sondern nur ein Mittel der Glaubhaftmachung. In Eilverfahren kann das ausreichend sein.

Augenschein und Parteivernehmung

Verlassen wir die Reihenfolge des Merkwortes SAPUZ und haken zunächst die einfacheren Beweismittel ab. 

Der Augenschein, könnte auch ein Ohrenschein sein. Es geht darum, dass Sachen vom Gericht mit den eigenen Sinnen erfasst werden, was meistens bedeutet, dass die Sache angeschaut wird (also etwa der kaputte Staubsauger, wenn es um die Frage, ob er mangelhaft ist oder nicht geht).

Die Parteivernehmung ist juristisch nicht so ganz einfach. Sie kommt in der Praxis nicht sehr häufig vor. Das hat einen einfachen Grund. Im Zivilprozess sollen die Parteien ohnehin wahrheitsgemäß und vollständig vortragen. Wenn sich alle daran halten würden, hätten die Gerichte deutlich weniger zu tun. Die Parteivernehmung ist gegenüber den anderen Beweismitteln subsidiär, dass heißt sie ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Außerdem kann sich jeder - und dazu gehört auch das Gericht - an allen fünf Fingern abzählen, dass in der Parteivernehmung genau das gesagt werden wird, was bereits vorher im Prozess vorgetragen wurde. Sonst würde eine Seite ja einräumen, dass sie gelogen hat.

Sachverständige - Jetzt wird es teuer!

Sachverständigen-Gutachten sind in manchen Bereichen weit verbreitet. Sie haben für die Parteien im Prozess einen entscheidenden Nachteil: Sie sind sehr teuer. Bei medizinischen Gutachten ist man da ziemlich sicher im vierstelligen Bereich. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, den braucht das nicht zu stören. Für andere kann die eventuelle Einholung eines Gutachtens schon einen Denkprozess in Gang setzen, nach einer anderen Lösung des Problems zu suchen. Über die Einholung des Gutachtens brauchen sich die Parteien keine Gedanken zu machen. Das Gericht beauftragt den Gutachter. Die Parteien regen nur an, einen Sachverständigen hinzuzuziehen.

Urkunden und Zeugen

Was vielen nicht klar ist: Der Urkundsbeweis wird nach der Zivilprozessordnung (ZPO) durch Vorlage der Urkunde im Original in der mündlichen Verhandlung angetreten. Die vorherige Übersendung der Kopie ist nicht ausreichend und eigentlich nur die Ankündigung des Beweises in der mündlichen Verhandlung. Soweit allerdings kein Streit darüber besteht, ob die Unterschrift und der darüber stehende Text echt und unverfälscht ist, kann es sein, dass die Urkunde im Termin nicht vorgelegt werden muss. Aber die Partei sollte sie in jedem Fall dabei haben.

Sachverständige können übrigens recht gut herausfinden, ob eine Urkunde echt ist oder nicht. Sowohl die Fälschung mit technischen Hilfsmitteln (Farbkopierer) wie auch das Nachahmen von Unterschriften finden Sachverständige mit ziemlicher Sicherheit heraus. Allerdings sind diese, wie oben schon angemerkt, ziemlich teuer.

Zeugenbeweis

Von allen Beweismitteln ist der Zeugenbeweis der unsicherste und dennoch am weitesten verbreitet. Die Zeugen lädt das Gericht und nicht die Partei. Wenn das Gericht den Zeugen, den man selbst benannt hat, nicht geladen hat, hat das meistens gute Gründe. Die Benennung eines Zeugen muss im übrigen mit der ladungsfähigen Anschrift geschehen, damit das Gericht die Ladung veranlassen kann.

Viele Zeugen - ist das gut?

Oft haben Laien die Vorstellung: Je mehr Zeugen man auf seiner Seite hat, desto besser. 

Das muss aber nicht so sein. Je mehr Menschen zu ein und dem selben Sachverhalt befragt werden, desto größer sind die Unterschiede in der Darstellung. Das kann dazu führen, dass die Schilderungen insgesamt unglaubwürdiger werden. Auf der anderen Seite, sind Richter auch nicht blöd und merken, wenn Zeugen alle die gleiche Geschichte runterbeten. Das sieht dann ziemlich danach aus, als habe man sich im Vorfeld abgesprochen. 

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