Die Einigungskriege

Bismarck war sich sicher, dass die Deutschen nur durch militärische Erfolge geeint werden könnten. Als der dänische König 1863 territoriale Ansprüche auf das im Londoner Protokoll von 1852 eigentlich Deutschland zugesprochene Schleswig erhob, war dies für Bismarck eine gute Gelegenheit, sich auf der politischen Bühne zu profilieren. Dänemark konnte letztlich den preußischen und österreichischen Truppen nicht viel entgegensetzen und musste 1864 kapitulieren. Nach anfänglicher Teilung der Herrschaft erhielt Preußen Schleswig 1865 schließlich gänzlich.

Nur ein Jahr später machte Österreich den Vorschlag, Schleswig unter einem souveränen Fürsten in den Deutschen Bund aufzunehmen. Während es dabei von einem Großteil der deutschen Einzelstaaten unterstützt wurde, zeigte sich Preußen wenig geneigt, diesem Vorschlag zuzustimmen. Am 1. Juni 1866 marschierten preußische Truppen in Holstein ein, dass zu dieser Zeit von Österreich verwaltet wurde. Als Reaktion auf diese Aggression mobilisierte nicht nur Österreich seine Armee, sondern auch die übrigen deutschen Staaten. Doch auch dieses Mal sollte der Krieg nicht lange andauern. Am 3. Juli wurde die österreichische Armee bei Königgrätz vernichtend geschlagen. Die deutschen Kleinstaaten waren schon zuvor bezwungen worden. Österreich wurde in der Folge aus dem Deutschen Bund ausgeschlossen, es entstand der Norddeutsche Bund.

Bismarck hatte in nur wenigen Jahren erreicht, was eine lange Zeit unmöglich schien. Er hatte ein zum großen Teil unter preußischer Herrschaft stehendes Gebiet geschaffen, dass bis auf wenige Ausnahmen bereits sehr einheitlich anmutete. Zu einem gesamtdeutschen Reich fehlten nun lediglich die Königreiche des Südens sowie Sachsen. Bismarck war durchaus bewusst, dass er diese nicht auf militärischem Wege würde überzeugen können, ihre Macht zugunsten des preußischen Königs einzuschränken und sich einem Gesamtreich anzuschließen. Diese Ziel sollte er erst mit Hilfe des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erreichen.

Mit Frankreich bestanden schon länger politische Spannungen. Streitpunkte waren vor allem Territorien im Grenzbereich zwischen Deutschland und Frankreich. Schwerwiegender aber war die Auseinandersetzung um die Besetzung des Thrones von Spanien. Frankreich befürchtete, dass ein deutscher Herrscher König von Spanien werden und es somit eingekreist werden könnte. Die Hohenzollern besaßen in der Tat einen Erbanspruch auf den Thron, verzichteten jedoch letztlich darauf, um die angespannte Situation zu entschärfen. Frankreich verlangte daraufhin die Garantie von König Wilhelm I., dass sein Haus für immer auf jeden Erbanspruch in Spanien verzichten würde. Dieses Schriftstück, später bekannt als die Emser Depesche, war für Bismarck die Gelegenheit, die Stimmung in Deutschland zugunsten eines Krieges mit Frankreich zu wenden. Er veröffentlichte eine gekürzte Version über die Presse, die die gestellten Forderungen als überaus unangemessen und beleidigend darstellte. Nicht nur die Deutschen waren daraufhin empört, auch in Frankreich kippte die öffentliche Stimmung ob dieser öffentlichen Bloßstellung. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Die süddeutschen Königreiche traten auf Preußens Seite in den Krieg ein. Bismarck hatte bereits 1866 Bündnisverträge mit ihnen ausgehandelt.

Die französische Armee musste nach kurzem Kampf am 2. September 1870 kapitulieren. Napoleon III. wurde gefangen genommen. Die Franzosen gaben sich dennoch noch nicht geschlagen. Das Volk kämpfte weiterhin gegen die deutschen Truppen, mussten aber letztlich ebenfalls aufgeben. Am 10. Mai 1871 wurde der endgültige Friedensvertrag unterzeichnet.

Napoleon III. übergibt seinen Degen

Napoleon III. übergibt seinen Degen (Bild: Hartwich)

Die Ausrufung des deutschen Kaiserreiches

Die Gründung des Deutschen Reiches erfolgte am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles, dem alten Prunkschloss der französischen Monarchen. Dass ein deutscher Kaiser gerade dort ausgerufen wurde war eine unbeschreibliche Kränkung für die Franzosen und sollte in der Zukunft weitreichende Konsequenzen haben. Zunächst aber war Bismarck am Ziel. Durch die Einigungskriege war es ihm gelungen, die Gegensätze zwischen Nord- und Süddeutschland zu überwinden und die Bereitschaft zu einer Einigung zu erreichen. Preußens Oberherrschaft wurde nach den zahlreichen Erfolgen nicht mehr in Frage gestellt. Zudem war der preußische König Wilhelm nicht mehr darauf angewiesen, die Kaiserkrone aus der Hand des Volkes zu erhalten, wie es noch 1848 der Fall gewesen wäre. Bismarck sollte als Gründungsvater des Reiches in der Zukunft großen politischen Einfluss besitzen und die Geschicke des Reiches bis zu seiner Entlassung durch Wilhelm II. 1890 entscheidend lenken. Doch auch wenn Bismarck teilweise als Held verehrt wurde stellte sich bereits damals die Frage nach den Konsequenzen seiner radikalen Politik. Auch wenn er sein Ziel erreicht hatte, so war das Reich doch auf den Rücken von zahlreichen Opfern mehrerer Kriege errichtet worden. Auf der Bühne der internationalen Politik musste viel Vertrauen zurück gewonnen werden – ein wichtiger Grund für Bismarcks Aussage, Deutschland sei "saturiert". Schwerwiegender war meiner Meinung nach aber die Erfahrung, mit Kriegen ein politisches Ziel relativ schnell erreichen zu können. Bereits zuvor galt Krieg als legitimes Mittel der Diplomatie. Nun war er, trotz seines Schreckens, auch noch entscheidender Teil der Entstehung des Deutschen Reiches. Die Konsequenzen hieraus sind genauso bekannt wie schrecklich. Europa sollte erst zwei Weltkriege später verstehen, dass eine Einigung auf friedlichem Weg der bessere Weg ist.

Proklamation Kaiser Wilhelms I.

Proklamation Kaiser Wilhelms I. (Bild: Anton von Werner)

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