Bond ist Kult. Aber man denkt, man kennt sie, weil sie so populär sind, und dennoch lohnt eine Reportage über die Werke, die nach den Büchern von Ian Fleming und unter der Regie und Produktion von Harry Saltzmann und Albert Brokkoli entstand. Und siehe da, es entpuppt sich eine Fülle an reichen Themen und Elementen. Oder wissen Sie noch, dass es im "Mann mit dem goldenen Colt" um das Solex ging? Oder dass James in "Leben und Sterben lassen" einen Ausflug nach Harlem tat? Und ist es nicht schade, dass sich die Raumstation in "Moonraker" in ihre Bestandteile auflöst?

In den sechziger Jahren vereint Bond als Filmstar Vorbildfunktion, Charme und Witz in sich. Es dürfte wohl ein goldenes Zeitalter für britische MI6-Agenten gewesen sein, denn niemals vor oder nachher waren sie so elegant, charmant und überlegen.

Es war die Zeit des Roger Moore (1927 – 2017), der in den Siebzigern in der Rolle des Mannes mit der "Lizenz zum Töten" ausgestattet war und noch bis in die Mitte der 1980er Jahre seinen Dienst versah. Er übernahm den Job von Sean Connery (1930 -2020) der nach einer Pause für eine Hauptrolle in "Diamantenfieber" zurückgekehrt war. Connery noch hartgesottener, legte Roger Moore seinen Bond eher als "internationalen Playboy" an, schreibt Wieland Schwanebeck in "James Bond - 100 Seiten".

 

1971 Diamantenfieber

 

Der Skorpion der den Abhang hinunterrast, um den nichtsahnenden Käfer zu erlegen, stellt die horrible Beginnsequenz des Hörbuchs "Diamantenfieber" dar. Das Spinnentier wurde aber daraufhin von einem Mann mit einem Stein ereilt. Die genaue Schilderung der einfachen Tätigkeiten, die der Protagonist in Afrika tätigt, sind für sich schon ein Kunstwerk.

James Bond, der gerade aus seinem langweiligen Urlaub zurückgekehrt ist, wird von 'M' in sein Büro gebeten. Das Gespräch umfasst einen gestohlenen Bericht, der eine sabotierte Pipeline betrifft. Dann begegnet er Miss Case.

1973 Leben und Sterben lassen

James Bond trifft in Manhatten ein und bezieht sein Zimmer, ehe er mit Cpt. Dexter speist und mit M konferiert. Dieser teilt ihm mit, es würden eine Menge Goldmünzen in Umlauf gebracht, die vor 1650 geprägt wurden. Diese könnten aus dem Schatz des berüchtigten Piraten Bloody Morgan stammen. Es sind schon eine erhebliche Zahl der Münzen im Umlauf, so der CIA. Und um diese Münzen unters Volk zu bekommen, werden oft Leute einer Gang benutzt.

Bond wird auf einen aus Tahiti stammenden kommunistischen Spion angesetzt, der "Mr. Big" genannt wird. Er besitzt eine Bordellkette und mehrere Nachtclubs in Harlem, die er sich nach seiner Rückkehr aus Moskau gekauft hat und in denen er "durch Mord aussiebt". Außerdem wird er von seinen Anhängern als Reinkarnation eines hohen Voodoo-Geist angesehen. (Ein neues Feld für Bond, er muss sich für den Auftrag einlesen, Buchtipps gab's von "M".)

So ist nun Bond dabei, mit anderen hinter den Münzen her, in diesen Clubs in Harlem zu recherchieren, gelangt dabei jedoch in einen Hinterhalt. Es hat sich abgezeichnet, denn er bemerkte, dass er von den Bewohnern, durchwegs Schwarze, nicht willkommen geheißen worden war. Aber er macht die Bekanntschaft mit Solitär, einer Haitianerin, die ihn fasziniert. Letztlich findet er die Höhle des Piraten "Bloody Morgan", gerät mit Barracudas aneinander und wird schließlich von Bewaffneten attackiert.

 

1974 Der Mann mit dem Goldenen Colt

M fragt, was James weiß über "Skaramanga". Und das ist eine ganze Menge, denn Skraramanga ist eine schillernde Persönlichkeit. Er ist im Zirkus geboren und wurde Kunstschütze, danach warb man ihn vom KGB an und schließlich machte er sich selbstständig und wurde ein vielbeschäftigter unterbezahlter Killer. Er ist der Mann mit dem Goldenen Colt. Und M hat noch etwas: Eine goldene Patrone mit seine Nummer '007'. Sogar der CIA hat sich eingeschaltet.

Er will nicht von seinem Auftrag die Energiekrise betreffend, abgeben. Offenbar ist ein Solarzellenforscher verschwunden. M besteht darauf, denn er will ihn nicht mit einer Kugel im Kopf wiederfinden. Er ist aber einverstanden, wenn sich Bond selbst auf die Suche macht.

Moneypenny, in diesem Buch ein wandelndes Lexikon, ruft Bond den Tod von Bill Fairbanks ins Gedächtnis. Er war anscheinend in Beirut, als es passierte. Angeblich war es Skaramanga, aber er scheint nicht auf in den Akten, weil die Kugel nie gefunden wurde.

Er sucht der Tänzerin Saida in Beirut auf und fragt nach, was mit Bill Fairbanks geschehen ist. Sie hat die Patrone im Bauchnabel. Doch er wartet nicht lang auf die Schläger, die sich seiner entledigen wollen. Rasch wieder zurück in seinem MI5-Labor stellt man fest, die Kugel hat ein Mann namens Lazard gebaut, er wohnt in Macao. Wo er sich umgehend hinbewegt. Aber Skaramanga erschießt Gibson, den Solarforscher, nicht Bond, obwohl er die Möglichkeit hatte.

 

Der Charakter des James Bond in den 70ies

 

James Bond ist ein ambivalenter Charakter voller Smartness und Arroganz. Es ist ohne Zweifel ein Mann zu dem man aufblickt, manchmal auch als Vorbild nacheifern könnte. Mal ist er Meeresbiologe, mal ist er Experte für Genealogie, mal (der fast immer) weiß er über Gift bescheid, die Pflanze, aus der es gewonnen wird und wo sie wächst. Manchmal ist es fast schon unglaubwürdig. Aber oft beeindruckend und witzig. Mann kann ohne Übertreibung sagen, dass er ein wenig zur Besserwisserei neigt. (Er gibt selten klein bei, wenn es sich um einen verbalen Zweikampf handelt, hat aber oft Recht, nicht nur, weil "M" ihm zustimmt.) Auch zeugen die akribisch recherchierten und beschriebenen Textstellen der Geschehnisse im Führerhaus der Lokomotive, der Waggons und auch auf den Bahnsteigen (Leben und sterben lassen, Original "Live And Let Die") von einer gewissen Nähe zur British Railroad. Nun, das ist ihm wahrscheinlich als Briten in die Wiege gelegt, gilt Großbritannien doch als Mutterland der Eisenbahn. Andererseits ist er aber auch durchaus nicht verlegen, wenn es um die exakte Beschreibung von Motoren und Ausführungen von Wägen geht (als wäre darin schon die verschlüsselte Botschaft!) – die Unterschiede zu denen anderer Länder/Entwickler und die damit verbundenen Empfindungen des Fahrers und Besitzers zu schildern. 

 

Keine Frage, ist er auch schon der Europäerin nicht treu, den britischen Motorenwerken ist er es. Sie erfüllen ihn geradezu mit Stolz und Leidenschaft. Frauen hingegen sind seines auf die Dauer nicht. Manchmal möchte man fast denken, Felix Lighter ist ihm näher als jede sexuell aufgeschlossene Eroberung. Und da gibt es einige, insbesondere die Schönheit Solitär, die ihn derartig reizt, dass der Satz beinahe mit "Du kleine ..." angefangen hätte. Aber mal ehrlich, in wenigen Stunden wird Solitär des Spiels überdrüssig. Warum? Kennen Sie Männer, die Chesterfield rauchen wie ein Schlot, Unmengen an Scotch trinken und sowohl an der Wange eine langeNarbe, also auch an der Hand eine vom Oberarm verpflanzte Hautstelle haben? Na, das sind hartgesottene Kerle, die das Neue reizt. 

Wenn man den Schilderungen aufmerksam lauscht, ist seinem Heimatland Bond unheimlich wertvoll. Allein die Schilderung, wie der Schneider in seinem Hotelzimmer eintrifft, um ihm zwei Anzüge anzumessen, ist schon faszinierend – als ob er nicht ein oder zwei nette Anzüge in seinen zwei Koffern mithätte. Er ist so auffallend gut ausgestattet, dass ihn so gut wie jeder normale Mann mit militärischem Rang beneiden und ihn für einen Snob halten könnte. Aber natürlich muss man da schon was bieten, um die Position interessant zu gestalten, schließlich ist das Risiko hoch und die Gefahr, dass er mit den ganzen teuren Anzügen, den Uhren und anderen Accessoires irgendwo im Ausland tot oder schwer verletzt zurückbleibt, gegeben. Dabei kann es wieder nur nützlich sein, wenn der Mann der das Hotelzimmer inzwischen durchsucht unweigerlich den Eindruck erhält, jemand hat ihn zuhause richtig gern. (Oder er ist als Abgängiger oder Leiche einfach leichter zu identifizieren, wenn man weiß, was er zuletzt anhatte. Ich höre "M" sagen: "Nein, dieser Mann gehört nicht zu uns! Sehen Sie sich die Socken an.") Und das kann man durchaus verstehen, denn der smarte Bond der 70er bleibt im Rahmen, zumindest in den siebziger Jahren. Der moderne Bond ist ja mehr Action-Star. Aber davon später.

 

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