Worum es beim Boßeln geht - Eine kleine Regelkunde

Beim Straßenboßeln sind die Regeln ziemlich einfach: Es werden zwei Mannschaften zu je vier Spielern gebildet (man kann auch größere oder kleinere Mannschaften bilden) und pro Werfer wird vor Spielbeginn eine Wurfzahl festgelegt. So kann beispielsweise vereinbart werden, dass jeder Werfer im Verlauf des Spiels zehn Mal werfen muss.

Das Ziel ist es, mit der Gesamtzahl der Würfe so viel Strecke wie möglich zurückzulegen und dabei so viele sogenannte Schoets  (Würfe) wie möglich zu gewinnen. Einen Schoet gewinnt eine Mannschaft auf folgende Weise: Spieler A aus Mannschaft eins wirft die Kugel. Dann folgt Spieler A aus Mannschaft zwei. Erreicht Mannschaft zwei bei diesem Wurf nicht die Weite von Mannschaft eins, geht der Schoet an Mannschaft eins.

Der nächste Wurf wird immer von dort ausgeführt, wo die Kugel des letzten Werfers der eigenen Mannschaft liegen geblieben ist. Die führende Mannschaft ist also stets im Vorteil, denn die zurückliegende Mannschaft muss den Rückstand erst wieder wettmachen, ehe auch sie einen Schoet gewinnen kann. Gelingt das nicht, geht auch der nächste Schoet an die führende Mannschaft.

Kommt die Kugel nach bei einem Wurf von der Strecke ab, weil sie z.B. in einen Straßengraben rollt, darf die Kugel auf gleicher Höhe wieder auf die Strecke gelegt werden und es wird von dort weitergespielt.

Die Mannschaft, die nach Absolvierung aller Würfe die meisten Schoets gewonnen hat, ist Sieger des Wettbewerbs. Nebenbei bemerkt kommen auf einer solchen Boßelrunde schon einige Kilometer zusammen. Dauern kann eine Runde durchaus zwei bis drei Stunden.

Straßenboßeln als Volkssport - Das Boßeln als organisierter Mannschaftssport

Was wäre ein Sport in Deutschland ohne Vereine, Verbände und eigene Ligen? Wie es sich in unseren Breiten gehört, sind natürlich auch die Freunde des Boßel-Sports bestens organisiert.

Wie viele organisierte Boßelsportler es insgesamt gibt, ist schwer zu ermitteln, jedoch spricht Wikipedia allein für die Landesverbände Ostfriesland und Oldenburg von über 40.000 Aktiven in 261 Vereinen.  Außer dem normalen Ligabetrieb, der in allen Altersklassen gut durchorganisiert ist, gibt es noch deutsche Meisterschaften und sogar internationale Wettbewerbe.

Die deutschen Meisterschaften haben bisher alle zwei Jahre stattgefunden, werden aber ab 2014 nur noch alle vier Jahre ausgerichtet werden.

Da das Boßeln außer in Norddeutschland auch in den Niederlanden, in Irland und in Italien sehr beliebt ist, finden zwischen diesen vier Nationen auch internationale Wettkämpfe bis hin zu Europameisterschaften statt. Die letzte Europameisterschaft im Boßeln fand übrigens im Mai 2012 in Italien statt.  Die bei der EM ausgetragenen Wettkämpfe sind eine Mischung unterschiedlicher Disziplinen aus den unterschiedlichen Regionen.

Begeistern auch Sie sich fürs Boßeln - Ein Hobby für gesellige Menschen

Straßenboßeln als feuchtfröhlicher Freizeitspaß - Boßeltag mit Kohlfahrt und Boßelschluck

Boßeln mag zwar mittlerweile ein hochgradig organisierter Sport sein, doch die meisten Menschen in Norddeutschland kennen es aus anderen Zusammenhängen. So wie jedes Wochenende zehntausende Deutsche auf die Bolzplätze strömen, um ihrem Lieblingssport als Hobby zu frönen, hat auch der Boßelsport seine eigentliche Basis bei den Laien, die es nur zum Zeitvertreib betreiben.

Weil das Spiel so einfach ist, kann es eigentlich von jeder Gruppe ganz spontan gespielt werden. Als einzige Ausrüstung benötigt man eine Boßelkugel und einen Chasher, mit dem die Kugel bei Bedarf aus dem Straßengraben gefischt werden kann. Hat man beides nicht zur Hand, kann man auch bei vielen Veranstaltern günstige Boßeltouren buchen, bei denen in der Regel auch eine deftige Mahlzeit und ein Bollerwagen mit alkoholischen Getränken für die Tour enthalten sind.

Die Regelauslegung ist in diesen Fällen zwar meist an die normalen Regeln des Straßenboßelns angelehnt, im Grunde aber Verhandlungssache. Beim Freizeitboßeln kommt noch eine ganz wesentliche Komponente hinzu: Der Boßelschluck.

Jedes Mal, wenn eine Mannschaft einen Schoet gewinnt, muss die gegnerische Mannschaft einen Schnaps oder einen ordentlichen Schluck Bier zu sich nehmen, wenn das Trinken denn als Strafe verstanden werden soll.

Man kann natürlich andersherum auch vereinbaren, dass die Mannschaft, die den Schoet gewonnen hat, einen Boßelschluck nehmen darf. In diesem Falle, wäre der Schluck als Belohnung anzusehen. Bei dieser Variante sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass die Spielstärke der in Führung liegenden Mannschaft dadurch im weiteren Verlauf auch dramatisch einbrechen kann, was wiederum die bis dahin schwächere Mannschaft stärken könnte.

Sehr gern werden Boßeltouren mit einer sogenannten Kohlfahrt verbunden. Diese finden statt, sobald der Grünkohl den ersten Frost abbekommen hat und somit erntereif ist. Solche Tage sind in manchem friesischen, holsteinischen oder Niedersächsischen Dorf ein gesellschaftliches Großereignis. Nicht selten sind Schützenvereine oder freiwillige Feuerwehren in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Boßelverein in die Planung und Umsetzung eines solchen Tages involviert.

Fernab aller ernsthaften Wettbewerbsbestrebungen entfaltet das Boßeln hier seinen eigentlichen Sinn: Die Menschen zusammenzuführen und ihnen Freude zu bereiten.

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Rene_Junge, am 27.09.2012
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Bildquelle:
Mag.a Bernadette Maria Kaufmann (Mit selbst gebautem Gewächshaus den Garten das ganze Jahr nützen)

Autor seit 4 Jahren
31 Seiten
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