Die Entwicklung in Deutschland zur heutigen Regelung

Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es in Deutschland Sommerzeit. Alle Regelungen endeten 1949; von 1950 bis 1979 war Deutschland ohne Sommerzeit. Als einige westliche Länder wegen der Nachwirkungen der Ölkrise des Jahres 1973 im Jahr 1977 die Sommerzeit einführten, beschloss Deutschland, gleichzuziehen. Allerdings dauerten die Verhandlungen mit der DDR zwei Jahre, um zu gewährleisten, dass zu der politischen Teilung Deutschlands nicht auch eine Teilung Deutschlands und eine automatische Abtrennung Westberlins in zwei Zeitzonen hinzukam.

1979 gelang es, die Sommerzeit ab 1980 in ganz Deutschland einzuführen. Sie galt ab dem ersten Sonntag im April bis zum letzten Sonntag im September.

Bereits im Folgejahr 1981 wurde der Beginn der Sommerzeit auf den letzten Sonntag im März vorverlegt. Diese Regelung hatte bis einschließlich 1995 Bestand. Ab 1996 gilt in Deutschland eine Sommerzeit vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober, wie es § 1 der Sommerzeitverordnung regelt.

Einsparungen durch die Zeitumstellung?

Die Zeitumstellung zu Bewältigung der Nachwirkungen der Ölkrise ist nach Überzeugung der Kritiker teuer, unbequem und ungesund. Schon 2005 mußte die Bundesregierung in einer Fragestunde eingestehen: "Die Einsparung an Strom für die Beleuchtung wird durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert." Dieses Eingeständnis wiegt derzeit um so schwerer, als danach durch das Verbot der bisher üblichen Glühbirnen und die dadurch erfolgte Umstellung auf energiesparende Beleuchtung die Kosten-/Nutzenschere der Zeitumstellung noch größer geworden ist.

Volkswirtschaftliche Kosten der Zeitumstellung

Die Zeitumstellung verursacht abgesehen vom höheren Energieverbrauch Jahr für Jahr zwei Mal enorm hohe und unnötige Kosten. Allein auf dem Verkehrssektor wird viel Manpower und Geld darauf verwendet, die Betriebsabläufe bei Bahnen, Bussen, Flugzeugen und allen Transportunternehmen des Güterverkehrs genau so wie die Arbeitsabläufe in der Industrie und bei allen IT-Systemen umzustellen

Das Thema Sommer-/Winterzeit in der politischen Diskussion

In einer jüngst veröffentlichten Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse DAK sind 71 Prozent der Deutschen gegen die Zeitumstellung und für die Beibehaltung der Sommerzeit. 2009 waren es erst 55 Prozent. Inzwischen gibt es 69.000 Unterschriften unter einer Petition, die im Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages behandelt wird. Die Erfiolgsaussichten sind sehr gering, denn ein deutscher Ausstieg aus der Zeitumstellung wäre ein deutscher Alleingang. Mit dem Hinweis, in unserer globalisierten Welt könne sich Deutschland keinen Alleingang leisten, hatte der Petitionsausschuß schon 2007 die Abkehr von der Zeitumstellung abgelehnt.

Handeln kann nur die EU für den gesamten europäischen Raum. Deshalb haben die die Verfasser der "Petition für die Beibehaltung der Normalzeit" ihre Aktivität jetzt auf die EU-Ebene ausgeweitet und wollen eine Abstimmung im EU-Parlament erreichen.

Auch die EU, die beim Thema Landwirtschaft immer aufhorcht, hatte sich bereits mit dem Thema der Zeitumstellung befaßt, weil nach Auffassung einiger Funktionäre das Milchvieh unter der Zeitumstellung leide. Deshalb hatte die ehemalige Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner 2013 die Abschaffung der Sommerzeit durch die EU verlangt.

Der Vorstoß scheiterte. Bis sich die EU diesem Thema wieder widmet, könnte es noch eine Weile dauern, zumal es sich jetzt nicht um Milchvieh handelt, sondern "nur" um die Bürger.

Gesundheitliche Folgen der Zeitumstellung

Eine Langzeitanalyse im Auftrag der DAK – sie ist in den Ergebnissen identisch mit einer Studie aus Schweden – ergab, dass die ersten drei Tage nach der Zeitumstellung besonders problematisch sind: 25 Prozent mehr Patienten als im Jahresdurchschnitt kommen mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus.

Viele Menschen klagen über Schlafstörungen nach der Umstellung der Uhren. Besonders für Kinder und Babys sind die Folgen der Zeitumstellung mit einem Mini-Jetlag zu vergleichen.

© DAK Foto: istockphoto.com/mabe123

 

Auch langfristige Folgen wurden festgestellt.

Professor Dr. Till Roenneberg ist Leiter der Human Chronobiologie am Institut für Medizinische Psychologie an der Uni München. Er ist bei seinen ständigen Untersuchungen zum Wach-Schlaf-Rhythmus und zu "inneren Uhr des Menschen" zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der Mensch nie komplett an den Wechsel gewöhnen werde. Der Forscher hält die Sommerzeit für einen "von oben diktierten Eingriff in unser biologisches Zeitsystem". Andere Wissenschaftler, das sei aus Gründen der Fairnis der Argumentation hinzugefügt, halten die Probleme bei der Umstellung dagegen nur für vorübergehend oder sogar für Einbildung.

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