Traditionell gebackenes Brot ist für Reizdarm-Patienten bekömmlicher

Reizdarm-Patienten reagieren mit unangenehmen Beschwerden auf den Verzehr von Brot. Dabei geben viele Patienten an, dass sie einige Brotsorten besser vertragen. So werden Brote aus Weizenmehl in der Regel schlechter vertragen als Brote aus Dinkelmehl und anderen alten Getreidesorten wie Einkorn, Emmer oder Durum. Forscher der Universität Hohenheim fanden nun heraus, dass die Unverträglichkeit nicht in erster Linie auf die Art des Getreides zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf die Zubereitungsart. 

Auslöser der Beschwerden sind vermutlich sogenannte FODMAPs. Das sind Zucker, welche im Dünndarm nicht ausreichend verarbeitet werden und dann im Dickdarm zur Bildung von großen Gasmengen führen. Der Bauch ist schmerzhaft aufgebläht. Die Betroffenen leiden zudem unter Aufstoßen, Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchschmerzen. 

Die Wissenschaftler untersuchten den Gehalt an FODMAPs in verschiedenen Vollkornmehlen. Obwohl die alten Brotsorten meist von Reizdarm-Patienten besser vertragen werden, fanden die Wissenschaftler im Einkorn sogar mehr FODMAPs als in herkömmlichem Weizen. 

In einem zweiten Schritt testeten die Wissenschaftler den Gehalt an FODMAPs in Brotteigen nach unterschiedlichen Gehzeiten. Die getesteten Teige gingen 1,2,4 und 4,5 Stunden lang. In den Teigen mit der längsten Gehzeit, war der Gehalt an FODMAPs am geringsten. Die meisten FODMAPs waren in Teigen nach einer Gehzeit von einer Stunde enthalten. Diese Gehzeit wird üblicherweise bei der industriellen Fertigung in Großbäckereien genutzt. 

Traditionell gebackenes Brot mit einer langen Gehzeit scheint demnach für Reizdarm-Patienten bekömmlicher zu sein. Wenn der Teig lange Zeit zum Reifen bekommt, können sich auch viel mehr Aromen entfalten, was diese Brote nicht nur bekömmlicher sondern auch schmackhafter macht. 

Was sind FODMAPs?

FODMAPs (Fermentable Oligo- Di- Monosaccharides and Polyols) sind Zucker und Alkohole, welche mit der Nahrung aufgenommen werden. Sie werden im Dickdarm durch dort vorhandene Bakterien vergoren. Bei diesem Vorgang entstehen Gase. Diese sind in der Regel für die Beschwerden von Reizdarm-Patienten verantwortlich. 

Reizdarm-Syndrom

Das Reizdarm-Syndrom (umgangssprachlich kurz Reizdarm genannt) ist eine sehr häufig auftretende Funktionsstörung im Verdauungstrakt. Die Erkrankung geht mit einer Vielzahl an Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung einher. In der Regel treten die Beschwerden des Reizdarms nicht während der Nacht auf. Dies unterscheidet die Erkrankung von anderen entzündlichen Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. 

Das Reizdarm-Syndrom zeigt sich nicht bei jedem gleich. Jeder Reizdarm-Patient zeigt individuelle Symptome. Die Beschwerden können - je nach Ausprägung - die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. 

Zwar sind die Beschwerden meist unangenehem, in der Regel sind sie jedoch harmlos. Um jedoch schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen steht vor der Diagnose Reizdarm-Syndrom immer eine ausführliche ärztliche Diagnostik. 

Ein Reizdarm liegt vor, wenn:

- die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen

- der Stuhlgang verändert ist (Verstopfung oder Durchfall)

- andere organische Ursachen ausgeschlossen werden konnten

Abhängig von den individuellen Beschwerden werden verschiedene Reizdarm-Typen unterschieden. So stehen entweder Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Blähungen im Vordergrund der Beschwerden. Natürlich gibt es auch Mischtypen, bei denen die Beschwerden eher wechselnden Charakter haben. 

Die genauen Ursachen eines Reizdarms sind bislang unbekannt. FODMAPs als Auslöser gelten als wahrscheinlich. 

Die Behandlung des Reizdarms richtet sich nach der individuellen Symptomatik und besteht in der Regel aus einer Ernährungsumstellung, Stress-Reduktion, Entspannungstraining und körperlicher Bewegung. 

Bei sehr belastenden Beschwerden können zudem Medikamente sowie eine psychologische Behandlung in Frage kommen. 

 

Autor seit 4 Jahren
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