Das Buch "Von der Kunst des Schreibens... und der spielerischen Freude, Worte fließen zu lassen" liest sich wie ein Tanz. Ein Tanz zwischen Worten der Kreativität, Zeilen der Individualität und Sätzen der Schreiblust selbst.

 

"Schreiben liegt in der Natur des Menschen und ist nicht etwa eine Berufung oder ein seltenes Talent", behauptet Julia Cameron und räumt damit gleich zu Beginn mit Vorurteilen auf, dass dieses Talent nur außerordentlich Begabten in die Wiege gelegt worden sei. Es kommt darauf an, den Schreibprozess bei jedem Menschen zu fördern. Und somit wird klar, dass dieses Buch für jeden Schreibenden geeignet ist.

 

Auch andere Klischees räumt die Autorin durch klare Worte aus. Schriftsteller sind keine pfeiferauchenden, rotweintrinkenden Spätaufsteher, die durch Eigenbrödlerei, Psychosen oder Chaotentum auffallen. Die meisten jedenfalls nicht. Schriftsteller sind hart arbeitende Menschen. Mit einem Tagesplan, mit Ehrgeiz und mit Durchhaltevermögen. Letzteres müssen Neulinge aber erst trainieren. Ab und an ein Tagebucheintrag ist nicht ausreichend, um seine Leistungen zu verbessern. Stetigkeit ist angesagt. Denn nur wer jeden Tag schreibt, schreibt gut.

 

Dennoch verschweigt Cameron nicht, dass der Schreibprozess ein einsamer ist. Einer, der es erfordert, die Außenwelt über Stunden, manchmal über Tage, Wochen auszusperren. Auch die eigene Familie. Und selbst, wenn die beste Freundin anruft, selbst, wenn der Wellensittich entfliegt oder die Schwiegermutter einzieht, lässt sich der Schriftsteller nicht ablenken. Wenn er schreibt, dann schreibt er. Trotzdem benötigt ein Schriftsteller soziale Kontakte. Vernachlässigt er sie, sind seine Akkus bald leer. Sind die Themen erschöpft, weiß er nicht mehr, worüber er schreiben soll. Das Schriftstellertum ist also ein Balanceakt. Und der Schriftsteller ist der Tänzer, der sich jeden Tag aufs Neue auf dem dünnen Seil bewegen muss. Dies mag sich bedrohlich lesen, und doch gehört gerade das Buch von Julia Cameron zu jenen Büchern, die Mut machen. Mut, die Sache mit dem Schreiben jetzt und hier anzugehen. Um in absehbarer Zeit den oft behaupteten Satz: "Ich könnte auch ein Buch schreiben" in die Tat umzusetzen.

 

Damit es klar ist: Um ein Buch zu schreiben, bedarf es mehr als Inspirationen. Für ein Manuskript muss der Schriftsteller planen, sortieren, recherchieren, entwickeln, plotten, überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Und dabei ständig den Überblick behalten. Dieses Fachwissen vermittelt "Von der Kunst des Schreibens nicht". Es ist ein Buch, das den Einstieg ins Schreiben erleichtert. Da mag sich die Frage stellen, weshalb viele Autoren, welche die Techniken des Schreibens längst beherrschen, immer wieder gern auf dieses Büchlein zurückgreifen. Eben weil es nicht auf den theoretischen Teil der Schreibarbeit eingeht. Weil es wieder locker macht und auf die Wurzeln des Schreibens zurück besinnt. Weil es die Theorie für eine Zeit vergessen lässt. Bis es erneut ans Planen, Sortieren, Recherchieren... geht.

 

Letztlich kann dieses Buch nur als unbedingter Lesetipp gelten für alle Schriftsteller und für all  diejenigen Menschen, die es werden wollen.

 

 

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