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Dieser Artikel ist in der Form eines "offenen Briefes" gehalten. Aussagen wurden mit allgemein zugänglichen Quellen quer gecheckt. Detailliertes Zahlenmaterial zur Unterlegung der Aussagen wurde in diesem Fall nicht erhoben.

Autarkie bei Strom und Energie?

Woher kommt der Strom, den der Verbraucher morgens einschaltet?
Der Reisende sieht seit einigen Jahren die riesigen Windräder auf den Feldern stehen. Diese großen Windanlagen sehen nicht gerade schön aus, aber sie sollen uns mit Energie versorgen. Wahrscheinlich reicht die Windkraft aber nicht für die Stromversorgung aller deutschen Haushalte. Wasserkraft - an der Nordsee und an der Ostsee wird sicherlich auch Strom hergestellt. Dazu kommen die Kraftwerke bei den Stauseen im Sauerland und an anderen Orten.
Erdgas- und Kohlekraftwerke, Biomasse und Solar – es gibt eine Vielzahl von Energiequellen in diesem Land.
Kürzlich wurde in den Internet News berichtet, dass Deutschland ein Netto-Stromland ist. Wir erzeugen mehr Strom als wir selbst verbrauchen. Den Überschuss exportieren wir sogar. Also, Strom aus deutschen Landen, das Thema ist abgehakt. Wir sind strom-autark.

Das Wasser

Der Vater Rhein, dieser mächtige deutsche Strom, versorgt uns mit dem nötigen Trinkwasser und mit dem Duschwasser und so weiter. Keine Frage, das weiß jedes Kind. Und darauf kann der deutsche Verbraucher sich verlassen. Und dann haben wir auch noch das Grundwasser. Also, das reicht. In Sachen Wasser sind wir gut versorgt (*). Ein kurzer Blick in die Google Suchleiste bestätigt diese vorgefasste Meinung. Deutschland ist wasser-autark.

Kaffee und Klimazonen

Der Kaffee – jetzt kommt's. In Deutschland ist es nie warm genug, sodass hier niemals Kaffeebohnen wachsen könnten. Und der Tee kommt größtenteils aus Indien. Darjeeling – der Fachmann kennt sich aus.

Halt - Löwenzahntee, das wäre eine hausgemachte Alternative. Und die Heilige Hildegard hat bestimmt noch ein paar Teerezepte mehr in petto. Nur, Hand aufs Herz, welcher eingefleischte Kaffeetrinker will auf die Dauer auf sein belebendes aromatisches Getränk verzichten?

Im Hinblick auf die nationale Bezugsquellen-Unabhängigkeit bei Kaffee kann man eher nicht von einer Selbstversorgung ausgehen.

Unser täglich deutsches Brot

Das deutsche Reinheitsgesetz ist weltbekannt. Aber beim Thema Brot gilt dieser Ausdruck – Reinheitsgebot muss es richtig heißen – offenbar nicht. Aber dafür gibt es mehr als 500 deutsche Brotsorten. Manchmal reicht der pure Glauben. Brot aus Deutschland ist ausreichend vorhanden.

Fleisch und Wurst zum Frühstück kann man auch ausschließlich aus deutschen Landen beziehen. Dies ist für den eingefleischten Verbraucher keine Frage, denn schließlich wird diese Aussage in der Fernsehwerbung glaubhaft kommuniziert.

Beim Thema Käse kann ein leichtes Gefühl der Unsicherheit entstehen. Käse aus Holland. Käse aus der Schweiz. Käse aus Dänemark. Wir produzieren sicherlich auch deutschen Käse, nur ist dieser Umstand oft nicht so bekannt oder in den Fokus des Verbrauchers gerückt.
Ob die deutsche Käseproduktion für die Frühstückstische aller Verbraucher in Deutschland reichen würde? Zweifel kommen auf.
Was sagt Wikipedia? Wir sind der größte Käsehersteller in der EU (*). Das spricht eine klare Sprache – Autarkie.

Ein erster Zwischenstatus. Strom und Wasser sind autarkiemäßig OK. Brot, Wurst und Käse ebenso. Kaffee eher nicht. Den Workaround mit den heimischen Teesorten soll dieser Text im Moment nicht weiter verfolgen.

Auf zur Arbeit

Deutsche Autos genießen Weltruf.
Jeder weiß, dass darin auch schon einmal ein Computerchip aus Taiwan oder Korea verbaut ist. Mehr noch, viele Teile des Autos kommen aus dem Ausland, von Deutschland aus gesehen. Ein Auto kann unter diesen Umständen nie ein deutsch-autarkes Produkt werden. Das kann man glatt vergessen. Hier schlägt die Globalisierung voll durch.
Das können die US-amerikanischen Automobilhersteller auch nicht, rein amerikanische Straßenkreuzer bauen. Hier bekommt das neue Credo unserer transatlantischen Nachbarn einen Riss. Gotcha, wie man in den USA sagt.

Kraftstoffe der Vergangenheit und der Zukunft

Mit dem Sprit sieht es in Zukunft schon etwas besser aus. Bisher mussten wir ja jeden Liter importieren. Die paar nickenden Pumpen im Emsland (*), oder wo immer diese Einrichtungen stehen sollen, also diese Kapazität reicht nie und nimmer, pauschaliert gesagt. Details müsste ein interessierter Bürger nachlesen (*).
Bald werden Elektroautos in größerer Zahl auf die bundesdeutschen Straßen kommen. Dann soll der deutsche Kraftfahrer zum Beispiel an der Laterne Strom tanken können. Beim Strom, da sind wir autark.

(Bild: alexandria)

Das deutsche Mahl

Das Mittagessen kann manchem autarkiebewussten Werktätigen einigen Kummer bereiten. 
In jedem Büroviertel gibt es eine Chinesen oder einen Italiener. Das ist genau richtig für die knappe Stunde, die der Büromensch zum Essen hat. Nur, die Soja-Keimlinge und die Tomaten für die Pasta wachsen in der Regel nicht hierzulande.
Die deutsche Küche bietet alternativ zum Beispiel Schnitzel mit Kartoffeln und Erbsen-Möhren aus heimischen Gefilden an. Allerdings wählt der Bürger geschmacklich gern die Abwechslung.
Also, wenn es hart auf hart kommt mit dem autarken Mittagessen "auf der Arbeit", dann kommt es richtig hart, oder?

Zweiter Zwischenstand. Das Auto bleibt in globales Produkt. Wenn der Benzinmotor abgewrackt und gegen einen Elektromotor ersetzt wird, dann sind die Deutschen als Netto-Stromerzeuger autarkiemäßig wohl fein heraus. Mit dem Mittagessen könnte die Nation sich noch etwas einfallen lassen.

Der Fernsehabend

Fast alle privaten Sender werden anscheinend von internationalen Firmen betrieben. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren regionalen Ablegern gehören zwar dem Staat, also uns, dem Souverän. Aber dort laufen halt viele Krimis und manchmal auch Berichte über Eisbären in der Antarktis und ähnliche Formate.
Viele bekannte Shows und Blockbuster werden eher von internationalen Kanälen angeboten. Was bleibt dem autarkiebewussten "sieh-deutsch" Fernsehkonsumenten übrig?
Das Buch. Wir sind das Volk der Dichter und Denker. Da macht uns so leicht keiner etwas vor. Im Umfeld einer größeren "sieh-deutsch" Bewegung wird der ehemalige TV-Konsument abschalten und den Gedichtband herausholen.

Fazit zum Thema "buy deutsch".

Ist Deutschland also autark? Natürlich nicht. Allerdings wird Autarkie auch als "weitgehende" nationale Selbstständigkeit bezeichnet (*).

(Bild: schreibspass bei Pagewizz.com)

Was bleibt? Staunen über die Vielfalt des internationalen Produkt- und Dienstleistungsangebotes im Alltag. Grübeln über die Absichten der amerikanischen Nachbarn. Nachdenken über Konsumgewohnheiten.

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