1. Stimmt es, dass ein Dirndl die bayerische Tracht ist?

Wohl die allermeisten Menschen sehen im Dirndl ebenso wie in der Lederhose eine bayerische Tracht, und in all den Werbeprospekten und Onlineshops, in Schaufenstern der Modehäuser und vielen Berichten wird dies auch so dargestellt, ohne darüber nachzudenken, ob dies tatsächlich so ist.

Stimmt aber nicht. Das historische Festtagsgewand im Sinne einer Tracht hat zwar durchaus Ähnlichkeiten mit einem Dirndl, insbesondere die schmal geschnittene Taille, sowie der leicht ausladende Rock erinnern daran, doch bestand dieses aus mehreren Teilen, die aus teuren Materialien hergestellt waren. Daher wurden diese Kleider in der Regel auch nur an Festtagen und bei größeren Feierlichkeiten sowie an kirchlichen Feiertagen getragen. Mit dem Dirndl wurde lediglich der Stil der eigentlichen Tracht ein stückweit übernommen und ein eigenes Kleidungsstück oder Mode entwickelt, das sich ein wenig an den Unterkleidern der einfachen Mägde anlehnte.

2. Stimmt es, dass ein Dirndl die Mode vom Land ist?

Zu den Mythen und Legenden gehört eindeutig auch der Irrtum, dass Dirndl früher in erster Linie die Mode der Frauen vom Land war. Doch auch dies stimmt nicht. Ganz im Gegenteil. In Wirklichkeit waren es die Städterinnen, die als erstes ein Dirndl trugen und zwar wenn es für sie in die Ferien aufs Land ging. Bei der Suche nach der passenden und zugleich legeren Kleidung, erfand eine Schneiderin Ende des 19. Jahrhunderts das Dirndl und nutze damit eine Marktlücke, die heute mit einem riesigen Angebot an so genannter Trachtenmode oder Landhausmode ausgefüllt ist.

3. Stimmt es, dass das Dirndl typisch bayerisch ist?

Ebenso wie die Annahme, ein Dirndl wäre die Kleidung der Landbevölkerung gewesen, gehört es zu den Irrtümern, dass dieses Kleidungsstück nur die Kleidung der bayerischen Damen gewesen wäre. Es ist zwar richtig, dass mit einem Dirndl die alpenländische Region assoziiert wird, doch war auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Reiselust durchaus vorhanden und so zog es ebenso Urlauber aus nördlicheren Gefilden Deutschlands im Sommer nach Bayern. In gewisser Weise stellte das Dirndl für die preußische Urlauberin die Ferienkleidung dar, mit der Sie sich in Süddeutschland Erholung suchte.

4. Stimmt es, dass es Dirndl schon seit Ewigkeiten gibt?

Nun gut, eine grundlegende Erörterung des Begriffs »Ewigkeit« soll hier nicht versucht werden, doch gehört es eben auch zu den Mythen und Legenden, dass das Tragen von Dirndl eine sehr lange Tradition hat und es Dirndl schon seit Jahrhunderten gibt. Wer hätte es gedacht, auch das kann man nicht so stehen lassen. Vielmehr ist die Dirndl-Mode noch relativ jung. Natürlich darf man Dirndl und Tracht nicht wieder verwechseln, denn das, was als  Dirndl zu bezeichnen ist, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Die Schneiderin, die diesen neuen Look – wie damals ganz sicher noch niemand sagte – entworfen hatte, lebte vermutlich im süddeutschen Raum oder in der Gegend um Salzburg, gesichert ist dies jedoch nicht.

5. Stimmt es, dass die Dirndl-Schleife den Familienstand angibt?

In der Tat liest man häufig, dass die Schleife der Schürze des Dirndls ein wichtiges traditionelles Zeichen ist, welches darüber Auskunft gibt, ob die Trägerin bereits verheiratet ist, oder noch zu haben ist. Dabei soll die rechts gebundene Schleife dem Betrachter signalisieren »Finger Weg, schon vergeben«! Auch das ist ein Mythos, der sich aber insofern bewahrheitet, als sich aufgrund seiner Hartnäckigkeit und stetigen Verbreitung viele Frauen an diesen Irrtum halten. Wann es dazu gekommen ist, und wie diese Legende entstanden ist, lässt sich jedoch nicht nachvollziehen, als echte Tradition, die auf die Anfänge zurückzuführen sind, lässt sich diese vermeintliche Regel jedoch nicht feststellen.

6. Stimmt es, dass das Dirndl fester Bestandteil des Oktoberfests ist?

Schaut man heute in die überfüllten Festzelte auf dem Oktoberfest in München, könnte man schon den Eindruck bekommen, dass das Dirndl die traditionelle Kleidung dieses traditionellen Festes ist und fest dazugehört, wie die »Brezn« zum Bier. Doch bedenkt man, dass das Oktoberfest bereits mehr als 200 Jahre alt ist, das Dirndl hingegen erst vor gut 100 Jahren erfunden wurde, wird man zur Erkenntnis gelangen, dass das eindeutig ein Irrtum sein muss. Betrachtet man alte Fotos der 1950er und 1960er Jahre, wird man sogar feststellen, dass auf ihnen kaum ein Dirndl zu sehen ist. Das Schicksalsjahr für die Damenmode dürfte wohl das Jahr 1972 gewesen sein, das Jahr der Olympischen Spiele in München. Die Hostessen trugen damals ein kurzes schlicht geschnittenes, aus heutiger Sicht ausgesprochen züchtiges, Dirndl, das offenbar einen Dirndl-Boom auslöste. Kurz darauf erschienen in sämtlichen Frauenzeitschriften Berichte und Werbeanzeigen mit der neuen Mode.

7. Stimmt es, dass das Dirndl nur was für ältere Frauen ist?

Dass dies zumindest heute definitiv nicht stimmt, sieht man an den vielen It-Girls a la Paris Hilton oder den Sternchen wie Verona Pooth und anderen, die auf diesen Zug mit aufgesprungen sind. Sicherlich gab es die Zeit des Musikantenstadels, von Marianne & Michael, von Maria und Margot Hellwig und Schunkelliedern. Doch seit 10 bis 15 Jahren finden sich Dirndl auch, um nicht zu sagen vorwiegend, in den Kleiderschränken junger Damen. Begonnen hat dieser neuerliche Dirndl-Boom wohl mit der Begeisterung für den Retro-Look, als Jugendliche die Kleiderschränke auf dem Dachboden oder Secondhand Läden durchstöberten und sich spaßeshalber auf diese Weiße fürs Oktoberfest einkleideten. Längst sind die Schnitte wesentlich jugendlicher, experimenteller und durchaus auch gewagter und somit auch für die jungen Damen attraktiv.

8. Stimmt es, dass man Dirndl nur im Trachtengeschäft kaufen kann?

Das stimmt natürlich nicht. Nicht nur deswegen, weil das Dirndl ja, wie bereits erwähnt nicht als Tracht zu bezeichnen ist, sondern auch weil sich längst zahlreiche Modedesigner wie Wolfgang Joop, oder Vivienne Westwood dieser Mode angenommen haben. Aber auch online ist das Angebot an Dirndl enorm und vom klassisch schlichten bis zum raffiniert geschnittenen dort alles zu finden. Manche Dirndl erinnern schon fast an Cocktailkleider, andere wiederum an Abendkleider. 

Selbst Hochzeitskleider gibt es im Stil eines Dirndls. So wie Harald Glööckler sagt, »jede Frau ist eine Prinzessin« wagt sich Vivienne Westwood zu sagen »Würde jede Frau ein Dirndl tragen, so gäbe es keine Hässlichkeit mehr«. Dank Plattformen wie Amazon hat man inzwischen die Möglichkeit, ganz bequem von Zuhause aus, aus einem gigantischen Angebot, das schönste Dirndl und die passenden Accessoires auszuwählen.

9. Stimmt es, dass ein Dirndl strenge Vorgaben hat?

Mehrfach wurde hier erwähnt, dass das Dirndl keine Tracht ist. Damit unterliegt es auch keinen strengen Regeln, wie es genau auszusehen hat, oder welche Elemente es tragen muss. Bereits seit seiner Erfindung, unterliegt das Dirndl auch den Modeströmungen der jeweiligen Zeit. So waren die ersten Dirndl noch eher lange Kleider, während sich die Länge des Dirndls allmählich auch an die Länge der modischen Röcke anpasste. Das Dirndl der Hostessen bei den Olympischen Spielen in München etwa zeigte Knie. Das Gleiche gilt für die Farbe, die keinesfalls gedeckt sein muss. Heute ist eigentlich nahezu alles möglich bis hin zum aktuellsten Trend, das Dirndl mit afrikanischen Stoffmustern zu versehen. Einzige Regel: der Schnitt muss sich am "Urdirndl" der Erfinderin orientieren und aus Oberteil in Miederform sowie einem angereihten Rock bestehen, ansonsten gehört es lediglich in die Kategorie »Landhausmode«.

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