Als Conchita Wurst noch Thomas Neuwirth war

Eine kleine Chonologie der Ereignisse rund um Tom/alias Conchita.

 

Thomas Neuwirth - "Starmania" 2006 und die Zeit danach

Ein junger zartgliedriger Mann mit furioser Stimme suchte im Starmania-TV Format einen Weg auf die Bühnen der Welt. Errang Aufmerksameit, aber zum großen Sieg langte es nicht.

Was wurde nach "Starmania" aus dem wirklich begabten Thomas (Tom)?

Eine künstlich zusammengestellte Boyband sollte den begabten Nicht-Siegern von Starmania, Jonny, Martin, Falco und Tom eine gute Rampe ins Showgeschäft sein.

 

JETZT ANDERS! hieß die Boyband, die alle begeistern sollte. Aber bis auf ein paar wenige Nummern und Auftritte hatte diese Band wenig Zukunft.

2011 - Conchita Wurst was born!

Bei der Talenteshow in Österreich "Die Große Chance" verblüffte 2011 ein supersexy weibliches Wesen mit toller Stimme und Bart.

Und warf Fragen auf:

  • Was an ihr/ihm ist "Mann" und was ist "Frau"?
  • Und: Ist ganz Österreich plötzlich wahnsinnig tolerant geworden?

Bei der auf ORF eins laufenden Talenteshow "Die Große Chance" begeisterte und verwirrte in der dritten Vorrunde ein sexy anzusehendes weibliches Wesen mit Superstimme.

Wäre da nicht der verflixte Bart gewesen, wären alle begeistert gewesen von dieser Frau. Unübersehbar, nicht zu ignorieren, der verflixte Bart. Was war das nun?

Mann/Frau oder etwas dazwischen?

Conchita Wurst is born!

Conchita Wurst (Bild: theglobalpanorama / Flickr)

Wer oder was ist nun besagte Conchita Wurst?

Conchita Wurst aus dem kolumbianischen Hochland, so lautete die Vorstellung auf offener Bühne, ist das Alter Ego eines jungen Steirers: Thomas Neuwirth, seines Zeichens Ex-Starmaniac, der sich in der dritten Staffel von "Starmania" (2006) nur der Tirolerin Nadine Beiler geschlagen geben musste. Der in der damaligen Staffel, ob seiner dramatisch inszenierten Auftritte auch als Drama-Queen tituliert wurde und schon damals gelegentlich seine Liebe zu Frauenkleidern bekundete.

Das Singen hatte er nicht verlernt. Im Gegenteil. Nur der Auftritt war um ein Vielfaches glamouröser.

 

Thomas Neuwirth aus der Steiermark, ...

eine Geschlechtersuche oder ein toller Kunstgriff?

  • Geburtstag: 6. November 1988,
  • Sternzeichen: Skorpion,
  • Modeschüler, Homosexueller oder doch eher Transgender? Transgender (lateinisch: aus trans "jenseitig", "darüber hinaus" und englisch gender "soziales Geschlecht"), also ein Mann-zu-Frau Neigender.
  • Als Transfrau oder auch shemale bezeichnet man Menschen, die sich als Frau in Männerkörpern fühlen. Deshalb streben sie geschlechtsangleichende Maßnahmen an, um den (männlichen) Körper dem gefühlten Identitätsgeschlecht anzupassen, mit Kleidung, Make up, Perücke, aber auch mit Operationen. Für die Betroffenen ein wahrlich nicht leicht zu lösendes Problem.

Was Tom nun wirklich ist, einfach nur ein Travestiekünstler, Transgender oder Transsexueller, der Sehnsucht nach seinem idealen Geschlecht hat, kann nur er selbst beantworten. Ehrlich gesagt: die Wahrheit geht auch nur ihn selbst etwas an.

Was sagt Tom Neuwirth selbst?

"Zwei Herzen schlagen in meiner Brust, Sie sind ein eingespieltes Team, das nur im Duo funktioniert. Sie bekommen sich aber nie zu Gesicht. Tom N und Conchita Wurst." (O-Ton Tom Neuwirth)
Er erklärt auch seinen Weg hin zu Conchita:

Conchita verdankt ihre Existenz dem Umstand, dass Tom Zeit seines Lebens mit Diskriminierung zu kämpfen hatte. Also schuf er eine Frau mit Bart.
Als auffälliges Statement. Als Katalysator für Diskussionen über Begriffe wie "anders" oder "normal". Als Vehikel, mit dem er seine Botschaft unübersehbar und unüberhörbar in alle Welt tragen will und kann.
Aussehen, Geschlecht und Herkunft sind nämlich völlig WURST (für Nicht-Österreicher; wurst=gleichgültig, egal)

Tom Neuwirth sieht sich selbst – anders als der von ihm zum Leben erweckte glamouröse Gender-Mix – ganz klar als Mann.

Starmania Bühne (Bild: Martin Wippel / Flickr)

Starmania, Große Chance - War das der richtige Weg?

Wird die ORF-Show für Tom alias Conchita Wurst wirklich die große Chance? Fragten sich diejenigen, die auch schon Tom Neuwirth und sein Talent zu schätzen wussten.

Einen Fan eroberte Conchita Wurst auf alle Fälle: Show-Jurorin Karina Sarkissova. "Einfach geil!", kommentiert sie seinen Auftritt begeistert. "Sie (Conchita) war die Erste, die mich zu Tränen gerührt hat!" Ihr Kommentar: "Ich weiß nicht genau, ob du Mann oder Frau bist, aber du bist ein wunderschöner Mensch und so was von talentiert. Du bist jetzt und hier ein Star!"

Allerdings haben solche spontanen "Star-Prophezeiungen" leider nur eine kurze Halbwertszeit.

Wer oder was nun Tom alias Conchita ist oder darstellt, war in dieser Show eigentlich nicht die Frage. Bei der Großen Chance geht es allein darum, ob jemand aus seinem Talent wirklich für ein breiteres Publikum interessant ist: Die Menschen berührt, staunen lässt, bezaubert, einige wenige Minuten mit seiner Performance gefangen nimmt. Nur das sollte zählen.

Travestiekunst als anderer Weg auf die Bühnen dieser Welt

Tom wäre nicht der erste begabte Musiker oder Schauspieler, der den Weg der Travestie auf die Bühne wählt.

Travestiekünstler gibt es als gute Vorbilder zur Genüge, und viele davon haben Kultstatus:

  • Lilo Wanders alias Ernst-Johann Reinhardt im deutschen Raum oder
  • Dame Edna Everage, die fiktive Figur des australischen Komikers Barry Humphries.

Conchita Wurst blieb als Bühnefigur in der Wiener Szene nicht lange unentdeckt. Auf Facebook hat sie ihre eigene Fansite. Auch die Modebranche entdeckte rasch diesen attraktiven bunten Vogel für sich. So lief Conchita für das Label Urban Art am Laufsteg der Vienna Fashion Week. Kaum später galt Conchita Wurst als neue Muse für Jean Paul Gaultier. Die schillernde Figur Conchita Wurst fiel dem französischen Designer auf. Sie wurde zur Fashionshow eingeladen und lief für Gaultier auf dem Catwalk.

Die Große Chance und kein Sieg

Halbfinale mit bravourösem Sieg. Schon dachten die Fans: "Das ist die kommende Siegerin." Allerdings hatte Tom Neuwirth bereits einmal die bittere Erfahrung gemacht, in einem Finale knapp zu scheitern, nämlich als Zweiter bei Starmania 2006. Die Große Chance nun endgültig auch seine große Chance?

Knapp daneben ist auch vorbei. Kein Sieg für Conchita/Tom.

Die österreichischen Zuschauer hatten anders entschieden. Gegen die Kunstfigur und mit großer Mehrheit für Christine Hödl. Auch wenn es für den Sieg nicht gereicht hat, die Aufmerksamkeit der Medien hatte eindeutig Conchita auf sich gelenkt.

Übrigens: von Christine Hödl, der Siegerin, spricht heute niemand mehr.

Der Eurovision Song Contest, kurz ESC - die noch größere Chance?

ESC, der erste Versuch

Wenn sogar die BILD-Zeitung dem österreichischen "möglichen" Teilnehmer bei der österreichischen Vorausscheidung für den ESC 2012 nach Baku unter dem Titel:

"ESC: Conchita Wurst. Diese Drag-Queen will für Österreich zum Grand Prix. Da würde Aserbaidschan Augen machen!"

eine ganzen Spalte widmet, dann ist ein guter Schritt in die Aufmerksamkeit außerhalb von rot-weiß-roten Zaunlatten getan. Dass es wieder einmal nur zum zweiten Platz reichte, sollte Conchita/Tom nicht entmutigen. Mit echter Fairness wünschte er den Siegern Trackshittaz viel Erfolg in Baku. (Sie erreichten nicht das Finale.)

 

Trackshittaz- Eurovision Song Contest 2012 (Bild: escaustria.at / Flickr)

"Stellt sie auf eine Bühne und sie kann die Welt erobern!"

Dieser Satz sollte sich bewahrheiten. Denn der Traum ist schlussendlich wahr geworden.

Conchita Wurst holt den Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen.

Sie widmete ihren Sieg allen Menschen, die an die Zukunft von Frieden und Freiheit glauben. Mit großem Abstand zu ihren Kontrahenten, mit Tränen in den Augen, holte sie den Sieg.

Auch dem österreichischen Moderator Andi Knoll lief vor Fassungslosigkeit der Schmäh voreilig davon: "Jetzt hat uns die den Schas gewonnen!" Nicht gerade höchstes Sprachniveau, aber allerhöchste ehrliche Anerkennung.

 

Mit diesem Sieg ging der Rummel rund um "Conchita Wurst" endgültig los. Nach vielen Auftritten rund um den Globus auf Bühnen oder als politisch/gesellschaftliches Statement ist Conchita Wurst derzeit hier zu sehen:

  • als Coach und JurorIn bei der RTL Musikshow TV: In "It Takes 2"

Tom Neuwirth: Sein wahres Ich rebelliert

Nach dem ESC haben sich die meisten an die exzentrische Künstlerin gewöhnt. "Mit der bärtigen Frau habe ich seit dem Song-Contest-Sieg im Prinzip alles erreicht. Ich brauch‘ sie nicht mehr", meint Tom Neuwirth heute. Conchita hat also ausgedient.

Nach drei Jahren als Glamour-Gestalt, beginnt sich immer öfter sein Tom-Ich zu melden, erklärt er. "Ich war schon immer von Frauen inspiriert - große Bühne, große Stimme, großes Kleid. Das wollte ich. Doch Tom lebt wie ein Kellerkind in mir und er rebelliert". Deshalb möchte Tom Neuwirth als Schöpfer seines Alter Ego demnächst zu drastischen Maßnahmen greifen: "Conchita muss weg."

Wann Conchita ihren künstlerischen Suizid begehen wird, um wieder Platz für Tom zu schaffen, weiß er noch nicht. "Aber es wird passieren!" (Quelle Welt am Sonntag)

Wie der Abgang aussehen wird, weiß nur Tom allein. Es wird aber sicher nicht unauffällig passieren. Soviel steht fest. Wir sind gespannt - denn auch als Tom wird diese Stimme und Bühnenpräsenz weder zu überhören, noch zu ignorieren sein.

Dass Tom auch abseits von Conchita stimmlich überzeugen kann, zeigt hier zum Abschluss der folgende Clip: "Human", das Rag'n Bone Man Cover.

 

 

Werden Sie Conchita Wurst vermissen?

Muss Conchita wirklich sterben? In Ö3 nimmt sie Stellung

Am 12. Mai eröffnet Conchita die Wiener Festwochen. Im Ö3-Wecker eröffnete Conchita den Dienstag. Mit Robert Kratky spielte sie zudem eine Runde Ö3 in 5.

Link dazu

Adele_Sansone, am 15.02.2017
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