Was sind Supervulkane und wie viele gibt es davon?

Supervulkane unterscheiden sich fundamental von den Vulkanen, die wir alle aus dem Schulunterricht und aus dem Fernsehen kennen. Charakteristisch ist das Fehlen eines sichtbaren Eruptionskegels. Gewöhnliche Vulkane sind weithin sichtbar und in der Regel auch leicht als Vulkane zu identifizieren, wohingegen Supervulkane meist nur auf Luftbildern aus großer Höhe zu entdecken sind.

Das liegt an der Art und Weise, wie Supervulkane ausbrechen. Die Magmakammern von Supervulkanen breiten sich unterirdisch über riesige Gebiete aus. So misst beispielsweise die des Yellowstone-Vulkans ca. 40x60 Kilometer. In diesen Kammern baut sich über die Jahrtausende immer größerer Druck auf, bis eines Tages der darüber liegende Boden meist ringförmig aufreißt uns einbricht

Statt eines Vulkankegels entsteht also eine Art Mulde, die auch Caldera genannt wird. Daher sucht man im Yellowstone vergeblich nach einem Vulkankrater, denn der gesamte Park IST der Krater.

Weltweit kennen die Geologen mittlerweile ca. 20 dieser schlummernden Monster. Bei vielen kennt man in etwa die Periode, die durchschnittlich zwischen zwei Ausbrüchen liegt. Meist sind es mehrere hunderttausend Jahre. Die Auswirkungen solcher Super-Eruptionen sind generell global messbar. In den geologischen Schichten der vergangenen Jahrmillionen können die Wissenschaftler die Ablagerungen dieser Ausbrüche nachweisen und einige dieser Eruptionen fallen ziemlich präzise mit großen Aussterbe-Ereignissen zusammen.

Das globale Klima verändert sich durch den Ausbruch eines Supervulkanes gravierend, denn die bis in die Stratosphäre geschleuderten Aschemassen werden durch die Jetstreams (in großer Höhe mit hoher Geschwindigkeit zirkulierende Winde) über den gesamten Erdball verteilt und verdunkeln auf Jahre hinaus die Sonne. Pflanzen wachsen wegen mangelnder Sonneneinstrahlung  nicht mehr, Tiere verenden daraufhin aufgrund von Futtermangel und die Menschheit, wenn sie denn eine solche Katastrophe erlebt, wird mit einer extremen Nahrungsmittelknappheit konfrontiert.

Als vor 75.000 der Toba-Vulkan, ein weiterer Vertreter der Supervulkane ausbrach, dezimierte dies die damalige Population der Menschen auf wenige tausend Überlebende. Dies jedenfalls schließt man aus Untersuchungen des menschlichen Genpools.

Natürlich ist es schwierig, Aussagen darüber zu treffen, wie sich diese Vulkane in Zukunft verhalten werden, da eine durchschnittliche Ausbruchshäufigkeit in der Vergangenheit nicht zwangsläufig etwas über ihr zukünftiges Verhalten aussagen muss. Zudem weiß man nicht, wie sich ein solcher Ausbruch überhaupt ankündigen würde. Bei einigen Supervulkanen beobachten die Wissenschaftler heute eine erhöhte Aktivität, die darauf schließen lässt, dass der Druck der Magmakammer enorm ansteigt. Ob dies aber als Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs zu werten ist, kann man einfach nicht sagen, denn Vergleichsmöglichkeiten aus der Vergangenheit fehlen.

Der Yellowstone-Vulkan – der bekannteste unter den Supervulkanen - Die trügerische Idylle des Yellowstone Nationalparks

Der Yellowstone-Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming ist einer der beeindruckensten Nationalparks der Welt. Jährlich strömen Millionen von Besuchern dorthin und bestaunen die teils bizarre, teils malerische Landschaft. Charakteristisch für den Yellowstone-Nationalpark sind die vielen heißen Quellen und Geysire, die ein sichtbarer Hinweis für die vulkanische Aktivität dieses Gebietes sind. Man konnte sich allerdings jahrelang nicht erklären, wo der zu diesen Aktivitäten passende Vulkan sein sollte. Das gesamte Land dort war eindeutig vulkanischen Ursprungs, ohne jedoch einen Vulkan zu besitzen. Erst auf Luftaufnahmen wurde schließlich eher zufällig die Caldera entdeckt und als der gesuchte Vulkankrater identifiziert.

Der letzte große Ausbruch des Yellowstone-Vulkans mit global verheerenden Folgen ereignete sich vor ca. 600.000 Jahren. Durchschnittlich ereigneten sich solche großen Eruptionen in den vergangenen zwei Millionen Jahren alle 600.000-650.000 Jahre. Legt man dies zugrunde, wäre rein statistisch ein großer Ausbruch längst wieder überfällig.

Supervulkan in Europa - Die Phlegräischen Felder im Süden Italiens

Der letzte große Ausbruch eines Supervulkans in Europa ereignete sich vor 39.000 Jahren in der Gegend, in der heute der Golf von Neapel liegt. Der Golf selbst ist vermutlich ein Teil der Caldera, die sich damals gebildet hat. Der als "Phlegräische Felder" bekannte Supervulkan hatte bei seinem letzten Großausbruch eine Zerstörungskraft, die hundert Mal stärker war, als der Ausbruch des Vesuvs, der die Stadt Pompeji unter sich begrub.

Die Stadt Neapel liegt direkt am Rande dieses schlafenden Riesen und wäre im Falle einer Eruption hoffnungslos verloren. Der sich über 150 Quadratkilometer erstreckende Supervulkan würde im Ernstfall wohl aber nicht nur Neapel zerstören, sondern Verwüstungen in halb Europa anrichten.

Der letzte Ausbruch ließ in seiner Folge die globalen Temperaturen um drei Grad Celsius sinken, in Europa sogar um sechs Grad. Angesichts der Tatsache, dass wir uns in der heutigen Klimadiskussion um die Auswirkungen eines globalen Temperaturanstieges von einem bis zwei Grad in den nächsten hundert Jahren sorgen, kann man ermessen, welche einschneidende Auswirkungen derartig hohe und plötzliche Klimaschwankungen gehabt haben müssen.

Die Phlegräischen Felder werden, ebenso wie die anderen Supervulkane, irgendwann mit Sicherheit wieder ausbrechen. Die Frage ist nur, ob dies morgen oder in einigen zehntausend Jahren geschehen wird.

Müssen wir uns vor einem Ausbruch fürchten?

Es gibt dazu in der Wissenschaft ebenso viele Meinungen, wie zur Frage des Klimawandels oder zu anderen, hochkomplexen Sachverhalten. Die Wahrheit ist ganz nüchtern die, dass wir es nicht wissen.

Wer sich gerne mit Wahrscheinlichkeiten befasst, hat hier ein treffliches Betätigungsfeld. Natürlich kann man ausrechnen, wie wahrscheinlich ein Ausbruch zu unseren Lebzeiten ist, wenn man die Ausbrüche der Vergangenheit als Grundlage dieser Berechnungen verwendet. Allerdings ist überhaupt nicht sicher, ob es darauf überhaupt ankommt.

Ebenso wenig wissen wir, welche Anzeichen uns in Alarmbereitschaft versetzen sollten. Man hat schon früher, z.B. im Fall Yellowstone, plötzliche Veränderungen der geologisch-tektonischen Aktivitäten beobachtet, die dann aber auch wieder abklangen und nicht bewirkten. Das heißt natürlich wiederum nicht, dass solche Beobachtungen nicht beim nächsten Mal doch ein Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch sein könnten.

Im Grunde ist die Frage für uns Normalbürger auch unerheblich. So, wie wir wissen, dass in regelmäßigen Abständen riesige Meteoriten auf der Erde einschlagen und fast alles Leben vernichten, so wissen wir nun eben auch um die zusätzliche Gefahr durch die Supervulkane.

Aber hören Sie oder ich deshalb auf, morgens aufzustehen, unser Leben zu leben und Pläne zu schmieden? Natürlich nicht. Interesse an solchen Phänomenen ist eine schöne Sache. Angst davor ist allerdings sinnlos.

Weitere Informationen über Supervulkane finden Sie bei Wikipedia.

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Rene_Junge, am 25.09.2012
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