Die Schattenseite eines Modetrends

100 Millionen Pelztiere lassen für diese Accessoires ihr Leben. Das hat das Deutsche Tierschutzbüro in Berlin ermittelt. Die Pelz-Ermittler des Tierschutzbüros haben im Rahmen der Kampagne "Pelz" im Winter zwischen 25 und 30 deutsche Großstädte besucht und Pelzträger gezielt angesprochen. Die Resonanz war dabei unterschiedlich, von bewusst egal bis zu betroffen. Besonders ältere Menschen zeigten sich sichtlich entsetzt über das Tierleid, das hinter dem Pelz steckt. Jüngere folgten häufig einem Modetrend, ohne sich zu informieren.

So billig?

Die Modebranche macht es ihren Kunden auch nicht leicht, sich über echten Pelz an Kleidung zu informieren. Laut der Pelzermittler erfinden die Labels Fantasienamen wie China Racoon oder Finn Racoon, hinter der aber immer ein Marderhund steckt. Oft wird der Pelz nicht auf dem Etikett deklariert, obwohl dafür seit 2016 mit dem Textilkennzeichnungsgesetz eine europäische Deklarierungspflicht besteht. "So billig, das kann doch kein echter Pelz sein!" Ist es aber doch! Schon an einem Schal für unter 10 Euro befinden sich zwei echte Bommel aus Pelz.

Zehn Euro kostet der Schal mit den echten Fellbommeln

Das Leid

Für die pelzigen Accessoires werden Marderhunde, Waschbären, Füchse und Kojoten auf riesigen Farmen in engen Drahtkäfigen gehalten. Durch das Laufen auf dem Drahtgitter laufen sie sich die Pfoten blutig. Der enge Käfig und die Nachbarschaft der Wildtiere zu ihren Käfignachbarn erzeugt Stress und Aggressionen. Das Tierschutzbüro zeigt dazu einen Film auf seiner Website. Die Leidenszeit dauert sechs bis acht Monate. Dann werden die Tiere durch Stromschläge und Gaskammern getötet oder werden laut Tierschutzbüro einfach zu Tode geprügelt, denn die Zeit zählt bei der Fellgewinnung nicht. Die Arbeitskräfte erhalten laut Tierschutzbüro 70 Cent pro Fell. Die Verkaufsspanne bis zum Endverbraucher reicht aber bis zu 400 Euro.

Die Pelz Ermittlerin auf der Suche ...

Die Pelz Ermittlerin auf der Suche nach echtem Pelz (Bild: us/privat)

Kunstfell und Echtfell unterscheiden

Die Pelz Ermittler fordern: Tierqual darf nicht mehr bewusst oder unbewusst mit dem Kauf von Pelzprodukten unterstützt werden. Sie klären in ihrer Kampagne auf, wie Echtpelz und Kunstpelz unterschieden werden können.

  1. Bei echtem Fell bewegen sich die Haare mit jedem Windhauch. Kunstfell wirkt dagegen eher steif.
  2. Echtes Fell hat unter dem Deckhaar eine gekrauste Unterwolle, die das Tier vor Kälte schützt und es trocken hält. Diese fehlt bei Kunstfell.
  3. Beim Auseinanderziehen des echten Fells wird das weiße Leder sichtbar. Bei Kunstfell zeigt sich das textile Gewebe, in das die einzelnen Haare eingewebt sind.
  4. Die letzte Möglichkeit ist die Feuerprobe. Ein verbranntes Haar aus echtem Pelz riecht nach Horn.

Information der Verbraucher steht für die Pelz-Ermittler an erster Stelle (Bild: us/privat)

Bewusst einkaufen

Zahlreiche Modeketten haben sich bereits verpflichtet, weniger Produkte mit Pelz anzubieten. Eine Liste dazu findet sich im Internet. Das Label Wellenstein produziert Jacken nur mit Webpelz, der echtem Pelz zum Verwechseln ähnlich sieht. Achten Sie beim Einkauf auf die Etiketten oder fragen Sie beim Verkäufer gezielt nach. Stellt sich ein Fellimitat als Echtpelz heraus und ist der tierische Bestandteil nicht auf dem Etikett angegeben, dann haben Sie das Recht, das Kleidungsstück zurückzugeben, wenn Sie keinen echten Pelz kaufen wollten.

 

Die Tieraktivisten raten auch vom Kauf von Kunstfell ab, weil dieses den Felltrend unterstützt. Mehr Infos gibt es unter Tierschutzbüro Berlin, einer bundesweiten und weltweit tätigen Organisation, die sich für die Rechte von Tieren einsetzt.

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