As Time Goes By…

Wer kennt sie nicht, die berühmte Szene am Piano aus dem Film "Casablanca"? In vielen alten Filmen spielt ganz im Hintergrund ein Mann am Klavier oder ein Flügel eine kleine Nebenrolle. Das hat einen ganz einfachen und ziemlich romantischen Grund: Männer, die Klavier spielen konnten, galten immer schon als Herzensbrecher. Natürlich hat sich das im Zuge der Gleichberechtigung heute geändert.

Aber bleiben wir doch zunächst beim Film: Bereits in der Stummfilmzeit war es Klaviermusik, welche die Stimmung der Zuschauer während der Vorstellung beeinflusste, indem sie die einzelnen Szenen untermalte. Jedes Kino engagierte dazu einen Klavierspieler. In dieser Zeit war die Beherrschung der oft billigen, schlecht gestimmten Instrumente eine wahre Kunst, die oft auf Improvisationen zurückgreifen musste.

Ein Klavier kaufen konnten sich vor wenigen Jahrhunderten nur sehr wohlhabende Familien. Es galt schlichtweg als Prestigeobjekt. Der Korpus antiker Klaviere ist daher nicht selten mit schönen Schnitzereien oder Intarsienarbeiten verziert. Oft waren sie seitlich noch mit Kerzenhaltern versehen, denn elektrisches Licht gab es noch nicht. Die weißen Tasten wurden damals noch aus Elfenbein geschnitzt, die schwarzen Tasten aus dem harten Ebenholz. Das Material musste auch bei verschiedenen klimatischen Bedingungen formstabil bleiben. Heute werden Kunststoffe verwendet.

Klavier spielen dagegen konnte bald jeder aus dem Mittelstand erlernen. Es gehörte sogar zum guten Ton in der feinen Gesellschaft. Klaviernoten fanden sich daher in fast jedem Haushalt. So wurden insbesondere junge Damen im Klavierspiel unterrichtet. Es galt als schick, geladenen Gästen oder der Familie nach dem Essen noch ein kleines, privates Konzert bieten zu können.

Der Unterricht erfolgte privat. Oft verdienten sich professionelle Musiker als Lehrer der "höheren Töchter" zwischen den einzelnen Engagements ein kleines Zubrot. Auch Küster, die sonst nur die Orgel in der Kirche bedienten, waren als Lehrer gern gesehen.

Das berühmte Klavierspiel aus "Casablanca"

Die Familie der Tasteninstrumente

Der Oberbegriff "Klavier" gilt für alle Instrumente, bei denen ein Hämmerchen eine Saite anschlägt. Somit sind Flügel (auch Piano oder Grand Piano genannt) und das Klavier (Pianino) eng verwandt, während die Orgel ihre Töne durch Pfeifen erzeugen. Natürlich unterscheidet allein die Bauform beide Instrumente. Der elegante Flügel wirkt auf den Blick wesentlich wertiger als der kastenförmige Bau eines Klaviers. Bei letzterem verlaufen die Saiten vertikal, beim Flügel oder Piano horizontal.

Die kleinen Vorläufer von Orgel und Klavier nennt man Cembalo und Spinett. Das Cembalo wurde als Konzertinstrument entwickelt und nimmt seinen Platz in den allerersten Sonaten ein, während das Spinett für die Hausmusik gedacht war. Sein dünner, spezifischer Klang ist bis heute unverwechselbar, denn hier werden die Saiten durch einen Federkiel angerissen. Trotzdem sind beide Instrumente fast gänzlich aus der Musikwelt verschwunden.

Eine besondere Stellung nimmt das Harmonium ein. Für manche ist es eine Art Zwitter zwischen Klavier und Orgel. Hier werden die Töne mit verschieden langen Durchschlagzungen erzeugt, die von Luft umströmt und damit in Schwingung versetzt werden. Das Harmonium wird heute kaum noch gebaut und ist fast nur noch in Museen zu bewundern. Für all diese Instrumente kann man jedoch Klaviernoten verwenden. Allein das Akkordeon bildet hier eine kleine Ausnahme aufgrund der begrenzten Tasten.

Die Tastaturen bei Klavier und Flügel bestehen grundsätzlich aus 88 Tasten (52 weiße und 36 schwarze). Hinzu kommen 2-3 Pedale, wobei das rechte Pedal das Instrument lauter und das Linke es leiser klingen lässt. Beim Piano verändert sich so auch die Klangfarbe. Ein mittleres Pedal dient nur zum Dämpfen einzelner Tasten.

Ein weiterer großer Unterschied findet sich in den Resonanzböden und der Mechanik von Klavier und Piano. Je länger die Basssaiten, desto prägnanter klingen sie. Die Mechanik ist ebenfalls sehr verschieden: Beim Flügel schlägt der Hammer waagerecht und von unten an die Saite, während das Klavier eine stehende Mechanik besitzt.

Das große Piano findet man nur selten in privaten Häusern, sondern eher in den Musikzimmern adeliger Schlossbesitzer oder heutzutage in den großen Musikstudios, wo dieses Instrument ein absolutes Muss für professionelle Musikaufnahmen ist.

Ein Klavier, das sich praktischerweise an die Wand stellen lässt, kann dagegen in jedem Haus einen Platz finden. Daher auch der frühere Name "Hausklavier". Diese Instrumente für die Mittelschicht wurden oft aus günstigeren Materialien hergestellt, waren aber recht robust. Ein Klavier kaufen braucht man heute übrigens kaum noch, man kann die Instrumente mittlerweile sogar günstig mieten.

Trotzdem hat das wuchtige Klavier aus Holz heute fast überall dem wesentlich leichteren und transportablen Keyboard Platz gemacht. Auch hierfür werden normale Klaviernoten benötigt. Die elektronischen Keyboards oder Digitalpianos (auch Synthesizer) bieten heute jedoch noch viele zusätzliche Effekte und sind vor allem bei Alleinunterhaltern begehrt, ersetzen sie doch bei ihren Auftritten fast eine ganze Combo.

Während man für das Klavier noch echte Fingertechnik und den Einsatz von Akkorden und Tempi erlernen musste, ist die Bedienung eines Keyboards wesentlich einfacher. Das sorgte in der modernen Zeit für einen Anstieg an Hobbymusikern und Nachwuchsbands.

Spinett

Spinett (Bild: Pixabay.de)

Klavier und Kultur

Natürlich macht die Technik auch vor diesem Bereich nicht halt. Musste man früher noch ins Musikhaus, um Notenhefte zu kaufen, so ist es heute möglich, diese im Internet zu downloaden. Auf diese Weise kommt man an immer neues Übungsmaterial oder findet man seltene Stücke, die heute gar nicht mehr in gedruckter Form aufgelegt werden und kann seine eigenen Fähigkeiten verfeinern.

Alle musikalischen Genres wurden stark von Tasteninstrumenten beeinflusst. Auf jedem Klassikkonzert sieht man natürlich die eleganten Flügel im Mittelpunkt stehen, doch gerade unsere populäre Musik nahm ihren Ursprung am Klavier: Ragtime, Jazz, Country – ja, selbst der Rock'n Roll wäre ohne das gute, alte Holzklavier nicht denkbar gewesen. Es sind diese 88 Tasten, die unsere kulturelle und musikalische Entwicklung ermöglicht und geprägt haben.

Selbst der Orgel gebührt ein nicht minderer Teil daran. Sie beeinflusste die sakralen, musikalischen Formen und erlebt heute mit den immer beliebter werdenden Orgelkonzerten in den Kirchen ein modernes Comeback.

Früh übt sich

Ein Instrument zu erlernen ist der Wunsch vieler Kinder und die geförderte, musikalische Früherziehung ließen Musikschulen wie Pilze aus dem Boden sprießen. Hier lernen Kinder und Jugendliche neben dem Notenlesen natürlich auch Klavier spielen – eines der beliebtesten Unterrichtsfächer. Von einfachen Etüden bis zu professionellen Stücken gibt es natürlich auch für junge Musiker eine reiche Auswahl an Klavierstücken. Wer die ersten Erfahrungen in einer Musikschule sammelt, der hat es später leichter mit der Gründung seiner eigenen Band – der Traum vieler Teenager.

Ein Klavier kaufen werden sich allerdings die wenigsten Musikschüler, viele werden dafür eher auf das Keyboard umsteigen. Das liegt allerdings auch an der Tatsache, das Klavierspiel in einer Mietwohnung nicht gerne gesehen wird. Und wenn es erlaubt ist, dann nur zu bestimmten Zeiten. Ein konsequentes Üben wird damit fast unmöglich gemacht. Dagegen bieten die modernen Digitalpianos die Möglichkeit zum Anschluss eines Kopfhörers, so dass nur der Spieler akustische Signale empfängt und andere Mieter nicht gestört werden.

Zur Klaviermusik gehört nicht nur das Spielen nach Noten, natürlich auch eigene Interpretationen bestimmter Stücke. Diese Kunst erfordert nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch ein gutes Gehör und Gefühl für die Musik. Wer dann später einmal eigene Titel komponieren kann, legt den Grundstein für seine musikalische Karriere. Fast alle bislang bekannten Musikstücke – und nicht nur die Klassiker - wurden zunächst am Piano komponiert und dann für andere Instrumente transponiert.

Die Sprache des Klaviers

Seit dem 17. Jahrhundert – dem Jahr der Erfindung des Hammerklaviers - bestimmt das Italienische die klassische Notensprache, auch bei den Klaviernoten. In dieser Sprache werden heute noch die Abstufungen beim Spiel auf den Notenblättern definiert, z. B. "Adagio" für langsames Tempo oder "Allegro" für heiteres, schnelles Spiel. Erst im 19. Jahrhundert fügten deutsche Komponisten wie Brahms, Mahler oder Schubert zusätzlich deutsche Begriffe ein. Zuvor war es Beethoven, der in einigen seiner Sonaten deutsche Anweisungen verwendete.

Eine exakte Hilfe bei der Tempofindung liefert das Metronom, erfunden von Johann Nepomuk Mälzel in den Jahren 1814 bis 1816. Ein solches Metronom ist noch heute eine wesentliche Hilfe für alle Klavierschüler.

 

Klavierbau als Leidenschaft

Zu den bekanntesten Klavierbauern gehört die Firma Steinway & Sons. Ihre patentierten Konstruktionen sind seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausschlaggebend im Klavierbau und wurden bis heute kaum verändert. Steinway bekommt jedoch um 1900 massive Konkurrenz durch die Firma Bösendorfer, die ihren "Imperial" Flügel nach unten auf 97 Tasten erweitert hat und somit volle 8 Oktaven erreicht. Mit 2,90 m Länge ist dieses Instrument das bislang längste Piano der Welt. Beide Firmen prägen den Klaviermarkt bis heute, auch wenn Bösendorfer inzwischen von Yamaha übernommen wurde.

 

Autor seit 6 Monaten
9 Seiten
Laden ...
Fehler!