Die Hintergrundgeschichte zum Sardinenfest in Lissabon

Der heilige St. Antonius von Padua hatte es zu Lebzeiten, um das 13. Jahrhundert, nicht leicht. Während seiner Pilgerzeit in Rimini fehlte es ihm schlicht und ergreifen an gottesfürchtigen Zuhörern. Frustriert und mit hängendem Kopfe begab er sich zum Ufer des Mittelmeers und klagte dort Gott sein Leid. Nach und nach erhoben unzählige Fische ihre Köpfe aus dem Wasser und lauschten andächtig seinen Worten. Dass diese recht eigenartige Vorstellung nicht lange unbemerkt bleib, ist kaum verwunderlich. Ganz Rimini sammelte sich um den Pilger und lauschte seinen Worten. Die Popularität des heiligen St. Antonius nahm seit diesem Tage rapide zu.

Als Nachschlagewerk über St. Antonius
Hundert St. Antonius Geschichten: Nach wahrheitsgetreuen ...

Ich persönlich kann den Bogen zu diesem wunderlichen Ereignis nicht ganz zum hemmungslosen Sardinen-Geschlemme in Lissabons Straßen schlagen. Wahrscheinlich waren die damaligen Bewohner Riminis praktisch veranlagt. Sie haben wohl nach dem Zuhören die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und alle in der Stadt befindlichen Netze ausgeworfen

Gelebte Traditionen, geschmückte Gassen und ... Sardinen!

Alfama gilt mit seiner 3000-jährigen Geschichte als eines der ältesten Stadtteile Europas. Wie lange das Sardinen-Fest schon gefeiert wird, ist mir leider unbekannt, doch schaut man sich die Riten an, die mit dieser Festivität einhergehen, können die beiden Entstehungsgeschichten nicht so weit auseinanderliegen. Im Juni kleidet sich Alfama in unzählige Girlanden, Lichterketten und Papierlaternen. St. Antonius gilt als der Verkuppler unter den Heiligen. Dies veranlasst junge und allein stehende Damen, sich dem Mund so lange mit Wasser zu füllen, bis sie im Geiste den Namen des Zukünftigen ins Ohr geflüstert bekommt. Weniger aufregend ist es, die Namen der Verehrer auf Papierstückchen zu schreiben, diese einzurollen und in eine mit Wasser gefüllte Schüssel unters Bett zu stellen. Die Papierrolle, die sich am nächsten Tag aufgerollt hat, lässt keine Fragen offen.

Alfama feiert seinen Schutzpatron St. Antonius
 näher kommt man Land und Leute ...

... näher kommt man Land und Leute selten.

Wenn gar nichts mehr hilft, wird die persönliche Statue des Heiligen kurzum mit dem Kopf in die Erde gesteckt und erst wieder aus dieser misslichen Lage befreit, wenn St. Antonius einen richtigen Partner für die verzweifelte Lady gefunden hat.(Erst hört ihm keiner zu, und dann so was!) Als Resultat zählt der Zeitraum des Sardinenfestes zu den angesagtesten Heiratsterminen des Landes.

Ein Städtetrip nach Lissabon im Juni ...

... kommt ohne einen Besuch auf dem Sardinenfest nicht aus. Fast vor jedem Haus steht ein Grill, auf dem die kleinen schmackhaften Fische liegen. Traditionelles Grillen mit einem Schwenkgrill oder einem typisch portugiesischen Grill in Hochofenform ist angesagt. Die Stimmung in den Gässchen ist unglaublich ausgelassen und fröhlich. Es gibt natürlich zu Ehren des heiligen St. Antonius eine Prozession entlang der Avenida de Liberdade, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Rotwein fließt n Strömen und Fado klingt aus fast jeder Haustüre.

Da mir beim Geruch von gegrillten Sardinen schlecht wird, werde ich unser erstes Sardinen Fest in Lissabon mit Nasenklammer und viel Rotwein auf unserem Balkon in Alfama verbringen, und so dem bunten Treiben beiwohnen.

Das Sardinenfest in Alfama

Sardinen, Rotwein und Fado

Weiter Infos, Tipps und Erlebnisse von den Hagenz in Lissabon, finden sich auf unserem neuen Lissabon Blog: http://lissabon4insider.com/

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