Inge Meysel als Mutter Wolff (Bild: tv spielfilm)

Die Protagonisten

Frau Wolff (Inge Meysel) ist eine tüchtige Waschfrau mittleren Alters, deren ganzer Stolz zwei Töchter sind. (Zumindest das wissen wir sicher.) Sie ist keine ganz sanfte Persönlichkeit und kann ordentlich austeilen. Sie ist mit Julian Wolff verheiratet, einem etwas langsamen aber gemütlichen, wohlmeinenden älteren Mann, dessen Fähigkeiten sehr begrenzt erscheinen. Ihm scheint wohl ab und an ein Häschen in die Falle zu gehen, was auch die Fangschlingen vermuten lassen.

 "Die Wolff" hat eine Tochter, Leontine, als Hausmädchen bei Krügers untergebracht, der sie nach eigenen Aussagen geschunden hat, was wohl bedeutet, dass sie sich überarbeitet hat. Möglicherweise hatte sie Angst und lief deshalb weg. Frau Wolff, eine erfahrene Frau, wollte sie zuhause behalten. Julian, ihr Vater, ist dagegen.

Die Jüngere, Adelheid, ist noch nicht in Diensten, aber dabei, in einen Haushalt zu gelangen. Frau Wolff bietet sie Herrn Dr. Fleischer (Paul Edwin Roth) an. Sie rezitiert gern Gedichte und hat Freude an der Schule.

 

Ein Ehepaar Motes findet eine Drahtschlinge in der Nähe des Hauses, womit wohl ein Hase seinen frühzeitigen Tod fand, der in den Töpfen der Frau Wolff landete, wovon sich der Herr Motes (Konrad Georg), ein Mann mit nur einem Auge selbst überzeugen wollte, aber daran gehindert wird. Als das Ehepaar eintrat, wollte es seine Rechnung bezahlen, was wohl dahingehend verstanden werden kann, dass sie ewig und einen Tag anschreiben lassen und Lebensmittel mitnehmen. So auch dieses Mal – sie nehmen Eier und Brot mit, aber sie bezahlen die rund 12 Mark wieder nicht.

 

Der Amtsvorsteher Wehrhahn (Ernst Schröder), der ist in seinem Büro, für eine ganze Menge Dinge zuständig: Diebstahlsanzeigen, Hochzeitsaufgebote etc., alle möglichen Amtshandlungen werden protokolliert und von seinem Sekretär verwaltet wird. Zu seinen Stammkunden zählt Haubesitzer, Bürger und Rentier Krüger (Fritz Wagner), der sich stets über etwas aufzuregen breit ist, weshalb er vom Amtsvorsteher, einem Baron und ranghohen Militäroffizier, als Querulant betrachtet wird. Von Frau Wolff hält er aber verdächtig viel. 

 

Handlung - trickreich und hintergründig

Die in starkem Berliner Dialekt sprechende Frau Wolff kommt mit dem erlegten Rehbock nachhause und findet ihre Tochter Leontine in der Stube vor, die sich weigert, ihrer Herrschaft die Fuhre Holz nach dem Dienst noch hereinzuräumen. Frau Wolff hat zunächst gar kein Verständnis dafür, entscheidet sich dann aber um und lässt sie zuhause übernachten.

Der Rehbock wird von einem Mann, Wulkow, offenbar einem Seemann, angekauft und dieser nimmt ihn auch gleich mit. Danach trifft der Amtsdiener Mitteldorf ein, der sich mit "Frau Wolffen", wie er sie nennt, unterhalten möchte. 

Der "dämliche Motes", wie ihn Frau Wolff nennt, trifft mit seiner Frau bei Frau Wolff in der Küche ein. Er scheint ein Spion zu sein und möchte wissen, was das für eine Schlinge ist, die er gefunden hat. Es wird deutlich, dass es eine kleine Missstimmung zwischen Herrn Motes und Frau Wolff gibt. Er redet darüber, welche (Personen) "er denunziert" hat. Er ist offenbar Redakteur geworden und es scheint auch dunkle Punkte in der Vergangenheit - oder Gegenwart - zu haben. "Mutter Wolff" gibt ihr Eier von ihren Hühnern und Brot mit. Zahlen tut sie die Lebensmittel erst wieder nicht nicht. Als sie gegangen sind gibt Mutter Wolff zu, dass sie Herrn Motes für gefährlich hält, weil er nur auf die anderen aufpasst.

Frau Wolff und Julian haben anscheinend ein Grundstück gekauft, für das sie abzahlen. Beim Essen wird klar, dass Frau Wolff ihren Julian dazu anstiftet, das Holz des Krügers zu holen, das ihre Tochter nicht reingeräumt hat. Mitteldorf trifft ein und richtet aus, dass sie zur Frau des Amtsvorstehers waschen gehen soll. Mitteldorf gesteht, dass der Amtsvorsteher ihn gekündigt hat. Sie holen gemeinsam Krügers Holz. Das ist das Mindeste, das er geben kann ...

 

Das Buch von Gerhard Hauptmann

Das Sozialdrama

 

Das gezeigte Werk entstand nach einem Roman von Gerhart Hauptmann, der zu den beliebten deutschen Roman- und Novellenautoren des 20. Jahrhunderts zählt. Der Film lässt ein unterschwelliges Geschehen vermuten, das Frau Wolff indirekt als Kupplerin überführt, doch letztlich auch eine, die sich an diese Form des Handels zunutze gemacht hat, möglicherweise sogar von dem Fehl anderer profitiert. Man kann nur anhand der Wendungen vermuten, dass ungezeigtes Geschehen Wendungen verursachen. Es scheint einen regen Austausch der Töchter als Dienstmägde in den Haushalten gegeben zu haben. Als Waschfrau weiß ich auch um die Geheimnisse, die die Frauen oft zu verbergen trachteten. Vielleicht auch ihre Töchter, zu denen sie gewieft steht.

 

"Der Biberpelz. Eine Diebskomödie" lautet der Titel des 1893 entstandenen Dramas, das im September 1893 in Berlin uraufgeführt wurde. Es galt als sozialkritisches Drama, aber auch als Milieustudie, die stark von Einflüssen des Naturalismus geprägt scheint und stark an die Macht der Bildung glaubt, mit der Frau Wolff ihre Sicht rechtfertigt, sich offenbar über andere zu stellen. Die Schlauheit aber ist eher der Marke "Bauernschläue", weniger des erlernten Genies. Ein Mundwerk hat sie aber, die Frau Wolff, mit dem sie sich die Wahrheit zurechtbiegt, bis sie ihr passt. Und was sie noch hat, ist einen Biberpelz, den ihre Tochter angeblich gefunden hat.

 

Der Biberpelz galt einst als wertvolles Handelsgut, der sogar als Zahlungsmittel eingesetzt worden war. Es scheint aus der Tradition der Indianer zu stammen, ein Biberfell nach der Qualität zu beurteilen und regen Pelzhandel zu betreiben. Die Felle wurden in erster Linie in der Bekleidungsindustrie verwendet.

 

Es ist interessant, sich die Situation, die sich vor rund 100 bis 150 Jahren, in Deutschland, mitunter auch hierzulande bot, vor Augen zu führen. Oftmals hat man heute noch das Gefühl, dass sich das der Rechtsanspruch auf Sozialleistungen noch nicht im Denken und Fühlen der Bevölkerung verankert hat. Frau Wolff hat ihre Mädchen behalten. Womöglich müsste sich der oder die Diebin heute für den Klau verantworten. Ein Lehrstück. 

Autor seit 2 Jahren
135 Seiten
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