Der Wanderer

Der Wanderer (Bild: Decca/Patrick Walter)

Der Wanderer

Dem Klassikportal crescendo beschrieb Andreas Scholl die ständige Gratwanderung eines Countertenors:

"Sie haben Recht, Countertenöre sind seit Jahren sehr populär, inzwischen sind wir im Bewusstsein der Hörer etabliert. Wir sind viel akzeptierter als noch in den fünfziger oder sechziger Jahren. Ich habe gerade die Biografie des Countertenors Alfred Deller (1912-1979) gelesen. Der hatte noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zu seiner Zeit war die Konvention, wie sich die Geschlechter zu verhalten haben, viel strenger. Heute sind die Menschen von uns nicht abgeschreckt, sondern fasziniert"

Was aber hat den Sänger, der im Barock sich so heimisch und getragen fühlt bewogen, neue musikalische Wege mit Schubert, Brahms und Mozart zu beschreiten? Da singt ein Countertenor 'Das Veilchen' von Mozart oder Schuberts 'Der Tod und das Mädchen', und, ja, es ist ein Wagnis gewesen für Andreas Scholl, und, ja, es hat sich wieder einmal bewiesen, dass die faszinierenden Stimmfarben einer männlichen Kopfstimme ebenfalls Lieder von Schubert, Brahms und Mozart hervorragend klingen lassen. Unterstützt und begleitet wird Scholl auf dieser musikalischen Reise von der kongenialen Klavierpartnerin Tamar Harperin, die mit feinen Schattierungen eine unaufdringliche Begleiterin ist, wie in der `Abendempfindung' von Mozart, oder Franz Schuberts `Du bist die Ruh`.

Ein romantisches Repertoire 

Der Schritt hin zum romantischen Liedgut, weg von der Koloraturenpracht des Barock, ist zweifellos ein Wagnis gewesen für einen, der sich bei Händel, Bach und Purcell heimisch fühlt;  Andreas Scholl hat diesen Eintritt in eine für ihn neu zu erobernde Welt mit Bravour gemeistert, was man schon nach wenigen Takten von 'Der Wanderer' beeindruckt zur Kenntnis nimmt. Da wird dieses Sehnen und Seelenvolle der Romantik gefühlvoll und pointiert vorgetragen, so, als hätte der Countertenor nie anderes gesungen. Mit 'Das Veilchen', oder 'Im Haine' finden wir Lieder, die längst schon als Volkslieder gelten dürfen, ebenfalls etwa 'Da unten im Tale', die Andreas Scholl mit Ausdruck und innerem Empfinden phrasiert und uns mit klarer, reiner und klangschöner Countertenorstimme in die romantische Welt entführt. 

  • Bild/Titel (© Decca / James McMillan)

 



 

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