Eine Brainmap

Ein Versuch, die Fakten zu ordnen.
Wer ist der Dalai Lama. Was sind seine Kernaussagen?
Was ist der Unterschied zwischen tibetischer und abendländischer Religion?
Warum sollen wir plötzlich die Religion über Bord werfen? Was bietet uns Herr Lama als Ersatz an?

(Bild: schreibspass bei Pagewizz)

Der heilige Vater und Lehrer

Die tibetische Bedeutung des Eigennamens soll "ozeangleicher Lehrer" bedeuten (*).
Beim Wort Ozean denkt mancher Leser vielleicht an die Milchstraße. Der Dalai Lama trägt demnach das Wissen des Universums in sich, und er gibt dieses Wissen wie ein wohlwollender Lehrer an die weniger wissenden Menschen seiner und der folgenden Generationen weiter. Dies ist ein schönes Bild. Außerdem haben manche Asiaten eine sehr unterschiedliche Vorstellung vom Lehrer als wir von unseren "Paukern". In Asien wird er Lehrer als eine höchst verehrenswerte Person betrachtet.

Der Herr Lama lehrt uns also das Wissen des Weltalls. Er vertritt in Tibet eine besondere Schulrichtung. Offenbar gibt es in dieser fernen Glaubensgemeinschaft auch verschiedene Strömungen, vielleicht vergleichbar der katholischen und der protestantischen Lehre bei uns?

Jedenfalls vertritt der Dalai Lama eine bestimmte Glaubensrichtung. Der Titel ist noch gar nicht so alt. Das Alter von Bezeichnungen für religiöse Lehrer vermutet mancher vielleicht mit mehreren Tausend Jahren. Der Titel des Lama wurde allerdings erst um das Jahr 1600 geschaffen (*). Ein mongolischer Fürst verlieh seinem spirituellen Lehrer damals diese Ehrenbezeichnung.

Der kleine Unterschied lässt aufhorchen. Ist ein spiritueller Lehrer von anderer Wertigkeit als sein religiöser Lehrer? Möglicherweise liegt in dieser Unterscheidung schon ein Samen für die heutige Aussage des Dalai Lama über Religion und Ethik.

Der Dalai Lama wird auch heute noch als "seine Heiligkeit" bezeichnet.
Was bedeutet der Titel Papst? Der Papst ist der Papa seiner Gefolgsleute. Er wird auch als "Heiliger Vater" angesprochen. Aha, der Dalai Lama ist also eine Art von Papst. Jetzt hat man als abendländischer Leser zumindest eine Beziehung hergestellt. Es fragt sich nur, ob diese Gedankenbeziehung richtig ist.

Der Dalai Lama hat ein besonderes Wissen. Er ist nämlich 14 Leben alt. Die Funktion des Lama wird in neuen Menschen immer wiedergeboren (*). Das Wissen von 14 Leben kann man mit einer Menge an Input verbinden. Was hat dieser freundliche Mensch uns denn zu sagen?

Mitgefühl. Fürsorge.

Der jeweilige Lama ist die Wiedergeburt eines Gottes, der das Mitgefühl repräsentiert. Mitgefühl ist nicht Mitleid. Mitgefühl ist so etwas wie der moderne Ausdruck der "Empathie". Dies bedeutet andere zu erkennen und auf diese einzugehen. Für diese Fähigkeiten, Mitgefühl und Fürsorge, muss der Fühlende selbst "in Ordnung" sein, denn sonst kann er sich nicht mit den Bedürfnissen anderer beschäftigen (*).

Demnach muss der Dalai Lama mit sich selbst im Reinen sein. Nur so kann er sich um das Seelenheil der restlichen Menschheit seine Gedanken machen. Wie schafft er es mit sich im Reinen zu sein? Er bekommt eine intensive Ausbildung als buddhistischer Mönch (*). Er macht also eine Lehre in freundlichem Betragen und "anständiger" Lebensführung. Eine gute Ausbildung ist auch im bürgerlichen Leben Gold wert.
Der erleuchtete, oberste tibetische Mönch, eine Art Papst, erklärt den Menschen also wie sie leben sollen, damit sie froh und glücklich werden. Das kann man nachvollziehen. Solche Lehren gibt es bei uns auch.

Change!

Warum empfiehlt dieser Mann der Religion nun eben diese aufzugeben? Weil die Religionen unterschiedliche Weltbilder vorstellen. Der Mensch ist nach der Weltauffassung des Dalai Lama aber universal, also einheitlich.
Der Dalai Lama stellt die Ethik als Leitlinie für das menschliche Handeln über alle religiösen Motive. Was ist Ethik? Bei uns würde man sagen: die gute Gesinnung, also Anstand und ein moralisches Handeln. Darunter wird der Verzicht auf ein materiellen Überfluß und die Fürsorge um andere Menschen verstanden.

Damit hat man als Leser nun einigen Input, um sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Weihnachten ist ohnehin das Fest der Besinnung. Und nach Weihnachten kann eine wenig Reflexion hier und da auch nicht schaden. Der "ozeangleiche Lehrer " entführt uns in die unendlichen Weiten des menschlichen Denkvermögens und des humanen Verhaltens.

(*) Textquellen: Wikipedia/ Dalai Lama, /Empathie, /Ethik

(Bild: Photo-Mix)

Autor seit 3 Jahren
120 Seiten
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