Es muss nicht immer Fisch sein

Der bevorzugte Lebensraum des Götzenliest sind Mangroven- und Teebaumwälder, wo er gerne auf einem Baum sitzend die Umgebung beobachtet und nach Kleintieren Ausschau hält. Am liebsten sind ihm Ansitze in unmittelbarer Wassernähe. Zu seinen Beutetieren gehören Fische, Schnecken, Krebse, aber auch kleinere Reptilien sowie Insekten und Spinnen, manchmal sogar kleine Säuger und Vögel. Er ist also nicht, wie viele andere Eisvogel-Arten, auf Beutesuche im Wasser spezialisiert. Hat er ein Beutetier erspäht, fliegt er pfeilschnell herab und versucht es mit seinem großen Schnabel zu greifen. Nach erfolgreicher Jagd auf seinen Ansitz zurückgeflogen, schlägt er seine Jagdbeute mehrmals an seinen Sitz-Ast, um sie anschließend in einem Stück zu verspeisen. Außerhalb der Paarungs- und Brutzeit beansprucht jeder Götzenliest für sich allein ein Jagdgebiet, das er gegen Artgenossen energisch verteidigt.

Goetzenliest

Goetzenliest (Bild: Grafik von Liane Kuenl)

Bruthöhle – mit Köpfchen angelegt

Die Brutzeit der Götzenlieste fällt je nach Verbreitungsgebiet in unterschiedliedliche Jahreszeiten. In Neuseeland sind es beispielswiese die Frühjahrs- und Sommermonate, von September bis Dezember, manchmal sogar bis März. Meist wird zweimal gebrütet. Nachdem sich beide Partner zusammengefunden haben, legen sie in gemeinsamer Arbeit eine Bruthöhle an, am liebsten an steilen Erdabbrüchen oder Uferböschungen, manchmal auch in alten Bäumen. Mit ihren großen Schnäbeln formen die Tiere tunnelartige Höhlen, die sie immer mehr vertiefen, bis sie schließlich ganz hineinkriechen und mit ihren Füßen das gelöste Baumaterial herausbefördern können. Der Tunnel kann bis zu einem Meter lang sein. Vom Eingang aus wird etwas aufwärts gegraben, so dass in die erhöht liegende Brutkammer kein Regenwasser eindringen kann. Götzenlieste polstern das Nest nicht aus, das Weibchen legt 3 bis 6 Eier direkt auf den Boden ihrer Höhle. Wenn nach etwa 18 Tagen die Jungen geschlüpft sind, beteiligen sich Männchen und Weibchen zu gleichen Teilen an der Aufzucht. Je älter die Jungtiere werden, desto häufiger fliegen die Vogeleltern zur Nahrungsbeschaffung aus.

Beutegreifer am Nest – nicht mit einem Götzenliest

Wie alle Jungvögel sind auch junge Götzenlieste eine interessante Beute für Katzen, Krähen oder Wiesel. Allerdings ist es für Beutegreifer nicht einfach, an die Jungtiere heranzukommen. Denn die Götzenliest-Eltern sind äußerst wehrhaft und verteidigen ihre Jungen geradezu furchtlos. Durch ihre hartnäckigen Angriffe sind sie meist auch gegen wesentlich größere Raubtiere erfolgreich. Etwa 26 Tage nach dem Auschlüpfen sind die Jungtiere praktisch flugfähig. Um sie aus der Bruthöhle zu locken, stellen die Eltern die Fütterung plötzlich ein. Überrascht verlassen die hungrigen Jungtiere die Bruthöhle, und fangen selbst mit der Futtersuche an. Obwohl noch ohne Übung, ist die Selbstversorgung für die Jungvögel nicht allzu problematisch, denn Eisvögeln ist ihr Jagdverhalten angeboren. Nach dem ersten Ausfliegen gehen Jung- und Elternvögel ihre eigenen Wege.
Götzenlieste können etwa 20 Jahre alt werden. Sie sind erfreulicherweise nicht vom Aussterben bedroht.

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