Intro

Ein Wenig staubig ist das Image des Films, der sich mit den Gegebenheiten im Heimatland befasst, diese auf die Leinwand oder den Bildschirm zaubert und sich so der Überprüfung stellt. Es wird geschachert – um den Wald bei der Heirat der Jungen, die sich oft gar nicht mögen. Es wird Eifersucht thematisiert, die bei einer erfolgreichen Ehefrau ihrem Mann widerfährt, der sich dieser nicht stellen möchte, sondern sich hinter einzuhaltenden gesellschaftlichen Konventionen versteckt. Da wird das Schicksal von geschiedenen Frauen zum Thema, die um eine glücklichere Zukunft kämpfen und sich letztlich wiederverheiraten. Lange Zeit ein Tabu! Gerade für die traditionelleren Kreise der katholischen Kirche noch immer problematisch, weil nicht wirklich gelöst. Die geschilderten Situationen entstammen Filmen aus den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Von Staub kann da also gar nicht so die Rede sein! Viel mehr schafft der Film eine Brücke von der "so wie es sein soll"-Welt und der "so wie sie ist"-Welt, in der viele Personen mangels Mut oder Plan auf der Strecke blieben. Sie waren von den Veränderungen betroffen, die die Moderne mit sich brachte. Und so ist die Aufregung zu verstehen, die das Medium Film mancherorts verursacht, wenn es für Situationen lebhaft Worte und Bilder bietet, ja manchmal sogar Lösungswege!

Das Hirtenlied vom Kaisertal: ...

Das Hirtenlied vom Kaisertal: Entzückende Hauptdarsteller, schöne Bergwelt!

Die Hightime des 'Heimatfilms' waren die 50ies?

Ja. Die Republik Österreich war noch jung, die Schauspieler auch. Das in der Nachkriegszeit entstehende Kino brachte rasch eine Reihe von Publikumslieblingen hervor, mit denen sich die Jungen und Jung-Gebliebenen identifizieren konnten. Es sei in dieser Phase an den jungen Peter Alexander erinnert, der – singend und tanzend – praktisch so viel Frohsinn und Freude verstrahlte, dass die dunklen Wolken sich bald lichteten. Doch es wurde nicht nur gesungen und musiziert, obwohl die filmische Umsetzung der Operetten ein wirklich beliebtes Unterfangen war – und ein einträgliches noch dazu! In den Fünfzigern entstanden eine Reihe Filme, deren Hauptfigur eigentlich nie zur Berühmtheit gelangte. Die den Filmen innewohnende Dramatik schien es nicht zuzulassen, dass man sich mit diesen Filmen ernsthaft beschäftigte. Vielleicht entstand das "Stöhnen" damals, als es ein wenig schmalzig wurde ("Das Hirtenlied vom Kaisertal",1956) oder rasant ("Das haut hin", 1957) bis sich das Genre praktisch in einer Art irren Hektik selbst ins Absurde steigerte ("Oh diese Ferien", 1958). Lange Zeit blieb das Thema Kuppelei, die von jungen Leuten abgelehnt wird, aber von den Eltern und Großeltern gern betrieben, so es dazu Anlass gab (oder einer geschaffen wurde), Triebfeder der Handlung im Film. Oft wurde diese Ablehnung der vereinbarten Ehe und finanzieller Arrangements nicht klar als unangemessen getadelt, sondern die sich wehrende Braut im Regen stehen gelassen (Na, sie wird schon sehen, was sie von ihrer Weigerung hat!) Die eigensinnige Frau scheint überhaupt gern als Grund für Verwirrungen herhalten zu müssen. Das erstarkende Selbstbewusstsein der Frauen, die den Wirtschaftsaufschwung begleitete, scheint das Genre ganz schön in Bewegung gebracht zu haben.

Das haut hin: Der Zoologiestudent sucht und findet die Liebe im Zirkus. (Bild: https://www.rarefilmsandmor...)

60ies, noch immer tanzen – aber auch das Meer!

Es gab in den sechziger Jahren einen Hang dazu, mit schönen Bildern den Tourismus ankurbeln zu wollen. So entstanden eine ganze Reihe von Filmen, die sich mit den Vorzügen der alpenländischen Sehenswürdigkeiten – vom Badesee bis zu historisch relevanten Bauten – als Kulisse stärker identifizierten, als mit der Handlung. Das ist ein wenig schade, lässt aber auf eine gute Absicht schließen. Nicht nur die Alpengegenden, allen voran der Großglockner und das Salzkammergut, waren von steigendem Interesse, auch die "Fahrt ans Meer", die nunmehr nicht mehr per Bahn sondern in einem Wagen, vorzugsweise einem Cabrio, angetreten wurde. Diese Bilder weckten die Sehnsucht nach dem Süden, nach unbeschwertem Badeurlaub und rumalbern am Strand, nicht zu vergessen: Gelati und die anderen Köstlichkeiten der italienischen Küche. Nun, ist das noch "Heimat", werden Sie vielleicht fragen? Und sie haben recht: Der traditionelle Heimatfilm, der besetzt von heimischen Agenten und einheimischen Schauspielerinnen und Schauspielern, in heimischen Gefilden von den eigenen Kameraleuten, unter Musik und Text von ebensolchen Komponisten und Drehbuchautoren wurde mehr und mehr abgelöst: Der "HeimatAbenteuer-Film" war geboren. Da besuchten Tanten aus Südamerika plötzlich Wien, kamen Hochzeiter nach Venedig und schließlich ganze Grafen-Sippschaften wagten den Sprung in den "Wilden Westen" der USA (Graf Bobby, Der Schrecken des Wilden Westens). Es ist also aufregend geworden in den Sechziger Jahren, was zu einer Rückbesinnung in den Siebzigern führte. Verstärkt wurden wieder traditionelle Themen und geradezu die "wilde Bergwelt" zum Thema, das aber diesmal weniger von der rauhen Natur, die Unwetter und Lawinen bringt, sondern eher von der menschlichen Seite, die die Kinder in die Fremde schickt und jener, die es ermöglicht, innerhalb von Dörfern oder Familien erbitterte Feindschaften entstehen zu lassen.

Magst Du 'Heimatfilme'?

Autor seit 2 Jahren
123 Seiten
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